{"id":4787,"date":"2010-11-11T00:00:32","date_gmt":"2010-11-10T23:00:32","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4787"},"modified":"2010-11-11T00:00:32","modified_gmt":"2010-11-10T23:00:32","slug":"zerfliesende-identitaten-starke-charaktare","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4787","title":{"rendered":"Zerflie\u00dfende  Identit\u00e4ten, starke Charaktere"},"content":{"rendered":"<p>Unter diesem Titel &#8211; Textdialog: Familienmuster im Wandel&#8221; fanden am Mittwoch zwei Lesungen in der Alten Schmiede statt und ich hatte die Gelegenheit den neuen Saal  live zu erleben. N\u00e4mlich Angelika Reitzer &#8220;Unter uns&#8221;, eingeleitet von Daniela Strigl und Melinda Nadj Abonji &#8220;Tauben fliegen auf&#8221; eingeleitet von Petra Messner.<br \/>\nDa ich nicht genau wu\u00dfte, wieviele Leute es zu der Lesung der deutschen Buchpreistr\u00e4gerin zieht, bin ich rechtzeitig hingegangen, was gut m\u00f6glich war, da ich um drei meine letzte Stunde und vom Leiner einen Geburtstagsgutschein hatte und ich nicht sicher war, wie lange der offen hat. Also bin ich noch vor sechs mit einer Kerze, Zimtstangen und einem Packerl Servietten von dort weggegangen und war um halb sieben im Zeitschriftensaal.<br \/>\nDa war ich  ein wenig verwirrt, hing an der T\u00fcre doch ein Zettel, der die Lesung Angelika Reitzers ank\u00fcndigte. Da\u00df eine Fastbuchpreistr\u00e4gerin nicht kommt, habe ich im letzten Jahr erlebt und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/07\/saisonstart-mit-angelika-reitzer\/\">Angelika Reitzers Lesung<\/a> schon geh\u00f6rt. Es war aber wieder eine Wechsellesung, solche habe in den letzten Jahren schon einige erlebt. Vom Parterresaal in das Museum und umgekehrt, damit die Leute sich bewegen. Diesmal  vom Schmiedesaal in den Keller, was gut zu Angelika Reitzers Lesung passte, zog sich deren Clarissa ja auch dorthin zur\u00fcck und f\u00fchrte eine Untergrundexistenz, bevor sie sich neben armseligen Feldern ins Wasser st\u00fcrzte.<br \/>\nAber ich hatte ein ungutes Gef\u00fchl, war ich ja so fr\u00fch gekommen, um einen guten Platz zu haben, wenn ich aber bei der Lesung sitze und unten um dreiviertel Acht die Leute hineingelassen werden, bekomme ich vielleicht keinen Platz und das scheinen sich die Veranstalter auch gedacht zu haben, haben sie doch eine Leinwand in den Schmiedesaal geh\u00e4ngt und verk\u00fcndeten zu \u00fcbertragen. Ich komme aber nicht so fr\u00fch, um ein Video zu sehen, zumindestens nicht gern, das habe ich dem Lehrer, der  schon da war, gesagt und mich ein bi\u00dfchen \u00fcber den deutschen Buchpreis und das Buch, das er schon gelesen hat, mit ihm unterhalten. Jochen Jung erschien und einige andere. Von den Autorinnen war nichts zu sehen. Die warteten sicherlich in einem B\u00fcro, vom Publikum abgeschirmt, vermutete ich, der Lehrer erg\u00e4nzte etwas von Bodyguards. Meine Jacke lag in der zweiten Reihe, wo diesmal nicht reserviert war, aber auch nicht gut, wie ich f\u00fcrchtete, denn wenn ich warte, bis die anderen im Keller sind&#8230;<br \/>\nDaniela Strigl, die, glaube ich, auch bei der Erstpr\u00e4sentation im Phil war, hat eingeleitet, Richard Obermayr ist zwei Pl\u00e4tze neben mir gesessen  und  Daniela Strigl, die im &#8220;Volltext&#8221; eine Kritik \u00fcber den Buchpreis geschrieben hat, erw\u00e4hnte in ihrer Einleitung wieder, da\u00df ihrer Meinung das Buch auf die Liste geh\u00f6rt h\u00e4tte, ist es ja einer der besten Romane des letzten Jahrs und ich \u00fcberlegte, ob ich nicht besser erst um acht gekommen w\u00e4re, Angelika Reitzer hat aber  andere Stellen gelesen und Kurt Neumann erw\u00e4hnte in seiner Einleitung das Gemeinsame an beiden B\u00fcchern, da\u00df sie n\u00e4mlich das Br\u00fcchige und Prek\u00e4re an Gesellschaften und Familie zeigen.<br \/>\nEs war also interessant und ich habe das Buch besser verstanden, wenn ich vielleicht auch einen etwas anderen Blick auf das Prek\u00e4re und die Arbeitslosigkeit habe,  weil das die meisten meiner Klienten sind und ich auf der anderen Seite immer wieder erlebe, wieviel man in dieser Stadt umsonst bekommt. Aber und das hat Angelika Reitzer schon richtig erw\u00e4hnt, es hei\u00dft zwar &#8220;Arbeit ist nicht alles&#8221;, aber lebe das erst einmal in dieser Gesellschaft, die so tut, als ob und die Leute trotzdem wegrationalisiert. Da mu\u00df man schon sehr selbstbewu\u00dft sein, um nicht depressiv zu werden.<br \/>\nNachher gabs  eine Diskussion \u00fcber den Schreibproze\u00df, dann gings in den Keller.<br \/>\n&#8220;In einer Viertelstunde fangen wir an!&#8221;, sagte Kurt Neuman und es war nicht so schlimm, wie erwartet, sondern Platz in der zweiten Reihe und ich bin auch mit einer Dame ins Gespr\u00e4ch gekommen, die mir erz\u00e4hlte, da\u00df sie  das Buch gerade liest. Der Saal wurde voll,  das Klavier war verschwunden,  es war aber nicht \u00fcberf\u00fcllt.<br \/>\nDann kam Melinda Nadj Abonji, die, wie schon Walter Famler am Sonntag sagte, auch zu &#8220;Jugoslavia revisited&#8221; gut gepasst h\u00e4tte, stammt sie doch aus der Vojvodina, als Angh\u00f6rige der ungarischen Minderheit und ist in der Schweiz aufgewachsen, wo Germanistik und Geschichte studierte und auch als Musikerin t\u00e4tig ist. Der Roman &#8220;Tauben fliegen auf&#8221; schildert an Hand der Ich-Erz\u00e4hlerin Ildiko diese Identit\u00e4t. Petra Messner  sprach von der Vielschichtigkeit und Melinda Nadj Abonji las quer durch den Ronman, ein St\u00fcckchen Dorf, ein St\u00fcckchen Schweiz und wieder zur\u00fcck.<br \/>\nDie Familie hat sich in der besten Gegend am Z\u00fcrcher See ein Cafehaus eingerichtet, wo sie Croissants serviert und aus Anpassung an das neue Leben, sowohl die ungarische Sprache, als auch das Serbokroatisch verboten ist. Die Eltern m\u00fc\u00dfen eine Staatsb\u00fcrgerpr\u00fcfung machen und sprechen schlechter Deutsch als ihre Kinder. Dann fahren sie ins Dorf auf Urlaub zu der Maminka, wo inzwischen der Krieg ausgebrochen ist und sich die Leute gegenseitig abschlachten und einen Cousin, der Taubenz\u00fcchter ist, gibt es auch.<br \/>\nDaher der Name des Romans, der Melina Nadj Abonji, wie sie erz\u00e4hlte, nicht so gut gefallen hat, weil sie ihn als etwas matt empfand. Der Jung und ihre Lektorin haben sie dazu \u00fcberredet. Es gab im Anschlu\u00df eine kleine Diskussion mit den Leuten, die das Buch schon gelesen haben, zwei Sitze neben mir ist diesmal, der Pfarrer Nemeth gesessen und das ist auch ein ungarischer Emigrant. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter diesem Titel &#8211; Textdialog: Familienmuster im Wandel&#8221; fanden am Mittwoch zwei Lesungen in der Alten Schmiede statt und ich hatte die Gelegenheit den neuen Saal live zu erleben. 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