{"id":44217,"date":"2016-06-10T21:20:35","date_gmt":"2016-06-10T19:20:35","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=44217"},"modified":"2016-06-10T21:20:35","modified_gmt":"2016-06-10T19:20:35","slug":"gabrauchsanweisung-fuer-kroatien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44217","title":{"rendered":"Gebrauchsanweisung f\u00fcr Kroatien"},"content":{"rendered":"<p>Der Alfred schenkt mir ja immer vor den Reisen<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/15\/gebrauchsanweisungen-fur-das-elsas\/\"> literarische Reisef\u00fchrer<\/a> und so ist schon l\u00e4nger <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/21\/literarische-reisevorbereitungen\/\">&#8220;Die Gebrauchsanweisung f\u00fcr Kroatien&#8221; von Jagoda Marinic<\/a> zu mir gekommen, die ich aber, wie ich das immer tue, erst auf der Reisen gelesen habe und diesmal war das auch\u00a0 ein bi\u00dfchen komplizierter.<\/p>\n<p>Denn wir sind am<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/12\/kroatienurlaub\/\"> ersten Reisetag<\/a> nur bis Leibnitz gekommen und dort ein Buch \u00fcber Kroatien lesen, wenn man noch keine Ahnung vom wie, wo und warum hat, ist vielleicht ein bi\u00dfchen schiweirig, habe ich mir gedacht und hatte auch gleich eine Alternative im Gep\u00e4ck beziehunsweise\u00a0 ins Hotelzimmer mitgenommen, denn den Namen Jagoda Marinic, kenne ich, hat doch,\u00a0 die 1977 in Waiblingen geborene Autorin, 2007 beim Bachmannpreis gelesen und ihr erstes Buch, den Geschichtenband &#8220;Eigentlich ein Heiratsantrag&#8221; habe ich mir einmal bei einem &#8220;Buchlandungs-Abverkauf&#8221; um einen Euro gekauft.<\/p>\n<p>So habe ich die ersten drei Geschichten daraus in Leibnitz gelesen und mit dem Lesen der &#8220;Gebrauchsanweisung&#8221;, einen Tag sp\u00e4ter begonnen. Dann aber, als ich gerade bei der Bechreibung von Zagreb war, an dem wir an der Autobahn oder Autoput, wie Jagoda Marinic schreibt, nur vor\u00fcbergefahren sind, waren wir schon in Montenegro und da erschien mir eine Beschreibungvon Zagreb durch das ich gar nicht gekommen bin, nicht sehr passend, so habe ich unterbrochen,\u00a0\u00a0 Bora Cosic und dann ein St\u00fccken in dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/18\/literatur-faelschen\/\">&#8220;Mimikry-Buch&#8221;<\/a> weitergelesen und\u00a0 erst wieder in Dubrovnic nach dem Buch gegriffen.<\/p>\n<p>Jagoda Marinic, die die Tochter von dalmatinischen Eltern ist, die aus einem kleinen Dorf an der K\u00fcste kommen und ihre Sommer, wie in dem Buch steht, als Kind jedes Jahr dort verbrachte, hat eine frische, fast schnippische Sprache und mit der zappt sie durch das Buch und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber das Land und gibt Gebrauchsanweisungen f\u00fcr den Urlaub, beziehungsweise erz\u00e4hlt sie auch sehr viel von dem, was ein normaler, nicht kroatisch sprechender Tourist, wahrscheinlich nicht erfahren und sehen wird.<\/p>\n<p>Und so habe ich das Buch, als Touristin auf dem Campingplatz, die in Englisch oder Deutsch, ihren Fisch oder ihre Cevapcici, die in kroatien, wie Jagoda Marninic erz\u00e4hlt, Cevape hei\u00dfen, bestellt, auch als sehr interessant gefunden, die etwas schnippische Art ist mir zwar manchmal auf die Nerven gegangen, aber jetzt wei\u00df ich\u00a0 mit Sicherheit mehr \u00fcber das Land, als ich ohne die &#8220;Gebrauchsanweisung&#8221; w\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Das Buch beginnt, wie auch die Reise, mit der Autobahn, hier erz\u00e4hlt Jagoda Marinic, deren Vorname auf Kroatisch Erdbeere hei\u00dft, von ihrer Kinheit, beziehungsweise den Eltern ihrer deutschen Freunde, die sich durch sie immer an das Erdbeereis erinnerten, das sie auf ihren meist frisch verliebten Kroatienreisen verzehrten und die &#8220;Svabo-Jugo-Jugendliche&#8221; ist mit ihren Eltern jedes Jahr mit einem vollbepackten Auto in das dalmatinische Dorf zu den Verwandten gefahren, wo es dann meistens Streit gab, denn in das Auot passte nur eine Packung &#8220;Pampers&#8221;, die sehr begehrt waren, gab es in dem Dorf damals noch keine Wegwerfwindeln. So war immer eine der Tanten beleidgt. Die Kinder, die dicker, als die dalatinischen Verwandten waren, hat das aber nicht gest\u00f6rt, auch nicht, da\u00df sie &#8220;Dickerchen&#8221; gerfufen wurden. Sie spielten miteinander und Jagoda wurde ausgebessert, wenn sie das altmodische Kroatisch ihrer Eltern sprach. Verwndete sie dann die neuen W\u00f6rter in deutschland, besserten sie wieder die Gastarbeiter aus.<\/p>\n<p>Ja so ist das mit den Ver\u00e4nderungen, das hat mir schon einmal <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/04\/sv-cocktail-krilit-alpha-literaturpreis\/\">Illir Ferrir bei einem &#8220;Dialekt Poetry Workshop&#8221;<\/a> erz\u00e4hlt und Jagoda, die als Kind Jaga gerufen wurde, was Hexe oder alte Frau, Baba Jaga, bedeutet, studierte sp\u00e4ter in Zagreb. So erz\u00e4hlt sie auch sehr ausf\u00fchrlich von der Stadt, die ich auf dieser Reise nicht gesehen habe und gibt dann den K\u00fcsten-Reisenden Rat, nicht nur die &#8220;Autoput&#8221; entlangzufahren, sondern auch auf der K\u00fcstenstra\u00dfe, weil dort die zahnlosen alten Frauen, mit den schwarzen Kleidern am Stra\u00dfenrand sitzen und irgendetwas verkaufen, die man unbedingt kennenlernen sollte.<\/p>\n<p>Der Kroatien-Tourist macht dann meistens Bekanntschaft mit den Zimmervermittern und die Kroaten an der K\u00fcsten leben von ihren Appartmanis. So gibt Jagoda Marinic auch gleich eine Einf\u00fchrung in die Typologie der Zimmervermieter,\u00a0 erz\u00e4hlt weiter von der kroatischen Seele und der Herzlichkeit der Kroaten, die nat\u00fcrlich nicht der Balkan sind und auch nicht dort wohnen, denn der Balkan beginnt immer erst ein Land sp\u00e4ter, als dort, wo man wohnt und ich h\u00e4tte gedacht, das w\u00e4re der Name eines Gebirges?<\/p>\n<p>Oder nein, stimmt nicht, denn als ich<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/24\/vierzig-jahre-matura-vierzig-jahre-schreiben\/\"> Sch\u00fclerin der Stra\u00dfergasse<\/a> war, machten wir eine Excursion in die Firma Henkel und dort erkl\u00e4rte uns eine freundliche Dame, da\u00df wenn man nicht &#8220;Persil&#8221; verwendet, die Leute glauben w\u00fcrden, da\u00df der Balkan auf der Simmeringer Hauptstra\u00dfe beg\u00e4nne und die Kroaten, schreibt Jagoda Marinic, sind sehr freundlich und sehr herzlich, was ich best\u00e4tigen kann und erz\u00e4hlt dann von einem Problem, das der Alfred in Pula tats\u00e4chlich hatte.<\/p>\n<p>N\u00e4mlich kein Geld f\u00fcr den Parkautomaten, wenn man dann den Fehler macht, in einem Gesch\u00e4ft wechseln zu wollen, wird das nicht gehen, denn die Kroaten sind kein Wechselinstitut, wenn man aber einen Kaffee bestellt oder eine Zeitung kauft, bekommt man das\u00a0 ben\u00f6tigte Kleingeld und die Leute sind wieder sehr freundlich zu dir.<\/p>\n<p>Etwas gibt es aber, was Jagoda Marinic nicht leiden kann und das ist das Camping. Sie hat zwar ein paarmal mit ihrer Familie und einmal mit einer Freundin einen solchen Urlaub gemacht, aber das war ein Reinfall, denn einmal lag das Zelt zu nahe an der Disco, das zweite Mal fing es, als es endlich aufgestellt war, zu regnen an und dann machte sie noch ihre Erfahrungen mit den deutschen Urlaubern, die einen Sto\u00df Chitlits oder Krimis, also keine hochwertige Literatur, wie die, die beispielsweise Hexchen Erdbeere schreibt, lesen und so ihre Tage am Strand ohne miteinander zu reden, verbringen, was Jagoda Marinic nicht verstehen kann und da sie keinen Campingurlaub mehr macht, hat sie mich mit ihrer &#8220;Gebrauchsanweisung&#8221;\u00a0 und ihren Geschichten dort nicht sehen k\u00f6nnen, aber das ist schon eine andere Geschichte, \u00fcber die ich eigentlich eine eigene Glosse schreiben, bziehungsweise in meinem neuen Roman verwenden wollte.<\/p>\n<p>Also zur\u00fcck nach Kroatien und da springt Jagoda Marinic auch von Kapitel zu Kapitel oder von Ort zu Ort, nachdem sie eine allgemeine Einf\u00fchrung in das Wesen der Kroaten gegeben hat.<\/p>\n<p>Sie erz\u00e4hlt, was die Krawatte mit Koratien zu tun hat und warum alle Zagreber M\u00e4nner angeblich immer eine solche tragen, erz\u00e4hlt dann von Motovun, dem Zauberberg, von dem sie ihren Lesern eigentlich nichts erz\u00e4hlen wollte, schreibt von der istrischen Toskana und gibt den Rat sich in Opatija auf eine der Hotelterassen zu setzen und dort Kaffee und Kuchen zu bestellen.<\/p>\n<p>Von der Meeresorgel in Zadar, der &#8220;morske orgulje&#8221; erz\u00e4hlt sie und von Porec und Rovinji, Orte an denen wir gewesen sind und tut das oft in sehr\u00a0 kurzen Kapiteln, was wieder die Frage aufwirft, wann man das Buch jetzt lesen soll? Vor, w\u00e4hrend oder nach der Reise?<\/p>\n<p>Eine eindeutige Antwort wird es wohl nicht geben. Liest man es stattdessen hat man wahrscheinlich einen ungef\u00e4hren Eindruck von dem Land am Meer, das einmal ein Teil Jugoslawiens war, bekommen.<\/p>\n<p>Liest man es w\u00e4hrend der Reise, tut man sich wahrscheinlich schwer, weil Jagoda Marinic nicht wirklich viel von Split, Dubrovnic, etcetera erz\u00e4hlt und dann der eine Ort am Anfang, der andere in der Mitte des Buches beeschrieben wird, so da\u00df man wahrscheinlich, wie ich das Lesen unterbrechen mu\u00df oder wenn man in der bewu\u00dften Stadt angekommen ist, das Kapitel wiederholen sollte.<\/p>\n<p>Aber spannend die Eindr\u00fccke von einer kroatisch sprechenden Kennerin serviert zu bekommen und &#8220;Eigentlich ein Heiratsantrag&#8221; habe ich, als ich mit den &#8220;Gebrauchsanweisungen&#8221; und den &#8220;Lesereisen&#8221; fertig war, im Hotel Kastel in Motovun, zu Ende gelesen,denn das war ein Ort, den der Alfred ausgesucht und gebucht hat und weil er dort schon im September mit dem Karl gewese ist, hat ihn Jagoda Marinic nicht auf die Idee zu ihren Geheimtip gebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Alfred schenkt mir ja immer vor den Reisen literarische Reisef\u00fchrer und so ist schon l\u00e4nger &#8220;Die Gebrauchsanweisung f\u00fcr Kroatien&#8221; von Jagoda Marinic zu mir gekommen, die ich aber, wie ich das immer tue, erst auf der Reisen gelesen habe &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44217\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2855,3327,3591],"class_list":["post-44217","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-jagoda-marinic","tag-kroatien","tag-literarischer-reisefuehrer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44217"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44217\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}