{"id":4308,"date":"2010-09-11T00:08:30","date_gmt":"2010-09-10T22:08:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4308"},"modified":"2010-09-11T00:08:30","modified_gmt":"2010-09-10T22:08:30","slug":"rund-um-meine-eltern-eine-burg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4308","title":{"rendered":"rund um meine eltern eine burg"},"content":{"rendered":"<p>Den 2009 in der edition  exil erschienenen zweisprachigen Gedichtband von Mircea Lacatus habe ich vor einem Jahr nach der Pr\u00e4sentation von Seher Cakirs &#8220;Zitronenkuchen f\u00fcr die sechsundf\u00fcnfzigste Frau&#8221; von Christa Stippinger geschenkt bekommen.<br \/>\nEin bisserl lang hat es gedauert, bis ich ihn bespreche, das Lesen hat sich aber gelohnt.<br \/>\nGesehen habe ich den 1962 in Transsylvanien geborenen Dichter und Bildhauer 2007, das erste Mal, als er im Amerlinghaus den Lyrik Exil-Literaturpreis bekommen hat.<br \/>\nMircea Lacatus lebt seit 1990 als freischaffender K\u00fcnstler in Wien und schreibt in seinen Poemen, die von Aranca Munteanu aus dem Rum\u00e4nischen \u00fcbersetzt wurden, in einer sehr frischen Art von seinen Eltern, der Geliebten, der Kreuzigung, dem Konzentrationslager und vom U-Bahnfahren.<br \/>\nGisela von Wysocky meint in ihrem Nachwort &#8220;Mircea Lacatus nimmt uns in seinen Gedichten mit auf eine Reise. Sie dokumentieren eine Gangart, die man als poetisches \u00dcberfliegertum bezeichnen k\u00f6nnte. Die zentralen Metaphern dieser hochpoetischen Fortbewegungsmittel: Fl\u00fcgel, Pferde Begschuhe&#8230;<br \/>\nHier ein paar Beispiele:<\/p>\n<p>ich bin sicher<br \/>\nVater verlie\u00df und nach und nach wir wussten es nicht<br \/>\nsein herz packte jeden tag einen koffer<br \/>\nund brachte ihn zu den verwandten zu seinen eltern<br \/>\nzu seinen br\u00fcdern die auch schon lange von uns gegagen waren<br \/>\nals er sein letztes b\u00fcndel nahm war ich nicht zu hause<br \/>\ner warf es \u00fcber die schulter ging und sagte es sei besser so<br \/>\nbesser ich sehe ihn nicht denn ich w\u00fcrde sicher versuchen ihm zu folgen<\/p>\n<p>verw\u00fcnschung<br \/>\nsohn hast du ein liebchen<br \/>\nhab ich vater warum<br \/>\num deine seele an dich zu binden<br \/>\ndeshalb<\/p>\n<p>meine mutter die zigeunerin<br \/>\nmeine mutter liebte meinen vater<br \/>\nsie wu\u00dfte wie man einen webstuhl baut<br \/>\nsie webte flickenteppiche f\u00fcr das ganze haus<br \/>\nmeine mutter wusste wie man eingelegte tomaten gurken paprika ansetzt<br \/>\nsie konnte nicht lesen und nicht schreiben<br \/>\nsie schrieb aber auf herzen und las in den augen<br \/>\nhandlesen tat sie ungern denn<br \/>\ndort gab es einen ort an dem sie dem tod begegnete<\/p>\n<p>pieta<br \/>\nwill ich an vater denken<br \/>\nwie er im hof auf einem stuhl sitzt<br \/>\nund mein h\u00f6lzernes schwert repariert<br \/>\ndas ich vor langer zeit<br \/>\nin einer schlacht zerbrochen hab<\/p>\n<p>brief aus dem Konzentrationslager<br \/>\nwas w\u00fcrdest du sagen<br \/>\nwenn du siehst dass ich fast zum skelett geworden bin<br \/>\nnur die sehnsucht nach dir hat mich verw\u00fcstet<br \/>\naber ich bin wieder auf den beiden<br \/>\nwenn ich deinen warmen k\u00f6rper sp\u00fcre<br \/>\nder mich jeden abend umarmt<br \/>\nund deine sanfte stimme singt mir leise ins ohr<br \/>\npoeme von rilke<\/p>\n<p>noch ein gedicht f\u00fcr mutter<br \/>\nsiehst du mutter<br \/>\nder fr\u00fchling kommt auch ohne dich<br \/>\ndu hast uns reicher an zeit und<br \/>\num einen gott \u00e4rmer<br \/>\nhinterlassen<\/p>\n<p>r\u00fcckkehr<br \/>\nlies mir aus der hand mutter<br \/>\nsieh doch meine immer noch sch\u00f6nen handfl\u00e4chen<br \/>\nbetrachte meine lebenslinie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den 2009 in der edition exil erschienenen zweisprachigen Gedichtband von Mircea Lacatus habe ich vor einem Jahr nach der Pr\u00e4sentation von Seher Cakirs &#8220;Zitronenkuchen f\u00fcr die sechsundf\u00fcnfzigste Frau&#8221; von Christa Stippinger geschenkt bekommen. 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