{"id":48375,"date":"2016-12-04T00:33:31","date_gmt":"2016-12-03T23:33:31","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=48375"},"modified":"2016-12-04T00:33:31","modified_gmt":"2016-12-03T23:33:31","slug":"das-unglueck-anderer-leute","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48375","title":{"rendered":"Das Ungl\u00fcck anderer Leute"},"content":{"rendered":"<p>Weiter gehts mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/06\/von-debuts-und-debutpreisen\/\">&#8220;Debutpreis-Longlistenlesen&#8221;<\/a> oder den ausgew\u00e4hlten B\u00fcchern, die ich diesbez\u00fcglich auf meiner Leseliste habe und da ist mir in wenigen Tagen, die zweite 1988 geborene, also<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/19\/unter-dreisig\/\"> unter Drei\u00dfigj\u00e4hrige<\/a> begegnet, Nele Pollatschek in Ost-Berlin geboren, die in Heidelberg, Cambridge und Oxford studierte und gerade \u00fcber &#8220;Das B\u00f6se in der Literatur promoviert&#8221;, wie am Klappentext des <a href=\"http:\/\/www.kiwi-verlag.de\/buch\/das-unglueck-anderer-leute\/978-3-86971-137-9\/\">&#8220;Ungl\u00fccks anderer Leute&#8221;<\/a> steht, das eigentlich und genaugenommen auch ein sehr b\u00f6ses Buch ist, das mich ein wenig ratlos macht, denn ich habe es ja nicht so sehr mit dem Humor im allgemeinen und daher mit dem &#8220;schwarzen&#8221; ganz besonders nicht.<\/p>\n<p>Es ist aber, das mu\u00df ich schreiben, ein sehr beeindruckendes Debut einer Achtundzwanzigj\u00e4hrigen, eines mit dem ich mehr anfangen kann, als mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/28\/schlagabtausch-zwischen-deuticke-und-jung-und-jung\/\">Birigt Birnbachers, Jahrgang 1985, hochpoetischen zum Roman zusammengstoppelten Erz\u00e4hlungen<\/a>, obwohl ich bei der\u00a0 dritten Toten ausgestiegen bin und gedacht habe, das kann es doch nicht sein oder was soll denn das?<\/p>\n<p>Aber wieder sch\u00f6n der Reihe nach, wie meine Leser es wahrscheinlich wollen, weil sie mich sonst <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/23\/unverstaendlich-schreiben\/\">unverst\u00e4ndlich <\/a>finden.<\/p>\n<p>Auf Nele Pollatschek und ihr Debut, bin ich, glaube ich, w\u00e4hrend meines heurigen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/23\/frankfurter-messesplitter\/\">Frankfurtssurfings<\/a> aufmerksam geworden und habe mir das Buch, glaube ich, schon bestellt, noch bevor ich auf den &#8220;Debut-Blog&#8221; aufmerksam wurde, bei dem es auch eingereicht war.<\/p>\n<p>Auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/27\/durchgelesen\/\">diesbez\u00fcglich Shortlist <\/a>ist es nicht gekommen und ich wei\u00df noch immer nicht, ob ich es auf die solche tun w\u00fcrde, bis zum Tod der zweiten Gro\u00dfmutter h\u00e4tte ich es wahrscheinlich getan und auch wenn man \u00c4pfel mit Birnen nat\u00fcrlich nicht vergleichen kann, ist es wahrscheinlich &#8220;besser&#8221; als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/24\/weisses-rauschen-oder-die-sieben-tage-von-bardorf\/\">Uli Wittstocks &#8220;Wei\u00dfes Rauschen&#8221;<\/a> oder sogar <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/18\/ymir\/\">Philip Kr\u00f6mers &#8220;Ymir&#8221;<\/a>, aber Geschmack ist etwas sehr Subjektives und h\u00f6chstwahrscheinlich die Summe der Lebens-Lese-und sonstiger Erfahrungen.<\/p>\n<p>Ich mag ihn h\u00f6chst wahrscheinlich, den schnoddrigen Ton, wie da der Rorschachtest erkl\u00e4rt wird, obwohl ich nat\u00fcrlich hinzuf\u00fcge, da\u00df er eigentlich das Diagnosemittel eines klinischen Psychologen und nicht des Psychotherapeuten ist, zumindest ist das bei uns in \u00d6sterreich so und auch die Erkl\u00e4rung &#8220;Und wenn der Patient auf jedem Bild nur nackte M\u00e4nner sieht, wei\u00df die Therapeutin, da\u00df du schwul bist!&#8221;, ist h\u00f6chst unwissenschaftlich und nur der schnoddrigen Art, der jungen Autorin geschuldet, die sie in diesem Fall, dem sechzehnj\u00e4hrigen Eli in den Mund legt.<\/p>\n<p>Nichts verstanden, also wirklich sch\u00f6n der Reihe nach. Da ist Thene, f\u00fcnfundzwanzig, die, wie im anderen Klappentext steht, nur den Wunsch hat &#8220;Im alten BWM ihres Freundes in den Odenwald zu fahren, dort den Klapptisch aufzustellen, zu lesen, zu schreiben und ab und zu ein St\u00fcck Kirschenjokel zu essen&#8221;.<\/p>\n<p>Kann sie aber nicht, denn sie ist erstens Oxfordstudentin und zweites hat sie eine &#8220;verr\u00fcckte, meschugge, bekloppte&#8221; oder, was auch immer Patschworkfamilie, die sie davon abh\u00e4lt und, um zu dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/21\/internationale-erich-fried-tage\/\">&#8220;Fried Symposium&#8221;<\/a> zur\u00fcckzukehren und den Round Table Runden zur j\u00fcdischen Gegenwartsliteratur, die ich dort am vorletzten Montag h\u00f6rte, k\u00f6nnte man Nele Pollatschek auch dort einreihen, denn es ist eine &#8220;j\u00fcdisch bekloppte&#8221; Familie, die Thene hat oder zumindest ist das aus\u00a0 Thens Sicht, die Mutter, die die Welt retten will, ihre Kinder aber dabei vernachl\u00e4\u00dfigt, die immer rote Kleider tr\u00e4gt und blonde Haare hat&#8230;<\/p>\n<p>So beginnt das Buch. Thene sitzt im Flugzeug mit ihrem Patchworkvater, dem schwulen Georg, der eigentlich, die bessere Mutter w\u00e4re, aber leider Thene, nach der Scheidung oder Trennung, die beiden waren, glaube ich, nicht verheiratet, die zehnj\u00e4hrige Tochter f\u00fcnf Jahre allein lie\u00df.<\/p>\n<p>Jetzt ist er aber zur\u00fcckgekommen und fliegt mit ihr und ihrer Oma Patrizia, Patzi genannt, nach Oxford, weil Thene dort den Master verliehen bekommt und sie st\u00f6ren oder unterhalten, das ganze Flugzeug mit der Schilderung, der verr\u00fcckten Mutter, die sie unbedingt vom Flughafen abholen sollen, obwohl es dort einen Bus gibt, mit dem sie bequem bis zu Thenes Oxforder Wohnung fahren kann, aber die Mutter, die inzwischen noch zwei andere Kinder, aus anderen Beziehungen hat, ist st\u00f6rrrisch und eigensinnig, macht, was sie will und l\u00e4\u00dft, um andere zu retten, die Kinder viel zu viel allein.<\/p>\n<p>Ein Beispiel wird noch geschildert, wie Thene mit der Mutter und dem f\u00fcnfzehnhhrigen Eli\u00a0 zu einer Zaubershow fuhr und Thene dann den Zug vers\u00e4umte, weil die Mutter einfach nicht h\u00f6ren wollte.<\/p>\n<p>So kommt es zu einem Kompromi\u00df und die Mutter soll von der Autobahnauffahrt abgeholt werden.\u00a0 So fahren alle mit dem Auto dorthin, kommen aber nicht weiter, denn es gibt einen Stau, Georg ruft die Mutter an, um sie davon zu verst\u00e4ndigen, dann schweigt er in das Telefon, sagt &#8220;Mama ist tot&#8221;, &#8220;Quatsch!&#8221;, antwortet Thene die Ich-Erz\u00e4hlerin. So f\u00e4ngt es an und Thene geht dann mit bunten, statt den vorgeschriebenen schwarzen Socken, zu ihrer Masterfeier. Dann fliegen alle zur\u00fcck nach Frankfurt, wo die Mutter wohnte, die Gro\u00dfmutter und der Vater wohnen in Berlin, Thene in Heidelberg mit ihrem Freund Paul, wenn sie nicht gerade in England ist und jetzt mu\u00df sie dem f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen Halbbruder Elijah, der ein Hobbyzauberer ist, beibringen, da\u00df Mama tot ist, die f\u00fcnfj\u00e4hrige Trixi gibt es auch, aber die ist bei ihrem Vater untergebracht und w\u00e4hrend die Gro\u00dfmutter Quarkkn\u00f6pfi zum Abendessen macht, kommt Elijahs Vater Ralf, der inzwischen zum orthodoxen Juden mutierte, mit dem &#8220;Tschulent&#8221;, das man offenbar zu einem j\u00fcdischen Todesfall bringt.<\/p>\n<p>Thene schmei\u00dft Ralf oder Menachem, wie er sich jetzt nennt, samt seiner Trauerspeise hinaus und hat jetzt anderes zu denken, denn sie braucht Geld f\u00fcr die Beerdigung der Mutter. Beate, deren Sekret\u00e4rin, auch eine von der Mutter F\u00e4llen, denen sie aus der Not geholfen hatt, erkl\u00e4rt ihr aber, es gibt kein Geld und das Kuvert mit den zehntausend Euro, das in der Wohnung, versteckt sein soll, wird auch nicht gefunden.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt es aber die j\u00fcdische Gemeide, die da alles erledigt, so da\u00df sich Thene, um nichts\u00a0 k\u00fcmmern mu\u00df. Die ist in zwischen mit ihren Geschwistern, Georg und dess Freund Christoff nach Berlin gefahren, weil Georg seine Arbeit nicht vers\u00e4umen will. Das Begr\u00e4bnis scheint auch dort stattzufinden und dort tauchen Georgs Eltern, Liesel und Karl auf, die aus dem Osten stammen. Liesel ist manisch depressive Alkoholikerin und Karl versucht sie vergeblich vom Trinken abzuhalten. Es kommt zur Katastrophe, die von Georg schon lange erwartet wurde, Liesel erschl\u00e4gt Karl mit der Rotk\u00e4ppchensektflasche und stirbt an einer Alkoholvergiftung und ab da kkippte es f\u00fcr mich oder war es erst, als Gro\u00dfmutter Patrizia tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde?<\/p>\n<p>Wahrscheinlich erst ab da, denn bis dahin erschien mir noch alles realistisch und gut erz\u00e4hlt und so liebe ich ja.<\/p>\n<p>Dann wird aber \u00fcber die Wahrscheinlichkeit der Todesf\u00e4lle diskutiert, Eli tut es mit Thene, w\u00e4hrend er der kleinen Trixi, die nach ihrer Mutter fragt, st\u00e4ndig vorzaubern und etwas verschwinden lassen mu\u00dft, um sie zu beruhigen.<\/p>\n<p>Ab da geht es rasant weiter und die Kaptiel, die wie das Alphabet von A nach Z f\u00fchren, werden immer k\u00fcrzer.<\/p>\n<p>Georg und Christoff fallen von der Leiter. Thene, die f\u00fchrerscheinlose, f\u00e4hrt ihre Geschwister nach Frankfurt zur\u00fcck und erf\u00e4hrt durch das Radio vom Tod Menachems. Dann verschwindet Trixie. Eli hat sie weggezaubert und wird von der Polizei abgef\u00fchrt und auch Thene bleibt nicht lange allein oder lebendig, sie f\u00e4hrt in den Oldenwald und stirbt.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend sie sich noch fragt, ob sie nun im Himmel oder in der H\u00f6lle ist, h\u00f6rt sie die Stimmen ihrer Familienmitglieder und wei\u00df, da\u00df sie dorthin an-oder zur\u00fcckgekommen ist.<\/p>\n<p>&#8220;In ihrem verbl\u00fcffenden Debut spielt Nele Pollatschek mit Statistik und Magie &#8211; und erz\u00e4hlt dabei eine tubulente, hochkomische und tieftraurige Geschichte vom Schicksalschlag eine Familie zu haben&#8221;, steht noch am Buchr\u00fccken.<\/p>\n<p>Von meiner Ratlosigkeit, weil ich es mit den hochkomischen und dabei tieftraurigen Geschichten, in denen wieder einmal viel zu viel passiert, nicht so habe, habe ich schon geschrieben.<\/p>\n<p>So erw\u00e4hne ich\u00a0 die Danksagungsseite, wo die junge Autorin ihrem Vater dankt, sie auf die Idee zu diesem Buch gebracht zu haben und verkneife mir die Frage, die ich sonst an dieser Stelle so gern stelle, wie weit und was davon autobiografisch ist, da\u00df das Buch aber sehr verbl\u00fcffend und ungew\u00f6hnlich ist, dem stimme ich sehr gerne zu und h\u00e4tte noch eine Frage an die junge Autorin, die, wie man an verschiedenen Stellen nachlesen kann, von Kurt Vonnegut sehr viel h\u00e4lt, wie das bei ihr bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/23\/doderer-veranstaltungen\/\">Heimito von Doderer <\/a>ist, denn da habe ich einige Anspielungen gefunden, die mich an die &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/16\/die-merowinger-oder-die-totale-familie\/\">Merowinger&#8221;<\/a> erinnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter gehts mit dem &#8220;Debutpreis-Longlistenlesen&#8221; oder den ausgew\u00e4hlten B\u00fcchern, die ich diesbez\u00fcglich auf meiner Leseliste habe und da ist mir in wenigen Tagen, die zweite 1988 geborene, also unter Drei\u00dfigj\u00e4hrige begegnet, Nele Pollatschek in Ost-Berlin geboren, die in Heidelberg, Cambridge &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48375\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1367,1420,2219,2906,4197,5197],"class_list":["post-48375","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-debutroman","tag-deutsche-gegenwartsliteratur","tag-galliani","tag-juedisches-leben","tag-nele-pollatschek","tag-schwarzer-humor"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48375","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48375"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48375\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48375"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48375"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48375"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}