{"id":47266,"date":"2016-10-09T16:25:36","date_gmt":"2016-10-09T14:25:36","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=47266"},"modified":"2016-10-09T16:25:36","modified_gmt":"2016-10-09T14:25:36","slug":"skizze-eines-sommers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=47266","title":{"rendered":"Skizze eines Sommers"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/23\/ueberraschende-longlisttitel\/\">Buch sechzehn<\/a> und das<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/20\/die-sechs-deutschen-shortlistbuecher\/\"> f\u00fcnfte der SL<\/a> ist ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/13\/sommerlekture\/\">Sommerbuch <\/a>und f\u00fchrt in die DDR, in den Sommer 1985, wo wir mit der kleinen Anna auch dort waren und ich mich noch an ein Plakat in Ost-Berlin erinnern kann, das den Kindern sch\u00f6ne Ferien w\u00fcnschte.<\/p>\n<p>Rene wohnt in Potsdam und wird gerade sechzehn, das hei\u00dftm er hat die Schule abgeschlossen und kann sich jetzt f\u00fcr eine Lehre oder die erweiterte OS entscheiden, beziehungsweise wird er dorthin delegiert und ist so alt, wie der 1969 in Potsdam geborene Andre Kubiczek, der sich an diesen Sommer erinnert und wahrscheinlich seinen Freunden dieGeschichte erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Schule ist fertig, der Geburtstag steht bevor, die Mutter ist vor einigen Jahren, vielleicht an Krebs, das Trauma wird umschifft und nicht besonders erw\u00e4hnt, gestorben und der Vater, offenbar ein Universit\u00e4tsprofessor, darf f\u00fcr sieben Wochen in Genf an einer Friedenskonferzenz teilnehmen.<\/p>\n<p>Da hat vorher die Staatsp\u00fcolizei, die Nachbarn besucht und sich nach dem Lebenslauf erkundigt, die haben es Vater und Sohn gemeldet und offenbar nicht Negatives erz\u00e4hlt, so kauft sich der Vater einen kanariengelben Trenchcoat und l\u00e4\u00dft sich vom Chauffeur nach Sch\u00f6nefeld fahren und der Sohn, der nach den Ferien, weil er auch\u00a0 einen vorteilhaften Lebenslauf hat, in ein Internat kommt, wo er die &#8220;Organisation der materiell-technischen Basins&#8221; studieren soll-.<\/p>\n<p>Der ist zwar\u00a0 nicht so angepasst, sondern liest mit seinen Freunden Baudelaire und andere dekatente Dichter, deren B\u00fccher man nur ausnahmsweise in den Volksbuchhandlungen kaufen kann, kleidet sich schwarz und \u00e4rgert, die jungen Lehrerinnen, weil sie zwar nicht aufpassen, aber trotzdem gute Sch\u00fcler sind, so da\u00df sie ihnen nichts anhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber noch sind Ferien, die Bude ist\u00a0 sturmfrei, Rene soll zwar die H\u00e4lfte der Ferien im Harz bei den Gro\u00dfeltern verbringen, hat aber nicht viel Lust dazu und der Vater hat ihm tausend Mark, &#8220;kein Geld der Welt, sondern Mark der DDR&#8221;,\u00a0 f\u00fcr den Monat seiner Abwesenheit und dann nochmal zweihundert, als Geburtstagsgeschenk hinterlassen.<\/p>\n<p>Rene schwimmt also in Geld, das er getreulich mit seinen Freunden teilt, die hei\u00dfen Dirk und Michael und waren mit ihm in der Klasse, sowie Mario, der ist erst vierzehn, schaut aber, weil er einen libanesischen Vater hat, viel \u00e4lter aus und hat, worum Rene ihn beneidet, unschlagbaren Erfolg bei den M\u00e4dchen, den er geh\u00f6rig aufsn\u00fctzt.<\/p>\n<p>Rene geht es also gut und kann den Sommer genie\u00dfen, so trinkt er mit den Freunden die sieben Flaschen &#8220;Napoleon&#8221; aus, die die Gro\u00dfmutter immer den Vater schenkte, f\u00e4ngt zu rauchen an und nat\u00fcrlich interessieren ihn die M\u00e4dchen, die ganz besonders.<\/p>\n<p>Da gibt es eines, von der er den Namen nicht wei\u00df, sp\u00e4ter erf\u00e4hrt er, da\u00df ihre kleine Schwester Fritzi hei\u00dft, er trifft sie an seinen an sich einsamen Geburtstagstag, wo die Freunde ihn scheinbar vergessen habe, so da\u00df er sich, um sechzig Mark, die Baudelaire-Ausgabe, die in der Volksbuchhandlung hinter Glas aufgereiht steht, kauft, auf einer Bank am Keplerplatz und\u00a0 verabredet sich mit ihr f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag in der Jugenddisco trifft.<\/p>\n<p>Dort geht einiges schief, denn Mario kommt dorthin mit seiner Freundin Connie und stellt ihm eine Bianca vor.\u00a0 Sie und Connie werden eine Lehre beginnen und werden daher, von den &#8220;dekatenten Intellktuellen&#8221; als Proletarier bezeichnet.<\/p>\n<p>Rene ist aber trotzdem von ihrem tollen Busen hingerissen, es kommt zu einem Ku\u00df oder eine Umarmung,\u00a0 das M\u00e4dchen ohne Namen, kommt nicht zum ausgemachten Date und f\u00e4hrt am n\u00e4chsten Tag mit ihrer Familie in die Ferien.<\/p>\n<p>So bleibt Rene gar nichts anderes \u00fcber, als mit Bianca eine Beziehung aufzunehmen und sich mit ihr in einem Gasthaus am See zu treffen, bis auch sie in die Ferien f\u00e4hrt und Potsdam langsam leer wird.<\/p>\n<p>Rene sollte zwar zu seiner Gro\u00dfmutter, f\u00e4hrt aber mit Mari in das Kuhdorf wo Conni das Haus einer Tante h\u00fcten soll. Sie werden dort zwar in der Nacht von einem Volkspolizisten auf einer Bank mit dem &#8220;Napoleon&#8221; aufgegriffen, der entpuppt sich aber als Connies Onkel und bringt die beiden zu ihr.<\/p>\n<p>Eine\u00a0 Blutschwester hat Rene vorher auch noch gefunden, die intellektuelle Rebecca, eine K\u00fcnstlertochter, in die sich sowohl Dirk, als auch Michael verlieben und nun soll Rene entscheiden, wer von ihnen die meisten Chancen bei ihr an.<\/p>\n<p>Sie hat aber nur\u00a0 schwesterliche Augen f\u00fcr Rene und f\u00e4hrt auch in die Ferien und als die vor\u00fcber sind, trifft Rene das M\u00e4dchen ohne Namen, das ihn\u00a0 verr\u00e4t, da\u00df sie Vicotia hei\u00dft und eine gro\u00dfe Liebe in der letzten Ferienwoche beginnt.<\/p>\n<p>Ein leicht zu lesbares Buch, m\u00e4keln die <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/review\/R3CNYS0GWJ02AB\/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&amp;ASIN=3871348112&amp;channel=detail-glance&amp;nodeID=299956&amp;store=books\">&#8220;Amazon-Rezensenten&#8221;<\/a>, die <a href=\"http:\/\/www.soundsandbooks.com\/2016\/09\/11\/andre-kubiczek-skizze-eines-sommers-roman\/\">offiziellen Buchblogge<\/a>r <a href=\"http:\/\/literatourismus.net\/2016\/09\/andr-kubiczek-skizze-eines-sommers\/\">sind begeistester <\/a>und der Autor dementierte, glaube ich, da\u00df es in dem Buch um die DDR geht und meinte, da\u00df die eher nur Staffage oder Nebenprodukt w\u00e4re und ich denke , da\u00df ich jetzt <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/13\/die-welt-im-ruecken\/\">mein <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/23\/das-pfingstwunder\/\">viertes<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/08\/fremde-seele-dunkler-wald\/\">Shortlistbuch<\/a> gefunden habe, bin beigeistert von der leichten Ironie mit der Kubiczek \u00fcber die DDR-Schikanen dr\u00fcberwischt und meinte, da\u00df man auch im Jahr 1985, wenn man jung war, viel Geld und eine sturmfreie Bude hatte, sein Leben genie\u00dfen konnte.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich ist wieder viel Autobiografiesches dabei, auch wenn es der Autor bestreiten sollte und denke, da\u00df f\u00fcr mich die DDR, die mich ja sehr interessiert, schon sehr greif und sichtbar war, auch wenn 1985 auch im Westen die Schulabg\u00e4nger wahrscheinlich rauchten, Kognac tranken und sich f\u00fcr M\u00e4dchen interessierten.<\/p>\n<p>Im vorigen Jahr habe ich ja auch ein Buch \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/13\/8990\/\">die DDR<\/a> Jugend gelesen und dieses beschreibt die Szene der HO- L\u00e4den und der Volkspolizisten sehr dicht, zeigt aber auch, da\u00df man trotzdem widerst\u00e4ndig und kritisch sein konnte, auch wenn Rene, dem intellektuellen K\u00fcnstlervater, der ihn aushorchen will, stolz erz\u00e4hlt, da\u00df er ein echter Kommunist werden wird.<\/p>\n<p>&#8220;Andre Kubiczek erz\u00e4hlt wunderbar einf\u00fchlsam und hintergr\u00fcndig von jeder Zeit, die auf ewig die beste unseres Lebens bleibt&#8221;, steht am Buchr\u00fccken und die war offenbar f\u00fcr Rene oder auch f\u00fcr Andre\u00a0 Kubiczek auch in der DDR m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch sechzehn und das f\u00fcnfte der SL ist ein Sommerbuch und f\u00fchrt in die DDR, in den Sommer 1985, wo wir mit der kleinen Anna auch dort waren und ich mich noch an ein Plakat in Ost-Berlin erinnern kann, das &hellip; 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