{"id":4527,"date":"2010-10-08T10:32:47","date_gmt":"2010-10-08T08:32:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4527"},"modified":"2010-10-08T10:32:47","modified_gmt":"2010-10-08T08:32:47","slug":"mein-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4527","title":{"rendered":"Mein Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p>Martin Mosebachs Insel Taschenbuch &#8220;Mein Frankfurt&#8221; mit einem Nachwort von Rainer Weiss und Fotos von Barbara Klemm, habe ich einer Ein-Euro-Kiste der Buchlandung gefunden und  es als ich den &#8220;Nebelf\u00fcrst&#8221; gelesen habe, nach Leipzig mitnehmen wollen,  dann aber wieder in das Regal zur\u00fcckgelegt. Jetzt erscheint es mir aber passend, ist Martin Mosebach ja ein typischer Frankfurter, der wie er schreibt, Frankfurt nie verlassen hat und von dem 1951 geborenen Dichter ist durch seinen Longlistenroman &#8220;Was davor geschah&#8221; derzeit oft die Rede. So habe ich das Buch zwischen meinen Frankfurt-Ausfl\u00fcgen gelesen, denn ich kenne die Stadt, in der ich 2000 und 2002 auf der Buchmesse war und dann noch zweimal Rudolf Blazejewski  besuchte, als wir von  unseren Skandinavienreisen zur\u00fcckgefahren sind, nicht wirklich. Als die Anna ganz klein war, haben wir bei ihm auf der Wolfsweide \u00fcbernachtet und war fasziniert von der tollen Wohnung.<br \/>\n2000 habe ich ihn nicht mehr gefunden, so da\u00df wir bei einer Lesung im R\u00f6mer waren und dann noch einen Schoppen in einer Wirtschaft tranken. 2001 waren wir mit den Hundertmarks in D\u00e4nemark, auf der R\u00fcckreise sind wir mit ihm durch einen Wald gegangen und haben in einer Schenke den ber\u00fchmten Apfelwein getrunken und das Haus, in dem die Stipendiaten wohnen, haben wir auch fotografiert.<br \/>\n2002 wollten wir einen Nachmittag die Stadt besichtigen und haben das Zentrum nicht wirklich gefunden. So kann ich mich nur an das Kaufhaus erinnern, in deren Tiefgarage wir das Auto parkten, dann habe ich die Schirnhalle, eine Buchhandlung, eine Br\u00fccke \u00fcbern Main und einen Platz mit Springbrunnen mit ein paar D\u00f6nerbuden gefunden. Die Skyline mit den Hochh\u00e4usern habe ich nat\u00fcrlich auch bewundert. Das wars dann schon und jetzt bin ich ein bi\u00dfchen mit Martin Mosebach durch Frankfurt geschlendert, der best\u00e4tigte, da\u00df es kein altes Frankfurt gibt und, da\u00df er, als in den F\u00fcnfzigerjahren<br \/>\nin die Schule gekommen ist, eine komplett neue Stadt erlebte.<br \/>\nDas Buch besteht aus vier Frankfurt Essays und drei Ausschnitten aus  dem 1992  Roman &#8220;Westend&#8221;, wo der eingesessene Frankfurter B\u00fcrger Alfred Labonte mit einem Ruderboot den Main hinuntertreibt und dabei eine Kinderleiche findet. In der zweiten Stelle stellt er das Leben mit Tante Tildchen und Tante Mi im Westend vor und in der dritten, wird der alte Friedhof vorgestellt und Tante Tildchen zu Grabe getragen. Bei dem Begr\u00e4bnis sind au\u00dfer Tante Mi, Alfred und Fr\u00e4ulein Emig nur drei alte Damen der Jugendbewegung anwesend, der sich Tante Tildchen in den zwanziger Jahren angeschlossen hatte. Trotzdem sind sie es, die dem Pfarrer Informationen \u00fcber die Verstorbene geben, der dann behauptet, da\u00df Tante Tildchen f\u00fcr Rosen schw\u00e4rmte, obwohl es doch Wicken waren und aus Alfred einen Albrecht macht.<br \/>\nMartin Mosebach ist, entnehme ich Wikipedia, in Frankfurt-Sachsenhausen geboren und verbrachte die ersten Lebensjahre in K\u00f6nigsstein im Taunus, wo der Vater als Arzt praktizierte. Als er f\u00fcnf Jahre war, kehrte die Familie nach Frankfurt ins Westend zur\u00fcck, wo Martin Mosebach Rechtswissenschaft studierte.<br \/>\nIn den vier Frankfurt Geschichten gibt er in der ersten ein Portrait der Stadt, wo die Schule beschrieben wird, aber auch der Dom und der R\u00f6merberg. Dann geht es um den Struwwelpeter und die Amerikaner. Heinrich Hoffmann, der das ber\u00fchmte Buch geschrieben hat, war einer der ersten Psychiater Deutschlands, der von den wohlhabenden Kaufleuten Frankfurts Geld f\u00fcr eine fortschrittliche Anstalt f\u00fcr Irre und Epileptische sammelte, so da\u00df er auf dem Affenstein eine pr\u00e4chtige Krankenhausanlage, das sogenannte &#8220;Irrenschlo\u00df&#8221; bauen lie\u00df, das er bis zu seinem Tod leitete und sogar dort wohnte.<br \/>\nDer dritte Essay beschreibt den Ursprung der Vaterlandsliebe, der vierte ist dem phantasierten, beziehungsweise dem wirklichen Frankfurt gewidmet, wo Martin Mosebach erkl\u00e4rt, da\u00df er Frankfurt als eine der verdorbensten und h\u00e4\u00dflichsten St\u00e4dte Deutschlands erlebt, in seiner Phantasie aber an die sch\u00f6nste Stadt denkt, die er kennt.<br \/>\nDas kann ich nach meinen Kurzbesuchen nat\u00fcrlich nicht beurteilen, trotzdem hat mich die schnelle Lekt\u00fcre der mir unbekannten Stadt n\u00e4hergebracht.<br \/>\nDie Frankfurter Buchmesse hat den Ruf, da\u00df sie viel unpers\u00f6nlicher und weniger f\u00fcr die Leser, als die von Leipzig ist. Hier werden die Gesch\u00e4fte gemacht und hinter verschlossenen T\u00fcren Lizenzen geschlossen und ich habe das erste Mal die Messe als sehr toll erlebt. Das zweite Mal habe ich sie nur teuer empfunden und in Erinnerung, da\u00df ich, als ich zu einer Lesung gehen wollte, weggetrieben wurde, weil es ein Buffet gegeben hat und als ich am Fischerstand nach einem Glas Wasser fragte, wurde mir das mit der Frage, ob ich Hausautorin sei, verweigert, obwohl &#8220;La\u00df dir Zeit, Stottern will verlernt sein&#8221;, bei Fischer TB erschienen ist.<br \/>\nAuf der Messe bekommt man vom Flair der Stadt wohl nicht viel mit, egal, ob man sie vom Wohnzimmer besucht oder dort ist, so habe ich die schnelle Lekt\u00fcre sehr genossen. Um mehr von Frankfurt zu erfahren, m\u00fc\u00dfte man wohl au\u00dferhalb der Messe l\u00e4nger  hinfahren. Es ist aber sicher eine gute Idee sich w\u00e4hrend eines Wohnzimmermessebesuches Martin Mosebachs &#8220;Mein Frankfurt&#8221; zu studieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Mosebachs Insel Taschenbuch &#8220;Mein Frankfurt&#8221; mit einem Nachwort von Rainer Weiss und Fotos von Barbara Klemm, habe ich einer Ein-Euro-Kiste der Buchlandung gefunden und es als ich den &#8220;Nebelf\u00fcrst&#8221; gelesen habe, nach Leipzig mitnehmen wollen, dann aber wieder in &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4527\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-4527","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4527","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4527"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4527\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}