{"id":4720,"date":"2010-11-03T22:22:36","date_gmt":"2010-11-03T21:22:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4720"},"modified":"2010-11-03T22:22:36","modified_gmt":"2010-11-03T21:22:36","slug":"michelangelo-und-ernst-jandl-show","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4720","title":{"rendered":"Michelangelo und Ernst Jandl Show"},"content":{"rendered":"<p>Das ist zwar ein ziemlicher Kulturkonstrast, aber genau das war heute los. Kam da doch vor einigen Wochen eine Einladung zu einer Facultas Sonderf\u00fchrung in die Albertina zu &#8220;Michelangelo  Zeichnungen eines Genie&#8221;, keine Ahnung, wie ich zu der Einladung komme, aber ich habe mich angemeldet und bin daraufgekommen, da\u00df ich noch nie im Leben in der Albertina war, h\u00f6chstens einmal in der Schule im Rahmen eines Lehrausgangs. Aber heute war viel los. So schickte mir Haymon eine Einladung zur Buchpr\u00e4sentation von Robert Schindels &#8220;Falkenstein&#8221; und dann h\u00f6rte ich  allenhalben von der Ernst Jandl Show, beziehungsweise dem Begleitprogramm im Radiokulturhaus ect.<br \/>\nErnst Jandl ist zwar am am 1. August geboren und am 9. Juni gestorben, w\u00e4re jetzt f\u00fcnfundachtzig Jahre alt und zehn Jahre tot ist er auch. Anla\u00df f\u00fcr eine Ausstellung im Wien- Museum, \u00d61 berichtete den ganzen Tag davon. Die Ausstellung wurde heute er\u00f6ffnet. Ich bekomme zwar keine Einladungen f\u00fcrs  Wien Museum, wenn ich aber ohnehin um achtzehn Unhr in die Albertina gehe, komme ich am Karlsplatz direkt vorbei. In der Albertina hat  alles geklappt, die freundliche Dame im Foyer hackte den Namen ab, dann erschienen zwei junge Damen mit einem K\u00f6rbchen, teilten Kopfh\u00f6rer aus,  f\u00fchrten eine Stunde durch die Ausstellung und erkl\u00e4rten ganz genau, was Michelangeno um 1500 gedacht und getan hat und erw\u00e4hnten, da\u00df es heute ganz besonders voll in der Albertina ist.<br \/>\n Ich rannte durch die Halle und dachte, ich geh\u00f6re ins Wien- Museum und traf dort auch um viertel Acht ein. Kein Mensch fragte nach einer Einladung, ich  versuchte in den Saal zu kommen, wo die Er\u00f6ffnung stattfand. Dort war alles blokiert. Vor mir stand Peter Kreisky, dann kam eine Stammbesucherin im  blauen Kleid und blonden Z\u00f6pfchen, rief &#8220;Aha, Herr Kreisky, was machen Sie da?&#8221; und dr\u00e4ngte sich nach vorn. Zehn Minuten sp\u00e4ter ist sie neben Friederike Mayr\u00f6cker in der ersten Reihe gesessen. Bernhard Fetz hielt die Er\u00f6ffnungsrede, hat er doch die Ausstellung mit Hannes Schweiger kuratiert. Ich versuchte es vorerst im ersten Stock, traf dort Robert Huez, als ich aber unten die blaue Dame sah, habe ich mich auch durch die Menge gedr\u00e4ngt. Ein paar Leute kannte ich ja. Toni Gruber hat mich b\u00f6se bzw. konzentriert angeschaut. Die beiden Herren erk\u00e4rten die Ausstellung, man kann dort wie Ernst Jandl dichten, es gibt verschiedene Stationen, wie ich schreibe mich frei, Kriegsstimmen, Jandls Schule der Literatur, Innovation und Experiment, ich sein Sprachk\u00fcnstler, von der Schrift zum Bild, kommunzierende Gef\u00e4\u00dfe  Jandl-Mayr\u00f6cker, Jazz me if you can, die Listen des Alltags &#8211; Leben und Schreiben, den Mund mach ich auf und zu und Jandl f\u00fcr alle. Ich dr\u00e4ngte mich hinaus, um nicht zu sp\u00e4t zum Wein zum kommen und dachte \u00fcber meinen Ernst Jandl Bezug nach. Bin ich ja, ich wiederhole es f\u00fcr alle, die es noch nicht wissen, eine realistische Schreiberin und Ernst Jandl ungef\u00e4hr genau das Gegenteil.<br \/>\nSo kann ich nicht genau sagen, seit wann ich ihn kenne. Im Deutschlehrbuch in der Stra\u00dfergasse ist er zwar sicher schon gestanden, die Frau Professor Friedl interessierte sich aber mehr f\u00fcr Mell und Wildgans und teilte solche Leselisten aus. Irgendwann habe ich in der Zeit nach meiner Matura im Radio geh\u00f6rt, da\u00df Ernst Jandl wieder zur\u00fcck in die Schule gegangen ist, weil er vom Schreiben nicht leben kann. Dann war er auch GAV-Pr\u00e4sident, aber das war noch vor meiner Mitgliedschaft. Als ich  aufgenommen wurde, war Josef Haslinger Generalsekret\u00e4r, aber Ernst Jandl noch sehr aktiv, mit drei\u00dfig, mit vierzig, ect.<br \/>\nAls die Anna sehr klein war, sind wir einmal mit ihr am Nationalfeiertag ins Zwanzigerhaus gegangen, da hat Ernst Jandl gelesen, ein kleines Kind interessiert das nicht. Das rennt herum und st\u00f6rt, ohne es zu wissen den Autor, der klopfte auf den Tisch und \u00e4ffte das Kleinkind nach, der Aufseher erschien und wir gingen hinaus, no na, ganz klar.<br \/>\n2000 ist Ernst Jandl gestorben, kurz vorher gab es im Literaturhaus einen gro\u00dfen Aktionstag zu schwarz-blau, da habe ich ihn, glaube ich, schon im Rollstuhl an der Seite von Friederike Mayr\u00f6cker gesehen. Zu seinem Begr\u00e4bnis bin ich nicht gegangen, habe ich ihn ja nicht pers\u00f6nlich gekannt. Wohl aber zu einigen Ernst Jandl Ausstellungen im Literaturhaus und da habe ich die Frau Millner getroffen, heute war sie auch da und hat sich intensiv mit Brigitta Falkner unterhalten und an eine Lesung bzw. Diskussionsveranstaltung im Literaturhaus kann ich mich auch erinnern, da sa\u00df Ernst Jandl am Podium und hat ziemlich gest\u00f6rt. Ob er betrunken oder sonstwie abwesend war, habe ich nicht herausgefunden  und eine Ernst Jandl Leserin war ich eigentlich nie.<br \/>\nAber in dem ber\u00fchmten Jahr zweitausend, wo alles wegen schwarz blau Kopf gestanden ist, gab es im Theater in der Gumpendorferstra\u00dfe Gratiseintritt zu den &#8220;Humanisten&#8221; und so habe ich mir dieses St\u00fcck angesehen  und  &#8220;lechts und rinks, das kann man leicht verwechseln&#8221;, ich schreibe das jetzt sicher falsch.<br \/>\nDer Alfred hat der Ute Hundertmark einmal ein Jandl Buch mitgebracht. Aber in Leipzig kann man den gro\u00dfen Sprachk\u00fcnstler, diese \u00f6sterreichische Ikone nicht so besonders sch\u00e4tzen, also hat sie es am Flohmarkt verkauft und sich mit der Buchh\u00e4ndlerin den Gewinn geteilt. Aber &#8220;Otto Mops&#8221; ist ber\u00fchmt und in den Neunzigerjahren, als ich mit der Betreuung meines Vaters \u00fcberfordert war, gab es in M\u00fcrzzuschlag und Neuberg an der M\u00fcrz, das Fest f\u00fcr Ernst Jandl, das f\u00fcr Gerhard R\u00fchm und f\u00fcr Friederike Mayr\u00f6cker. Da bin ich dreimal dortgewesen und habe ein bi\u00dfchen \u00fcber Jandls Beziehung zum Jazz mitgekriegt und inzwischen gibt es dort den Ernst Jandl Preis, wo ich zweimal war und die ber\u00fchmte Stimme von Wolfram Berger h\u00f6ren konnte, der hat heute auch gelesen und in der Ausstellung gab es viele Tonaufnahme und den ber\u00fchmten Auftritt in der Royal Albert Hall als Film.<br \/>\nIch bin herumgerannt, habe bei  Bekannten Small Talk betrieben. Bin nicht ganz sicher, ob ich Andrea Winkler gesehen habe, der h\u00e4tte ich ganz gern gesagt, da\u00df ich die gestrige Veranstaltung gut verlinkt habe, Herr Lindner war da und kommt zum Fest. Toni Gruber und der pensionierte Lehrer, den ich manchmal sehe, haben sich \u00fcber die Festreden mokiert, aber die geh\u00f6ren zu solchen Veranstaltungen dazu.<br \/>\nDie Dame, die gestern das Literaturhaus vor der Veranstaltung verlassen hat, hat sich alle Tonaufnahmen genau angeh\u00f6rt, Franz Gross, Alfreds Schulfreund, habe ich  zu meinem Fest eingeladen und bei einem Kulturbeamten versucht, eine Einladung zur Verleihung des \u00f6sterreichischen Staatspreises f\u00fcr Literatur an Paul Nizon zu bekommen, mal sehen, ob das klappt. Er kommt, hat er mir gesagt, ohne hinein, bei mir ist das sicher anders, aber auch dar\u00fcber w\u00fcrde ich gerne fl\u00fcstern, wie ich \u00fcber die Ernst Jandl Show fl\u00fcstere, denn das ist ein gro\u00dfer \u00f6sterreichischer Dichter und ich habe ihn noch pers\u00f6nlich gesehen.<br \/>\nBei heute schon gejandelt habe ich den Satz &#8220;Das Leben ist sch\u00f6n!&#8221;, auf die Wand gepickt.<br \/>\nBis 13. 2. 2011 kann man die Ausstellung besuchen. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist zwar ein ziemlicher Kulturkonstrast, aber genau das war heute los. 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