{"id":44023,"date":"2016-06-02T00:41:08","date_gmt":"2016-06-01T22:41:08","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=44023"},"modified":"2016-06-02T00:41:08","modified_gmt":"2016-06-01T22:41:08","slug":"brasilien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44023","title":{"rendered":"Brasilien"},"content":{"rendered":"<p>1936 ist Stefan Zweig \u00fcber Einladung des PEN-Clubs zuerst nach Argentinien, danach nach Brasilien gekommen, wo er von dem Land sehr beeindruckt und dort auch schon sehr bekannt war, so da\u00df er, als er dann auch aus London emigirieren wollte und es in Amerika nicht aushielt, sich 1941 mit seiner zweiten Frau Lotte in Petropolis ein Haus f\u00fcr ein halbes Jahr mietete, wo er im Februar 1942 mit ihr Selbstmord beging.<\/p>\n<p>Im September 1941 ist &#8220;Brasil &#8211; Pais do Futora &#8211; Brasilen- ein Land der Zukunft&#8221; erschienen, in dem der vom Krieg und den Zust\u00e4nden in Deutschland\u00a0 Zerr\u00fcttete, seiner neuen Heimat ein Denkmal setzte, das er als &#8220;Paradies&#8221; empfand und &#8220;Brasilien wird immer eine Zukunft haben&#8221;, als Schlu\u00dfwort schrieb, was der Herausgeber, des bei S. Fischer erschienenen Bandes, in seinem Nachwort, angesichts der heutigen Zust\u00e4nde ein wenig revidieren mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Ich\u00a0 habe mich jetzt durch meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/07\/rohentwurf-fast-zweimal-fertig-und-andere-ereignisse\/\">Recherchearbeit f\u00fcr meine &#8220;Ber\u00fchrungen&#8221;<\/a> in denen sowohl Stefan Zweig, als auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/12\/das-doderer-buch\/\">Heimito von Doderer<\/a>, als Figuren eines Theaterst\u00fcck und auch als Betrachter auf der &#8220;Wolke&#8221; eine Rolle spielen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/04\/20\/ungeduld-des-herzens\/\">in<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/13\/novellen-der-leidenschaft\/\">Stefan<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/14\/erstes-erlebnis\/\">Zweig<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/19\/fouche\/\"> eingelesen<\/a> und auf den Band &#8220;Brasilien&#8221;, ein Sp\u00e4twerk, wie die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/19\/schachnovelle\/\">&#8220;Schachnovelle&#8221;<\/a> und die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/06\/die-welt-von-gestern\/\">&#8220;Welt von Gestern&#8221;<\/a>, bin ich nur durch Zufall, beziehungsweise durch den Film <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KHFgU2IjxMM\">&#8220;Vor der Morgenr\u00f6te&#8221;<\/a>, der heute in die Kinos kommt und den ich mir nach meiner R\u00fcckkehr aus Kroatien anschauen kann, gekommen und, wie ich mich vor einem Jahr mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/04\/entdeckungen-in-mexiko\/\">&#8220;Mexiko&#8221; das Egon Erwin Kisch<\/a> in seiner Emigration erlebte, besch\u00e4ftigt habe, reise ich jetzt durch das Brasilien der Neunzigdrei\u00dfiger und fr\u00fchen Vierzigerjahre, das heute sicher anders ist, aber durch die scharfe Analyse Stefan Zweigs, dem europaischen Denker, seine beeindruckenden Spuren hinterl\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Es gibt auch eine Zeittafel, um die Geschichte des Landes, das von den Portugiesen, deshalb spricht man auch Portugisisch und nicht Spanisch, wie in manchen Romanen, die Stefan Zweig gelesen hat, behauptet wurde, erobert wurden und Stefan Zweig, der durch den Krieg Traumatisierte, lobt in seinem Vorwort, die Freundlichkeit der Brasilaner, die durch ihre Geschichte total vermischt sind und keine Rassentrennung kennen, so da\u00df die Wei\u00dfen mit den Schwarzen und den Braunen ganz selbstvcerst\u00e4ndlich nebeneinander gehen, sich umarmen und befreundet sind.<\/p>\n<p>So freundlich und friedfertig war das wohl doch nicht so ganz,\u00a0 obwohl die Portugiesen im sechzehnten Jahrhundert mit den nackten Ureinwohnern, die au\u00dfer Holz, das man nicht gut transportieren konnte, keine Sch\u00e4tze zu besitzen schienen, nicht viel anfangen konnten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter entdeckten sie aber das Gold, den Zucker, den Kaffee, den Gummi, die Portugiesen siedelten sich in Brasilien an, schickten auch ihre Jungfrauen und Huren hin, was dann auch zu der Vermischung f\u00fchrte, sowie, die Sklaven die von Afrika importiert wurden.<\/p>\n<p>Also wieder trotz der Freundlichkeit der Brasilianer eine Geschichte der Gewalt und auch das Kapitel der Wirtschaft ist eine der Ausbeutung. Die Braslianer durften selbst aus der Baumwolle keine Stoffe machen, sondern mu\u00dften sie importieren und ihre Kleider kaufen, der Kaffee wurde zu Spekulationszwecken ins Meer geworfen etcetera. Das dritte Kapitel ist die Kultur des Landes gewidmet und da lobt Zweig wieder die Freundlichkeit und den Stolz der Einwohner, die lange Analphabeten waren, so hat sich die Kultur auch erst sehr sp\u00e4t entwickelte.<\/p>\n<p>Denn der Samba kam ja von den Sklaven aus Afrika, die ersten Romane und die ersten Opern wurden erst sehr sp\u00e4t geschrieben, wie auch die Schulbildung und die Universit\u00e4ten sehr sehr sp\u00e4t eingef\u00fchrt wurden und Stefan Zweig, als er nach Braslien kam, wie einst bei seinem Besuch in Russland, die Stra\u00dfenbahnschaffner und die Arbeiter in ihren Pausen stolz mit einem Buch in der Hand lesen sah.<\/p>\n<p>Dann gehts nach Rio de Janeiro in diese wundersch\u00f6ne Stadt am Meer, wo fr\u00fchmorgends alle Passagiere auf den gro\u00dfen Schiffen mit ihren Ferngl\u00e4sern und Kameras stehen um die Einfahrt nicht zu vers\u00e4umen, wo man statt der Freiheitsstatue den &#8220;Pao de Acuar&#8221;, den Zuckerhut sieht, es gibt in der Stadt nach franz\u00f6sischen Modell, dem gro\u00dfen Vorbild nachempfunden, einen gro\u00dfen Boulvard und au\u00dferdem die &#8220;Favelvas&#8221;, die &#8220;Negerd\u00f6rfer&#8221;, wie man damals noch schreiben durften, die wie Stefan Zweig bedauert, &#8220;morgen&#8221; vielleicht schon verschwunden sind, die f\u00fcr ihn aber, obwohl ihre Bewohner sehr arm waren, einen gro\u00dfen Reiz ausmachten.<\/p>\n<p>Die St\u00e4dte\u00a0 San Paolo, eine moderne zukunftstr\u00e4chtige Stadt, wie Zweig steht, in dem alle hasten und es wenig Romantik, daf\u00fcr aber eine Schlangenfarm, ein Museum mit ausgestopften Papageien und eine gro\u00dfe Strafanstalt gibt und Bahia, die Zweig w\u00e4hrend eines Rundflugs kennenlernt und eine religi\u00f6se Prozession miterlebt, werden besucht und der Amazonas erlebt.<\/p>\n<p>Es gibt ein Kapitel \u00fcber den Kaffee, den ja die T\u00fcrken nach Wien gebracht hat, in Brasilien wird man zu jeder Tageszeit zu einem T\u00e4sschen Kaffee eingeladen und schl\u00fcrft das schwarze starke Getr\u00e4nk, wie Lik\u00f6r hinunter. Die ehemaligen Goldgr\u00e4berst\u00e4dte und die modernen Minen und noch vieles anderes, werden besucht oder ausgelassen.<\/p>\n<p>Und am Schlu\u00df meint Zweig nach seiner wahrscheinlich ersten Brasilienreise: &#8220;Aber dann besinnt man, da der Motor anhebt zu rattern, um uns fortzutragen, wieviel Dank man schon schuldet f\u00fcr Gl\u00fcck und Gewinn dieser Wochen und Monate. Wer Brasilien wirklich zu erleben wei\u00df, der hat Sch\u00f6nheit genug f\u00fcr ein halbes Leben gesehen.&#8221;<\/p>\n<p>Man sollte also hinfahren in das moderne Brasilien, das inzwischer sicherlich ganz anders ist, aber vorl\u00e4ufig habe ich mich ja auf Kroatienurlaub begeben und werde dar\u00fcber wahrscheinlich auch einiges zu berichten haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1936 ist Stefan Zweig \u00fcber Einladung des PEN-Clubs zuerst nach Argentinien, danach nach Brasilien gekommen, wo er von dem Land sehr beeindruckt und dort auch schon sehr bekannt war, so da\u00df er, als er dann auch aus London emigirieren wollte &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44023\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[905,2030,4922,4982,5543],"class_list":["post-44023","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-brasilien","tag-filmvorschau","tag-romanrecherche","tag-s-fischer-verlag","tag-stefan-zweig-schwerpunkt"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44023"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44023\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}