{"id":46387,"date":"2016-08-31T00:36:38","date_gmt":"2016-08-30T22:36:38","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=46387"},"modified":"2016-08-31T00:36:38","modified_gmt":"2016-08-30T22:36:38","slug":"am-rand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=46387","title":{"rendered":"Am Rand"},"content":{"rendered":"<p>Da\u00df<a href=\"http:\/\/www.platzgumer.net\/writings\/biblio.html\"> Hans Platzgumers<\/a> im Fr\u00fchjahr erschienener Roman auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/23\/ueberraschende-longlisttitel\/\">LL<\/a> kommen k\u00f6nnte, war irgendwie zu\u00a0 erwarten oder ich h\u00e4tte es mir f\u00fcr die \u00f6sterreichische gedacht.<\/p>\n<p>Ich habe bei der Lesung in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/09\/hans-platzgumer-neu-entdeckt\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> mit Buch oder Autor\u00a0 ja meine Schiwerigkeiten gehabt, weil mir das da so selbstbewu\u00dft pr\u00e4sentierte, zu konstruiert erschien.<\/p>\n<p>Jetzt habe ich das Buch\u00a0 des 1969 in Innnsbruck geborenen und in\u00a0 Bregenz lebenden Musikers, zuerst<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/28\/mit-dem-e-bookreader-ins-hoellengebirge\/\"> auf dem Berg <\/a>und dann am Laptop in Harland und Wien gelesen und mein Eindruck verdichtete sich.<\/p>\n<p>Ein sehr gut konstruierter Text, mu\u00df ich schreiben, so einer, wie der\u00a0 wahrscheinlich, mit dem Kathrin Passing, den Bachmannpreis gewann und eigentlich k\u00f6nnte ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/30\/mein-vater-war-ein-mann-am-land-und-im-wasser-ein-walfisch\/\">zufrieden\u00a0 sein<\/a>, denn es gibt einen\u00a0 Plot und zu verstehen ist es auch.<\/p>\n<p>Ein Leben wird erz\u00e4hlt, in dem dann aber alles wieder viel zu erh\u00f6ht und unwahrscheinlich ist, eben die konstruierten Metaphern vom Leben und Sterben und den Umgang mit\u00a0 dem Tod des Gerold Ebners aus der S\u00fcdtirolersiedlung, des mittelm\u00e4\u00dfigen Schriftstellers oder Getr\u00e4nkeliferanten.<\/p>\n<p>Sehr gekonnt, am Rei\u00dfbrett konstruiert, Hans Platzgumer hat ja sehr selbstbewu\u00dft in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; davon erz\u00e4hlt, wie er zum Schreiben gekommen ist und das, diese K\u00fcnstlichkeit, ist es, was mir, wieder nicht gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Eine Parodie auf den Literatur bzw. Kunstbetrieb ist es auch. Eine sehr Scharfsichtige und man mu\u00df auch sagen, da\u00df wahrscheinlich vieles in dem Buch stimmt, denn das Leben ist nun einmal sehr grausam und hat sich in den Neunzigerjahren in der Bregenzer? S\u00fcdtirolersiedlung, das habe ich nicht ganz herausgekommen, so abgespielt und den Lesern, die ja das \u00dcberh\u00f6hte wollen, wird es wahrscheinlich gefallen.<\/p>\n<p>Also ein Kanditat f\u00fcr die Shortlist? Oder wird es ihnen zukitschig erscheinen?<\/p>\n<p>Ich wei\u00df es nicht, in einem Monat werden wir es wissen und ich habe, ich wiederhole es, ein sehr spannendes Buch von einem brillanten Geist und gekonnten Schreiber gelesen, das mir zu kontruiert erschien und mir deshalb eher mi\u00dffallen hat.<\/p>\n<p>Da geht einer also auf den Berg, der Gerold Ebner aus der S\u00fcdtriolersiedlung. Sehr pedant und sorgf\u00e4ltig tut er das, kocht sich vorher Fr\u00fchst\u00fcck, l\u00e4\u00dft das Nachtlicht, der kleinen Sarah brennen.<\/p>\n<p>Steigt auf den Bocksberg, setzt sich an den Rand und schreibt sein Leben auf. Bis am Abend hat er Zeit dazu, um endlich etwas fertig zu bringen und dann geht es hinein in das Aufwachsen der Siebzigerjahre, sehr \u00fcberh\u00f6ht und konstruiert.<\/p>\n<p>Die Mutter Maria zuerst Hure, dann Altenpflegerin und f\u00fcr den kleinen Sohn vielleicht zu wenig Zeit. Aber, nein, sie wird eigentlich als sehr f\u00fcrsorglich beschrieben.\u00a0 Der erste Verstorbene in seinem Leben ist der Herr Gufler, der hat ein Jahr tot in seinem Fernsehsessel gesessen und die Mutter, die ihn\u00a0 findet, schickt den Kleinen besorgt weg.<\/p>\n<p>Sein Freund Peter will den Fernsehsessel\u00a0 im Keller vermieten und kommt sp\u00e4ter auf einer Bausstelle elendiglich um.<\/p>\n<p>Sehr genau und pr\u00e4zis wird auch das beschrieben. Zuerst kommen aber die Mutproben der Freunde in der S\u00fcdtirolersiedlung, wo die T\u00fcrken und die Gastarbeiter wohnen und man ein bi\u00dfchen ge\u00e4chtet ist.<\/p>\n<p>Ein Hansi Platzgumer, der sp\u00e4ter mitseiner Gitarre nach Amerika auswandert, kommt, o Ironie des Autors, auch vor. Gerold will einen Roman \u00fcber ihn schreiben, scheitert aber daran.<\/p>\n<p>So wird er Bau- und Gelegenheitsarbeiter und zieht zu seiner Freundin Elena in den Keller, als der geha\u00dfte Gro\u00dfvater pl\u00f6tzlich auftaucht, der Monarch, wie er sich nennen l\u00e4\u00dft und zu seiner Tochter Maria zieht.<\/p>\n<p>Warum die Beiden ihn so hassen ist mir nicht ganz klar geworden. Hat der Vater seine Tochter mi\u00dfbraucht? Dem Enkel hat er jedenfalls nichts getan, au\u00dfer ihn, um Bier zu schicken und beim Sprechen gelegentlich angespukt, trotzdem ist er der Erste, den er der Mutter zuliebe, die ihn widespruchslos pflegt, in den Tod bef\u00f6rdert, also mit seinen H\u00e4nden erdrosselt.<\/p>\n<p>Denn mit seinem anderen Freund Guido, hat er Jahrelang vergeblich Karate trainiert, denn er bringt es nur zum braunen, Guido zum schwarzen G\u00fcrtel, bis der dann versehentlich eine S\u00e4ure aus einer R\u00f6merquellenflasche trinkt. Der zweite Fall f\u00fcr Gernots Sterbehelfe und da w\u00fcrde ich auch aussetzen, wenn mir das brillant geschriebene Buch nicht so konstruiert erscheinen w\u00fcrde, denn Sterbehilfe mag ich nicht!<\/p>\n<p>Es kommt aber noch \u00e4rger, richtig unglaubw\u00fcrdig wird es dann, als er mit seiner Freundin Elena in einem franz\u00f6sischen Automatenhotel ein Kind findet. Elena kann keine Kinder bekommen. Sie nehmen das Kind mit, nennen es Sarah\u00a0 und wissen dann nicht, was sie damit fangen sollen?<\/p>\n<p>Einen falschen Pa\u00df besorgen und \u00fcber die Grenze nach S\u00fcdamerika schmuggeln?<\/p>\n<p>Dazu fehlt ihnen das Geld, denn auch Elena ist Gelegentheitsarbeiterin, spich Ghostwriterin und Lektorin, nach abgeschlossenen Germanistikstudium, man sieht Hans Platzgumer hat es wirklich in sich. Also gehen sie mit der quengelnden Kleinen im Tragesitz auch auf einen Berg, verirren sich und Elena st\u00fcrzt mit dem Kind in die Tiefe.<\/p>\n<p>Er klettert hinunter, verscharrt die Leichen, geht dann einen Monat in den Krankenstand, h\u00f6rt sich noch einige Geschichten seiner Kunden an, bevor er k\u00fcndigt, seinen Rucksack nimmt, auf den Bocksberg steigt und dem geneigten Leser, der die Aufzeichnungen findet, sein Leben erz\u00e4hlt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da\u00df Hans Platzgumers im Fr\u00fchjahr erschienener Roman auf die LL kommen k\u00f6nnte, war irgendwie zu\u00a0 erwarten oder ich h\u00e4tte es mir f\u00fcr die \u00f6sterreichische gedacht. 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