{"id":4587,"date":"2010-10-20T23:29:03","date_gmt":"2010-10-20T21:29:03","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4587"},"modified":"2010-10-20T23:29:03","modified_gmt":"2010-10-20T21:29:03","slug":"zweimal-rennweg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4587","title":{"rendered":"Zweimal Rennweg"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr heute morgen hatte ich wieder so eine Einladung zu einer Produktpr\u00e4sentation. Da ruft dich jemand mit franz\u00f6sischen Akzent an, nennt dich &#8220;Madame&#8221; und l\u00e4dt dich in ein Hotel am Rennweg zu einer Porzellanaustellung aus. Du mu\u00dft den Monsieur mitbringen und seinen Namen sagen, aber mein Monsieur geht um elf zu keiner Produktpr\u00e4sentation und war au\u00dferdem bei einer Konferenz in Krems.<br \/>\n&#8220;Macht nichts!&#8221;, sagt der junge Mann am Telefon, der sich vergewissert, ob die Einladung angekommen ist, dann komme ich eben allein und denke, da\u00df es vielleicht Kaffee und Kuchen oder ein Buffet geben wird, schlie\u00dflich habe ich schon Erfahrung mit Produktpr\u00e4sentationen. Der Herr in dem Hotel am Rennweg Nummer 16 nennt mich auch &#8220;Madame&#8221; und sammelt am Eingang die Einladungskarten ein, dann sitze ich ein bi\u00dfchem im Foyer herum und sehe, da\u00df es gedeckt, wie bei einem Buffet ist. Vorfreude kommt auf und es sammeln sich auch einige \u00e4ltere Damen und Herren. Zehn nach elf kommen zwei Herren und und bitten in einen Raum, wo hinter einem Tisch Gl\u00e4ser und Teller aufgestellt sind. Sessel gibt es keine.<br \/>\n&#8220;Kommen Sie n\u00e4her!&#8221;, sagt der Werber mit franz\u00f6sischen Akzent von dem ich nicht we\u00df, wie echt er ist und ich beginne zu verstehen, wie sich Klaustrophobien entwickeln, aber Monsieur schwatzt von einer franz\u00f6sischen Porzellanfirma, die Werbung machen will, in dem sie den drei Paaren, die sich das verdienen, ein Geschenk machen werden, zeigt Porzellanteller, die mir nicht gefallen, erz\u00e4hlt, da\u00df sie zwischen sieben und siebzehntausend Euro kosten und l\u00e4\u00dft das Publikum aufschreiben, f\u00fcr welches Design man sich entscheidet. Ich w\u00e4hle das Billigste, dann kommt das Fragespiel, man mu\u00df aufzeigen, wenn man sich f\u00fcr nein entscheidet, mu\u00df man den Saal verlassen<br \/>\n&#8220;Au revoir!&#8221;, auf da\u00df die drei gl\u00fccklichen K\u00e4ufer \u00fcberbleiben. Als es so weit ist, da\u00df man bestimmen soll, ob einen f\u00fcr das geschenkte Service die Gravour  viertausend Euro wert ist, bin ich dran,<br \/>\n&#8220;Au revoir, Madame!&#8221;, grinst der Werber, h\u00e4lt mir die T\u00fcre auf und ich gehe leicht betropetzt nach Hause. Was war das? Eine Bauernf\u00e4ngerei?  Da habe ich gedacht, ich h\u00e4tte schon Erfahrung mit Werbeveranstaltungen, denn Buffet hat es selbstverst\u00e4ndlich nicht gegeben, aber vielleicht eine Idee f\u00fcr den n\u00e4chsten Roman.<br \/>\nDas w\u00e4re doch ein Einfall, der sich lohnt. Ich koche Mittagessen, mache eine Diagnostik, sowie eine Stunde und habe noch etwas vor.<br \/>\nDiesmal am Rennweg 44, im Studio der \u00f6sterreichischen Lotterien, denn da wird heute, wie ich aus dem Internet und dem Literaturkompa\u00df der Zeitschrift Buchkultur wei\u00df, zum ersten Mal der Alpha Literaturpreis der \u00f6sterreichischen Nachwuchsliteratur vergeben. Das Casino Austria tut das in Zusammenarbeit mit den st\u00e4dtischen B\u00fcchereien und da haben alle, die nicht mehr als zwei oder drei Buchver\u00f6ffentlichungen haben, einreichen k\u00f6nnen. Hundert haben das getan.<br \/>\nJessica Beer, Rudolf Schirhuber, Rudolf Kraus und Christian Jahl haben f\u00fcnf daraus ausgew\u00e4hlt. Die Hauptjuororen, die aus Josef Haslinger, Gabriele Madeja und Klaus N\u00fcchtern bestanden, haben noch einen sechsten dazugew\u00e4hlt und so sind Richard Obermayr, Verena Ro\u00dfbacher, Thomas Stangl, Clemens J. Setz, Anna Kim und  Christine Wiesm\u00fcller in die Shortlist gekommen. Von der letztern habe ich noch nie etwas geh\u00f6rt und da sich die Suchanfragen auf meinen Blog bez\u00fcglich Richard Obermayr in den letzten Tagen h\u00e4uften, wurde ich neugierig auf die Gala, die im Literaturkompa\u00df angek\u00fcndigt war und bei der drei der Auserw\u00e4hlten lesen und einer schlu\u00dfendlich die zehntausend Euro bekommen w\u00fcrde<br \/>\nAlso  hingegangen, obwohl ich mir dachte, da\u00df man bei einer Gala vielleicht eine Einladung und eine Anmeldung haben m\u00fc\u00dfte.<br \/>\n&#8220;Ich komme schon hinein!&#8221;, habe ich gedacht und so war es auch. Auf Tisch f\u00fcnfzehn ganz hinten und zu meiner \u00dcberraschung gab es ein ganzes Menu. Vorher Aperitivs im Vorraum, ich habe Josef Haslinger die Hand gegeben und Gustav Ernst, der mich nicht mehr fragte, wieso ich hergekommen bin, sondern mich Karin Fleischanderl vorstellte und Herwig Bitsche begr\u00fc\u00dft, der den Residenz Verlag leider verl\u00e4\u00dft, aber Clemens J. Setz ist  sein Kanditat.<br \/>\nIch sch\u00e4tzte und ich sch\u00e4tze immer falsch, meine Leser wissen es, auf Richard Obermayr, Clemens Setz und Verena Ro\u00dfbacher und sah,  als ich schon beim Vorspeisenteller sa\u00df, Thomas Stangl vor\u00fcberhuschen, h\u00f6rte dem Gespr\u00e4ch der beiden freundlichen Herren neben mir \u00fcber B\u00f6rsenkurse und B\u00fccher, die sie herausgeben werden, zu, da hatte ich mich schon in das Gespr\u00e4ch eingemischt, denn die Ungeduld wuchs, wer sind die drei Auserw\u00e4hlten?<br \/>\nClarissa Stadler erklomm das Podium und erz\u00e4hlte etwas \u00fcber den Wert den Lesens. \u00dcber zwanzig Prozent k\u00f6nnen das schon nicht mehr, aber die Lotterien werden das jetzt f\u00f6rdern und der Direktor erz\u00e4hlte, da\u00df er als Kind vis a vie einer B\u00fccherei gewohnt hat.<br \/>\nDann kamen der Direktor der B\u00fcchereien und die Hauptjuroren. Die drei Auserw\u00e4hlten wurden mit einem Film vorgestellt und lasen aus ihren B\u00fcchern, denn man mu\u00dfte eines einreichen. Als erste kam Verena Ro\u00dfbacher mit &#8220;Verlangen nach Drachen&#8221; , dann Clemens J. Setzt mit den &#8220;Frequenzen&#8221;, aber der ist im Moment in den USA bei einem Werkshop, also las der Lektor,  danach nicht Richard Obermayr, sondern Thomas Stangl, die drei anderen  Autoren habe ich nicht gesehen. Ich z\u00fcckte mein Notizbuch und schrieb eifrig mit, so da\u00df mich der Herr an meiner Seite fragte, auf wem ich tippen w\u00fcrde?<br \/>\n &#8220;Clemens J. Setz!&#8221;, antwortete ich.<br \/>\n&#8220;Und Sie?&#8221;<br \/>\n&#8220;Die Dame und die beiden anderen werden sich erschie\u00dfen!&#8221;, was ich nicht ganz verstanden habe, aber die Aufl\u00f6sung kam nicht gleich, zuerst machten Ernst Molden und Willi Resetarits  Musik und Josef Haslinger erz\u00e4hlte eine halbe Seite etwas zu der Preisverleihung sagte, bevor er den Namen preisgab.<br \/>\n&#8220;Und der Winner is Thomas Stangl!&#8221;<br \/>\nIch war wieder einmal erstaunt und es h\u00e4tte es wissen k\u00f6nnen, denn der letzte gewinnt, das ist mir ja schon einmal in Klagenfurt so passiert oder nicht, denn ich war nicht die letzte.<br \/>\nDanach gab es das Buffet. Beiried vom Salzburger Hochried, \u00f6sterreichische Lachsforelle oder im Ofen gegartes Rieslinghuhn.Ich habe mich f\u00fcr Huhn und Rind entschieden und f\u00fcr Mohr im Hemd und Joghurt Mousse mit frischen Fr\u00fcchten als Dessert und das Beste war, da\u00df man sich das Buch mitnehmen konnte. Ich habe es mir signieren lassen, was ich ja nicht oft tue. Aber diesmal hat es gepasst und dem Autor gratuliert, dessen Bachmannpreislesung ich mitverfolgte. Auf der voretzten Shortlist war er  auch. Er war sehr freundlich und hat &#8220;Das ist ein verdienter Autor!&#8221;, gesagt, als ich ihm erz\u00e4hlte, da\u00df ich auf Richard Obermayr tippte und nicht mit ihm gerechnet h\u00e4tte und die beiden Herren an meiner Seite, die von Hatschi Bratschis Luftballon schw\u00e4rmten, haben mir  meine B\u00fccher abgekauft, ob sie ihnen gefallen, wei\u00df ich nicht. Ich  bin ja eine au\u00dferhalb des Literaturbetriebs und im Internet wurde beanstandet, da\u00df bei diesem Nachwuchswettbewerb fast nur Namen ausgew\u00e4hlt wurden, die ihren Weg auch so gemacht h\u00e4tten. Namen, die man kennt, die Minderheit, die sich f\u00fcr Literatur interessiert, wie Clarissa Stadler erw\u00e4hnte, jedenfalls und f\u00fcr mich ist diese Literaturgala eines der gr\u00f6\u00dften Literaturereignisse, das ich erlebt habe. Sehr viel mir bekanntes Publikum habe ich nicht gesehen. Das  Buch von Thomas Stangl werde ich nat\u00fcrlich lesen, auch wenn es meine Herbst und Winterleseliste durcheinanderbringt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr heute morgen hatte ich wieder so eine Einladung zu einer Produktpr\u00e4sentation. Da ruft dich jemand mit franz\u00f6sischen Akzent an, nennt dich &#8220;Madame&#8221; und l\u00e4dt dich in ein Hotel am Rennweg zu einer Porzellanaustellung aus. 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