{"id":47998,"date":"2016-11-09T10:05:09","date_gmt":"2016-11-09T09:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=47998"},"modified":"2016-11-09T10:05:09","modified_gmt":"2016-11-09T09:05:09","slug":"fannipold","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=47998","title":{"rendered":"FanniPold"},"content":{"rendered":"<p>Nun ist der <a href=\"http:\/\/www.omvs.at\/de\/buecher\/fannipold-1750\/\">zweite Roman<\/a>, der vorj\u00e4hrigen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/17\/alpha-literaturpreis-an-karin-peschka\/\">&#8220;Alpha-Preistr\u00e4gerin&#8221; <\/a>Karin Peschka, aus dem ich schon ein bi\u00dfchen im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/04\/wieder-einmal-musa-2\/\">&#8220;MUSA&#8221;<\/a> und dann bei der Vorstellung in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/11\/vom-parlament-in-die-alte-schmiede\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> etwas h\u00f6rte, doch zu mir gekommen und ich mu\u00df sagen, er ist sehr interessant und gekonnt geschrieben.<\/p>\n<p>Fast ein bi\u00dfchen spannender als das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/01\/watschenmann\/\">Debut aus dem Nachkriegs-Wien der Neunzehnhundertf\u00fcnfzigerjahre<\/a>, weil es den Miff einer ober\u00f6sterreichischen Kleinstadt perfekt beschreibt.<\/p>\n<p>Ich glaube mich zu erinnern, da\u00df Karin Peschka im &#8220;MUSA&#8221; sagte, da\u00df sie sehr viel von dem beschriebenen, selbst erlebt habe, ist sie ja eine ober\u00f6sterreichische Wirtstochter und die Fanni, die da mit dem Poldi nach einem mi\u00dfgl\u00fcckten Tandemflug, beziehungsweise nach einer im wahrsten Sinn des Wortes haarstr\u00e4ubenden Harakiri-Aktion, in den B\u00e4umen h\u00e4ngt, ist eine mittelalte Verk\u00e4uferin im Supermarkt der kleinen Stadt, wo die Gesch\u00e4fte langsam sterben, ein neues Einkaufszentrum aber gebaut werden soll.<\/p>\n<p>Sie ist verheiratet mit Bernhard, einem Bauernsohn, hat zwei Kinder und ist unzufrieden, denn sich nur jeden Mittwoch Abend mit den drei Freundinnen, bei Mario in der Pizzeria auf einen Salat zu treffen und sich sonst \u00fcber ihren Chef zu \u00e4rgern, ist ihr zu wenig.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch einen j\u00e4hrlicher Ausflug der Freundinnen und der mu\u00df geplant werden, Grado oder Venedig?<\/p>\n<p>&#8220;Sag, Fanni, deine Meinung?&#8221;, aber die spielt nicht mit und sagt stattdessen, sie habe Krebs.<\/p>\n<p>Das l\u00f6st eine Lawine von Hilfsbereitschaft, Adressen von Wunderheilern und Psychotherapeuten landen in Fannis Manteltasche, aber auch eine von Ger\u00fcchten aus und obwohl alle das Schweigen versprechen, wei\u00df es bald der ganze Ort.<\/p>\n<p>Fanni wird inzwschen zur Rebellin, schleudert Steine gegen ehemalige Trafiken, die jetzt als Kunstinstallationen genutzt werden und wird von einer alten Geschirrh\u00e4ndlerin, schnell in ihr Gesch\u00e4ft gezerrt.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend das alles, ganz genau mit Angabe von Datum und Ort des Geschehens erz\u00e4hlt wird, gibt es immer wieder die Szenen im Wald, wo Fanni mit dem Podl, einen Baumstamm in der Brust blutend am Baum h\u00e4ngt und keine Hilfe will.<\/p>\n<p>Das Handy und die Per\u00fccke fallen auf den Boden und die Hilfe der Kurdin oder Inderin Nergis, die beherzt hinaufgeklettert kommt oder die des Lehrings Kreshnik, der auf Weisung seines Vaters etwas N\u00fctzliches in der Feuerwehrjugend tut, damit er nicht in den Kosovo abgeschoben werden kann, wird verweigert und langsam, ganz langsam wird man in den Bann des Buches gezogen und erkennt seine Dramaturgie und rafninierte Gestaltung, w\u00e4hrend am Anfang vieles R\u00e4tesel blieb oder unlogisch erschien.<\/p>\n<p>Aber so soll es ja bei einem guten Roman sein und das \u00f6de Kleinstadtleben der sterbenden Stadt und das einer frustrierten Verk\u00e4uferin wird auf einmal sehr phantastisch und absurd geschildert.<\/p>\n<p>Ameisen krabbeln in das Herz und \u00fcber den K\u00f6rper und gibt es wirklich einen Herzkrebs ersten oder zweiten Grades?<\/p>\n<p>Ich habe nicht <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/02\/zwei-foerderungspreistraegerinnen-der-stadt-wien\/#comments\">nachgegoolet<\/a> und brauche das auch nicht, wei\u00df nur, da\u00df Panikattacken, wie auf Seite 267 steht, keine Psychose sind, aber das wird die Sozialarbeiterin, die aus der Wirtstochter wurde, auch wissen und zur Hebung der Spannung dient es allemal.<\/p>\n<p>Ein Buch zum Nachdenken und Ber\u00fchren lassen, in dem auch sehr viel Aktuelles steht, die Fl\u00fcchtlingssituation, das Sterben der l\u00e4ndlichen Gemeiden, ja und ein Beispiel mu\u00df ich noch erw\u00e4hnen, obwohl Karin Peschka, wie ich aus der ersten Besprechung wei\u00df, nicht viel vom Spoilern h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Aber der Klatsch in den Kleinst\u00e4dten ist ja unerbittlich und sieht jemand die halbw\u00fcchsige Tochter in das Auto eines \u00e4lteren Mannes mit Wiener Kennzeichen steigen, der sie k\u00fc\u00dft und ihr Zigaretten \u00fcberreicht, wird die Mutter schnell in die Sprechstunde der Frau Porfessor zitiert. Mmit der Tochter, die dann die Schokoladezigarettenpackung aus der Tasche zieht und der Mutter erz\u00e4hlt, da\u00df die vom Onkel Hans seien und die Mutter erz\u00e4hlt, der erstaunten Lehrerin, da\u00df der ihr Bruder ist und die Begr\u00fc\u00dfungsk\u00fc\u00dfchen unter Verwandten zumindestens in unserer Gegen immer noch erlaubt und kein Fall f\u00fcr den Psychologen oder gar das Jugendamt.<\/p>\n<p>Und FanniPold schreibt man als Erg\u00e4nung f\u00fcr alle Rechtschreibfanatiker zusammen, weil das die Tandemsituation am Baum ausdr\u00fccken will, das habe ich auch erst nachher kapiert und in meinem &#8220;MUSA-Bericht&#8221; noch falsch geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun ist der zweite Roman, der vorj\u00e4hrigen &#8220;Alpha-Preistr\u00e4gerin&#8221; Karin Peschka, aus dem ich schon ein bi\u00dfchen im &#8220;MUSA&#8221; und dann bei der Vorstellung in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; etwas h\u00f6rte, doch zu mir gekommen und ich mu\u00df sagen, er ist sehr &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=47998\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3070,3196,4029,590,4424],"class_list":["post-47998","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-karin-peschka","tag-kleinstadtidylle","tag-midlifekrise","tag-oesterreichische-gegenwartsliteratur","tag-otto-mueller"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47998","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47998"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47998\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}