{"id":45034,"date":"2016-07-07T21:00:32","date_gmt":"2016-07-07T19:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=45034"},"modified":"2016-07-07T21:00:32","modified_gmt":"2016-07-07T19:00:32","slug":"in-die-haeuser-schauen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=45034","title":{"rendered":"In die H\u00e4user schauen"},"content":{"rendered":"<p>Ich bekomme ja immer die Programme f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/02\/18\/wiener-vorlesung-zur-remigration\/\">&#8220;Wiener Vorlesungen&#8221; <\/a>das sind Veranstaltungen zu fast allen Themen, die meist im Wiener Rathaus von Hubert Christian Ehalt initiiert, stattfinden und gehe nur eher selten hin, weil ich mich ja haupts\u00e4chlich f\u00fcr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/23\/eine-moderne-zeitgenossin\/\">Literatur <\/a>interessiere.<\/p>\n<p>F\u00fcr Politik und Zeitgeschichte interessiere ich ich aber auch und im Sommer kommt seit einigen Jahren auch immer eine Einladung zu einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/07\/09\/vom-salon-zur-literatur\/\">Sommerakademie, die das\u00a0 &#8220;Institut f\u00fcr j\u00fcdische Geschichte \u00d6sterreichs&#8221;<\/a>, das in der ehemaligen Synagoge in St. P\u00f6lten beheimatet ist, veranstaltet.<\/p>\n<p>Die hat fr\u00fcher in der &#8220;Bawag&#8221; stattgefunden und die Er\u00f6ffnung war meistens in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/07\/05\/in-der-ehemaligen-synagoge\/\">St. P\u00f6lten in der Synagoge<\/a>. Die &#8220;Bawag&#8221; wurde aber nach dem Skandal verkauft und das sch\u00f6ne Geb\u00e4ude bei der Tuchlauben gibt es nicht mehr, so findet die Sommerakademie seit zwei Jahren in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/04\/das-ende-der-kindheit\/\">neuen WU <\/a>statt, was sehr praktisch ist, da ich da ja mit dem Alfred essen kann.<\/p>\n<p>Ich war aber nicht immer dort, weil ich manchmal, wenn sie stattfand schon in meiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/01\/sommerfrischenbeginn\/\">&#8220;Sommerfrische&#8221;<\/a> war oder der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/05\/neununddreisigstes-bachmannlesen\/\">&#8220;Bachmannpreis&#8221;<\/a> zeitgleich stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Heuer durch meinen ge\u00e4nderten <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/24\/sommerwende\/\">Sommerfrischenrhythmus<\/a> geht es sich aber auch, denn die Veranstaltung zum Thema &#8220;Aspekte j\u00fcdischen Wohnens vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert&#8221; findet von Mittwoch bis Freitag statt.<\/p>\n<p>So machte ich am Dienstag meinen Praxistag und bin\u00a0 Mittwoch und Donnerstag in die WU gegangen. Den Freitag, wo auch noch Vortr\u00e4ge sind, werde ich aber auslassen, weil meine &#8220;Sommerfrische&#8221; ja heuer, als ein verl\u00e4ngertes Wochenende von Freitag bis Montag stattfindet.<\/p>\n<p>Unter &#8220;J\u00fcdischen Wohnen&#8221; da kann man sich vieles vorstellen und ich bin auch mehr an der Zeitgeschichte, als am Mittelalter interessiert, da gebe ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/06\/kuenstlerinnenbrunch-und-autorinnen-aus-salzburg\/\">Ruth Asp\u00f6ck<\/a>, die ebenfalls teilgenommen hat, recht, aber diesmal war auch die Entwicklung und die Frage, was ein Ghetto ist und wie es zur Gehttobildung gekommen ist, interessant, das wurde in den ersten zwei Vortr\u00e4gen diskutiert.<\/p>\n<p>Der Erste gab Definitionen, der Zweite erz\u00e4hlte\u00a0 vom venezianischen Ghetto, das es seit 1516 gibt, also heuer ein Jubil\u00e4um hat.<\/p>\n<p>Der Vortragende, Rafael Arnold, aus Rostock zeigte dazu Pl\u00e4ne und lud zu einem diesbez\u00fcglichen Symposium, das in Venedig stattfinden wird, ein aber soweit werde ich wahrscheinlich nicht fahren und es wurde nach der Kaffeepause auch zeitgen\u00f6ssischer, ging es da doch\u00a0 \u00fcber das Leben und Wohnen im NS-Ghetto.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rte Christoph Dieckmann anhand der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/01\/31\/die-banalitaet-des-guten\/\"> litauischen Ghettos<\/a> und Ute Fischer erz\u00e4hlte sehr emotional \u00fcber die Spuren des Ghetto Theresienstadt und damit habe ich mich auch ein bi\u00dfchen besch\u00e4ftigt, hat es da ja im Herbst eine Ausstellung \u00fcber die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/08\/musik-in-theresienstadt\/\">Musik in Terezin<\/a> gegeben, dann habe ich mir auch die Interviews mit Benjamin Murmelstein, dem Juden\u00e4ltestens dort angeschaut und diesen Nazi-Propagandafilm habe ich auch gesehen.<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df des ersten Tages ging es, um die Judenh\u00e4user auf j\u00fcdischen Friedh\u00f6fen, das waren Samelwohnungen, die es dort gegeben hat.<\/p>\n<p>Ulrich\u00a0 Knufinke zeigte ein paar\u00a0 Beispiele aus Leipzig und Berlin und fragte, wie das in Wien gewesen sei, worauf sich eine Dame meldete und erz\u00e4hlte, da\u00df es das am Zentralfriedhof\u00a0 auch gegeben hat,\u00a0 sie als Kind dort spielte und sich noch an die Familien erinnern kann.<\/p>\n<p>Am Donnerstag ging es dann wieder kurz ins Mittelalter, beziehungsweise zu den &#8220;Judenh\u00e4usern&#8221;, in Wien befand sich das Judenviertel damals zwischen Judenplatz und Wipplingerstra\u00dfe und es gab auch Streitereieren zum Beispiel mit dem Stift Klosterneuburg wegen Abflu\u00dfrohren und dem Abbort.<\/p>\n<p>Im achtzehnten Jahrhundert wurde es dann breiter und eleganter, vor allem die Familien Oppenheimer etcetera hatten ihre H\u00e4user in denen sie mit ihrern Familien und ihren Dienstboten lebten und dann ging es zu den Sammelwohnungen, beziehungsweise\u00a0 zum &#8220;Leben und \u00dcberleben in Wien 1938 -1945&#8221;, die waren vorwiegend in im ersten, zweiten, dritten, neunten und zwanzigsten Bezirk, als am Donaukanal zu finden, eine ber\u00fchmte befand sich in der Berggasse 19 und da gab es glaube ich 2003 eine Ausstellung &#8220;Freuds verschwundene Nachbarn&#8221; und den entsprechenden Katalog, habe ich, glaube ich, auf einem der B\u00fcchert\u00fcrme der &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221; gefunden.<\/p>\n<p>Dazu gab es in St. P\u00f6lten auch ein Sch\u00fclerprojekt in St. P\u00f6lten, wo unter dem Titel &#8220;Abgemeldet&#8221;, das Schicksal der St. P\u00f6ltner j\u00fcdischen Familien erforscht wurde. Eine Sch\u00fclerin und ihre Betreuer berichteten dar\u00fcber und dann gab es noch ein Zeitzeugengespr\u00e4ch zwischen Gro\u00dfvater und Enkel, n\u00e4mlich dem 1934 geborenen Psychiater und Psychotherapeut Harry Merl, der seine Kindheit in den verschiedensten Sammelwohnungen verbrachte und davon erz\u00e4hlte, wie er sich selbst das Lesen beibrachte, der &#8220;Dr. Dolittle&#8221; hat ihn begeistert, mit einem Freund hat er einmal vor der Urania um Geld f\u00fcr eine Kasperlauff\u00fchrung gebettelt, die energische Mutter hat ihm eine Ohrfeige gegeben, als sie darauf gekommen ist, er hat mit anderen Kindern auch in den Ruinen des Tempels gespielt, dabei seine erste &#8220;Geliebte&#8221; gefunden, um die er immer noch trauert, weil sie eines Tages nicht mehr gekommen, sondern mit ihrer Familie verschwunden ist.<\/p>\n<p>Als der Spuk vor\u00fcber war, ist er dann in die vierte Klasse Volksschule gekommen, danach in die Haupt und ein Jahr sp\u00e4ter, in die Mittelschule, wie er sagte und, wie das Gymnasium fr\u00fcher hie\u00df. Dort hat er mit Auszeichnung maturiert und gibt heute noch, wie ich ergooglet habe familientherapeutische Seminare.<\/p>\n<p>Sehr beeindruckend\u00a0 sein Vortrag und dieses Aspekt des j\u00fcdischen Leben und \u00dcberleben. Am Freitag geht das Seminar noch mit einigen\u00a0 sicher auch sehr interessanten Vortr\u00e4gen weiter. Martha Keil die Direktorin des Instituts wird das Schlu\u00dfwort halten und hat sich f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr sich sicher wieder schon ein interessantes Akademiethema ausgedach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bekomme ja immer die Programme f\u00fcr die &#8220;Wiener Vorlesungen&#8221; das sind Veranstaltungen zu fast allen Themen, die meist im Wiener Rathaus von Hubert Christian Ehalt initiiert, stattfinden und gehe nur eher selten hin, weil ich mich ja haupts\u00e4chlich f\u00fcr &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=45034\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[2779,2909,5392],"class_list":["post-45034","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltungen","tag-institut-fuer-juedische-geschichte","tag-juedisches-wohnen","tag-sommerakademie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45034"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45034\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}