{"id":46990,"date":"2016-09-27T09:28:42","date_gmt":"2016-09-27T07:28:42","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=46990"},"modified":"2016-09-27T09:28:42","modified_gmt":"2016-09-27T07:28:42","slug":"die-vegetarierin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=46990","title":{"rendered":"Die Vegetarierin"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch einmal eine Pause vom doppelten <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/23\/ueberraschende-longlisttitel\/\">LL<\/a>&#8211;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/06\/die-oesterreichische-debut-und-buchpreislonglist\/\">lesen<\/a> und ein Ausflug in die Welt der internationalen Literatur, &#8220;<a href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/literatur-unterhaltung\/romane-erzahlungen\/die-vegetarierin.html\">Die Vegetarierin&#8221;<\/a>, neben &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/16\/buecherherbst\/\">The Girls&#8221; und &#8220;Meine geniale Freundin&#8221;<\/a> das Kultbuch der heurigen Herbstsaison, der Koreanerin Han Kang, die damit auch den &#8220;Internationalen Man Booker Prize&#8221; gewonnen hat.<\/p>\n<p>Ich habe es mir bestellt, weil ich die Besprechungen interessant gefunden habe, als wir vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/28\/mit-dem-e-bookreader-ins-hoellengebirge\/\">Berg <\/a>zur\u00fcckgekommen sind, habe ich auch eine in &#8220;Ex Libris&#8221; geh\u00f6rt und jetzt, glaube ich, ein anderes Buch gelesen, zumindestens habe ich es anders aufgefa\u00dft, denn die Realistin in mir, die vor kurzem auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/13\/die-welt-im-ruecken\/\">&#8220;Die Welt im R\u00fccken&#8221;<\/a> gelesen hat, sieht von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/11\/kafka-wege-um-das-sanatorium-hoffmann\/\">Kafka <\/a>keine Spur, aber vielleicht habe ich den nur noch nicht <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/19\/franz-kafka-tagebucher-1910-1923\/\">gen\u00fcgend gelesen<\/a> und kann sich das alles ganz real und gesellschaftlich bedingt deuten.<\/p>\n<p>Die klare sch\u00f6ne Sprache und das &#8220;fremdl\u00e4ndische Flair&#8221; besticht, zumal in der \u00dcbersetzung auch einige Worte zu finden sind, die f\u00fcr unseren Sprachgebrauch fremd und ungew\u00f6hnlich klingen.<\/p>\n<p>\u00dcbersetzt hat das Buch, die in M\u00fcnchen lebende Ki-Hyang Lee, um das auch einmal anzugeben, obwohl das f\u00fcr mich meistens nicht sehr wichtig ist und das Buch ist in drei Teilen gegliedert und wird von drei Protagonisten in jeweils einem Jahresabstand erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Der erste ist Yong-Hyes Ehemann, ein ziemlicher Unsympathler setzte ich gleich hinzu, aber die M\u00e4nner kommen in dem Buch \u00fcberhaupt nicht sehr gut weg, der sich \u00fcber die Ver\u00e4nderung seiner Frau wundert, denn die, die bisher eher durchschnittlich und unauf\u00e4llig bisher, das einzig Auff\u00e4llige war, da\u00df sie keine BHs trug, f\u00e4ngt pl\u00f6tzlich an kein Fleisch zu essen, weil sie b\u00f6se Tr\u00e4ume hat.<\/p>\n<p>In der veganen Welt, in der wir seit einigen Jahren leben, nichts Ungew\u00f6hnliches k\u00f6nnte man denken. In Korea gibt es auch gen\u00fcgend Vegetarier, wie in dem Buch steht, trotzdem flippt Yong-Hyes Familie aus, sie magert allerdings auch sehr ab und beginnt sich immer \u00f6fters nackt zu zeigen.<\/p>\n<p>So verst\u00e4ndigt\u00a0 der Mann, die Familie, die trifft sich in der Wohnung von Yong-Hyes Schwester und der autorit\u00e4re Vater gibt der Tochter eine Ohrfeige und versucht ihr mit Hilfe des Bruders, ein St\u00fcck Fleisch in den Mund zu zwingen. Die spukt es aus und greift zum Messer, um sich umzubringen,\u00a0 der Schwager tr\u00e4gt sie auf seinen Armen in die Klinik.<\/p>\n<p>Teil zwei &#8220;Der Mongolenfleck&#8221; wird von diesem erz\u00e4hlt. Der ist ein, glaube ich, nicht so besonders erfolgreicher Video-K\u00fcnstler, lebt vom Kosmetikgesch\u00e4ft seiner Frau und ist von Yong-Hyes Mongolenfleck, den sie am Ges\u00e4\u00df hat, fasziniert.<\/p>\n<p>So kommt er zu ihr mit dem Begehr auf ihren nackten K\u00f6rper Blumen aufzumalen und l\u00e4\u00dft sie dann mit einem ebenfalls bemalten K\u00fcnstler Sex haben, der rennt aber davon, so l\u00e4\u00dft er sich selbst bemalen und hat den Sex mit ihr, die sich nicht wehrt, denn seit sie die Bemalung hat, f\u00fchlt sie sich besser und die Tr\u00e4ume, die sie qu\u00e4lten sind auch weg.<\/p>\n<p>Pech ist nur, da\u00df die besorgte Schwester des Morgens schon fr\u00fch aufsteht, um Yong-Hye Essen zu bringen und die beiden findet. Sie schaut sich auch das Video an und holt die Rettung, denn die beiden m\u00fcssen, wenn sie sowas machen, ja krank sein.<\/p>\n<p>Teil drei spielt wieder ein Jahr sp\u00e4ter und die Schwester f\u00e4hrt in die Klinik um Yong-Hye zu besuchen. Die ist dort vor einiger Zeit ausgerissen und hat sich im Regen in den Wald gestellt, um ein<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/21\/gerstl-begrabnis\/\"> Baum zu werden<\/a> und sich mit der Natur zu verschmelzen. Seither i\u00dft sie auch nicht mehr und wird in der Klinik nat\u00fcrlich fixiert und zwangsern\u00e4hrt, denn man hat ja nicht das &#8220;Recht zu sterben&#8221;, wie sie sich einmal\u00a0 bei ihrer Schwester beklagt.<\/p>\n<p>Offenbar nur das zu funktionieren und das hat In Hye, Yong-Hyes Schwester bisher auch getan, sich um den Sohn gek\u00fcmmert, den ungetreuen Ehemann verlassen, die Klink f\u00fcr die Schwester bezahlt und sie \u00e4rgert sich auch \u00fcber deren Ehemann, der sich gleich nach der Ver\u00e4nderung von der Schwester scheiden lie\u00df.<\/p>\n<p>Die \u00c4rzte haben alles versucht, Yong-Hye weigert sich weiter zu essen und driftet in ihre eigene Welt ab. So wird sie im Krankenwagen in eine andere Klink gebracht, die Schwester begleitet sie, reflektiert ihr Leben, den gewaltt\u00e4tigen Vater, der sich haupts\u00e4chlich an Yong-Hye vergriff, ihr eigenes Funktionieren und am Ende k\u00f6nnte es sein, da\u00df auch bei ihr die Rebellion beginnt und sie sich vielleicht, wie ein Vogel aus dieser Welt davonzumachen versucht.<\/p>\n<p>Ein sehr beeindruckendes Buch, das ich, wie schon geschrieben haupts\u00e4chlich aus der realistischen Sicht las und mich frage, warum man unbedingt essen mu\u00df , sich nicht umbringen darf und wenn man es trotzdem versucht, gewaltsam daran gehindert wird und, da\u00df In Hyes Ehemann, zuerst in die Klinik mitgenommen wurde, dann nur mehr wegen Ehebruch verhaftet wurde und sich schlie\u00dflich aus dem Staub machte, finde ich auch sehr seltsam.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das in Korea, wo vielleicht alles noch ein bi\u00dfchen konventioneller ist noch so. Die Psychiatrie, die hier beschrieben wird, erinnert mich an die F\u00fcnfziger bis Siebzigerjahre, wo ich Anfang der letzteren ja zu studieren und dort Vorlesungen zu besuchen begann.<\/p>\n<p>Inzwischen h\u00e4tte ich gedacht, ist es ist etwas besser geworden. Das Buch kann aber trotzdem aufr\u00fctteln und nachdenklich werden lassen, die sch\u00f6ne Sprache, die auch mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/31\/gefahrliche-geliebte\/\">Haraki Murakami <\/a>verglichen wird, ist auch zu erw\u00e4hnen und stehen bleiben wird der Satz, den Yong-Hye ihre Schwester fragte: &#8220;Ja und? Ist es denn verboten zu sterben?&#8221;<\/p>\n<p>Freiwillig offenbar ja, obwohl wir es ja alle irgendwann werden und m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch einmal eine Pause vom doppelten LL&#8211;lesen und ein Ausflug in die Welt der internationalen Literatur, &#8220;Die Vegetarierin&#8221;, neben &#8220;The Girls&#8221; und &#8220;Meine geniale Freundin&#8221; das Kultbuch der heurigen Herbstsaison, der Koreanerin Han Kang, die damit auch den &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=46990\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[431,2492,3247,3816],"class_list":["post-46990","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aufbau-verlag","tag-han-kang","tag-koreanische-literatur","tag-man-booker-prize-2016"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46990","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46990"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46990\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46990"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46990"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46990"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}