{"id":4648,"date":"2010-10-28T00:55:19","date_gmt":"2010-10-27T22:55:19","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4648"},"modified":"2010-10-28T00:55:19","modified_gmt":"2010-10-27T22:55:19","slug":"anima-mundi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4648","title":{"rendered":"Anima Mundi"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Anima Mundi&#8221; von der 1957 in Triest geborenen Gro\u00dfnichte Italo Svevos Susanna Tamaro, die mit ihrem Liebesroman &#8220;Geh wohin das Herz dich tr\u00e4gt&#8221;, ber\u00fchmt geworden ist, ist ein Entwicklungsroman, so einer wie Siddharta oder Ruth Asp\u00f6ck <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/20\/kannitverstan\/\">&#8220;Kannitverstan&#8221;<\/a>.<br \/>\nEr beginnt mit einer philosophischen Einf\u00fchrung, ist in drei Teilen &#8220;Feuer &#8211; Erde &#8211; Wind&#8221; gegliedert und man mu\u00df erst zwei Seiten lesen, bis man auf den Ich-Erz\u00e4hler Walter st\u00f6\u00dft, der zum Begr\u00e4bnis seines Vaters in das D\u00f6rfchen im Karst zur\u00fcckgekommen ist, bei dem drei alte M\u00e4nner soetwas wie die Internatione singen und kein Pfarrer erw\u00fcnscht ist.<br \/>\nNach und nach erf\u00e4hrt man von Walters Leben. Der Gro\u00dfvater war im ersten Weltkrieg, der Vater bei den Partisanen, ist dabei zum Trinker geworden, die Mutter eine ehemalige Lehrerin glaubt an Gott, der Vater an den Teufel und man denkt, das schlie\u00dft direkt an den Konformisten an und dieser ist ein Sohn desselben, obwohl Walters Vater auf der anderen Seite k\u00e4mpfte.<br \/>\nWalters Kindheit verl\u00e4uft ungl\u00fccklich, wie die Pubert\u00e4t eben verlauft. Die ersten Jahre seines Lebens ist er ein Mustersch\u00fcler, dann macht er eine Wandlung durch, beginnt zu trinken, l\u00e4uft von zu Hause weg, schlie\u00dft sich einem Wanderzirkus an, ger\u00e4t schlie\u00dflich in die Psychiatrie, wo er  seinen einzigen Freund Andrea kennenlernt.<br \/>\nIm zweiten Teil ist er nach Rom gezogen, arbeitet dort als Tellerw\u00e4scher, wohnt in Untermiete mit einem Studenten, schreibt einen Roman, der sich nicht gut verkauft und, um nicht zu verhungern Texte f\u00fcr Pornofilme, obwohl er gar keine Erfahrung damit hat, wird der Geliebte einer verheirateten Frau und verliert die Mutter an Krebs, bevor er zehn Jahre sp\u00e4ter zur\u00fcck in das Dorf kommt, in dem der Vater im Sterben liegt. Walter ha\u00dft den Vater, doch der bittet ihn um Verzeihung und einen Brief von dem Jugendfreund  findet er auch.<br \/>\nIm dritten Teil geht er zu ihm in ein Kloster, findet dort aber nur eine alte Nonne vor, die ihm zu seinem Grab f\u00fchrt, der sich inzwischen umgebracht hat.<br \/>\nIn dessen Zimmer findet er wieder Briefe, in dem Andrea ihm von der Schuld seines Vaters, der im Krieg seinen Freund t\u00f6tete und dann nicht mehr gesprochen hat und der eigenen in der Fremdenlegion erz\u00e4hlt. Und w\u00e4hrend Moravias &#8220;Konformist&#8221; damit beginnt, da\u00df der kleine Marcello Eidechsen t\u00f6tet, steht hier auf Seite dreihundertneun der Satz &#8220;Schon die Kinder t\u00f6ten gern, sie t\u00f6ten Ameisen, Vogeljunge im Nest und, wenn sie k\u00f6nnen, sogar K\u00e4tzchen Warum soll man als Erwachsener damit aufh\u00f6ren? Warum ist uns nur die M\u00f6glichkeit gegeben worden, Leben auszul\u00f6schen, nicht aber etwas zu erschaffen?&#8221;<br \/>\n&#8220;Was ist das B\u00f6se?&#8221;, fragt Walter  die alte Nonne, die ihm die entsprechende Antwort gibt. Er bleibt bei ihr, bis sie stirbt, um sie zu begraben und ihr, nach ihrem Wunsch das Friedensgebet  des heiligen Franziskus vorzulesen.<br \/>\nBeim Lesen dieses B\u00fccherschrankbuchs ist es mir ein wenig seltsam gegangen. Denn einerseits passt es exakt zu der Lekt\u00fcre des &#8220;Konformisten&#8221;.<br \/>\nMoravias Bilder  mit denen er den Faschismus erkl\u00e4rt sind st\u00e4rker und sie sind auch sehr erotisch. Susanna Tamaro liest sich leicht dahin. Die Philosophie, der Buddhismus fallen auf. Dann denkt man, das hat man doch schon alles gelesen. Ich war zwar nie eine besondere Hesse-Freundin und habe Siddharta auch nicht als das Kultbuch gelesen, doch die Idee, das Leben als Gleichnis zu erz\u00e4hlen, erscheint einleuchtend und tr\u00f6stlich ist es auch.<br \/>\nIm zweiten Teil mu\u00dfte ich ein bi\u00dfchen passen, da erschien mir die K\u00fcnstlerparabel doch ein wenig zu klischeehaft. Die Idee, das Ganze aber auf den Krieg und den Faschismus zur\u00fcckzuf\u00fchren, ist wieder interessant. Das Leben geht weiter, lautet die Botschaft und die Kinder der Konformisten bzw.  der Partisanen, ha\u00dfen sp\u00e4ter ihre V\u00e4ter, werden Alkohol- oder Drogens\u00fcchtig, versuchen sich als K\u00fcnstler zu verwirklichen und werden dabei ausgen\u00fctzt&#8230;<br \/>\nOb  am Ende alle die Erleuchtung finden und, ob die in einem Kloster verborgen ist, wei\u00df ich aber nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Anima Mundi&#8221; von der 1957 in Triest geborenen Gro\u00dfnichte Italo Svevos Susanna Tamaro, die mit ihrem Liebesroman &#8220;Geh wohin das Herz dich tr\u00e4gt&#8221;, ber\u00fchmt geworden ist, ist ein Entwicklungsroman, so einer wie Siddharta oder Ruth Asp\u00f6ck &#8220;Kannitverstan&#8221;. 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