{"id":46246,"date":"2016-08-24T00:02:14","date_gmt":"2016-08-23T22:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=46246"},"modified":"2016-08-24T00:02:14","modified_gmt":"2016-08-23T22:02:14","slug":"licht-im-august","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=46246","title":{"rendered":"Licht im August"},"content":{"rendered":"<p>Bevor es mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/21\/das-literaturpreis-archiv\/\">&#8220;Buchpreis-Lesen&#8221;<\/a> weitergeht, noch ein Buch aus meiner Leseliste, das &#8220;Atalante&#8221;, als hervorragendes Mittel, gegen die &#8220;Buchpreis-Bulimie&#8221; empfieht und der 1897 in Missisipi geborene William Faulkner, der 1962 dort gestorben ist und 1949\/1950 den Nobelpreis f\u00fcr Literatur bekam, hat 1932 einen Roman geschrieben, der 1935 bei &#8220;Rowohlt&#8221; auf Deutsch erschienen ist, den ich zweimal im B\u00fccherschrank fand.<\/p>\n<p>Das eine Mal fehlten, glaube ich, ein paar Seiten und das andere h\u00e4tte ich jetzt fast schon von meiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/25\/das-zweite-lesehalbjahr\/\">Leseliste <\/a>gestrichen, da ich ja nicht ein so unbedingter Fan der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/31\/lichtjahre\/\">gro\u00dfen Amerikaner bin.<\/a><\/p>\n<p>Des Titels wegen habe ich es drin geleassen, da ich ja gerne etwas mit Bezug lese und jetzt sogar meinem Vicki Baum- Schwerpunkt, den ich noch immer vor mich herschiebe, vorgezogen.<\/p>\n<p>Mit Recht, denn es ist ein gro\u00dfartiges Buch, wenn ich auch gar nicht so genau warum sagen kann, denn eigentlich ist es mit seinen einundzwanzig Kapitel ein wenig langatmig. Es erz\u00e4hlt auch nicht sehr viel und das, um was es geht und warum es wahtrscheinlich auch als so gro\u00dfartig gilt, wird nur angedeutet.<\/p>\n<p>Es ist die Stimmung wahrscheinlich, die erz\u00e4hlt wird oder, die das Erz\u00e4hlte ausl\u00f6st, denn auf einmal ist man mittendrin im Sumpf des S\u00fcdstaatenamerikas der neunzehnhundertdrei\u00df\u00edger Jahre, wo der Alkohol verboten war und man daher vom Schwarzhandel lebte, sich alles um eine bigotte Fr\u00f6mmigkeit dreht, der Sex verboten ist, obwohl dann die schwangeren jungen Frauen herumlaufen, die versch\u00e4mt Missis genannt und hinter ihrem R\u00fccken getuschelt wird und es ist vor allem, ein Amerika der Rassentrennung, wo die Wei\u00dfen von den Schwarzen nichts wissen wollen und sie trotzdem brauchen und auch das deutet Faulkner nur an, das hei\u00dft er beschreibt einfal das Nebenander der Neger und der Wei\u00dfen, ohne besonders viel zu werten und zu kommentieren<\/p>\n<p>Ja, ich habe noch ein altes Buch gelesen, 1972 erschienen, wo das noch so drin steht und\u00a0 dem Wort &#8220;Niger&#8221;, das damals wohl schon ein Schimpfwort war, gegen\u00fcbergestellt wirde, w\u00e4hrend &#8220;Neger&#8221; wohl der normale Sprachgebrauch war.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es eine neue \u00dcbersetzung, die \u00fcbera2ll gelobt wird und mich w\u00fcrde da interessieren, ob man hier, wo wohl &#8220;Farbige&#8221; &#8220;Schwarze&#8221; oder &#8220;Afro-Amerikaner stehen wird, der gleiche Effekt erreicht wird, denn f\u00fcr mich war es gerade der Sprachgebrauch, da\u00df ich mir den Kleinstadtmiff so gut vorstellen konnte.<\/p>\n<p>Bei Harper Lee, deren verschollenen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/27\/geh-hin-stelle-einen-waechter\/\">Erstling<\/a>, ich kurz vor ihrem Tod vor Weihnachten gelesen habe, gibt es eine \u00e4hnliche Stimmung und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/29\/die-leute-von-peyton-plaece\/\">Grace<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/22\/ruckkehr-nach-peyton-place\/?preview=true\">Metallious<\/a> beschreibt wohl \u00e4hnlich direkt, obwohl es hier, so weit ich mich erinnern kann, nicht so sehr, um die Rassenfrage geht.<\/p>\n<p>&#8220;Seit Henry James hat kein Schriftsteller ein so gro\u00dfes und dauerndes Denkmal f\u00fcr die Kraft der amerikanischen Literatur hinterlassen&#8221;, sagte laut Buchr\u00fccken John F. Kennedy und bei &#8220;Amazon&#8221;, wo man sich auf die Neu\u00fcbersetzung bezieht, wird Barak Obama zitiert.<\/p>\n<p>In meinem Buch hat der Vorleser: &#8220;Eine L\u00fcge, die ein Leben tr\u00e4gt ist besser als eine Wahrheit, die ein Leben zerst\u00f6rt&#8221;, hineingeschrieben und ich wei\u00df jetzt gar nicht so genau, was er damit meint, denn William Faulkner arbeitet sehr viel mit Symbolik, deutet an, verwendet Metaphern, so da\u00df vieles, wenn man es eins zu eins betrachtet unlogisch erscheint, w\u00e4hrend es wohl insgesamt das dichte Nobelpreisbild ergibt, was meine Meinung \u00fcber die gro\u00dfen Amerikaner revidiert. Hendry James halte ich aber eigentlich auch nicht f\u00fcr einen so tollen Schrifftsteller, zumindest habe ich mit der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/21\/eine-dame-von-welt\/\">&#8220;Dame von Welt&#8221;<\/a> nicht so viel anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Also da wandert eine hochschwangere junge Frau, Lena Grove mit Namen tagelang von Alamba, in den S\u00fcden auf der Suche nach ihren Kindesvater, Lucas Burch, von dem man ihr erz\u00e4hlte, da\u00df er in Jefferson in einem S\u00e4gewerk arbeitet.<\/p>\n<p>Das ist allerdings eine Verwechslung, der in dem S\u00e4gewerk hei\u00dft Byron Bunch. Lucas Burch ist zwar auch da, nennt sich aber Brown und ist ein ziemlicher Widerling von Mann, obwohl er h\u00fcbsch aussieht. Lena begegnet bei den Kleinstadtwei\u00dfen durchaus hiflsbereite Menschen, wird mit einem Wagen mitgenommen, ein Farmerin gibt ihr ihr Ersprartes, so da\u00df sie sich eine B\u00fcchse Sardinen kaufen kann und Lena wird, als schweigsamme, unbeirrte Frau geschildert, die ihren Weg dahingeht und in die Kleinstadt Jefferson kommt.<\/p>\n<p>Das Buch hei\u00dft so, habe ich, wo gelesen, weil es 1932 im August spielt und das tut es auch auf einer Ebene, n\u00e4mlich auf der,\u00a0 in der Lena nach Jefferson kommt, ihren Kindesvater sucht, das Kind gebiert und mit Bunch wieder wegzieht.<\/p>\n<p>Dazwischen passiert noch ein Mord, da wird eine alte Jungfer, die sie sich f\u00fcr das Recht der Schwarzen einsetzt und ihre Schulen sozusagen als Supervisorin betreut von einem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen namens Christmas, der in einer ihrer H\u00fctten lebte, ermordet und dann gibt es wieder ellenlange Kapitel, die von jenen Christmas oder Joe Mc\u00a0 Eachern, wie er nach seinem Adopivvater hei\u00dft, erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Christmas hei\u00dft er, weil er ein Waisenkind ist und zu Weihnachten vor die Schwelle des Waisenhauses gelegt wurde. Dann belauscht er die sexuallen Handlungen der Wirtschafterin mit einem jungen Arzt und wird zur Adoption freigegeben. Es ist auch noch die Rede, ob er nicht in ein Waisenhaus f\u00fcr Scharze kommen soll, denn er wird von den Kindern und der Wirtschafterin als &#8220;Neger&#8221; oder &#8220;Niger&#8221; beschimpft. Das schwarze Blut in ihm scheint auch seine Besessenheit zu sein, denn offenbar ist ihm das gar nicht anzusehen, wird aber st\u00e4ndig so beschimpft. Vielleicht auch eine Symbolik von William Faulkner,\u00a0 mit der er die Situation beschreibt, die f\u00fcr au\u00dferhalb der S\u00fcdstaaten lebende m\u00f6glicherweise gar nicht so nachvollziehbar ist.<\/p>\n<p>Er verl\u00e4\u00dft jedenfalls mit Achtzehn den Adoptivvater, einen bigotten Christen, der den Jungen oft genug pr\u00fcgelt. Christmas bestieht ihn auch, beziehungsweise seine Adoptivmutter, die eigentlich zu ihm h\u00e4lt, sich gegen ihren Mann aber nicht durchsetzen kann.<\/p>\n<p>So kommt er in eine Hobelwerkstatt nach Jefferson, wohnt bei Joanna Burden in ihrer Negerh\u00fctte, hat auch ein sexuelles Verh\u00e4ltnis mit ihr, die f\u00fcr ihn kocht und ihn zu ihrem Nachfolger heranbilden will und von ihm, kurz vor ihrer Menaupause, wie bei &#8220;Wikipedia&#8221; steht, auch schwanger wird. Als sie ihm zum beten zwingen will, schl\u00e4gt er ihr den Kopf ab und z\u00fcndet das Haus an und wird von Lucas Burch oder Brown, der mit Joe Christman in der H\u00fctte lebt und illegal Whiskey verkauft wegen der tausend Dollar Belohnung verraten.<\/p>\n<p>Es gibt noch einige andere seltsame Gestalten in dem Roman. So den Geistlichen Hightower, der in seiner eigenen Welt, beziehungsweise in den B\u00fcrgerkriegserlebnissen seines Gro\u00dfvaters lebt und daher \u00fcbersieht, da\u00df er von seiner Frau betrogen wird, die sich in einem Hotelzimmer in einer anderen Stadt in Anwesenheit eines Freiers aus dem Fenster st\u00fcrzt. Deshalb verliert er sein Amt, weigert sich aber die Stadt zu verlassen und sitzt seither am Fenster und sieht hinaus, wird aber von Byron Bunch, der irgendwie auch seltsam ist, regelm\u00e4\u00dfig besucht.<\/p>\n<p>Der verliebt sich sofort in Lena, die aber nichts von ihm wissen will, bringt sie in der Negerh\u00fctte unter, wo sie das Kind gebiert. Christmas Gro\u00dfeltern, die pl\u00f6tzlich, nachdem der gefl\u00fcchtete Chrismas gefangengenommen wurde, auftauchen, helfen ihr dabei.<\/p>\n<p>Christmas wird von einem eifrigen Polizizist erscho\u00dfen, Lucas\u00a0 Burch, der durch Byron Bunchs Vermittlung mit ihr sprechen soll, haut ab, als er die Schwangere mit dem Kind sieht und so verlassen am Ende Lena, das Kind und Byron Jefferson und die Kleinstadt mit ihren Verirrungen und Verwicklungen, wo die Negerfrauen nachts durch die Hintert\u00fcren in die H\u00e4user der Verlorenen schleichen und ihnen Essen bringen, das aus den K\u00fcchen der wei\u00dfen Familien stammen, in denen sie K\u00f6chinnen sind, bleibt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Inzwischen wird sich auch dort sehr viel ver\u00e4ndert haben oder trotz des farbigen Pr\u00e4sidenten, dessen Amtszeit jetzt ja bald ausl\u00e4uft, eigentlich wieder nicht so viel, wenn man von den Unruhen und Demonstrationen liest, die ausgel\u00f6st werden, weil wei\u00dfe Polizisten noch immer sehr schnell farbige Jugendliche erschie\u00dfen, die sich das nicht gefallen lassen wollen.<\/p>\n<p>Ein sehr interessantes Buch mit einer sehr dichten eindrucksvollen Stimmung, die zum Nachdenken anregt. Es soll das am leichtestens zu lesende Buch von William Faulkner, von dem ich sonst noch nichts gelesen habe, sein und mich w\u00fcrde interessieren, wie es den Lesern der Neu\u00fcbersetzung geht? Vielleicht mag mir ein solcher einen Kommentar hinterlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor es mit dem &#8220;Buchpreis-Lesen&#8221; weitergeht, noch ein Buch aus meiner Leseliste, das &#8220;Atalante&#8221;, als hervorragendes Mittel, gegen die &#8220;Buchpreis-Bulimie&#8221; empfieht und der 1897 in Missisipi geborene William Faulkner, der 1962 dort gestorben ist und 1949\/1950 den Nobelpreis f\u00fcr Literatur &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=46246\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[550,225,3182,4314,5043,6278],"class_list":["post-46246","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher-lesen","tag-amerikanische-literatur","tag-klassiker","tag-nobelpreistraeger","tag-suedstaatengeschichte","tag-william-faulkner"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46246"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46246\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46246"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46246"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}