{"id":45004,"date":"2016-07-15T00:55:04","date_gmt":"2016-07-14T22:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=45004"},"modified":"2016-07-15T00:55:04","modified_gmt":"2016-07-14T22:55:04","slug":"die-abenteuer-des-braven-sodaten-schwejk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=45004","title":{"rendered":"Die Abenteuer des braven Sodaten Schwejk"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt etwas ganz Altes, ein Klassiker und eine &#8220;Aufbau-Ausgabe&#8221; von 1982, die offenbar vom Alfred stammt, was\u00a0 auch sehr interessant, da\u00df das Buch, das so offen zur Rebellion und Wiederstand aufruft, in der DDR verlegt wurde. Ich nehme an, der Alfred hat es dort in einer Buchhandlung gekauft oder von seinen Verwandten geschenkt bekommen.<\/p>\n<p>Ein Buch vor dem ich mich wahrscheinlich\u00a0 lang gedr\u00fcckt habe, weil ich in den Sechziger- oder Siebzigerjahre, den Film oder die Fernsehserie mit Fritz Muliar gesehen habe und da ist bei mir offenbar nur die Bl\u00f6delei h\u00e4ngen geblieben, die ich ja nicht so mag, dabei ist es ein Buch, das \u00fcber den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/05\/es-ist-fruhling-und-ich-lebe-noch\/\">ersten Weltkrieg<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/23\/im-westen-nichts-neues\/\">handelt<\/a> \u00a0 und der hat mich\u00a0 vor <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/12\/zeit-der-grossen-worte-und-besuch-der-hartmannswillerkopfgedenkstatte\/\">zwei<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/19\/die-waffen-nieder\/\">Jahren <\/a><a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_miranda.html\">sehr besch\u00e4ftigt <\/a>und eines der erste B\u00fccher, wie ich bei<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iqb0YmIY9Z4\"> &#8220;You Tube&#8221;<\/a> fand, das zum Widerstand aufrief.<\/p>\n<p>Jetzt wurde es neu \u00fcbersetzt, diese \u00dcbersetzung liegt oder lag bei Anna Jeller, die angeblich viel besser sein soll, weil das &#8220;B\u00f6makeln&#8221; fehlt, ich habe noch die alte, bin aber bei Neu\u00fcbersetzungen ohnehin immer skeptisch, denn die Originalausgabe kann man ja auch nicht ver\u00e4ndern und den Zeiten anpassen.<\/p>\n<p>&#8220;Der brave Soldat Schwejk&#8221; entnehme ich also &#8220;Wikipedia&#8221; ist ein unvollendeter antimilitaristischer und satirischer Schelmenroman des, 1883 geborenen und 1923 verstorbenen, tschechischen Schriftstellers Jaroslav Hasek, der damit ber\u00fchmt wurde. Er ist urspr\u00fcnglich, 1921, in Zeitschriften erschienen und besteht aus vier Teilen.<\/p>\n<p>Im ersten Teil &#8220;Im Hinterland&#8221; wird gerade Franz Ferdinand in Sarajewo erscho\u00dfen und der Prager Hundef\u00e4nger,\u00a0 der wegen Bl\u00f6dheit aus dem Milit\u00e4rdienst entlassen wurde, geht wie jeden Abend in sein Stammwirtshaus, wo auch ein Spitzel sitzt, was dazu f\u00fchrt, das sowohl Wirt, als Gast wegen Hochverrats oder sonst noch einiges verhaftet werden. Der Wirt deshalb, weil er das Kaiserbild heruntergenommen hat, weil dort immer, die Fliegen darauf schissen. Der Wirt wird deshalb zu einigen Jahren verurteilt, Schwejk, der immer treuherzig schaut und &#8220;Melde gehorsam, Herr Oberlajtnant!&#8221;, sagt, kommt frei, beziehungsweise wird er bei der Musterung, als Simulant verhaftet, weil\u00a0 er Rheuma hat.<\/p>\n<p>K\u00f6stlich k\u00f6nnte man sagen, die Stelle, wo der Milit\u00e4rarzt, den Tauben, Lahmen, etcetera, Klistiere und Magenausp\u00fclungen verordnet, damit sie gesund werden und sich freiwillig melden.<\/p>\n<p>Schwejk meldet sich auch und kommt zu einem besoffenen Feldkuraten, der eigentlich j\u00fcdischer Abstammung ist, aber irgendwie, den Katholizismus bevorzugte, der sauft sich arm, verliert beim Kartenspielen seinen Burschen, an den Oberleuntant Lukasch, der hat aber keine Freude an ihm, obwohl er ihm am Anfang beibringt, da\u00df er alles machen, mu\u00df, was er ihm befiehlt.<\/p>\n<p>&#8220;Wenn ich sage, spring ins Feuer, dann tue es!&#8221;<\/p>\n<p>Schwejk denkt nicht daran oder doch, so einfach ist das bei einem, der immer treuherzig schaut und wegen Bl\u00f6dheit aus dem Milit\u00e4rdienst entlassen wurde, nicht festzustellen.<\/p>\n<p>Der Oberleutnant hat st\u00e4ndig Frauengeschichten, bei denen Schwejk vermitteln mu\u00df. Dann soll er ihm einen Hund verschaffen, er tut es, in dem er einen von einem Oberst klaut, was den Oberleutnant in arge Schwierigkeiten bringt. Er wird an die Front versetzt und f\u00e4hrt mit Schwejk im Zug dorthin, der redet ihm wieder in seiner Treuherzigkeit, um Kopf und Kragen, zieht dann die Notbremse, wird verhaftet und mu\u00df\u00a0 zu Fu\u00df nach Budweis gehen, weil er das Geld f\u00fcr die Fahrkarte wieder treuherzig vertrinkt.<\/p>\n<p>Und so weiter und so fort und irgendwie merkt man die Fortsetzungsgeschichten, weil jedes Kapitel eine eigene Handlung mit \u00e4hnlichen Wiederholungen hat.<\/p>\n<p>Schwejk kommt\u00a0 wieder zu Lukasch, der ihn zu einer Ungarin schickt, dort kommt es zu einer Schl\u00e4gerei und der Oberleutnannt, der auch als Trottel geschildert wird, hat, wegen seinem Burschen wieder\u00a0 Schwierigkeiten, will ihn eigentlich loswerden, die Vorgesetzten lassen es aber nicht zu, so bekommt er zwar einen anderen Burschen, mit dem er aber auch nicht viel Freude hat, denn der fri\u00dft ihm alles weg und Schwejk kommt mit ihm als seine Ordonnanz ins Feld.<\/p>\n<p>Das passierte dann schon im zweiten Teil &#8220;An der Front&#8221;, im dritten Teil &#8220;Der glorreiche Zusammenbruch&#8221; mu\u00df die Ordonnanz das Telefon bewachen und es kommt zu einem Durcheinander, weil man nicht mehr wei\u00df, wann man ausr\u00fccken soll und, wie es mit der Marschverpflegung ist.<\/p>\n<p>Dann geht es los\u00a0 &#8220;Quer durch Ungarn&#8221;, die gemeinen Soldaten unterhalten sich \u00fcbers Essen, w\u00e4hrend sich die Offiziere mit einem Ganghofer-Buch besch\u00e4ftigen m\u00fcssen um das Cheffrieren zu lernen. Nur leider hat der brave Soldat Schwejk, die zwei Teile verwechselt, beziehungsweise gedacht, da\u00df man das Lesen mit dem ersten beginnt, eine heillose Verwechslung entsteht, die den\u00a0 Kadetten Biegler, der schon von Offiziersw\u00fcrden tr\u00e4umt, als &#8220;Tr\u00e4ger von Cholerabazillen&#8221; in die Lazarettbaracke bringt, indessen bleibt der Zug in Budapest die ganze Nacht lang stehen, die Soldaten sollten, wie zuerst Salami, jetzt Emmentaler bekommen, allein sie bekommen wieder nur gute Spr\u00fcche und Ansichtskarten.<\/p>\n<p>Italien erkl\u00e4rt den Krieg an \u00d6sterreich-Ungarn, die Abfahrt wird alle drei Stunden verschoben, mildt\u00e4tige Damen erscheinen und verteilen Pastillen und wollen den Soldaten daf\u00fcr eine Ansprache halten, Oberleutnant Lukasch hat wieder Schwierigkeiten von seinem hungrigen Burschen, die n\u00f6tige Verpflegung zu erhalten, bis der Abfahrtbefehl endlich kommt.<\/p>\n<p>Dann gehts an die galizische Grenze mit Hauptmann Sagner, Oberleutnant Lakasch, dem esoterischen Koch Jurajda,\u00a0 Rechnungsfeldwebel Wanek, Telefonist Chocounsky und dem eifrigen Leutnant Dub, vom Zivilberuf Lehrer, den Schwejk nur &#8220;Halbfurzer&#8221; nennt und der diesen am liebsten wegen Hochverrats vor Gericht stellen will.<\/p>\n<p>Es gibt zu wenig Essen und als Lukasch Schwejk befiehlt f\u00fcr ihn Kognac zu fassen, was streng verboten ist, schleicht Dub Schwejk nach und befiehlt ihm den Kongnac auszutrinken, weil Schwejk treuherzig behauptet, das das nur eisenh\u00e4ltiges Wasser ist.<\/p>\n<p>Einen Einj\u00e4hrigenfreiwilligien, der schon die Bataillonsgeschichte im Vorraus schreibt und allen einen mehr oder weniger ruhmreichen Tod zukommen l\u00e4\u00dft, gibt es auch und noch verschiedene andere Verwirrungen und Verrenkungen, beispielsweise die, da\u00df der hungrige Baloun in den leeren Gulschkessen f\u00e4llt und ihn so sch\u00f6n, wie nie zuvor ausleckt.<\/p>\n<p>Es gibt\u00a0 ein Zwischenspiel in einem Bordell, in dem sich Leutnant Dub betrinkt, Schwejk mu\u00df die Kompanie im Dorf Liskowiec einquartieren, findet eine russische Uniform, zieht sie an und ger\u00e4t in Kriegsgefangenschaft. Er soll geh\u00e4ngt werden, kommt dann aber doch wieder in seine Kompanie zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dann endet das Buch, mitten im Satz, steht bei &#8220;Wikipedia&#8221;, weil sein Verfasser, der offenbar ebenfalls sehr trinkfreudig war und seinen Schwej im Wirtshaus schrieb und dort auch den G\u00e4sten vorlas, &#8220;am 3. J\u00e4nner 1923 im Alter von vierzig Jahren gestorben ist.&#8221;<\/p>\n<p>Es gibt Nachrufe von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/04\/entdeckungen-in-mexiko\/\">Egon<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/12\/china-geheim\/\"> Erwin<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/28\/marktplatz-der-sensationen\/\">Kisch<\/a>, Kurt Tucholsky und F. C. Weisskopf.<\/p>\n<p>In der Tschechai kennt jeder den braven Soldaten Schwejk, hat ihn in der Schule gelesen, kann ihn als Souvenier von seinen Reisen mitbringen und in sein Auto oder sonstwohin aufh\u00e4ngen und Denkm\u00e4ler gibt es nat\u00fcrlich auch.<\/p>\n<p>Es ist nicht so sehr ein Buch \u00fcber den ersten Weltkrieg, sondern eines \u00fcber die Dummheit der Menschen, habe ich einem der You-Tube Filme gesehen. Etwas, was ich eigentlich nicht so glaube, sondern das Buch eher f\u00fcr einedamalige Gegenwartsbew\u00e4ltigung eines vielleicht auch hoffnungslos Verzweifelten halte.<\/p>\n<p>F\u00fcr den zweiten Weltkrieg kann man den Bockerer von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/14\/kurz-nach-4\/\">Ulrich Becher <\/a>als Gegenbeispiel halten, wo einer auch durch seine vermeintliche oder wirkliche Dummheit, das Naziregime \u00fcberlebt und Dummstellen ist wahrscheinlich genauso ein Abwehrmechanismus, wie der Humor einer ist und wenn Jarosav Hasek am dritten J\u00e4nner 1923 nicht gestorben w\u00e4re, h\u00e4tte es vielleicht noch weitere Abenteuer des braven Hundef\u00e4ngers gegeben, der aber auch so, wie beispielsweise von Karel Vanek, weitergeschrieben worden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt etwas ganz Altes, ein Klassiker und eine &#8220;Aufbau-Ausgabe&#8221; von 1982, die offenbar vom Alfred stammt, was\u00a0 auch sehr interessant, da\u00df das Buch, das so offen zur Rebellion und Wiederstand aufruft, in der DDR verlegt wurde. 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