{"id":4412,"date":"2010-09-23T00:32:30","date_gmt":"2010-09-22T22:32:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4412"},"modified":"2010-09-23T00:32:30","modified_gmt":"2010-09-22T22:32:30","slug":"stadtrundfahrt-und-ein-chinese","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4412","title":{"rendered":"Stadtrundfahrt und ein Chinese"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem am Mittwoch die elf Uhr Stunde aufgefallen ist, habe ich meinen Vorsatz wahr gemacht und bin bez\u00fcglich Korrigierrecherche in der Stadt herumgefahren. So habe ich im Juni die &#8220;Absturzgefahr&#8221; ja begonnen. Mit dem schwarzen Moleskine die sch\u00f6nen Gegenden Wiens angeschaut, ein bi\u00dfchen was aufnotiert und am Abend hat der Bachmannpreis begonnen. Jetzt ist der Sommer vor\u00fcber. Das Rohkonzept ist fertig und die innere Stimme mir mahnt, das kann es doch nicht gewesen sein. Das mu\u00df doch sch\u00f6ner und besser werden, weil du so ja keine Chance hast. Also habe ich mein neues  Telekom Notizbuch eingepackt und bin zum Friseur gegangen. Die Fenster habe ich schon gestern geputzt. Ich bin ja eine Freundin von Ritualen. Das Manuskript hatte ich auch dabei und weil ich, was die \u00c4nderungen betraf, skeptisch war, habe ich in das neue Buch auf jede Seite den Namen eines meiner Protagonisten geschrieben und w\u00e4hrend ich auf den Kahlenberg gefahren bin, ein bi\u00dfchen was zu der Person geschrieben. \u00dcber das was sie will und ist, denkt etc.<br \/>\nAls ich wieder heruntergekommen bin, habe ich gewu\u00dft, es wird so bleiben und das Mannuskript durchzukorrigieren angefangen. Sprachlich ist noch viel zu \u00e4ndern. Die Handlung und die Personen bleiben aber gleich. Trotzdem war der Recherchetag erfolgreich. War das Wetter ja sehr sch\u00f6n. Wien im Wahlkampf ist es auch und f\u00fcr den Nachmittag hatte ich eine Einladung zu einem Gr\u00e4tzelfest der \u00d6VP. Da lassen sich   Stimmungen erhaschen, zu Essen gab es auch etwas und was ich am Abend mache werde, habe ich auch gewu\u00dft.<br \/>\nDa beginnt ja Frankfurt schon zu winken, heuer wird Argentinien das Gastland sein. Deshalb gab es in der Hauptb\u00fccherer eine Lesung aus Ariel Magnus &#8220;Ein Chinese auf dem Fahrrad&#8221;. Das klingt nun nicht besonders argentinisch und der 1975 in Buenos Aires Geborene spricht auch perfekt Deutsch. Hat er ja in Deutschland studiert und ist derzeit Stadtschreiber von Z\u00fcrich.<br \/>\nIlija Trojanow hat das Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt und der Roman basiert auf einer wahren Begegnung. Da hat es Buenos Aires vor einigen Jahren einige Brandtstiftungen in M\u00f6belh\u00e4usern gegeben und ein Chinese mit einem Fahrrad wurde als Brandstifter entdeckt. Ariel Magnus wollte in dieser Zeit \u00fcber die Chinesen in Buenos Aires schreiben. Die Verlage wollten aber keine Sozialreportage. So hat er einen humanistischen Roman daraus gemacht, in dem sein Protagonist im Gerichtssaal von dem Chinesen entf\u00fchrt wird. Das Ganze ist eher eine Farce oder ein Umweg, um das chinesische Leben zu beschreiben und weil es eine Liebesgeschichte braucht, verliebt sich Ramiro in die sch\u00f6ne Chinesin Yintai, die N\u00e4herin von Brautkleidern ist. So wird der Leser in die Wunderwelt von Chinatown eingef\u00fchrt. Einen Glaubenskrieg zwischen den Juden und den Chinesen gibt es auch, wohnen die Chinesen in Buenos Aires doch dort, wo fr\u00fcher die Juden wohnten. Der Humor spielt dabei auch eine wichtige Rolle und auch die \u00dcbersetzungstechnik.  Und Ariel Magnus, der auch am Dienstag im Leporello war, hat erz\u00e4hlt, da\u00df er einer ist, der sich den Stoff f\u00fcr seine Erz\u00e4hlungen von \u00fcberall her holt. Wenn die Nachbarin \u00fcber ihn zum Beispiel streiten, wird vielleicht eine Geschichte daraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem am Mittwoch die elf Uhr Stunde aufgefallen ist, habe ich meinen Vorsatz wahr gemacht und bin bez\u00fcglich Korrigierrecherche in der Stadt herumgefahren. So habe ich im Juni die &#8220;Absturzgefahr&#8221; ja begonnen. 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