{"id":45529,"date":"2016-07-31T09:16:48","date_gmt":"2016-07-31T07:16:48","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=45529"},"modified":"2016-07-31T09:16:48","modified_gmt":"2016-07-31T07:16:48","slug":"sommernomaden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=45529","title":{"rendered":"Sommernomaden"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/13\/sommerbucher\/\">Sommerbuch<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.kremayr-scheriau.at\/bucher-e-books\/sommernomaden-855\">zehn Stories von Marianne Jungmaier,<\/a> die ja das<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/03\/bleistift-hef-laptop-und-george-saiko-reisestipendium\/\"> &#8220;Saiko-Reisestipendium&#8221; <\/a>bekommen hat, die einen hinf\u00fchren an die Orte dieser Welt und dennoch eigentlich viel weniger von den St\u00e4dten oder L\u00e4ndern, als von Lebensgef\u00fchlen und Beziehungen und, das alles in einer sehr poetisch sch\u00f6nen Sprache, die von vielen englischen Ausdr\u00fccken untersetzt ist, erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ja, Marianne Jungmaier, 1985 geboren ist ein Kind der Achtzigerjahre aufgewachsen in den Neunzigern, &#8220;wo Bill Clinton Pr\u00e4sdient war, Dolly geklont wurde und der Disc- den Walk man abl\u00f6ste&#8221;.<\/p>\n<p>So rei\u00dft es die in Linz geborene herum, deren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/03\/das-tortenprotokoll\/\">Debutroman<\/a> ich im letzten Herbst gelesen habe und die ich auch einmal on der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/13\/alltag-stimmung-spharen\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> h\u00f6rte, sie reist herum und schreibt Briefe oder Mails, wie das\u00a0 heutzugtage hei\u00dft aus allen Gegenden, die sie dann beispielsweise mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/01\/11\/wieder-zu-den-wilden-worten\/\">Erika Kronabitter bei den &#8220;Wilden Worten&#8221;<\/a>, las.<\/p>\n<p>In Indien erf\u00e4hrt man von ihrem Gro\u00dfvater, der aus Kroatien fl\u00fcchten mu\u00dfte und von Miro, der kein spanischer Maler ist, sondern Miriolsav hei\u00dft, ebenfalls aus <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/12\/kroatienurlaub\/\">Kroatien<\/a> kommt und in Indien so eine Art Hostel zu betreiben scheint.<\/p>\n<p>Ihn hat Marianne Jungmaier beziehungsweise die Ich-Erz\u00e4hlerin &#8220;im Reisef\u00fchrer f\u00fcr Fremde, dem ungeschriebenen Atlas der Unbekannten, die man einmal Freunde nennen wird&#8221;, gefunden.<\/p>\n<p>Sie wird ihn wieder verlieren, denn das Leben und die Reisen der Sommernomadin geht ja weiter und sie wird ihn auch so niemals wiedertreffen &#8220;weil wir nicht gleich bleiben. Weil die Person, deren Reisef\u00fchrer wir lesen, eine andere sein wird, schon im n\u00e4chsten Moment.&#8221;<\/p>\n<p>Wundersch\u00f6n poetisch ausgedr\u00fcckt und schon geht es weiter nach Venedig oder an den Banhof von Linz, wo sie &#8220;Eli mit den braunen Lederschuhen, den dunkelgr\u00fcnen Wollsocken und einer Plastikmargarite im kurzen blonden Haar &#8220;trifft, mit der sie in Vededig ihren Geburtstag feiern wird.<\/p>\n<p>Die schenkt ihr schon in Salzburg ein blaues Kleid und sie wird sie, die &#8220;so viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Neurosen hat&#8221;, auch verlieren, &#8220;denn\u00a0 sie kann nur dann ich sein, wenn sie alleine ist&#8221;, sie wird sie aber auch wiederfinden, denn der Geburtstag ist noch lang und sie wird ihre K\u00fc\u00dfe auch elf Monate, bis zu Elis Geburtstag in &#8220;Stanniolpapier&#8221; aufbewahren.<\/p>\n<p>Nach Beldgrad in eine Stadt &#8220;in die man vor und w\u00e4hrend des Krieges offenbar nicht reiste&#8221;, ich war 1998 vor dem Kosovkrieg mit Anna und dem Alfred da um meine Tante Dora zu besuchen, geht es offenbar zu einer Lesung oder eine Kulturveranstaltung, dennnoch teilt sie mit Sergio, das Schlafsofa in ihrer Gastwohnung und denkt wieder an ihren Gro\u00dfpapa, der\u00a0 von dort fl\u00fcchtete und danach nach Norwegen ging, um dort eine neue Familie zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>In Berlin und London trifft sie sich\u00a0 mit Mitgliedern ihrer &#8220;Reisefamilie&#8221;, die sie in Indien kennenlernte, besucht mit ihnen Nachtlokale, wo man\u00a0 der Drogen wegen, die man sp\u00e4ter konsumieren wird, besser vorher den Weg am Handy markiert, hat mit ihnen Sex und man sieht, wie die Geschichten zusammenh\u00e4ngen und das Leben und die Beziehungen einer modernen Reisenomadin aussehen kann, w\u00e4hrend sie nach Island, eine sehr starke Geschichte, offenbar mit ihrer Mutter reist, mit der sie Schwierigkeiten hat.<\/p>\n<p>Sehr zart werden die Differenzen, das Ausweichen und das Nichtaushalten von N\u00e4he angedeutet, die nur &#8220;sie&#8221; genannte Reisepartnerin zahlt f\u00fcr sie, was der Erz\u00e4hlerin Schwierigkeiten macht, denn &#8220;wo bleibt da der Ausgleich des Gebens und Nemens?&#8221;<\/p>\n<p>In &#8220;Die Heimat der Kolibris&#8221; geht es nach <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/02\/brasilien\/\">Brasilien, das Land der Zukunft, wie Stefan Zweig vor \u00fcber siebzig Jahren schrieb<\/a>.<\/p>\n<p>Marianne Jungmaier wird es anders erlebt haben, geht es doch mit einer Nachbarin, der deutschen Wiebke oder Wi zu einer Caroline, die sie im Flugzeugt kennenlernte und die ihr auffiel, weil sie dort die Decken einsammelte, dann erz\u00e4hlte sie ihr, da\u00df sie einer Religion angeh\u00f6re, die ihre Feste mit einer drogen\u00e4hnlichen Substanz zelebriert. Zu so einer Zeremonie, wo alle wei\u00df gekleidet sind, brechen die beiden auf und die Kolibris, die Namengeber der Geschichte, flirren ums Haus.<\/p>\n<p>In Schottland geht es wieder in ein &#8220;Writer Retreat&#8221; oder zu einem Stipendienaufenthalt, wie sich die prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/10\/alle-wege\/\">aufstrebender Jungautoren abzuspielen scheinen <\/a>und zwar in ein ganz spezielles, in ein Schlo\u00df einer alten Dame namens H, das von einem Manager geleitet wird, der gleich beim Ankommen erkl\u00e4rt, &#8220;da\u00df es der Ettikette entspricht, da\u00df sich G\u00fcnstlinge und Gebende nicht begegnen&#8221;.<\/p>\n<p>Ja, es ist hart\u00a0 das M\u00e4zenatentum auch noch im einundzwanzigsten Jahrhundert und die Jungautoren sind wohl auf solche Beg\u00fcnstigungen angewiesen, so sind gerade\u00a0 zwei Frauen und zwei M\u00e4nner anwesend. Namen darf der Manager nicht nennen, es gibt drei Mahlzeiten am Tag, eine gro\u00dfe Bibliothek, aber kein Internet und auch keine M\u00f6glichkeit au\u00dfer halb des Parkes die Gegend zu erforschen oder einkaufen zu gehen. Denn das Schreiben ist das Wichtigste. Begegnungen mit den anderen G\u00fcnstlingen gibt es also nur beim Fr\u00fchst\u00fcck mit der selbstgemachten Zitronenmarmelade oder abends beim drei- oder vierg\u00e4ngigen Dinner. Da huscht dann auch manchmal die M\u00e4zenin, begleitet von einem Gewehr vorbei und Marianne Jungmeier hat Zeit an ihren Texten zu arbeiten oder\u00a0 eine makaber sch\u00f6ne Geschichte zu schreiben.<\/p>\n<p>Es geht dann noch nach Nevada\u00a0 und am Schlu\u00df nach Kerala zu einem Jogalehrernamens Steve, der mit einem Scooter f\u00e4hrt und mit dem sie Silvester verbringt, womit sich der Kreis wieder schlie\u00dft und wir sind an den Anfang der Geschichten\u00a0 zur\u00fcckgekommen, die von Trennungen und Begegnungen, sich Verlieren und dem Wiederfinden, Sex, Drogen, Vegie-Momos, Cuppuccinis, Keksen, etcetera handeln und, wie nicht nur der letzte Text zeigt, nicht nur im Sommer spielen.<\/p>\n<p>Der Klappentext hat noch ein Foto der sehr fotogenen jungen Frau, die vor einem Stapel alter Koffer posiert, wahrscheinlich ist sie eher mit Rucksack und Trolley losgereist, um &#8220;Ihre Geschichten aus dem Inneren der Ferne voll magischer Momente und einzigartiger Begegnungen&#8221;, wie am Buchr\u00fccken steht, zu erleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Sommerbuch, zehn Stories von Marianne Jungmaier, die ja das &#8220;Saiko-Reisestipendium&#8221; bekommen hat, die einen hinf\u00fchren an die Orte dieser Welt und dennoch eigentlich viel weniger von den St\u00e4dten oder L\u00e4ndern, als von Lebensgef\u00fchlen und Beziehungen und, das &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=45529\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[26,3279,3862,5574],"class_list":["post-45529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-neuerscheinung","tag-kremayrscheriau","tag-marianne-jungmaier","tag-stories"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45529"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45529\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}