{"id":46899,"date":"2016-09-23T00:40:25","date_gmt":"2016-09-22T22:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=46899"},"modified":"2016-09-23T00:40:25","modified_gmt":"2016-09-22T22:40:25","slug":"das-pfingstwunder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=46899","title":{"rendered":"Das Pfingstwunder"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt Buch elf des bisherigen LL-Lesen und mein bisheriger Favorit, leider wird es das in der Realit\u00e4t nicht spielen, denn <a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/das_pfingstwunder-sibylle_lewitscharoff_42546.html\">Sibylle Lewitscharoffs &#8220;Pfingstwunder&#8221;<\/a> wurde ja nicht in die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/20\/die-sechs-deutschen-shortlistbuecher\/\">Shortlist<\/a> aufgenommen, was ich sehr bedauere, denn es ein tolles Buch und vielleicht die perfekte Kombination zwischen U und E, beziehungsweise die Verbindung zwischen Realismus und abgehobenes Wortgeschwafel.<\/p>\n<p>Letzteres vielleicht schon ein bi\u00dfchen, denn die 1954 in Stuttgart geobrene B\u00fcchner-Preistr\u00e4gerin, ist ja bekannt f\u00fcr ihre &#8220;verzwirbelte Sprache&#8221;, habe ich, glaube ich, auch irgendwo auf einen Blog gelesen und die hat sie wahrscheinlich auch in die Bredouille und um den Preis gebracht, denn zuerst, bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/30\/blumenberg\/\">&#8220;Blumenberg&#8221;<\/a> auf dem Sofa hie\u00df es ja,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/17\/buchmessen-surfing\/\"> &#8220;Ich hasse alle Selbstm\u00f6rder!&#8221;<\/a>, da habe ich mich gewundert und wu\u00dfte noch nichts \u00fcber die Biografie, dann auf der &#8220;Buch-Wien&#8221;, da\u00df &#8220;Amazon&#8221; in die H\u00f6lle fahren oder nein, so hat sie es nicht ausgedr\u00fcckt, da w\u00e4re ich schon ein wenig die &#8220;Pfingstwundersprache&#8221; und dann kam das mit den &#8220;Retortenkindern&#8221;, alle schrien pfui und Elke Heidenreich, sagte, glaube ich, etwas von einer &#8220;schw\u00e4bischen Hausfrau&#8221; und ich hab begriffen, da\u00df jemand, der sich Tag f\u00fcr Tag mit der sch\u00f6nen Sprache mit den ausgefallenen Wortsch\u00f6pfungen, um auf die langen Listen und die Preispodien zu kommen, besch\u00e4ftigt, vielleicht die Unterscheidung, da\u00df man sowas zwar, als Roman schreiben und alle schreien &#8220;Bravo!&#8221;, aber nicht auf einem Vortragspult sagen darf, verliert und das finde ich interessant, denn ich habe mich in der letzten Zeit, Zufall oder nicht, mit der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/16\/geschlossene-gesellschaft-zur-guten-literatur\/\">guten Literatur <\/a>gesch\u00e4ftigt und dann einige LL-B\u00fccher gelesen, die von \u00e4lteren Herren stammen, mal &#8220;B\u00fccher-Preistr\u00e4ger,&#8221; mal nicht, die mit ihren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/09\/widerfahrnis\/\">letzten Lieben nach Italien<\/a> fuhren oder sogar, weiterer Zufall sich auf einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/19\/rauschzeit\/\">Kongre\u00df<\/a> begaben. Da ging es zwar um Jean Paul und in den Himmel ist auch niemand gefahren, obwohl der Titel es ja angek\u00fcndigt h\u00e4tte, aber ich habe mich bei der &#8220;Rauschzeit&#8221;\u00a0 eher gelangweilt, wo auf f\u00fcnfhundet Seiten diskutiert wird, da\u00df einer seine Jugendliebe trifft und der andere in die Oper geht.<\/p>\n<p>Ist das gute Literatur, die ber\u00fchrt und was Neues bietet? Bez\u00fcglich der Sprache wahrscheinlich schon und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/31\/am-rand\/\">konstrueirt <\/a>waren die B\u00fccher auch sehr und ich war bisher kein Lewitscharoff-Fan, das m\u00f6chte ich ausdr\u00fccklich betonen, kann man auch im Blog nachlesen.<\/p>\n<p>Beim &#8220;Bachmannpreis&#8221; bin ich auf sie gesto\u00dfen, dann habe ich &#8220;Montgomery&#8221; beim B\u00fccherturm bei &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221; gefunden und nicht verstanden, weil zu abgehoben, zu kompliziert, eh schon wissen, bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/17\/bloomsday-und-apostoloff\/\">&#8220;Apostoloff&#8221; <\/a>mit dem sie, glaube ich, in Leipzig auf der Liste war oder auch gewonnen hat, war es \u00e4hnlich, &#8220;Blumenberg&#8221; habe ich, das war schon nach der Aufregung im letzten Jahr gelesen und jetzt waren es zuerst die Verisse und die Blogger, die schrieben &#8220;Ich hoffe doch, da\u00df sie nicht auf die Shortlist kommt!&#8221;<\/p>\n<p>Sie ist nicht gekommen und ich habe das Buch noch davor am Dienstag Morgen zu lesen begonnen, nicht das Buch selbst, &#8220;Suhrkamp&#8221; hat mir ja die &#8220;Fahnen&#8221;, also ein breites Skriptum, auf das man herrlich Notizen machen kann, geschickt und war eigentlich sofort begeistert, ob es daran lag, da\u00df ich mich in diesem Sommer auch ganz zuf\u00e4llig mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/17\/der-tod-des-vergil\/\">&#8220;Tod des Vergils&#8221; <\/a>besch\u00e4ftigt habe, wei\u00df ich nicht, denn es ist leicht zu lesen und, ich glaube, es ist ihr auch das Kunstst\u00fcck gelungen, endlich einmal aus der &#8220;Fadiness&#8221; der sch\u00f6nen Worte und den abgehobenen Sph\u00e4ren, was ich ja bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/05\/die-witwen\/\">&#8220;Witwen&#8221;<\/a> ein bisschen bedauert habe, wo ja auch ein Philosoph mit einem altmodischen Namen mit vier angeblichen Witwen auf Reisen geht und am Cover prangt ein barockes Fotos, herauszukommen.<\/p>\n<p>Gut, Lewitscharoffs Held hei\u00dft auch Gottlieb und hat eine Universit\u00e4tsprofessorenkarriere hinter sich, er ist Dante- Forscher und hat sich, als solcher Anno 2013 zu Pfingsten nach Rom auf den Aventin begeben, um mit dreiunddrei\u00dfig anderen Dante-Forschern, die &#8220;G\u00f6ttliche Komm\u00f6die&#8221; zu diskutieren.<\/p>\n<p>Eh schon wissen und sehr abgehoben, k\u00f6nnte man jetzt sagen und was fange ich damit Anno 2016 angesichts der Fl\u00fcchtlingskrise und &#8220;Brexit-Katastrophen&#8221; an? Das interessiert mich ja nicht und vielleicht verstehe ich es auch nicht besonders, denn mit meiner Hauptschuldbildung habe ich die &#8220;Divina Commedia&#8221; ja nicht intus oder ich will umgekehrt beim Longlistlesen nur die hehren Inhalte und die sch\u00f6ne Sprache haben und von der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/07\/augustin-schreibwerkstatt\/\">b\u00f6sen rauhen Welt da drau\u00dfen nichts wissen<\/a>, sondern abschalten und entspannen?<\/p>\n<p>Weit gefehlt, denn der Held taumelt zu Beginn durch seine Frankfurter Wohnung, fragt sich, wie er hei\u00dft und, ob er nicht etwa wahnsinnig ist, denn, das was da in Rom im Saal der Malteser geschehehn ist, kann er keinen erkl\u00e4ren, da\u00df da dreiunddrei\u00dfig Forscher und drei Leute vom Personal auf einmal aufgesprungen sind, sich wie toll geb\u00e4rdeten,\u00a0 aus dem Fenster sprangen und gegen Himmel fuhren.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, Sibylle Lewitscharoff macht sich geh\u00f6rig \u00fcber all das lustig, tut es in einer sehr zerzwirbelten Sprache und wir bekommen ein Dante-Seminar dabei geliefert, das hat ja <a href=\"https:\/\/herbertliest.wordpress.com\/2016\/09\/08\/herbert-liest-folge-32-buchpreis-special-das-pfingstwunder\/\">Herbert<\/a>, einer der offiziellen B\u00fccherblogger an dem Buch bem\u00e4ngelt, da\u00df man nachher zwar alles \u00fcber die &#8220;G\u00f6ttliche Kom\u00f6die&#8221; wei\u00df, aber keinen Roman gelesen hat.<\/p>\n<p>Dem w\u00fcrde ich entgegenhalten, obwohl ich ihm den Preis, den er angeblich schon hat, von Herzen w\u00fcnsche, da\u00df das bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/13\/die-welt-im-ruecken\/\">Thomas Melle<\/a> ganz genauso ist und noch viel mehr, denn das &#8220;Pfingstwunder&#8221; ist, glaube ich eindeutig ein Roman, ein solcher, wie &#8220;Die Witwen&#8221;, &#8220;Rauschzeit&#8221; und &#8220;Widerfahrnis&#8221;, obwohl da ja &#8220;Novelle&#8221; draufsteht.<\/p>\n<p>Es ist einer, den die Kritiker vielleicht ein wenig kitschig nennen, denn ein Pfingstwunder gibt es nicht und ich denke, wenn die angehenden Psychiater und Psychologiestudenten &#8220;Die Welt im R\u00fccken&#8221; lesen sollen, dann sollen, das die Germanistik- und vergleichenden Literaturwissenschaftsstudtendten, sowie die Gymnasiasten auch mit dem &#8220;Pfingstwunder&#8221; tun und das Neue, was mich vielleicht zwar nicht unbedingt ber\u00fchrte, aber doch erstaunen und aufhorchen lie\u00df, ist die Verbindung mit der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Denn Gottlieb Elsheimer kommt nach alldem, den Verh\u00f6ren durch die Polizei, etcetera, nach Hause, rennt schlaflos in seiner Wohnung herum, geht am Abend zum Italiener essen, betrinkt sich, w\u00e4hrend er all das aufzuschreiben beginnt,\u00a0 hat dann nur mehr Zwiback im Haus, weil er auf das Einkaufen vergi\u00dft und fragt sich nat\u00fcrlich auch die ber\u00fchmte Frage, wieso ausgerechnet er zur\u00fcckgeblieben ist?<\/p>\n<p>Ja, Bez\u00fcge zu Primo Levi und dem Holocaust gibt es auch, fragt sich, ob er jemals wieder unterrichten kann und h\u00f6re und staune, vor allem die, die ja beklagen, da\u00df sich die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/23\/ueberraschende-longlisttitel\/\"> heurige Longlist<\/a> sowenig mit der Fl\u00fcchtlingsfrage besch\u00e4ftigt, und diese Romane ausgelassen hat, ob er nicht vielleicht einen syrischen Fl\u00fcchtling, vielleicht auch eine Frau mit Kind, ja auch das, denn Elsheimer ist\u00a0 ein Mann mit vielleicht &#8220;l\u00fcsternen Begierden&#8221; in seine gro\u00dfe Wohnung aufnehmen soll?<\/p>\n<p>L\u00e4\u00dft das aber, denn es w\u00fcrde an der Sprache scheitern und der Fl\u00fcchtling w\u00fcrde ihn vielleicht st\u00f6ren, Gedanken die wir wohl alle haben, die meisten vielleicht nicht einmal so weit kommen und dann erfahren wir noch viel \u00fcber Dante, Vergil, die g\u00f6ttliche Komm\u00f6die und und und&#8230;<\/p>\n<p>Sibylle Lewtscharoff schreibt in ihrer Danksagung noch, da\u00df sie das Buch einem Stipedienaufenthalt in der &#8220;Villa Massimo verdankt und dort auch in dem Saal der Malteser auf dem Aventin gelesen hat.<\/p>\n<p>Interessant ist auch, da\u00df ihr der \u00d6sterreicher <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/29\/o-toene-mit-viel-freiheit\/\">Klaus Zeyringer<\/a> die \u00dcbersetzung ins Wienerische und ins Steirische machte, denn das Buch ist ja vielsprachig und vielschichtig und es ist bis jetzt mein Preisfavorit, denn mein zweites Shortlist-Buch ist, was jetzt auch die Kritiker erkennen, kein Roman, obwohl ich Thomas Melle den Preis w\u00fcnsche und verg\u00f6nne, wenn ihn schon Sibylle Lewitscharoff nicht bekommen kann und jetzt nach einer kurzen LL-Pause weiterschauen, wie es mit den neun anderen LL-B\u00fcchern steht, von denen sieben ja noch in meinem Badezimmer auf das Lesen warten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt Buch elf des bisherigen LL-Lesen und mein bisheriger Favorit, leider wird es das in der Realit\u00e4t nicht spielen, denn Sibylle Lewitscharoffs &#8220;Pfingstwunder&#8221; 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