{"id":44266,"date":"2016-06-06T23:59:47","date_gmt":"2016-06-06T21:59:47","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=44266"},"modified":"2016-06-06T23:59:47","modified_gmt":"2016-06-06T21:59:47","slug":"eigentlich-ein-heiratsantrag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44266","title":{"rendered":"Eigentlich ein Heiratsantrag"},"content":{"rendered":"<p>Geschichten von Jagoda Marinic, die ich mir einmal mit einem Sto\u00df anderer Taschenb\u00fccher gekauft habe, als es bei der &#8220;Buchlandung&#8221; einen Abverkauf von Ein Euro B\u00fccher, viele &#8220;Suhrkamp-TB-B\u00e4ndchen&#8221; dabei, gegeben hat und ich kaufe mir ja gerne B\u00fccher von Autoren, deren Namen ich kenne.<\/p>\n<p>Den von der 1977 in Wablingen geborenen Autorin kannte ich, hat sie ja 2007 beim Bachmannpreis gelesen.<\/p>\n<p>Also ist das B\u00fcchlein zu mir gekommen, auf mein Regal gewandert, dann habe ich es auch auf meine Leseliste geschrieben und nicht gelesen, denn erstens habe ich ja schon so viele B\u00fccher, zweitens lese ich nicht so gern Geschichten und dann kam der Alfred und brachte mir f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/12\/kroatienurlaub\/\">Urlaub<\/a> die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/10\/gabrauchsanweisung-fuer-kroatien\/\">&#8220;Gebrauchsanweisung f\u00fcr Kroatien&#8221;<\/a> von Jagoda Marinic, die\u00a0 die Tochter von dalmatinischen Einwanderern ist und ich war ja auf der Suche von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/21\/literarische-reisevorbereitungen\/\">B\u00fccher von kroatischen Autoren f\u00fcr meinen Urlaub.<\/a><\/p>\n<p>Bei Jagoda Marinic trifft das zwar nicht ganz zu, wurde sie ja in Deutschland geboren und hat sicher die Staatsb\u00fcrgerschaft, weil ich aber nicht ganz sicher war, wieviel ich im Urlaub lese und das Buch ja hatte, packte ich es\u00a0 ein und\u00a0 habe es gelesen.<\/p>\n<p>Gleich als erstes noch in Leibnitz angefangen, weil ich da\u00a0 noch nichts \u00fcber Kroatien lesen wollte und war sehr beeindruckt \u00fcber den frischen, beziehungsweise poetischen Ton der Autorin, die sehr seltsame und auch nicht so leicht verst\u00e4ndliche Geschichten scheibt.<\/p>\n<p>In der Beschreibung steht etwas von &#8220;Irrungen und Wirrungen&#8221; und\u00a0 &#8220;die seltsamen Wege der Liebe und Begegnungen voller Zauber, die oft in Fluchten m\u00fcnden.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Fast ein Heiratsantrag&#8221;, ist Jagoda Marinics erstes Buch, 2003 bei &#8220;Suhkamp&#8221; erschienen und das hundertf\u00fcnfundzwanzig Seiten B\u00e4ndchen, fasst an die vierundzwanzig Geschichten, wenn ich mich nicht verz\u00e4hlt habe. Viele sind nur einige Seiten lang. Eine hat \u00fcber f\u00fcnfzig und die &#8220;Ich w\u00fcnschte, er h\u00e4tte\u00a0 nie geredet davon, da\u00df man\u00a0 nur eine lieben kann&#8221;, fand ich auch sehr schwer verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Da f\u00e4hrt eine im Zug, spricht von ihrer Mutter, hat dann eine Begegnung mit einem Mann, der sie betr\u00fcgt und das alles in wechselnden Perseptiven, die &#8220;Ich Form&#8221; wechselt ins &#8220;sie&#8221; und wenn ich auch nicht alles verrstanden habe,\u00a0 die Sprache war poetisch sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Es gibt eine Geschichte von der Gleichg\u00fclkitigkeit des Lebens, die darin endet, da\u00df eine Frau einen Heiratsantrag annimmt und die Titelgeschichte, die man daf\u00fcr halten k\u00f6nnte, ist eigentlich ein Abschiedsbrief.<\/p>\n<p>Ja, Jagoda Marinic macht es spannend und erz\u00e4hlt sehr poetisch von den Allt\u00e4glichkeiten des Lebens.<\/p>\n<p>So gibt es zum Beispiel einen Text \u00fcber das Einkaufen. Da will sich eine gesund ern\u00e4hren und geht in den Supermarkt. Aber das Joghurt, das halbwegs gut schmeckt, hat drei komma f\u00fcnf Prozent Fett und als sie danach greift, sieht sie die Silhouette einer Dicken sich \u00fcber die Gefriertruhe neigen. So greift sie zu ein Prozent Joghurt, das dann im K\u00fchlschrank vergammelt und bei den Tomaten ist das \u00e4hnlich. Sie greift zuerst nach der Dose. Als sie an der Kasse warten mu\u00df, liest sie die Indegrenzien, die lassen sie verschreckt nach den frischen Tomaten greifen, aber die kommen aus Holland, so fl\u00fcchtet sie ohne Eink\u00e4ufe aus dem Supermarkt.<\/p>\n<p>Am meisten haben mich naturgem\u00e4\u00df, die Geschichten interessiert, die vom Dorf, also von Kroatien, obwohl das Wort nie vorkommt, erz\u00e4hlen. Da gibt es eine von &#8220;Josip&#8221;. Da geht ein M\u00e4dchen zu einem alten Mann, f\u00e4ngt an f\u00fcr ihn zu kochen und zu putzen, aber die Nachbarn dulden das nicht, fangen zu reden an, etcetera.<\/p>\n<p>Es gibt auch die Geschichte von der Gro\u00dfmutter, die im Dorf zur\u00fcckgeblieben ist, als die Familie nach Deutschland ging und sich \u00fcber das gr\u00fcne Telefon freut, das man ihr istallierte, so da\u00df sie die Anrufe ihrer Lieben entgegennehmen kann. Sie hat nichtviel zu verschenken, nur die Trauben und die Kartoffeln aus den Garten, tr\u00e4gt schwarze Kleider und hat abgarbeitete H\u00e4nde und so wird auch die Frau in dem &#8220;Selbstportrait&#8221; beschrieben, die f\u00fcr ihre Enkel, die sie nie gesehen hat, strickt, w\u00e4hrend sie f\u00fcr ihre Kinder keine Zeit hatte, weil sie da in einer G\u00e4rtnerei arbeiten mu\u00dfte, um das Geld f\u00fcr das Haus das sie bauen wollten, zu verdienen. Dann ist der Mann gestorben und die Kinder sind in Deutschland geblieben.<\/p>\n<p>Jagoda Marinic ist eine sehr poetische Erz\u00e4hlerin, die das sehr wohl in ihren Dorf- als auch in ihren sehr verwirrenden Liebes- und Beziehungsgeschichten vom modernen Leben tut.<\/p>\n<p>Da gibt es noch eine, die michverwirrte und die nicht in die obige Beschreibung passt.<\/p>\n<p>&#8220;Aura&#8221; hei\u00dft sie und erz\u00e4hlt von einem M\u00e4dchen, das so sch\u00f6n ist, da\u00df sie alle auf ihren Scho\u00df sitzen haben m\u00f6chten. So engagierten die Eltern einen jungen Mann f\u00fcr sie, der sie besch\u00fctzen soll. Der folgt ihr \u00fcberall hin, sie flieht in der Nacht aber in ein Zimmer und schreibt alles auf,\u00a0 w\u00e4hrend sie sonst nie spricht. So geht ihr nach und findet eine Tote, ihre Erz\u00e4hlungen und bleibt mit\u00a0 Schuldgef\u00fchlen \u00fcber.<\/p>\n<p>So kann man Kindesmi\u00dfbrauch wahrscheinlich auch beschreiben, owohl mir die realistische Art und Weise lieber ist.<\/p>\n<p>Bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/26\/short-cuts-i\/\">&#8220;Short-Cuts&#8221;<\/a> habe ich gerade nachgelesen, habe ich auch schon eine ihrer &#8220;geheimnisvollen&#8221; Geschichten geh\u00f6rt, jetzt ist &#8220;Made in Germany-Was ist deutsch in Deutschland&#8221; von ihr erschienen, aus dem sie Ende Mai auch in Wien gelesen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichten von Jagoda Marinic, die ich mir einmal mit einem Sto\u00df anderer Taschenb\u00fccher gekauft habe, als es bei der &#8220;Buchlandung&#8221; einen Abverkauf von Ein Euro B\u00fccher, viele &#8220;Suhrkamp-TB-B\u00e4ndchen&#8221; dabei, gegeben hat und ich kaufe mir ja gerne B\u00fccher von Autoren, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=44266\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[549,1441,2855,3331],"class_list":["post-44266","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher","tag-deutsches-lesen","tag-jagoda-marinic","tag-kroatienurlaub"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44266"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44266\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}