{"id":48116,"date":"2016-11-15T09:25:53","date_gmt":"2016-11-15T08:25:53","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=48116"},"modified":"2016-11-15T09:25:53","modified_gmt":"2016-11-15T08:25:53","slug":"die-alte-dichterin-die-literatur-und-die-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48116","title":{"rendered":"Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Ein Diskurs mit Poesie&#8221;, steht noch unter dem neuen, wieder im &#8220;L\u00f6cker-Verlag&#8221; erschienenen Buch meiner Freundin und Autorenkollegin <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/06\/kuenstlerinnenbrunch-und-autorinnen-aus-salzburg\/\">Ruth Asp\u00f6ck<\/a> und Roman, obwohl das Buch noch viel weniger, das das von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/13\/die-welt-im-ruecken\/\">Thomas Melle <\/a>ein solcher ist, sondern wieder eine Mischung zwischen einem &#8220;Memoir&#8221; und einem &#8220;Personal Essay&#8221;.<\/p>\n<p>Das erste sehr verschl\u00fcsselt, denn die &#8220;alte Dichterin&#8221; mit Ruth Asp\u00f6cks Biografie und ihren Werken, nennt sich ja Elisabeth Schwarz, das zweitere viel st\u00e4rker, denn es werden immer wieder Zitate aus B\u00fcchern\u00a0 abgedruckt, an denen die Dichterin\u00a0 ihr Leben resumiert oder Fragen, die sie vielleicht gar nicht beantworten kann, stellt.<\/p>\n<p>Es ist das f\u00fcnfte bei &#8220;L\u00f6cker&#8221; erschienene Buch, der 1947 geborenen Ruth Asp\u00f6ck, die n\u00e4chsten April ja siebzig wird, so da\u00df wir schon eine Radumfahrt, um den Bodensee planen, denn als sie sechzig war, hat sieihren Verlag &#8220;Die Donau hinunter&#8221; aufgegeben und ist, um das zu feiern von Wien nach Bamerg mit dem Rad gefahren.<\/p>\n<p>In ihrem Verlag sind schon einige ihrer B\u00fccher erschienen. Sie hat ihn ja auch, wie sie Elisabeth Schwarz in den Mund legt, gegr\u00fcndet, damit ihre Sachen erscheinen k\u00f6nnen, sp\u00e4ter hat sie bei &#8220;L\u00f6cker&#8221; eine Heimat gefunden, ihre <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/09\/nichts-als-eine-langweilige-blindschleiche\/\">Tageb\u00fccher<\/a> herausgebracht,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/12\/reisen-mit-franz-grillparzer\/\"> Franz Grillparzer <\/a>nachgefahren, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/02\/der-krieg-nach-dem-frieden\/\">ihre Kindheit nach Krieg<\/a> resumiert und sich auch mit der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/25\/jadran-heist-die-adria\/\">Biografie einer bosnischen Fl\u00fcchtlingsfrau<\/a> auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>Man sieht, Ruth Asp\u00f6ck war schon vorher autobiografisch und hat auch das verschleiert und dann wieder sehr aufgedeckt.<\/p>\n<p>Die Frage, wie man mit der eigenen Biografie umgeht und, wie man sie beschreibt, ist ja eine, die auch mich sehr besch\u00e4ftigt und mit Ruth Asp\u00f6cks B\u00fccher kann man vortrefflich dar\u00fcber nachdenken oder philosophieren.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt ist der Verkauf des Hauses im M\u00fchlviertel, wo ja einmal der Verlagssitz war und sich noch die Bibliothek befand.<\/p>\n<p>Die mu\u00df ausger\u00e4umt werden. So sitzt die fast siebzigj\u00e4hrige Dichterin da, nimmt Buch um Buch zu Hand, \u00fcberdenkt dabei ihr Leben, zitiert Okopenko, Sartre, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/18\/noch-farb-ich-meine-haare-rot\/\">Haslehner,<\/a> sich selbst und noch einige andere und das nicht linear, sondern ziemlich durcheinander und auch sehr verschl\u00fcsselt.<\/p>\n<p>So werden den Zitaten nicht direkt die Namen der Autoren zugeteilt, sondern da stehen sch\u00f6ne Worte, wie &#8220;Gedanken&#8221;, &#8220;Hoffnung&#8221;, &#8220;Literaturen&#8221; und man mu\u00df erst im zehnten Kapitel nachschauen, aus welchem Buch da zitiert wurde und, um das noch schwieriger zu machen, wurden &#8220;Gedanken&#8221;, &#8220;Hoffnung&#8221; Literaturen&#8221; nicht alphabetisch angereiht, sondern die Namen der Autoren und man mu\u00df erst m\u00fchselig nachsuchen, wo jetzt &#8220;Hoffnung&#8221; &#8220;Gedanken&#8221; oder &#8220;Literaturen&#8221; steht.<\/p>\n<p>Ja, Ruth Asp\u00f6ck macht es sich und ihren Lesern nicht leicht und sie ist sich glaube ich auch nicht ganz sicher, ob sie ein erf\u00fclltes Leben hatte, das da in zwanzig nicht linearen, sondern sehr sehr sprunghaften Kapitel, erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Wieder, wie schon bei ihren fr\u00fcheren B\u00fcchern, merke ich an, da\u00df ich nicht sicher bin, wie ein Leser in Deutschland oder sonstwo, der Ruth Asp\u00f6ck nicht kennt, das Buch interpretieren wird.<\/p>\n<p>ich kenne ja einiges aus ihrem Leben, aber auch nicht alles, denn das Verschl\u00fcsseln, Verschweigen, Distanzieren, geh\u00f6rt wahrscheinlich zu ihrer Person und deshalb ist der poetische Diskurs in dem sehr viel Wehmut klingt, glaube ich, auch spannend zu lesen.<\/p>\n<p>Die Worte &#8220;Demut&#8221; und &#8220;Zur\u00fcckstellen&#8221; kommen \u00f6fter, wahrscheinlich auch in fr\u00fcheren B\u00fcchern vor und auch das Gef\u00fchl der Armut. Das des nicht Mithalten k\u00f6nnen mit den anderen, reicheren Kollegen aus den anscheinend besseren Familien, die die junge Elisabeth-Ruth auf der Universit\u00e4t trifft, als sie nach abgelegter Matura nach Wien kommt, um hier Theaterwissenschaft zu studieren oder noch besser Schauspielerin zu werden.<\/p>\n<p>Das ist nicht gegl\u00fcckt, sie hat aber einige Leute kennengelernt, die Karriere machte und \u00fcber, die nicht so erfolgreiche sp\u00e4ter dann die Nase r\u00fcmpften, nicht gern in ihre Wohnung kamen, weil sie sie, wie Elisabeth-Ruth argw\u00f6hnt, als armselig empfinden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen, weil ich das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/20\/erinnerungen\/\">Arbeiterkind aus dem Gemeindebau<\/a>, erstens nie Freunde mit adeligen Namen und solcher Vergangenheit hatte, zweitens die Ruth, die ja in Wien, als Feministin und &#8220;Auf-Gr\u00fcnderin&#8221; sehr bekannt ist, immer, als sehr elegant empfunden habe und mich manchmal auch ein wenig dar\u00fcber wunderte, da\u00df eine &#8220;Linke&#8221; so elegante Kleider tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ein bi\u00dfchen l\u00e4\u00dfts sichs aber aus der Biografie der Dichterin erkl\u00e4ren, die in dem Buch viele Fragen stellt, Anekdoten aus ihrem Leben erz\u00e4hlt und die eigene Biografie mitschwingen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Als Studentin ist sie nach Madrid Gegangen und hat dar\u00fcber in ihrem Verlag, den &#8220;Ausnahmezustand f\u00fcr Anna&#8221; ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Sie w\u00e4re schreibt die alte Dichterin lieber nach England gegangen, aber daf\u00fcr bekam sie kein Stipendium.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter war sie einige Jahrein Kuba, hat dar\u00fcber in &#8220;Tremendo Swing&#8221; geschrieben. Hat, dazwischen, glaube ich, Ruth schreibt etwas davon, da\u00df die schwarz blaue Regierung sie nach Kuba trieb, ihren Verlag gegr\u00fcndet. Wurde da von jungen Dichtern und Dichterinnen angeschrieben und hat sich auch \u00f6fter \u00fcber sie ge\u00e4rgert, weil die es ihrer Meinung nach zu leicht nahmen, zu wenig genau und zu wenig ehrgeizig waren.<\/p>\n<p>Denn das war die alte Dichterin, als sie noch eine junge Frau gewesen ist, aufrecht und offen und damit auch so undiplomatisch, da\u00df sie es sich mit manchen Gro\u00dfen, die sie direkt auf Fehlst\u00e4nde angesprochen hat, verscherzte, so da\u00df es nichts mit der gro\u00dfen Karriere wurde und sich die Dichterin immer ein wenig zur\u00fcckgesetzt f\u00fchlt. Sich ihrer kleinen Wohnung, ihrer alten und abgen\u00fctzten M\u00f6bel, etcetera, sch\u00e4mt, wie schon geschrieben, ich finde die Ruth und auch ihre Wohnung sehr elegant, wenngleich auch das Schlafizummer, das Wohnzimmer ist und das Bett jeden Tag ausgezogen werden mu\u00df.<\/p>\n<p>Man erf\u00e4hrt also, wenn man genau zwischen den Zeilen liest, viel aus dem Leben, der jungen und \u00e4lter gewordenen Feministin, die in Salzburg geboren wurde und von Linz nach Wien gekommen ist. Man erf\u00e4hrt aber auch viel aus dem literarischen Leben dieser Zeit und ihren Schriftstellerkollen. Kann Zitate aus Jean Paul Satres, 1948 erschienenen Essay &#8220;Was ist Literatur?&#8221;, lesen.\u00a0 Erf\u00e4hrt viel \u00fcber ihre Beziehung zu dem 2010 verstorbenen Andreas Okopenko, bei dessen letzten <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/11\/tag-der-zivilcourage-und-fest-fur-andreas-okopenko\/\">Geburtstagsfest<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/15\/grinzinger-friedhof\/\">Begr\u00e4bnis <\/a>ich ja war.<\/p>\n<p>Man erf\u00e4hrt sogar welche Theaterst\u00fccke, sich die &#8220;Theatern\u00e4rrin&#8221; in den Sechzigerjahren angesehen hat, denn die sich m\u00fchsam vom kleinen Stipendium geleisteten Programmhefte und Theaterkarten hat sie aufgehoben.<\/p>\n<p>Jetzt bl\u00e4ttert sie nochmal darin, bevor sie sie leichten oder schweren Herzens entsorgt. Weggibt, wie auch viele der B\u00fccher. Die Romane nimmt die \u00f6rtliche Sozialstelle, die wissenschaftlichen Werke und die fremdsprachigen B\u00fccher, die sie sich w\u00e4hrend ihrer Auslandsaufenthalte kaufte, kommen gleich in den M\u00fcll. Ja so ists mit der Wissenschaft, die Sozialhilfeempf\u00e4nger werden wohl lieber Simmel, als Satre im Originalton lesen.<\/p>\n<p>Aber auch Shaekspearre wird oft zitiert und dann die Faksimile-Ausgaben weggegeben.<\/p>\n<p>Die zwanzig Kapitel, durch die uns die Dichterin f\u00fchrt, tragen Namen, wie &#8220;Abschiedstournee, die Erste&#8221;, Anspruch und Ehrgeiz&#8221;, &#8220;Gro\u00df und Klein&#8221;, &#8220;Mi\u00dflungen\/zarte Hoffnung,&#8221;Sprache, Spiel und Tr\u00e4ume&#8221;, und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Man sieht, glaube ich, daran schon sehr gut, worauf es hinaus geht und mit was man konfrontiert wird, wenn man sich auf den Diskurs, was ich sehr empfehlen w\u00fcrde, einl\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Interessant dabei ist vielleicht auch, um jetzt ganz autentisch zu werden, da\u00df ich beim Zitieren der Kapitel durch einen Anruf unterbrochen wurde. Die Rutha war in der Leitung und wollte wassen, ob ich am Nachmittag mit ihr in den &#8220;Musikverein&#8221; gehen will?<\/p>\n<p>Leider habe ich da eine Stunde. Man sieht, die Dichterin ist\u00a0 immer noch unerm\u00fcdlich an Kunst und Kultur interessiert, obwohl sie sich schon die Frage stellt, ob und was sie als n\u00e4chstes schreiben wird und anmerkte, da\u00df sie im Alter gelassener wurde und nicht mehr so streitbar, wie fr\u00fcher ist.<\/p>\n<p>Das Buch wurde auch schon im<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/18\/ruth-aspoecks-poetischer-diskurs\/\">&#8220;Republikanischen Club&#8221;<\/a> vorgestellt und ich empfehle es zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ein Diskurs mit Poesie&#8221;, steht noch unter dem neuen, wieder im &#8220;L\u00f6cker-Verlag&#8221; erschienenen Buch meiner Freundin und Autorenkollegin Ruth Asp\u00f6ck und Roman, obwohl das Buch noch viel weniger, das das von Thomas Melle ein solcher ist, sondern wieder eine Mischung &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48116\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[26,3588,3408,590,4970],"class_list":["post-48116","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-neuerscheinung","tag-literarischer-essay","tag-loecker","tag-oesterreichische-gegenwartsliteratur","tag-ruth-aspoeck"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48116","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48116"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48116\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}