{"id":44164,"date":"2016-05-26T08:38:21","date_gmt":"2016-05-26T06:38:21","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=44164"},"modified":"2016-05-26T08:38:21","modified_gmt":"2016-05-26T06:38:21","slug":"gute-reise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44164","title":{"rendered":"Gute Reise"},"content":{"rendered":"<p>Ein Slogan passend zur <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/21\/literarische-reisevorbereitungen\/\">eigenen Reise<\/a>, aber auch heitere Verse von Eugen Roth,\u00a0 dem M\u00fcncher Lyriker, 1895 &#8211; 1976, mit den ber\u00fchmten &#8220;Ein Mensch&#8230;.&#8221; Gedichten, aus dem Carl Hanser Verlag, der ebenfalls in M\u00fcnchen angesiedelt ist, aus dem Jahr 1954, ein sehr altes B\u00e4ndchen also und ein Fund aus dem offenen B\u00fccherschrank, der jetzt auf meiner Leseliste steht.<\/p>\n<p>Ein Mann mit blauen Anzug, gelben Schal, wei\u00dfen Hut und Schuhen gut gelaunt mit einer Pfeife im Mund, man sieht, es ist ein altes Buch, denn solches w\u00e4re heute als Cover wohl nicht mehr m\u00f6glich, sitzt auf einem Schiffchen mit zwei R\u00e4dern mit einem roten Regenschirm auf dem &#8220;Gute Reise&#8221; steht und fliegt damit ins blaue, in die Wolken in die Zukunft hinein.<\/p>\n<p>So weit das Cover und dann geht es los mit den heiteren Versen, kurz nach dem Krieg geschrieben wahrscheinlich, denn manche beziehen sich noch darauf, so gibt es doch die &#8220;Kriegsfahrten&#8221;, wo der Landser &#8220;kam durch den Krieg, h\u00f6chst unfreiwillig, Oft weit herum und zwar recht billig, Weil ihm der gute Vater Staat Die Hinfahrt gern bezahlen tat&#8221;<\/p>\n<p>Aber es ist auch die Zeit des Aufschwungs, wo die Stra\u00dfen gebaut werden und die Autos dahinrasen zu den Gasth\u00e4usern, die sich schnell auf G\u00e4ste einstellten und dann entt\u00e4uscht waren, wenn die vor\u00fcberfuhren oder die Leute, wenn ein Omnibus, wie das damals hie\u00df, doch anhielt,\u00a0 nur schnell auf die Toilette wollten, in die B\u00fcsche schifften und vielleicht auch noch den Flieder stahlen.<\/p>\n<p>Auf 144 Seiten macht sich der humoristische Lyriker, oft auch in seinen Menschgedichten, \u00fcber all das lustig und reimt mit scharfen Ironie:<\/p>\n<p>&#8220;Die Gletscher wandern und die D\u00fcnen, Von Wanderpreisen, Wanderb\u00fchnen, Von Wanderlebern oder nieren Mu\u00df weiter man kein Wort verlieren. Es reist der Lachs, es reist der Aal. In ganzen Schulen zieht der Wal.<\/p>\n<p>Das machen aber auch die Menschen, ist es offenbar die Zeit des Massentourismus und der Pauschalreisen, wo der arme Einzeltourist, Eugen Roth mag es erlebt haben, dann kein Zimmer und kein Essen bekommt, weil alles schon besetzt oder vorausbestellt.<\/p>\n<p>&#8220;Ein Mensch, der k\u00fcrzlich ganz privat Spazieren gehn in M\u00fcnchen tat, an Leuten aus Versehn geriet, die standen wo in Reih und Glied&#8221;<\/p>\n<p>Ist ja nicht so schlimm k\u00f6nnte man denken, geht man halt vorbei an der Reisegruppe, aber &#8220;und drohend wurde er gebeten Bei seiner Gruppe einzutreten. Er protestierte doch vergebens: Schon ward, trotz seines Widerstrebens, Der Mensch mit abegez\u00e4hlt zu\u00a0 vieren.<\/p>\n<p>Und hat zum Schlu\u00df, schon halb bet\u00e4ubt, sich auch nicht l\u00e4nger mehr gestr\u00e4ubt. Als unfreiwilliger Ersatzmann Sah er den K\u00f6nigsstein und Watzmann Und war auch, gegen Mitternacht nach M\u00fcnchen heil zur\u00fcckgebracht&#8221;<\/p>\n<p>Wahrscheinlich auch nicht ganz so schlimm, schlimmer ist es vielleicht, wenn man den Zug vers\u00e4umt, obwohl man doch extra deshalb, um sechs aufgestanden ist, w\u00e4hrend ein anderer Gl\u00fcck gehabt, viel sp\u00e4ter aufstand und doch zurechtgekommen ist.<\/p>\n<p>&#8220;Merke!&#8221;, f\u00fcgt Eugen roth noch listig an, das ist eine Metapher f\u00fcr das auf und ab des Lebens.<\/p>\n<p>Aha, und wenn man schon Reisen macht, beispielsweilse nach Italien, wie in den F\u00fcnzigerjahren \u00fcblich, aufgebrochen ist, mu\u00df man den Zur\u00fcckgelassenen auch Souveniers mitbringen. Auch davon lebt eine Industrie und die Verwandten warten auf den &#8220;Schund&#8221;, wie Roth manchmal absch\u00e4tzig schreibt.l<\/p>\n<p>&#8220;Edelwei\u00df und Alpenrosen, Geldbeutelige Lederhosen, Kuhglocken, goldig, l\u00e4utend hell, Mit einem Bild von Bayrischzell. Die ganze Welt wird untergehen, ihr werdet noch im Laden stehen.&#8221;<\/p>\n<p>Und<\/p>\n<p>&#8220;Doch kanns selbst Guten kaum gelingen, Heut noch was Sch\u00f6nes mitzubringen. Ist doch die ganze Welt im Grund Nur \u00fcbervoll vom gleichen Schund&#8221;.<\/p>\n<p>Da sind wir schon bei der &#8220;Werbung&#8221;,\u00a0 bei der &#8220;Reklame&#8221;, wie das damals hie\u00df:<\/p>\n<p>&#8220;Die Reiselust Dir zu beraten, Starrt jede Wand bunt von Plakaten&#8221; und auch bei der Zeit, denn die hat man ja in Zeiten des Massentourismus, wo man Rom in einen Tag, oder vielleicht in ein paar Stunden sehen, soll, nicht mehr.<\/p>\n<p>&#8220;Spottbillig dr\u00fcckt wenn auch mit Schmerz, Der treue Schweizer dich ans Herz.&#8221;<\/p>\n<p>Und dann steht man in Weimar und bek\u00e4me vielleicht, wie es fr\u00fcher \u00fcblich war, eine Einladung von Goethe, ihn in drei Tagen zu besuchen, aber da ist man schon l\u00e4ngst abgereist, das Bett ab-beziehungsweise f\u00fcr den n\u00e4chsten Massentouristen schon neu \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>&#8220;Wer vierzehn Tag, ein Land bereist, Beschreibt es gleich, als Mann von Geist.<\/p>\n<p>Und sieh, er hat im Grunde recht: Der erste Eindruck ist nicht schlecht! Doch nichts zu wissen, war der Schlu\u00df Des alten Gregorovius: Wie Rom ist, h\u00f6rt ihr nicht von mir- Ich bin erst drei\u00dfig Jahre hier!&#8221;<\/p>\n<p>Lang lang ist das her und beim heutigen Pauschaltourismus nicht mehr m\u00f6glich, aber auch Goethe hat Italien bereist und Roth dar\u00fcber gedichtet:<\/p>\n<p>&#8220;Der Leser m\u00f6ge sich des weitern An Goethes Texten selbst erheitern, Denn trieb ich fort so, breit im Strom, So k\u00e4men wir ja nie bis Rom, Geschweige bis Sizilien gar. &#8211; Wie fein heraus der Goethe war, Der an den St\u00e4tten, die ihm lieb Rund anderthalb Jahre blieb. Das konnt er als Minister halt, Bei weiterlaufenden Gehalt. Und dann noch ein besonderes Gl\u00fcck: Als Klassiker kam er zur\u00fcck!&#8221;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen dagegen ein paar Tage mit einem Bus nach M\u00fcnchen oder Italien fahren, beziehungsweise ins Kino gehen und uns all das, wohin man fahren k\u00f6nnte, viel einfacher ansehen und Sprachen k\u00f6nnen mu\u00df man als Reisender ja auch noch.<\/p>\n<p>So ist es, wie uns Roth fast anempfiehlt, vielleicht besser gleich zu Hause zu bleiben und einen Abgesang nach all dem Reisefieber, Reisewarnungen und Kartengr\u00fc\u00dfen gibt es auch:<\/p>\n<p>&#8220;Auch ich, der leider f\u00fcrchten mu\u00df, Da\u00df man sich \u00e4rgert, mache Schlu\u00df. Und w\u00fcnsche meinem Leserkreise Von Herzen &#8211; trotzdem gute Reise&#8221;<\/p>\n<p>Nun denn, ich werde es mir zu Herzen nehmen und davon berichten, obwohl ich ja, wie ich ja immer schreibe, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/17\/reisen\/\">eigentlich nicht so besonders reiselustig bin<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Slogan passend zur eigenen Reise, aber auch heitere Verse von Eugen Roth,\u00a0 dem M\u00fcncher Lyriker, 1895 &#8211; 1976, mit den ber\u00fchmten &#8220;Ein Mensch&#8230;.&#8221; Gedichten, aus dem Carl Hanser Verlag, der ebenfalls in M\u00fcnchen angesiedelt ist, aus dem Jahr 1954, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44164\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[550,1863,2519,4805],"class_list":["post-44164","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher-lesen","tag-eugen-roth","tag-hanser-verlag","tag-reisegedichte"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44164"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44164\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}