{"id":43560,"date":"2016-04-30T00:53:48","date_gmt":"2016-04-29T22:53:48","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=43560"},"modified":"2016-04-30T00:53:48","modified_gmt":"2016-04-29T22:53:48","slug":"schimpfen-wie-ein-echter-wiener","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=43560","title":{"rendered":"Schimpfen wie ein echter Wiener"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Reihe <a href=\"http:\/\/www.holzbaumverlag.at\/sweew\/\">&#8220;Stadtbekannt&#8221; aus dem &#8220;Holzbaum-Verlag&#8221;<\/a>, die ja schon einige &#8220;Wien-B\u00fccher&#8221;, wie &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/28\/unnutzes-wien-wissen\/\">Unn\u00fctzes Wien <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/19\/unnutzes-wienwissen-2\/\">Wissen&#8221;<\/a>,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/05\/kaffee-in-wien\/\"> &#8220;Kaffee in Wien&#8221;<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/30\/fruhstuck-und-brunch-in-wien\/\">&#8220;Fr\u00fchst\u00fccken in Wien&#8221; <\/a>oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/28\/wiener-gratzl-josefstadt\/\">&#8220;Wiener Gr\u00e4tzel Josefstadt&#8221;<\/a>, bzw.<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/05\/wiener-graetzl-siebensternviertel\/\"> &#8220;Siebenstern&#8221;,<\/a> herausgegeben hat, ist jetzt ein\u00a0 &#8220;Schimpfw\u00f6rterbuch&#8221; oder ein Buch \u00fcber das Schinmpfen herausgekommen.<\/p>\n<p>Nun bin ich, obwohl ich \u00f6fter, auch hier im Blog<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/28\/studentenlesung-ii\/#comments\"> beschimpft werde<\/a>, keine, die gerne schimpft und auch keine, die wirklich Dialekt spricht, hat ja meine Mutter darauf geachtet, da\u00df ich mich immer in Hochdeutsch ausdr\u00fccke, um es einmal im Leben besser zu haben.<\/p>\n<p>Ich verstehe aber\u00a0 Dialekt, mag ihn eigentlich auch, nicht unbedingt die Schimpfw\u00f6rter &#8220;Heast Oida, schleich, di!&#8221; oder so und denke, da\u00df er sich auch wandelt, so bin ich mir gar nicht so sicher, ob alles, was in dem Buch zu finden ist, wirklich noch angewandt wird und ob zum Beispiel bei den W\u00fcrstlst\u00e4nden, die ja oft schon durch Kebab-Buden und Aisa-Nudeln-St\u00e4nde ersetzt wurden, &#8220;A Eitrige mit an Buckl und an Patzn Senf&#8221; verlangt wird.<\/p>\n<p>Aber sch\u00f6n der Reihe nach.<\/p>\n<p>Das Impressum wird mit &#8220;Wer das Buachl verbrochen hat&#8221; \u00fcbersetzt, sonst k\u00f6nnte ich an den \u00dcbersetzungen einiges aussetzen, beziehungsweise w\u00fcrde ich das Wienerisch Hochdeutsch und nicht Nord- Bundesdeutsch oder \u00fcberhaupt geschraubt \u00fcbersetzen, weil ich letzteres auch schon f\u00fcr einen Dialekt halte und k\u00f6nnte da gleich das Eingangsbeispiel anf\u00fchren.<\/p>\n<p>Sagt da n\u00e4mlich die Hausmeisterin, die in der Realist\u00e4t oft wahrscheinlich besser Serbisch als Wienerisch spricht und vor hundert Jahren sprach sie wohl eher B\u00f6hmisch: &#8220;Drahts de gschissene Muik o, eas saublede Gfraster, sonst hol i de Kieberei!&#8221; und das hei\u00dft, w\u00fcrde ich meinen, nie und nimmer &#8220;Dreht die vermaledeite Musik ab, ihr saubl\u00f6den widerw\u00e4rtigen Personen, sonst hole ich die Polizei!&#8221;, sondern\u00a0 &#8220;Dreht die beschissene Musik ab, ihr bl\u00f6den Leute!&#8221;<\/p>\n<p>Das ist mir auch an anderen Stellen aufgefallen, da\u00df ich anders \u00fcbersetzen w\u00fcrde, aber jetzt hinein ins Buch. Es gibt neun Kapiteln und ein Register. Eine Warnung gibt es auch, da\u00df f\u00fcr das Anwenden der Beschimpfungen keinerlei Haftung \u00fcbernommen wird!<\/p>\n<p>Na gut, also auf eigene Verantwortung in das Buch, ich schimpfe ja ohnehin nicht so viel, obwohl mich der Alfred \u00f6fter als &#8220;Grantscherbn&#8221; oder als &#8220;grantiges Wiener Weibl&#8221; bezeichnet, aber das ist, habe ich gelernt, eigentlich die Bezeichnung f\u00fcr einen grantigen Mann, das weibliche Pendant w\u00e4re die &#8220;Keppltant!&#8221;<\/p>\n<p>In Kapitel eins geht es um Sex, also um das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/20\/urgesteine-der-poesie\/\">&#8220;Pudern&#8221;<\/a>, das nicht von Puder kommt und dann nat\u00fcrlich, um den &#8220;Oasch&#8221;, ein, wie ich lese, sehr beliebtes Wiener Schimpfwort.<\/p>\n<p>Da gibts also das &#8220;Oaschgsicht&#8221;, das &#8220;Oaschgfries&#8221; bis zur &#8220;Oaschpartie&#8221; und auch einige gebr\u00e4uchliche Redewendungen, wie &#8220;I rei\u00df ma sicher net den Oasch auf fia di&#8221;, auch meiner Meinung nach sehr umst\u00e4ndlich \u00fcbersetzt, bis zum &#8220;Das geht mir am Oasch vorbei!&#8221;<\/p>\n<p>Beim W\u00fcrstlstand und beim &#8220;Essn und Trink auf Wienerisch&#8221; war ich schon. Da gibt es aber noch das &#8220;Wiaschtl&#8221; und das &#8220;F\u00fcr die Wiascht&#8221;, nicht zu verwechslen und auf der &#8220;Nudlsuppm&#8221; beteuern sicher einige &#8220;nicht dahergschwommen zu sein!&#8221;.<\/p>\n<p>Es gibt den &#8220;Schmarrn&#8221;, der eigentlich was Feines ist, wenn er aus Topfen oder Palatschinkenteig besteht, aber man kann auch einen &#8220;Schmarrn&#8221; reden und ein arme Leute Essen, also f\u00fcr die auf der &#8220;Nudlsuppm dahergeschwommenen&#8221;, war er fr\u00fcher auch.<\/p>\n<p>Dann gibts noch &#8220;Das Kr\u00fcgerl, das Glaserl, das Stamperl, das Tr\u00f6pferl&#8221;, meist mit Wein wahrscheinlich und was das Bier betrifft, wird das hier\u00a0 mit Gerstensaft \u00fcbersetzt. Ob das der Mann am Wiener W\u00fcrstlstand versteht? Wahrscheinlich nicht, auch wenn er ein &#8220;Tschusch&#8221; ist, aber da sind wir schon beim Kapitel &#8220;\u00dcberall\u00a0 Gscheade und Ausl\u00e4nda&#8221; und haben\u00a0 das &#8220;Oida verschwind und hoit\u00a0 de Goschn!&#8221; ausgelassen.<\/p>\n<p>Da\u00df der Wiener sehr \u00fcberheblich gegen\u00fcber alle jenseits der Stadtgrenze ist, kann ich bez\u00fcglich meiner Mutter und meinem aus St. P\u00f6lten stammenden Mann best\u00e4tigen. Sie hat &#8220;Gscheader&#8221; also Geschorerer, ein Begriff f\u00fcr den Bauern oder Leibeigener, also Landbewohner, denke ich, zu ihm gesagt, w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/09\/tribut-fuer-ernst-hinterberger\/\">Mundl Sackbauer aus dem &#8220;Ein echter Wiener geht nicht unter&#8221;<\/a> , die St. P\u00f6ltner schon f\u00fcr &#8220;Tschuchn&#8221;, also Balkanbewohner h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Kapitel ist der Tod oder das &#8220;Okrotzn in Wean&#8221;.<\/p>\n<p>Da kann man auch &#8220;De Potschn strecken, ins Gros bei\u00dfn&#8221; und noch vieles anderes sagen. Selbstmord oder &#8220;Si di Kugl gebn&#8221; kann man auch. Wenn man aber von der Donaubr\u00fccke springt, hat das, wie ich gelesen habe, \u00f6fter auch andere Motive.<\/p>\n<p>Das gehts zu &#8220;Proleten, Gsindl und zur gspriztn Bagage&#8221;, also zum Schimpfen durch die sozialen Schichten.<\/p>\n<p>Und auf der Werbeseite kann ich sehen, da\u00df man sich solche Schimpfw\u00f6rter auch auf Taschen oder T-Shirts drucken lassen und\u00a0 kaufen kann.<\/p>\n<p>Man kann sein Gegen\u00fcber auch als &#8220;Blada, Wampata, Schiacha!&#8221; oder anders beschimpfen.<\/p>\n<p>Und bei der Polizei, also der &#8220;Heh&#8221; sind wir schon gewesen und wer noch immer glaubt, da\u00df die Polizei, dein Freund und Helfer ist, kann hier &#8220;A Kieberer is ka Habera&#8221; lesen.<\/p>\n<p>Dann gehts zu den &#8220;D\u00fcmmlichen Typen&#8221; auch wieder, wie ich meine &#8220;bled&#8221;\u00a0 \u00fcbersetzt, &#8220;in Wien&#8221;, also den &#8220;Dodln&#8221; Dillos&#8221;, &#8220;Fetznsch\u00e4dln&#8221; etcetera.<\/p>\n<p>Die Wienerin ist a &#8220;Urschl&#8221; &#8220;Fusn&#8221;, Keifn&#8221;, w\u00e4hrend der Wiener als &#8220;Wappler&#8221;, &#8220;Zniachterl&#8221; &#8220;Dodl&#8221;, etcetera beschimpft werden kann.<\/p>\n<p>Damit w\u00e4ren wir schon am Ende und sehen hier, weil das gelbe Biachl wirklich sch\u00f6ne Illustrationen hat, das Wiener Riesenrad, in dem die &#8220;Gr\u00e4tzn&#8221;, &#8220;Gurkn&#8221;, etcetra sitzen und &#8220;Hupf\u00a0 in Gatsch, Gfrast!&#8221; und anderes schreien.<\/p>\n<p>&#8220;Wiener Kultur, das ist Kunst und Musikgenu\u00df. Kaffee und Schnitzerl, spr\u00fchender Charme und Weinseligkeit. A so a Schas! Mindestens genau so wichtig ist in Wien die Schimpfkultur, also die F\u00e4higkeit, zu allem und jedem passende unh\u00f6fliche, witzig- beleidigende und obsz\u00f6ne Worte und Redewendungen zu finden&#8221;, steht noch am Buchr\u00fccken.<\/p>\n<p>Wieder was gelernt? Und nicht vergessen, bevor mans ausprobiert, Haftung f\u00fcr die Folgen wird von den Buchautoren nicht \u00fcbernommen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Reihe &#8220;Stadtbekannt&#8221; aus dem &#8220;Holzbaum-Verlag&#8221;, die ja schon einige &#8220;Wien-B\u00fccher&#8221;, wie &#8220;Unn\u00fctzes Wien Wissen&#8221;, &#8220;Kaffee in Wien&#8221;, &#8220;Fr\u00fchst\u00fccken in Wien&#8221; oder &#8220;Wiener Gr\u00e4tzel Josefstadt&#8221;, bzw. &#8220;Siebenstern&#8221;, herausgegeben hat, ist jetzt ein\u00a0 &#8220;Schimpfw\u00f6rterbuch&#8221; oder ein Buch \u00fcber das Schinmpfen &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=43560\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2671,5070,5508,6221,6263],"class_list":["post-43560","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-holzbaum-verlag","tag-schimpfen","tag-stadtbekannt","tag-wien","tag-wienerisch"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43560"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43560\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}