{"id":45188,"date":"2016-07-16T00:41:09","date_gmt":"2016-07-15T22:41:09","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=45188"},"modified":"2016-07-16T00:41:09","modified_gmt":"2016-07-15T22:41:09","slug":"der-fisch-der-zu-ihm-gesprochen-hatte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=45188","title":{"rendered":"Der Fisch der zu ihm gesprochen hatte"},"content":{"rendered":"<p>Eine in der &#8220;Bibliothek der Provinz&#8221; erschienene Erz\u00e4hlung des, wie\u00a0 in der Biographie steht, 1958 geborenen bildenden K\u00fcnstlers, Schriftstellers, Regisseurs, Schaupielers und Stadtstrawanzers <a href=\"http:\/\/www.thomasjohanneshauck.de\/\">Thomas J. Hauck<\/a>, der\u00a0 schon viele B\u00fccher geschrieben hat und den ich im Mai bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/09\/vom-literaturarchiv-zu-den-wilden-worten\/\">&#8220;Wilden Worten&#8221; <\/a>kennenlernte.<\/p>\n<p>Jetzt hat er mir das zweiundsiebzig Seiten dicke B\u00fcchlein geschickt, das er, glaube ich, auch im Cafe Pr\u00fcckl vorgestellt hat.<\/p>\n<p>&#8220;Manfred P. T. Ellermann taucht in eine seltsame Geschichte, eine Geschichte voller Poesie, Melancholie und gro\u00dfem Erwarten. Ein Traum? Eine Vision? Realit\u00e4t? Er wei\u00df es nicht und wird es vielleicht nie erfahren, wenn es da nicht einen Duft g\u00e4be&#8230;&#8221;, steht am Buchr\u00fccken und beginnen tut das Buch, das von Geogia W\u00f6lfle illustriert wurde, mit dem lapidaren Satz: &#8220;Manfred P. T. Ellermann war am 7. Februar in Zirl in Tirol losgegangen, um zu vergessen.&#8221;<\/p>\n<p>Dabei gab es gar nicht so viel, was er zu vergessen h\u00e4tte, jedenfalls nichts Schreckliches, denn er war in seiner Stadt angesehen, hatte einen guten Beruf, Ehren\u00e4mter, eine Frau, zwei Kinder, eine Villa, alles also was man so braucht und trotzdem stimmte etwas nicht in seinem Leben, so da\u00df es in ihm zu einem fortw\u00e4hrenden Grollen kam, zu einem Gewitter, von dem seine ewig putzende und den Sex verweigernte Frau &#8220;Na, schatzi heut gibts ka Gewitter und morgen a net!&#8221;, nichts merkte, so da\u00df er pl\u00f6tzlich, nachdem er in der Zeitung gelesen hatte, da\u00df Gehen gut f\u00fcr das Vergessen ist, aufsteht und mit seiner Aktentasche in Richtung Westen marschiert.<\/p>\n<p>Am Abend i\u00dft er in einem Gasthaus eine Forelle, l\u00e4\u00dft sich die Fischgr\u00e4te einpacken und nimmt sie mit auf seine weitere Reise, auf der er bis nach Stra\u00dfburg kommt.<\/p>\n<p>Seine Uhr bleibt stehen oder eigentlich, geht sie zur\u00fcckw\u00e4hrt, so da\u00df er nach und nach bis in den Dezember kommt und in Stra\u00dfburg quartiert er sich zuerst in ein Hotel, in dem er schon einmal war, dann in eine verwunschene Hinterhofpension ein, um zum Bahnhof zu gehen und auf eine Frau zu warten, von der nicht wei\u00df, ob und wann sie kommt.<\/p>\n<p>Dabei findet er eine Christbaumkugel, die er f\u00fcr ein K\u00fccken h\u00e4lt, in dem Pensionszimmer gibt es eine Spinne, die er in sein Umfeld einbezieht, er ern\u00e4hrt sich von Croissants, die ihn an den Mond erinnern.<\/p>\n<p>Und das Vergessen verwandelt sich ein eine vage Erinnerung und der Suche nach einer Vergangenheit, die es vielleicht nie gegeben hat.<\/p>\n<p>Ein Traum? Eine Vision? Realit\u00e4t? Die Midlifekrise, die man mit vierzig, wenn man eine sexm\u00fcde Frau und zwei ewig lernende Kinder hat, schon einmal bekommt oder der Weg in die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vergessen.html\">Demenz<\/a>?<\/p>\n<p>Kann die so ausschauen, da\u00df man, in dem man auf einmal alles hinter sich, sein langweiliges, kompromi\u00dfverseuchtes Leben und sich in seine Tr\u00e4ume, seine Sehnsucht, seine nicht gelebte Vergangenheit zur\u00fcckzieht?<\/p>\n<p>Vielleicht. Die Psychologin k\u00f6nnte es sich vorstellen und es l\u00e4\u00dft sich auch herrlich nachdenken und weiterphilosophieren bei dieser Parabel, die uns der umtriebige Vielschreiber schenkte.<\/p>\n<p>Ein Geruch, ein Parfum und noch vieles anderes, spielen dabei auch eine Rolle.<\/p>\n<p>Am Ende hat Manfred P. T. Ellermann Bluttr\u00e4nen im Gesicht\u00a0 und geht immer weiter ins Nichts. H\u00f6rt noch &#8220;wie sein Fisch, sein K\u00fccken und seine Spinne zu ihm sprachen:&#8221; Du h\u00e4ttest sie nie loslassen sollen, nie. Verstehst du? Und Manfred P. T. Ellermann nickt unter Tr\u00e4nen und fl\u00fcsterte mit tr\u00e4nenerstickter Stimme: &#8220;Ja, ich wei\u00df, Fisch, ja, ich wei\u00df K\u00fccken, ja, ich wei\u00df Spinne&#8221;, und ging so lange, bis er im Nichts verschwunden war.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine in der &#8220;Bibliothek der Provinz&#8221; erschienene Erz\u00e4hlung des, wie\u00a0 in der Biographie steht, 1958 geborenen bildenden K\u00fcnstlers, Schriftstellers, Regisseurs, Schaupielers und Stadtstrawanzers Thomas J. 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