{"id":4742,"date":"2010-11-06T00:56:35","date_gmt":"2010-11-05T23:56:35","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4742"},"modified":"2010-11-06T00:56:35","modified_gmt":"2010-11-05T23:56:35","slug":"jugoslavija-revisited","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4742","title":{"rendered":"Jugoslavija revisited I"},"content":{"rendered":"<p>Am Freitag begann im Odeon Theater die dreit\u00e4gige Literaturveranstaltung &#8220;Jugoslavija revisited&#8221;, das von der Alten Schmiede, bzw. Walter Famler seit einigen Jahren veranstaltet wird. Fr\u00fcher gab es die Literatur im M\u00e4rz,  dann eine Zeitlang beide Veranstaltungen, inzwischen ist nur mehr die Literatur im Herbst \u00fcbergeblieben, die meistens einem bestimmten Land gewidmet ist, Rum\u00e4nien, Bulgarien, Griechenland, T\u00fcrkei, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/11\/17\/ukrainisches-wochenende\/\">Ukraine <\/a>etc. Voriges Jahr gabs was zu den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/08\/exilliteratur-im-dilemma\/\">Ver\u00e4nderungen von 1989<\/a>.<br \/>\nEine Zeitlang ist die Veranstaltung an mir vorbeigegangen, da der Er\u00f6ffnungsabend meistens zeitgleich meinem Geburtstagsfest war, dann gabs  fr\u00fcher auch noch eine Weinverkostung zu der wir eingeladen waren, so da\u00df ich erst ab Rum\u00e4nien oder Bulgarien hingegangen bin und auch da erst ab Samstag. Bei der Er\u00f6ffnung war ich heuer das erste Mal, da mein Fest erst eine Woche sp\u00e4ter stattfindet.<br \/>\nUnd die war feierlich durch den Stadtrat  Mailath-Pkorny, der erw\u00e4hnte, da\u00df inzwischen zweihunderttausend ehemalige Jugoslawen, also Serben, Slowen, Bosnier, Kroaten ect in Wien leben, f\u00fcnfundvierzigtausen haben davon die Staatsb\u00fcrgerschaft und das ist interessant, mein Jugoslawienbezug besteht auch aus den Hausmeisterinnen, bzw. der Tante Dora, die wir zweimal in Belgrad besuchten, einmal 1987 als wir aus der T\u00fcrkei zur\u00fcckgekommen sind, da zweite Mal 1998 kurz vor dem Kosovo Krieg, als die Lage sehr angespannt war und es kaum Touristen kam. Man brauchte ein Visum und eine Einladung und der Grenzer hat auch mehrmals versucht, mich auf serbisch ect. anzusprechen, weil er offenbar glaubte, da\u00df jemand der Jancak hei\u00dft, diese Sprache k\u00f6nnen mu\u00df, dabei ist meine Gro\u00dfmutter, wie die Tante Dora aus Tschechien gekommen.<br \/>\nDas Odeon Theater war sehr voll. Das Interessante an der Veranstaltung ist ja immer, da\u00df die jeweilige Sprachengemeinde, sowie die literarisch Interessierten kommen.  Und man bekommt Autoren zu sehen, die man sonst kaum kennenlernen w\u00fcrde.<br \/>\nDzevad Karahasan hat den Erf\u00f6ffnungsvortrag gehalten und war schon am Donnerstag im &#8220;Vom Tag zu Tag.&#8221;<br \/>\nDer 1953 in Bosnien-Herzegowina geborene, hat in Sarajewo Theaterwissenschaft und vergleichende Literaturwissenschaft studiert, 1993 hat er Sarajewo verlassen und ist nach Graz gegangen. Der Er\u00f6ffnungsvortrag &#8220;Leben zwischen den Spiegeln&#8221; ist im Wespenheft Sonderheft und  in der Alten Schmiede Zeitschrift &#8220;Hammer&#8221; abgedruckt, besch\u00e4ftigt sich mit Melancholie und damit, wie sich ein Mensch ver\u00e4ndert, der schon lange in einer anderen Stadt, als in seiner Heimat lebt. Das ist ja eine Erfahrung, die einige Autoren teilen und das gro\u00dfe Thema der Veranstaltung, die von der \u00dcbersetzerin Alida Bremer mitkuratiert wurde.<br \/>\nIn der Eingangshalle gab es wieder eine Diashow und eine Fotoausstellung, die Bilder der Siebzigerjahre zeigte, als Jugoslawien noch ein Vielv\u00f6lkerstaat war, dann kam der Krieg und die Zersplitterung. Aus den Jugoslawen wurden Serben, Kroaten, Bosnier und Slowenen und in den Texten ist das gro\u00dfe Trauma zu sp\u00fcren. Im Vortrag von Dzevad Karahasan, wie bei der Lesung der Kroatin Ivana Salko einer, wie Alida Bremer betonte, Angeh\u00f6rigen der j\u00fcngeren Generation.<br \/>\nIvana Salko ist 1975 geboren,  als Dramatikerin sehr ber\u00fchmt und schon in viele Sprachen \u00fcbersetzt. Jetzt hat sie aus dem Roman &#8220;Rio Bar&#8221; gelesen, der sich von verschiedenen Seiten, in einem Ich-Monolog und gro\u00dfer Sprachgewalt mit dem Krieg in Kroatien auseinandersetzt. Alida Bremer hat den Roman \u00fcbersetzt und betonte, da\u00df ihr die Arbeit gro\u00dfen Spa\u00df gemacht hat, weil eben die verschiedensten Facetten beleuchtet werden und neben den poetischen und dramatischen Elementen pers\u00f6nliche Anmerkungen zum Sprachproze\u00df, beziehungsweise dokumentarische Teile zu finden sind.<br \/>\nZuletzt traten noch Edo Popovic und Svetlan Lacko Vidulic auf. Edo Populic wurde 1957 in Bosnien geboren, lebt seit 1968 in Zagreb hat vier Romane geschrieben. Seit Romanbebut &#8220;Mitternachtsboogie&#8221; aus dem er las, wurde zum Kultbuch der Achtzigergeneration. Er war auch  Kriegsreporter.<br \/>\nSvetlan Lacko  Vidulic ist etwas j\u00fcnger, n\u00e4mlich 1968 in Zagreb geboren, hat eine deutsche Mutter und in Zagreb und Wien Germanistik studiert. Er hat einen Essay im Wespennest zu den Ged\u00e4chtnislandschaften und dar\u00fcber gab es  eine Diskussion.<br \/>\nEs gab auch einen B\u00fcchertisch mit all den vorgestellten B\u00fcchern und das Wespennest zu kaufen, aber zu dem bin ich kaum herangekommen, macht ja nichts,  gabs ja beim offenen B\u00fccherschr\u00e4nken einige tolle Amerikaner. N\u00e4mlich Louis Begley &#8220;L\u00fcgen in Zeiten des Krieges&#8221;, Don de Lillo &#8220;White Noise&#8221; und dann noch was Interessantes,  ein signiertes Buch von Andrea Askowitz &#8220;My miserable, lonly, lesbian pregnancy&#8221;.<br \/>\nJetzt mu\u00df ich das noch unterbringen, der gr\u00fcne Erde 10% Geburtstagsgutschein f\u00fcr das B\u00fccherregal  ist  schon da.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag begann im Odeon Theater die dreit\u00e4gige Literaturveranstaltung &#8220;Jugoslavija revisited&#8221;, das von der Alten Schmiede, bzw. Walter Famler seit einigen Jahren veranstaltet wird. 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