{"id":4781,"date":"2010-11-10T06:52:31","date_gmt":"2010-11-10T05:52:31","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4781"},"modified":"2010-11-10T06:52:31","modified_gmt":"2010-11-10T05:52:31","slug":"stromung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4781","title":{"rendered":"Str\u00f6mung"},"content":{"rendered":"<p>Die Erz\u00e4hlung &#8220;Str\u00f6mung&#8221;  ist das dritte Buch des 1954 in Wien geborenen Martin Kubaczek, der Violine und Germanistik studierte und viele Jahre Lektor und Gastprofessor in Japan war. 1997 sind der Erz\u00e4hlband &#8220;Somei&#8221;, 1998 der Roman &#8220;Fantasie&#8221; erschienen, in denen er  Japan beschreibt. &#8220;Str\u00f6mung&#8221; schildert eine Nachkriegskindheit an der Donau am Stadtrand von Wien. Es geht um &#8220;Toni L\u00f6w, der in Jedlesee geboren und durch Felder gegangen ist, wo heute Industrieanlagen und Wohsiedlungen stehen.&#8221;<br \/>\nDas Buch ist kurze Abschnitte geglidert, in dem vom Flu\u00df erz\u00e4hlt wird und vom Garten im \u00dcberschwemmungsgebiet, in dem der Vater seine Fantasiebauten stellte, H\u00fctte an H\u00fctte und K\u00fcchen und Klos baute, die nie benutzt wurden. Eine Jungend in Armut, denn die Familie hatte viele Kinder, die die Mutter in Verzweiflung brachte und wenn sie zum Doktor ging, riet ihr der nur &#8220;\u00c4pfel  essen, statt dessen und schickte sie wieder heim.&#8221;<br \/>\nDer Vater spricht nicht viel und wenn er mit seinem Sohn auf Entdeckungsreisen geht und in Erdl\u00f6chern rastet,  erz\u00e4hlt er vom Krieg und seinen Erlebnissen bei den Russen dort. Die Kindheit ist arm, man holt den Vater, &#8220;der als Beamter am f\u00fcnfzehnten sein Geld bekommt, von den Stra\u00dfenbahnstationen ab, um zum Greisler und Konsum zu gehen und einmal im Monat gab es f\u00fcr jeden eine Semmel und echte Butter nicht Margarine. Und darauf eine d\u00fcnne Scheibe Extrawurst.&#8221;<br \/>\nSonst lebt man Tagelang von Kartoffeln und Milch. Es gibt aber den Wunsch nach Bildung, es wird gesungen und musiziert und der Toni hat auch  Freunde. Den Henry und den Willi. Mit Henry, der h\u00f6rbehindert ist, sich dadurch  ausgeschlossen f\u00fchlt, lernt er \u00d6sterreich kennen, weil ihn dessen Eltern in ihrem Puch mitnehmen und mit ihm auch nach Caorle fahren, um ihren Sohn etwas Normalit\u00e4t zu bieten. Sp\u00e4ter wendet er sich dem schnelleren Willi zu und f\u00e4hrt mit ihm und dem Motorrad bis nach Holland, w\u00e4hrend sich Henry umbringt, was dessen Mutter, in die Tony ein wenig verliebt ist, nicht verkraftet und t\u00e4glich mit dem Taxi zum Friedhof f\u00e4hrt.<br \/>\nToni hat noch andere fr\u00fch Verstorbene, den Bruder Helmut, der aus dem Fenster f\u00e4llt und es geht in der Erz\u00e4hlung, wie dem Klappentext zu nehmen ist, auch um Abschiede und Aufbr\u00fcche.<br \/>\nDa das Buch nicht chronologisch geschrieben ist, ist es ein wenig schwer zu lesen, denn pl\u00f6tzlich schwenkt der Erz\u00e4hler um und  befindet sich in Japan, wo er Abschied von dem Haus nimmt, in dem er eine Zeilang gewohnt hat, noch f\u00fcr einen halben Monat Miete zahlt und die beiden Schildkr\u00f6ten im Mizumoto Park aussetzt. Es gibt auch eine Stelle mit einem Unfall in einem Atomkraftwerk und der verseuchten Milch, die weiter getrunken wird.<br \/>\nDer Stil ist manchmal kindlich naiv, dort wo der kleine Toni L\u00f6w von sich erz\u00e4hlt, da\u00df er in Jedlsee aufgewachsen ist und nicht gern zu Schule gegangen ist, dann wieder philosophisch, wenn an Hand der Str\u00f6mung und des Flu\u00dfes vom Leben, seinem Sinn und Ende geschrieben wird. Trotzdem ist alles drin, die Armut der Kindheit, die Freiheit des Lebens im Hochwassergebiet, die es nicht mehr gibt, die Kriegserlebnisse des Vaters, der Aufbruch nach Caorle, dem Arbeiterparadies der Sechzigerjahre.<br \/>\n Wie der Erz\u00e4hler nach Japan gekommen ist, wird nicht beschrieben, man kann es sich aber aus der Biografie des Autors denken, dann irritiert vielleicht der Name des Hauptperson, weil man denkt, da\u00df  das das Leben des Autors ist und vielleicht ist auch die Form der Erz\u00e4hlung ein wenig verwirrend.<br \/>\n&#8220;Somei&#8221; und&#8221; Hotel Fantasie&#8221; habe ich vor Jahren bei den B\u00fcchert\u00fcrmen der Literatur im M\u00e4rz bekommen. &#8220;Somei&#8221;  durchgebl\u00e4ttert,&#8221;&#8221;Hotel Fantasie&#8221; gelesen. Es ist \u00e4hnlich abstrakt, wie &#8220;Str\u00f6mung&#8221;.<br \/>\nDen Autor kenne ich, weil er in der Alten Schmiede gelegentlich Veranstaltungen machte. Vor einem Jahr ist ebenfalls bei Folio <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/25\/martin-kubaczek-und-leopold-federmair\/\">&#8220;Sorge ein Traum&#8221;<\/a> erschienen, wo es um einen Spion geht, der in Japan hingerichtet wurde. Da war ich bei der Lesung in der Alten Schmiede  und Martin Kubaczek hat auch, entnehme ich dem Klappentext, zahlreiche Publikationen zur \u00f6sterreichischen Gegenwartsliteratur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erz\u00e4hlung &#8220;Str\u00f6mung&#8221; ist das dritte Buch des 1954 in Wien geborenen Martin Kubaczek, der Violine und Germanistik studierte und viele Jahre Lektor und Gastprofessor in Japan war. 1997 sind der Erz\u00e4hlband &#8220;Somei&#8221;, 1998 der Roman &#8220;Fantasie&#8221; erschienen, in denen &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4781\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-4781","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4781","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4781"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4781\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}