{"id":4464,"date":"2010-10-02T08:25:19","date_gmt":"2010-10-02T06:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4464"},"modified":"2010-10-02T08:25:19","modified_gmt":"2010-10-02T06:25:19","slug":"dein-zimmer-fur-mich-allein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4464","title":{"rendered":"Dein Zimmer f\u00fcr mich allein"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe die 1997 erschienene Erz\u00e4hlung  &#8220;Dein Zimmer f\u00fcr mich allein&#8221; von  Michael K\u00f6hlmeier, nicht wie Leselustfrust geraten hat, im Cafe Eiles bei einer Tasse Kakao, sondern in der Badewanne gelesen, verdanke aber ihrer <a href=\"http:\/\/leselustfrust.wordpress.com\/2010\/09\/18\/michael-kohlmeier-dein-zimmer-fur-mich-allein\/\">Besprechung<\/a>, da\u00df ich das d\u00fcnne B\u00e4ndchen mit der nackten Frau in dem roten Stuhl auf dem auch sonst sehr roten Umschlag, aus der zweiten Reihe meines gr\u00fcne Erde Regals, hervorgezogen habe. Der Titel erinnert an Virgina Woolf, es gibt auch ein Zitat von ihr auf den ersten Seiten. Ansonsten hat es nicht sehr viel mit dem ber\u00fchmten Buch zu tun, geht es doch um einen Mann, der in der Nacht im \u00fcberf\u00fcllten Zug aus einem fremden Land, nach \u00d6sterreich gekommen, beziehungsweise aus dem  Fenster des Zug gehoben wurde, um f\u00fcr ein durstiges Kind Wasser zu besorgen. Der Zug mit Mantel und Koffer f\u00e4hrt weiter, der Mann tappt in ein halbfertiges Haus, \u00fcbernachtet am Dachboden in einer Styroporh\u00f6hle und schleicht in die Wohnung einer Frau, die ihn an seine erste Geliebte Ulla erinnert.<br \/>\nDiese Geschichte erz\u00e4hlt er im Cafe Eiles einem Schriftsteller, der ihn daf\u00fcr auf zwei Tassen Kakao, Wein und eine Gulaschsuppe einl\u00e4dt und ihn auf seinen inneren Spa\u00dfmacher bringt, der ihn zu Dingen veranla\u00dft, die man nicht tun soll, wenn man ohne Geld und Papiere ein fremdes Land betritt oder doch, hat man dann ja nichts zu verlieren, denn die Polizei kann einen nur wieder in den Zug oder in eine warme Zelle setzen und einem Menschen in Not steht, wie im Buch steht, alles zu.<br \/>\nSo schl\u00fcpft der namenlose, mir nicht besonders sympathische Ich-Erz\u00e4hler nicht nur in die Wohnung der Frau, die, wie auf dem T\u00fcrschild steht, Marianne hei\u00dft, er beginnt sich auch an ihren Aspirintabletten zu bedienen, trinkt ihren Kaffee, schl\u00e4ft in ihrem Bett,  fotografiert die Wohnung mit ihrer Sofortbildkamera, um sie um f\u00fcnf, wenn Marianne von der Arbeit kommt, wieder in den urspr\u00fcnglichen Zustand zu versetzen und sich auf das Dach zu begeben.<br \/>\nEine Woche tut er das und wird immer dreister dabei, verliebt sich viermal in die fremde Frau, vergi\u00dft sein Unterhemd in ihrer Wohnung, das er am n\u00e4chsten Tag geb\u00fcgelt vorfindet, geht mit ihrer Jacke und ihrem Geld in das Kaufhaus, in dem er glaubt, da\u00df sie als Verk\u00e4uferin arbeitet und macht sich seine Vorstellungen \u00fcber sie, da\u00df er dann noch den Tisch gedeckt vorfindet, ist ein besonderer Luxus und irgendwann erscheint Marianne mit einem Mann in ihrem Schlafzimmer, er ist inzwischen unters Bett verschwunden, dem sie erz\u00e4hlt, da\u00df sie ihn verlassen wird, weil sie einen anderen liebt.<br \/>\nDer innere Spa\u00dfmacher mit dem der Mann, w\u00e4hrend er seine Geschichte erz\u00e4hlt,  Monologe h\u00e4lt, bleibt weiter unterm Bett, w\u00e4hrend der Ich-Erz\u00e4hler irgendwie nach Wien und an die Telefonnummer des Schriftstellers ger\u00e4t und nach dem Erz\u00e4hlen, mit dem Vorwand telefonieren zu m\u00fcssen, wie vorher angek\u00fcndigt,  prompt verschwindet.<br \/>\nEine kleine, leise Geschichte, die Fragen stellt, vermutet, alles offen l\u00e4\u00dft und damit, wie im Klappentext steht, mit gro\u00dfer sprachlicher Finesse und psychologischen Raffinement, die abgr\u00fcndigen Spielarten menschlicher Beziehungen auslotet.<br \/>\nLeselustfrust nannte es substanzlos und unbefriedigend, daran ist schon etwas. Ich habe auch etwas von einem Entwurf des Erz\u00e4hlens, einer Finger\u00fcbung dazu, gelesen.<br \/>\nAls das Buch erschienen ist, wurde es sehr gefeiert, ich habe Teile daraus im Radio geh\u00f6rt und denke nach dem leichten, vergn\u00fcglichen Lesen, da\u00df es sehr viel sein kann. Alles was man hineindenkt, denn der Erz\u00e4hler l\u00e4\u00dft ja sehr viel offen.<br \/>\nDie gro\u00dfe Liebesgeschichte habe ich nicht so empfunden, denn die war das Wunschdenken des Mannes ohne Pass und Geld, eine Machophantasie, wenn man so will. Es k\u00f6nnte auch eine fein erz\u00e4hlte Geschichte eines Asylwerbers sein, betont K\u00f6hlmeier ja den Akzent des Fremden und der Schriftsteller bl\u00e4ttert, bevor der Erz\u00e4hler erscheint, in einen Artikel \u00fcber Litauen.<br \/>\nEs ist sicher eine Geschichte \u00fcber das Geschichtenerz\u00e4hlen. Den Bezug zu Viginia Woolf kann ich nicht finden und denke, da\u00df das der Magnet sein k\u00f6nnte, um den Leser in das Buch zu locken und, da\u00df Michael K\u00f6hlmeier ein Kaffeehauserz\u00e4hler ist, k\u00f6nnte stimmen. Habe ich ja die im Kurier erschienenen und im Sammelband &#8220;Bevor Max kam&#8221; herausgegebenen Geschichten, in denen es auch um eine Kaffeehausrunde geht, gelesen.<br \/>\nAber der 1949 in Hard am Bodensee geborene Michael K\u00f6hlmeier ist \u00fcberhaupt ein vielseitiger Autor, der nicht nur die &#8220;Sagen des klassischen Altertums&#8221; mit seiner interessanten Stimme neu erz\u00e4hlt.  H\u00f6rspiele, Filmdrehb\u00fccher mit den Romanen &#8220;Abendland&#8221; und &#8220;Madalyn&#8221; auf die Listen des deutschen Buchpreises gekommen. Ich kenne den Namen seit Ende der Achtzigerjahre. Ich wei\u00df nicht mehr, wie das Buch hie\u00df, mit dem K\u00f6hlmeier damals in aller Munde war, kann mich aber an eine General- oder Vollversammlung der GAV erinnern, die Thomas Rothschild mit dem Hinweis, da\u00df er ein Buch des Mitgliedes Michael K\u00f6hlmeier lesen w\u00fcrde, fr\u00fchzeitig verlie\u00df. Die Kriminalgeschichte &#8220;Calling&#8221; habe ich noch zu lesen und das H\u00f6rbuch &#8220;Sunrise&#8221; ist auch noch nicht geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe die 1997 erschienene Erz\u00e4hlung &#8220;Dein Zimmer f\u00fcr mich allein&#8221; von Michael K\u00f6hlmeier, nicht wie Leselustfrust geraten hat, im Cafe Eiles bei einer Tasse Kakao, sondern in der Badewanne gelesen, verdanke aber ihrer Besprechung, da\u00df ich das d\u00fcnne B\u00e4ndchen &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4464\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-4464","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4464"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4464\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}