{"id":47940,"date":"2016-11-07T00:29:09","date_gmt":"2016-11-06T23:29:09","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=47940"},"modified":"2016-11-07T00:29:09","modified_gmt":"2016-11-06T23:29:09","slug":"die-ermordung-einer-stadt-namens-stanislau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=47940","title":{"rendered":"Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau"},"content":{"rendered":"<p>Die\u00a0<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/07\/theodor-kramer-verlagsfest\/\"> &#8220;Theodor Kramer Gesellschaft&#8221;<\/a> hat das 1986 erschienene &#8220;politische Buch&#8221;, der Journalistin und Schriftstellerin Elisabeth Freundlich &#8220;\u00fcber die NS-Vernichtungspolitik in Polen von 1939-1945&#8221; wieder <a href=\"http:\/\/theodorkramer.at\/verlag\/programm\/die-ermordung-einer-stadt-namens-stanislau\/\">aufgelegt<\/a> und mit mehreren Vorworten und Nachworten, Bildmaterial, sowie einem Interview mit Rabbi Moyshe-Leib Kolensik versehen, das von Paul Rosdy herausgegeben wurde.<\/p>\n<p>1986 war die 1906 in Wien geborene Elisabeth Freundlich, achtzig, die 1938 mit ihren Eltern nach Z\u00fcrich und Paris emigirierte, sp\u00e4ter in die USA kam, dort eine Ausbildung zur Bibliothekarin machte, in Wien hat sie Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaft studiert und 1950 nach dorthin zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>Sie war die Frau des Philosophen und Schriftstellers G\u00fcnter Anders und ist 2001 gestorben.<\/p>\n<p>1986 ist zeitgleich mit dem genau recherchierten Buch, ihr Familienroman <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/05\/der-seelenvogel\/\">&#8220;Der Seelenvogel<\/a>&#8221; und die vier Erz\u00e4hlungen &#8220;Finstere Zeiten&#8221;, herausgekommen, wo eine\u00a0 einmal von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/18\/ruth-aspoecks-poetischer-diskurs\/\">Ruth Asp\u00f6ck <\/a>im Rahmen des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/11\/elisabeth-freundlich-auffuhrung\/\">Lesetheaters im Literaturhaus <\/a>aufgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Nun also das &#8220;politische Buch&#8221; der Journalistin, die auch als Kulturkorrepondentin bei der Berichterstattung von NS-Prozessen gearbeitet hat und 1986 ein sehr umfangreiches Werk \u00fcber die Geschehnisse in der Stadt Stanislau, die heute Iwano Frankowsk hei\u00dft, vorlegte.<\/p>\n<p>In sieben Kapiteln n\u00e4hert sie sich dem &#8220;Schauplatz Galizien&#8221; an, erw\u00e4hnt, da\u00df &#8220;das bunte V\u00f6lkergemisch&#8221;, das in der K und K Monarchie in der\u00a0 heutigen Ukraine lebte, &#8220;Ruthenen&#8221; hie\u00dfen und beschreibt in der &#8220;Neuordnung Euopas&#8221;, die vielseitige Besatzungsgeschichte der Ukraine, die einmal zur K und K Monarchie, dann zu Polen und zur Sowetunion geh\u00f6rte, bevor sie 1941 von den Deutschen besetzt wurde.<\/p>\n<p>In Briefen und Dokumenten wird, die sogenannte &#8220;Bevorzugung der Ukrainer&#8221; beschrieben, die sich offenbar, um der SU Herrschaft zu entkommen teilweise gerne von den Deutschen &#8220;besch\u00fctzen&#8221; lie\u00dfen und beschreibt auch sehr genau, die &#8220;Kindertransporte&#8221;, wo im Rahmen der Aktion &#8220;Lebensborn&#8221; unter der Leitung, der Wiener Psychologin Hildegard Hetzer, von der ich w\u00e4hrend meines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/05\/deja-vue-und-arbeitsbericht\/\">Studiums<\/a>, ich habe die Entwicklungspsychologie noch bei Prof .Bayer-Klimpfinger besucht, einiges h\u00f6rte, die blonden und bl\u00e4u\u00e4ugigen Kinder nach ihrer &#8220;Eindeutschungsf\u00e4higkeit&#8221; ausgesucht und\u00a0 nach Deutschland verschickt wurden.<\/p>\n<p>Im vierten Kapitel geht es, um die &#8220;Sache&#8221; oder die Ermordung der &#8220;Professoren&#8221; der Universit\u00e4t Lemberg, die sie mit Zeugenberichten beschreibt und anmerkt, da\u00df die &#8220;Besetzung durch die Nationalsozialisten im &#8220;District Galizen&#8221;, bevorzugt durch die &#8220;alten K\u00e4mpfer aus \u00d6sterreich&#8221; erfolgte.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen &#8220;Exkurs \u00fcber die Zigeuner&#8221;, geht es zum &#8220;Massaker von Stanislau&#8221; dem Kernst\u00fcck des Buches, da diese Stadt in Ostgalizien, beziehungsweise in der Westukraine, die erste war, die im Juni 1943, als &#8220;judenfrei&#8221; nach Berlin gemeldet wurde, wurden doch am 12. Oktober 1941, &#8220;an einem Sonntag und dem letzten Tag des Laubh\u00fcttenfests&#8221; im Friedhof zw\u00f6lftausend Menschen erschossen.<\/p>\n<p>Peinlich genau und zu lesen schwer ertr\u00e4glich, hat dies Elisabeth Freundlich in Zeugenberichten St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck dargestellt.<\/p>\n<p>Im Interview mit der Autorin Susanne Alge, die ihre Dissertation \u00fcber Elisabeth Freundlich schrieb, meinte sie, da\u00df &#8220;ihr das Buch deshalb so wichtig war, weil sie es als\u00a0 Danksagung betrachtete, da\u00df sie und ihre Eltern den Holocaust \u00fcberlebten.&#8221;<\/p>\n<p>Heute ist Elisabeth Freundlich, wie Konstantin Kaiser in seinem Vorwort schreibt, als Schriftstellerin ziemlich vergessen, deshalb ist die Wiederauflage des Buches sehr wichtig, obwohl die Anneinanderreihung von Fakten, Tatsachen und Protokollen nicht sehr leicht zu lesen ist, es gibt aber immer wieder einen leicht ironischen Unterton,\u00a0 der den Inhalt ein wenig ertr\u00e4glicher werden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Das Buch wurde inzwischen auch, wie der Herausgeber in seinem Vorwort schreibt, in der Ukraine herausgebracht. Einige in der Erstausgabe vorhandene Ungenauigkeiten und Fehler wurden von dem ukrainischen Professor Jaroslaw Hryzak in seinem Nachwort aktualisiert und richtiggestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die\u00a0 &#8220;Theodor Kramer Gesellschaft&#8221; hat das 1986 erschienene &#8220;politische Buch&#8221;, der Journalistin und Schriftstellerin Elisabeth Freundlich &#8220;\u00fcber die NS-Vernichtungspolitik in Polen von 1939-1945&#8221; wieder aufgelegt und mit mehreren Vorworten und Nachworten, Bildmaterial, sowie einem Interview mit Rabbi Moyshe-Leib Kolensik versehen, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=47940\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1721,4340,5732],"class_list":["post-47940","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-elisabeth-freundlich","tag-ns-vernichtungspolitik-in-polen","tag-theodor-kramer-gesellschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47940"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47940\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}