{"id":47477,"date":"2016-10-18T09:18:09","date_gmt":"2016-10-18T07:18:09","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=47477"},"modified":"2016-10-18T09:18:09","modified_gmt":"2016-10-18T07:18:09","slug":"die-annaeherung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=47477","title":{"rendered":"Die Ann\u00e4herung"},"content":{"rendered":"<p>Nach der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/17\/verpasste-preisverleihung\/\">Vergabe des deutschen Buchpreises<\/a> an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/09\/widerfahrnis\/\">Bodo Kirchhoff <\/a>geht es mit der \u00f6sterreichischen Liste und dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/08\/fremde-seele-dunkler-wald\/\">dritten <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/16\/gemischter-satz\/\">Longlistbuch<\/a>, sowie dem ersten, das auf der Shortlist steht, weiter.<\/p>\n<p>Aus Anna Mitgutschs &#8220;Ann\u00e4herung&#8221; habe ich schon in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/30\/anna-migutschs-neues-buch\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221; <\/a>ein St\u00fcckchen geh\u00f6rt und die 1948 geborene war mir schon in den Neunzehnhundertsiebziger Jahren, als ich zu <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/24\/vierzig-jahre-matura-vierzig-jahre-schreiben\/\">schreiben begonnen habe und mich auch im Arbeitskreis schreibender Frauen literarisch sozialisierte, <\/a>ein Begriff. Sie war oder ist auch Vizepr\u00e4sidentin der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/28\/dichtertreffen\/\">IG Autoren<\/a> und ich habe einige ihrer B\u00fccher, auch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/13\/die-welt-die-ratsel-bleibt\/\">literaurwisschenschaftlichen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/10\/die-grenzen-der-sprache\/\"> gelesen<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Buch\/Die-Annaeherung\/Anna-Mitgutsch\/Luchterhand-Literaturverlag\/e474623.rhd\">&#8220;Die Ann\u00e4herung&#8221;<\/a> ist ein interessantes Buch, \u00fcber vierhunderseiten dick, k\u00f6nnte man so sagen, auch wenn auf dem ersten Blick vielleicht nicht so viel passiert und es auch keine sprachlichen Experimente gibt.<\/p>\n<p>Es gibt auch nicht so viel Neues, was hier beschrieben wird, sondern eine Familiengeschichte, die wahrscheinlich jeder in irgendeiner Form erlebt und die \u00fcber Sechzigj\u00e4hrigen werden auch, wie ich, V\u00e4ter haben, die ihnen ihre Kriegstageb\u00fccher, sowie ihre Fotoalben mit lachenden jungen Wehrmachtssoldaten hinterlassen haben.<\/p>\n<p>Das Buch wird in zwei Perspektiven aus der, des siebenundneunzigj\u00e4hrigen Theos, in &#8220;Er- Form&#8221; und dann aus der in &#8220;Ich Form&#8221; seiner Tochter Frieda erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die beiden hatten es nicht leicht miteinander und sie n\u00e4hern sich auch nicht wirklich an, da gibt es zuviel was sie hindert, hemmt, sprachlos macht, etcetera.<\/p>\n<p>Es wird in einem Jahr erz\u00e4hlt, beginnt mit dem Winter, wo der Sechundneunzigj\u00e4hrige einen Schlagerfall erleidet und endet dann im n\u00e4chsten Winter mit seinem Tod.<\/p>\n<p>Inzwischen wird viel, ein ganzes Leben einer ganzen Famalie, Kinder, Enkelkinder, Cousinen, geschiedene Ehem\u00e4nner, gestorbene Frauen, erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Theo ist und das unterscheidet ihn von anderen Protagonisten anderer Romane, kein intellektueller, sondern ein G\u00e4rtner, ein sprachloser Bauernsohn, der in den Krieg geschickt wurde.<\/p>\n<p>Die erste Frau Wilma ist gestorben, ein Jahr sp\u00e4ter freundet er sich sehr zum Mi\u00dffallen seiner pubertierenden Tochter mit Berta an, heiratet sie und schickt Frieda, um seine Ehe zu retten noch vor ihrem achtzehnten Geburtstag aus dem Haus.<\/p>\n<p>Denn Theo ist ein passiver Typ, ordnet sich Berta unter. Frieda studiert Geschichte und fragt den Vater, wenn sie ihn heimlich trifft, \u00f6fter, die ber\u00fchmte Frage, die ich meinem, glaube ich gar nicht so sehr stellte, &#8220;Was hast du im Krieg getan?&#8221; und es kommt nicht sehr viel heraus, als Scham, Schweigen, Reue.<\/p>\n<p>Friedas Sohn Fabian ist Theo n\u00e4her gestanden, der hatte aber mit drei\u00dfig seinen Unfall, der Enkel bzw. Urenkel verschwindet mit seiner Mutter, so ist Frieda, die noch eine Tochter hat, allein und im ersten Winter, als Theo gehbehindert aus dem Spital zur\u00fcckkommt, hat auch Berta, die zwar siebzehn Jahre j\u00fcnger ist, einen Schw\u00e4cheanfall, mu\u00df ins Spital und es bleibt ihr nichts anderes \u00fcber, als die Tochter anhzurufen, damit sie sich, um den Vater k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kommt Ludmila aus der Ukraine, als illegale vierundzwanzig Stunden Betreuerin, in die sich der alte Theo verliebt, das erscheint mir ein wenig kitschig, kann aber vielleicht so sein. Beim siebenundneunzigj\u00e4hrigen Geburtstagsfest wird Berta jedenfallls auf sie eifers\u00fcchtig und schmei\u00dft sie hinaus, so da\u00df Theo, die Stunde abwarten mu\u00df, bis Berta mit der neuen Pflegerin in der Stadt ist, um die Tochter zu sich zu rufen, ihr ein Sparbuch, ein P\u00e4ckchen und sein Kriegstagebuch mit der Bitte zu \u00fcbergeben, zu Ludmila zu fahren und ihr das zu bringen.<\/p>\n<p>Das Tagebuch ist f\u00fcr Frieda, als Belohnung sozusagen und sie f\u00e4hrt damit mit einem j\u00fcdischen Freund zu dem sie eine Fernbeziehung hat, auch los, nach Krakau, Lemberg Czernowitz, an den erstern zwei Orten war ich auch schon mal, sucht nach j\u00fcdischen Spuren, die sie nicht findet, liest das Tagebuch, st\u00f6\u00dft dort auch auf L\u00fccken und die letzten Fragen werden nicht, k\u00f6nnen das vielleicht gar nicht mehr, beantwortet.<\/p>\n<p>Ludmila ist ebenfalls schweigsam und abweisend, als sie sie endlich erreichen. Sie heiratet gerade, kommt also nicht zur\u00fcck und Frieda kann ohnehin nur mehr einem schwerh\u00f6rigen alten Mann, der sie kaum erkennt, diese Nachricht \u00fcberbringen.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch \u00fcber die Geschichte der letzten hundert Jahre, nicht das erste zu diesem Thema, ich erinnere an den Film &#8220;Sibirien&#8221; von Felix Mitterer mit Fritz Muliar.<\/p>\n<p>Beeindruckender, als das mit den Kriegstageb\u00fcchern war deshalb f\u00fcr mich auch das Seniler- und Schw\u00e4cherwerden des alten Mannes, etwas was mich naturgem\u00e4\u00df sehr interessiert und ich es sehr interessant und vielleicht auch neu fand, wie sich Anna Mitgutsch diesem Thema was ja auch sehr schmerzliches ist, was gerne<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/13\/die-welt-im-ruecken\/\"> verdr\u00e4ngt wird,<\/a> ann\u00e4hert.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch also und sehr zum Lesen zu empfehlen und daran schlie\u00dft sich\u00a0 wahrscheinlich fast nahtlos ein weiteres \u00f6st. Shortlist-Buch, n\u00e4mlich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/28\/schlagabtausch-zwischen-deuticke-und-jung-und-jung\/\">Peter Henischs &#8220;Suchbild mit Katze&#8221;<\/a>, das glaube ich. in das zerbomte Nachkriegswien f\u00fchrt. Aber das m\u00fc\u00dfte ich erst bekommen, so da\u00df ich mit Peter Waterhouse &#8220;Auswandernden&#8221; weitermachen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Vergabe des deutschen Buchpreises an Bodo Kirchhoff geht es mit der \u00f6sterreichischen Liste und dem dritten Longlistbuch, sowie dem ersten, das auf der Shortlist steht, weiter. 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