{"id":4770,"date":"2010-11-09T00:02:16","date_gmt":"2010-11-08T23:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4770"},"modified":"2010-11-09T00:02:16","modified_gmt":"2010-11-08T23:02:16","slug":"wilde-landschaften","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4770","title":{"rendered":"Wilde Landschaften"},"content":{"rendered":"<p>Wieder eine Textvorstellung mit Angelika Reitzer. Die unterscheidet sich ja von den anderen Moderatoren, weil hier die jungen Talente, die mit der Sprache spielen, deren Namen man sich merken sollte, vorgestellt werden. Drei Abende gab es schon, im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/04\/die-welt-ist-uberall-anders\/\">Dezember<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/05\/die-welt-hat-ihre-erinnerung-verloren\/\">Februar<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/03\/meine-welthier-war-immer-schon-jetzt\/\">Mai<\/a>. Alle hatten die Welt im Text, diesmal ging es um Landschaften und das Roadmovie, das die Schriftsteller brauchen, um von ihren Schreiben zu erz\u00e4hlen und so viel Unbekanntes war  nicht dabei.<br \/>\nDenn Michael Stavaric habe ich schon gekannt und Constantin G\u00f6ttfert, den Wiener, der in Leipzig studierte. Die 1959 geborene Judith Pouget war mir aber unbekannt und die ist auch ein bi\u00dfchen \u00e4lter, als die anderen Eingeladenen. Sie hat mit ihrer im Mitter-Verlag erschienenen Erz\u00e4hlung &#8220;Abgehoben&#8221;  begonnen und diese Reise eines Paares durch Amerika bzw. Mexiko, war f\u00fcr mich ein Deja vu, obwohl das erst bei Michael Stavarics  Lesung vorkommen sollte.<br \/>\nAber dort war ich schon, nicht als Lektorin eines Sommerkurses an einer Uni, aber 1989 das erste Mal mit Alfred und der Anna und in Mexiko sind wir in den Neunzigerjahren  gewesen. Bei Judith Pouget begleitet eine Schriftstellerin, einen solchen namens Adam, wobei sie sich ihm offenbar entfremdet, aber soweit ist Judith Pouget nicht gekommen. Sie begn\u00fcgte sich mit dem Fr\u00fchst\u00fcck in der Mensa, Obst, Brot und Kaffee, das man durch die Gegend tr\u00e4gt. Mit den Partys, wo die Protagonistin gefragt wird, wer ihr Lieblingsautor ist und in welchen Genre sie schreibt und sie wei\u00df die Antwort nicht. Henry James wird erw\u00e4hnt, der f\u00fcr uns eher unbekannt, in den amerikanischen Schreibkursen wahrscheinlich sehr gefragt ist und anschlie\u00dfend der Aufenthalt in einem Haus bei einem kranken Dichter, der das Paar  aus diesem wirft, bevor es sich noch f\u00fcr den Campingurlaub eingedeckt hat.<br \/>\nAngelika Reitzer fragte anschlie\u00dfend, wie der Text entstanden ist? W\u00e4hrend des sechsw\u00f6chigen Aufenthalt, jeden Morgen ein paar Seiten in das Notizbuch \u00fcber das Erlebte des vergangenen Tags. Dann wurde es verdichtet.<br \/>\nDa war Michael Stavaric bei seinem &#8220;Deja-vu mit Pocahontas&#8221; anspruchsvoller, obwohl es in dem Text um die Zugfahrt eines Schriftstellers von N\u00fcrnberg nach Freudenstadt geht, hat er doch Arno Schmidts Stil verwendet. Das hat Angelika Reitzer in der Einleitung erkl\u00e4rt und auch, da\u00df Michael Stavaric dadurch zu einer neuen Sprache gekommen ist und ich habe diese Sprache als sehr  frisch und ungew\u00f6hnlich empfunden. Und da ich Arno Schmidt, ich gebe es zu, nicht gelesen habe, habe ich, wahrscheinlich unter dem Einflu\u00df der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/08\/jugoslavija-revisited-iii\/\">letzten drei Tage<\/a>, daran gedacht, da\u00df Deutsch ja nicht Michael Stavarics Muttersprache ist und, schau, wie der frech und locker die Sprache umfunktioniert.<br \/>\nDer traut sich was, da\u00df er &#8220;Mi\u00df- statt Unbehagen&#8221; schreibt, &#8220;Sonnenstrahlen in den Z\u00f6pfen&#8221; sieht und alles ganz anders benennt, was neugierig macht.<br \/>\n &#8220;Mit ihren zerbrechlichen Kniek\u00f6pfchen, Kniescheibe ist doch viel zu profan&#8230;&#8221;<br \/>\nDie Idee jemanden mit oder ohne Netzkarte durch Deutschland fahren zu lassen, ist ja nicht so neu, da\u00df Pocahontas dabei auftritt und zu ihren Klempner f\u00e4hrt, wahrscheinlich schon. Zu dem steigt sie dann auch aus und &#8220;mit ihr die Liebe &#8211; Schei\u00dfe&#8221; endete Michael Stavaric und setzte noch ein &#8220;Vielen Dank!&#8221;, hinzu, was mich zum Lachen brachte, \u00e4hnlich wie damals in der Station H\u00fctteldorf, als ich mit meinem Kind auf den Zug nach St. P\u00f6lten wartete und den letzten Satz der &#8220;Alten Meister&#8221; gelesen habe und da bin ich schon bei der \u00dcberleitung zum n\u00e4chsten Autor, dem 1979 geborenen Constantin G\u00f6ttfert, auf dessen Namen ich \u00fcber das Literaturinstitut in Leipzig gesto\u00dfen bin, beim zw\u00f6lften Klagenfurter Literaturkurs hat er teilgenommen und ich habe ihn im Oktober 2008 bei einer Lesung der &#8220;<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/30\/aus-dem-elfenbeinturm\/\">Hausdurchsuchung&#8221;<\/a> in der Hauptb\u00fccherei geh\u00f6rt.<br \/>\nSo hatte ich also meine Erwartungen bei &#8220;In der Wildnis&#8221;, die Angelika Reitzer auch mit der Westernanspielung einf\u00fchrte bzw. einen Namen erw\u00e4hnte, den ich mir nicht gemerkt habe. Dann begann es aber bei der Erz\u00e4hlung &#8220;Versper&#8221; mit dem Satz &#8220;Ich h\u00e4tte es nicht schreiben d\u00fcrfen, dachte ich wieder&#8221; und handelte von einem, der an der Innbr\u00fccke steht und \u00fcberlegt hineinzuspringen.<br \/>\n &#8220;Man schreibt es in der Meinung das Sch\u00f6nste zu schreiben und schreibt dabei nur das Schrecklichste!&#8221;<br \/>\nNa ja, habe ich gedacht,  das habe ich doch schon gelesen. Vorgestern in Tim Parks &#8220;<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/07\/schicksal\/\">Schicksal<\/a>&#8221; und vor vielen Jahren &#8220;In der Ausl\u00f6schung&#8221;, in den &#8220;Alten Meistern&#8221;, in &#8220;Holzf\u00e4llen&#8221; und in einigen B\u00fcchern, die andere Verfasser haben. Da\u00df das gro\u00dfe Vorbild auch nach Leipzig dringt, hat mich erstaunt. So habe ich diese Geschichte ein wenig antiquiert empfunden, obwohl eine Wendung drinnen war, die mich sehr beeindruckte. Der junge oder auch \u00e4ltere Mann, der in den Inn springen will, reflektiert sein Leben und liest dabei Briefe seines Vaters &#8220;Mein lieber Sohn, wie geht es dir?&#8221;<br \/>\n &#8220;Man mu\u00df den Menschen die Liebe sauer machen, damit sie Lust aufs Sterben bekommen!&#8221;, sagte dieser Vater, aber die Mutter ist nicht gestorben,&#8221; sie konnte es noch nicht, wollte sie doch  dem Vater nicht  die halbw\u00fcchsigen T\u00f6chter und die halbw\u00fcchsigen Nachbarkinder \u00fcberlassen&#8230;.&#8221;<br \/>\nDie Geschichte schlie\u00dft damit, da\u00df der junge Mann, die Mutter beim Versuch die jungen K\u00e4tzchen zu t\u00f6ten beobachtete, was sie nicht schaffte, so da\u00df sie halbtot liegenblieben. Diese Brutalit\u00e4t  habe ich vor kurzem auch in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/28\/anima-mundi\/\">zwei<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/26\/der-konformist\/\">B\u00fcchern <\/a>gefunden und ist wohl das, was man als junger Mann am Land immer noch erlebt.<br \/>\nIn der Diskussion stellte ich die Frage nach Thomas Bernhard und lie\u00df mich belehren, da\u00df der frische Stavaric Ton von Arno Schmidt kommt, den ich bisher, auch das gebe ich zu, f\u00fcr unlesbar gehalten habe. Zum Gl\u00fcck gibts  den B\u00fccherschrank und da lag vor kurzem &#8220;Kaff auch Mare Crisium&#8221;, so da\u00df ich meine Bildungsl\u00fccke aufholen und  wieder sagen kann, bei den Textvorstellungen von Angelika Reitzer lernt man sehr viel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder eine Textvorstellung mit Angelika Reitzer. 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