{"id":43955,"date":"2016-05-16T10:38:47","date_gmt":"2016-05-16T08:38:47","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=43955"},"modified":"2016-05-16T10:38:47","modified_gmt":"2016-05-16T08:38:47","slug":"die-merowinger-oder-die-totale-familie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=43955","title":{"rendered":"Die Merowinger oder die totale Familie"},"content":{"rendered":"<p>Nun geht es weiter mit einem kleinen &#8220;Doderer-Schwepunkt&#8221;, denn ich habe in meinem Regalen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/15\/pfingststorming\/\">entgegen meiner Erinnerung<\/a> nur die &#8220;Merowinger&#8221; und &#8220;Die Wasserf\u00e4lle von Slunj&#8221;, neben dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/12\/das-doderer-buch\/\">&#8220;Doderer-Buch&#8221;<\/a> und den &#8220;D\u00e4monen, die ich in den Siebzigerjahren als Studentin gelesen habe, gefunden.<\/p>\n<p>&#8220;Die Merowinger&#8221;, ein dtv-Taschenbuch aus den Siebzigern d\u00fcrfte ich bis Seite 143 angelesen habe, da gab es jedenfalls eine eingelegte Karte und ein Eselsohr und au\u00dferdem habe ich die Stelle, wo der Professor Horn mit seinen Patienten, der Schwester Helga un den Pauken und Trompeten durch seine Praxis jagt, schon auszugsweise, glaube ich, in einer von meiner Gro\u00dfmutter abonnierten Zeitschrift gelesen.<\/p>\n<p>Erschienen ist das Buch 1962, nach der &#8220;Strudlhofstiege&#8221; und den &#8220;D\u00e4monen&#8221;, irgendwo habe ich gelesen, da\u00df Doderer es dazwischen geschrieben hat, um sich zu entspannen und auf der letzten Seite wird es von ihm selbst, beziehungsweise seinem Alter Ego? Doctor D\u00f6blinger als &#8220;Bl\u00f6dsinn?! Alles Unsinn-&#8221; bezeichnet. Die &#8220;Amazon Leser&#8221; tun sich ebenfall schwer, bezeichnen es als Nonsense oder schreiben, sie h\u00e4ttten es nicht verstanden und wenn ich es recht verstanden habe, gibt es vielleicht noch eine neuere dtv Ausgabe, aber sonst das B\u00fcchlein eher antiquarisch zu beziehen.<\/p>\n<p>Hilde Spiel habe ich in einer alten &#8220;Spiegel Rezension&#8221; gelesen, hat es als Parodie auf das dritte Reich interpretiert und dem w\u00fcrde ich mich anschlie\u00dfen. Sein historisches Wissen hat Doderer, der ja Geschichte studierte, darin auch ausgelebt und es geht um viel in mehreren Ebenen, um Gewalt, um Wut, um die Nibelungen, die damalagie Psychiatrie-Kritik, die Geheimb\u00fcnde, etcetera, etcetera.<\/p>\n<p>In den Kritiken wird neben der\u00a0 Unverst\u00e4ndlichkeit noch die sch\u00f6ne\u00a0 Sprache erw\u00e4hjnt und ich f\u00fcge hinhzu, da\u00df es mir\u00a0 ganz gut gefallen hat, obwohl ich einiges \u00fcberlesen habe und mich bei dem monogigantischen Doderer im Gegensatz zu <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/19\/schachnovelle\/\">Zweig<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/04\/20\/ungeduld-des-herzens\/\"> bei <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/06\/die-welt-von-gestern\/\">dem<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/13\/novellen-der-leidenschaft\/\">ich<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/14\/erstes-erlebnis\/\">mich<\/a> jetzt schon so ziemlich durchgelesen habe, nicht ganz auskenne, obwohl das Doderer-Buch eine ganz gute Einf\u00fchrung gibt.<\/p>\n<p>Und da treffen wir in den Erz\u00e4hlungen\u00a0 auch den Doctor D\u00f6blinger, Doderer verwendet auch eine etwas altert\u00fcmlich Schreibweise und die &#8220;Posaunen von Jericho&#8221; sind wohl als Vorstudien zu verstehen..<\/p>\n<p>Was mir aufgefallen ist, ist, da\u00df in dem Buch mit DM bezahlt wird und die Stadt in der es spielt d\u00fcrfte nicht Wien sein, beziehungsweise w\u00e4re es nicht zu erkennen, aber Doderer hat ja lange in Bayern gelebt.<\/p>\n<p>Es gibt eine Ahnentafel der Merowinger, ein gezeichnetes Wappen und einiges in Reimen und ein scharfes Bild der F\u00fcnfzigerjahre, in dem das Buch ja spielt, wird, glaube ich, auch gezeichnet, das ich sehr beeindruckend finde, weshalb ich mich an das Buch auch gut erinnern konnte.<\/p>\n<p>Sehr gut kann mans nicht nacherz\u00e4hlen, also vielleicht keine allzugro\u00dfe Spoilergefahr, denn besonders scharf auskomponiert scheint es mir nicht zu sein, sondern die verschiedenen Ebenenen eher nacheinander angef\u00fchrt und nebeneinander gestellt<\/p>\n<p>Da gibt es Childerich III oder den Baron Bartenbruch, den Merowonger, der in seiner Jugend von seinen Br\u00fcdern verpr\u00fcgelt wurde und dessen Ehrgeiz es jetzt ist, durch Heirat sein eigener Gro\u00df\u01d8ater, Neffe, Onkel, Enkel, etcetera zu werden, um sich da ganz auszukennen, m\u00fc\u00dfte man genauer lesen oder die Ahnentafeln mit den verschiedenen Seitenstr\u00e4ngen der Familie studieren. Er tr\u00e4g auch einen langen Bart und hat ein Stadt- und ein Sommerpalais, dort h\u00e4lt ein eine Menge Diener, sowie einen Hofzwerg, die er verpr\u00fcgelt, aber gut bezahlt, so da\u00df ihm die &#8220;Kanaille&#8221; dankbar ist und er wird auch von einer grimmigen Wut geplagt, so da\u00df er die Privatpraxis von Prof Dr. Horn aufsuchen mu\u00df, der eine seltsame Therapiemethode entwickelt hat.<\/p>\n<p>Mit seiner Schwester Helga jagt er die Patienten zum Kr\u00f6nungsmarsch von Mayerbeer durch seine Praxisr\u00e4ume, behandelt sie mit einem Nasenzwicker, l\u00e4\u00dft sie Figuren zerschmei\u00dfen und weil das alles ja nicht leise ist, sucht er die unter ihm wohnenen Herren, Dr. D\u00f6blinger den Schriftsteller und den fr\u00fchpensiopnierten Oberlehrer Zilek auf, um ihnen L\u00e4rmmiete zu bezahlen. Die machen das dann nach und er\u00f6ffnen auch eine Praxis f\u00fcr Heilgymnastik, das Haus tobt, die Krankenw\u00e4gen m\u00fcssen auffahren und die resche fesche Hausmeisterin, die es auch hier gibt, sperrt sich am Dachboden ein.<\/p>\n<p>Einen Regierungsdirektor Schajo gibt es auch, denn die anderen Patienten Prof Horn haben sich ihre Wut von den Anstehen in den \u00c4mtern geholt und der Direktor hat nun eine Gegentherapie entwickelt und so dem Professor Konkurrenz gemacht.<\/p>\n<p>Die Firma &#8220;Hulesch und Quenzel&#8221;, eine Art\u00a0 Geheimclub, der die Weltherrschaft \u00fcbernehmen will,\u00a0 gibt es auch, hier ist der Oberlehrer Mitrglied und die sucht ihre Mitglieder auf und \u00fcberreicht ihne,n als Erkennungszeichen ein bestimmtes Buch, das man aber auch ganz normal im Buchhandel kaufen kann.<\/p>\n<p>Childerich,\u00a0 der W\u00fctende hat durch die Karolinger beziehungsweise seinen Majordomus Pippin oder franz\u00f6sisch ausgesprochen Pepin, Konkurrenz, der ihm vernichten will, was\u00a0 nach dreihundert\u00a0 auchSeiten gelingt. Childerich wird entbartet und entmannt, zieht\u00a0 sich in eine zwei Zimmerwohnung zur\u00fcck, zahlt seiner riesigen Familie ihr Erbe aus und watscht nun, weil er es doch nicht ganz lassen kann, gegen Bezahlung eine Nachbarin und der Doctor D\u00f6blinger sitzt in seiner vielleicht ruhigeren Wohnung und schreibt diesen &#8220;Bl\u00f6dsinn&#8221; auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun geht es weiter mit einem kleinen &#8220;Doderer-Schwepunkt&#8221;, denn ich habe in meinem Regalen, entgegen meiner Erinnerung nur die &#8220;Merowinger&#8221; und &#8220;Die Wasserf\u00e4lle von Slunj&#8221;, neben dem &#8220;Doderer-Buch&#8221; und den &#8220;D\u00e4monen, die ich in den Siebzigerjahren als Studentin gelesen habe, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=43955\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[550,2570,601],"class_list":["post-43955","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher-lesen","tag-heimito-von-doderer-schwepunkt","tag-oesterreichische-nachkriegsliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43955","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43955"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43955\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43955"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43955"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43955"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}