{"id":48514,"date":"2016-12-09T00:17:17","date_gmt":"2016-12-08T23:17:17","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=48514"},"modified":"2016-12-09T00:17:17","modified_gmt":"2016-12-08T23:17:17","slug":"ich-hasse-dieses-internet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48514","title":{"rendered":"Ich hasse dieses Internet"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Monaten habe ich von &#8220;Literaturtest&#8221; eine Maske zugeschickt bekommen, die mich auf das bei <a href=\"http:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/ich_hasse_dieses_internet_ein_nuetzlicher_roman\/9783103972603\">&#8220;S.Fischer&#8221;<\/a> erschienene Buch, des in Kalifornien lebenden Jarett Kobek, &#8220;Ich hasse dieses Internet&#8221;, aufmerksam machen sollte.<\/p>\n<p>Im Trubel meines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/13\/buchpreisgeplauder\/\">doppelten Buchpreislesens<\/a>, das ich damals sehr intensiv betrieben habe, ist das bei mir ein wenig unter gegangen und ich bin erst auf das Buch aufmerksam geworden, als ich es bei einigen Blogs erw\u00e4hnt fand.<\/p>\n<p>Denn es ist sicherlich interessant, eine &#8220;Internet-Kritik&#8221; zu lesen oder einen &#8220;n\u00fctzlichen&#8221;, wie am Cover steht, beziehungsweise &#8220;schlechten Roman&#8221;, wie der Autor mehrmals schreibt, zu lesen. Ein Buch gegen oder f\u00fcr den &#8220;Zeitgeist&#8221;, wie man in der Beschreibung lesen kann, das mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/22\/unterwerfung\/\">Houellebecqs &#8220;Unterwerfung&#8221;<\/a> und mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/07\/der-circle\/\">Dave Eggers &#8220;Circle&#8221;<\/a> verglichen wird.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcge noch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/20\/super-sad-true-love-story\/\">Gary Sthengarts &#8220;Super sad\u00a0 true love story&#8221;<\/a> und J<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/04\/pulp-head\/?preview=true\">ohn Jeremian Sullivans &#8220;Pulphead<\/a>&#8221; hinzu.<\/p>\n<p>John Dos Passos &#8220;Manhattan Transfer&#8221; w\u00e4re auch ein Buch, an das man sich beim Lesen erinnern k\u00f6nnte und\u00a0 bleibe,\u00a0 wie die <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/hasse-dieses-Internet-n%C3%BCtzlicher-Roman\/dp\/3103972601\">&#8220;Amazon-Rezensenten<\/a>&#8220;, die zwischen eins und f\u00fcnf Sterne verteilen, ein wenig ratlos zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Einer der Ein Stern rezensenten hat von einer &#8220;Nicht-Handlung&#8221; geschrieben, die es wahrscheinlich trifft, denn auf den \u00fcber dreihundertsechzig Seiten wird alles und auch nichts erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&#8220;Zeitgeist ist sein zweiter Vorname&#8221;, beschreibt es wahrscheinlich genauso treffend, denn es ist eigentlich eine Amerika-Kritik, ein Buch, kein Roman wahrscheinlich, zumindestens nicht das, was man sich im traditionellen Sinn darunter vorstellt, gegen den Kapitalismus, die Unterdr\u00fcckung, die Sklaverei, die Ausbeutung, etcetera.<\/p>\n<p>In der &#8220;Triggerwarnung&#8221; werden auf einer dreiviertel Seite, die Gedanken\u00a0 beschrieben, die in dem Buch enthalten sind.<\/p>\n<p>Gegen das Internet und \u00fcber die ber\u00fchmte Frage, was uns Menschen, so bereitwillig dazu bringt, unsere intimsten Angelegenheit in Twitter, Facebook und Konsorten, auszubreiten, so da\u00df die Konzerne, wie &#8220;Google&#8221; oder &#8220;Amazon&#8221;,daran verdienen, wird gewettert und das Ganze wird, weil es ja ein Roman sein soll, ein &#8220;schlechter&#8221;, der &#8220;n\u00fctzen&#8221; soll, denn gegen den &#8220;guten&#8221; wehrt sich der Autor, wie er schreibt, weil sich, die, in den H\u00e4nden des CIAs befinden, am Beispiel von drei oder eigentlich einer Hauptperson erz\u00e4hlt, n\u00e4mlich der Protagonistin Adeline, eine Comiczeichnerin, die sich ein m\u00e4nnliches russisches Pseudonym zugelegt hat, in San Francisco lebte, die einmal &#8220;einen unverzeihlichen Fehler&#8221; machte, in dem sie bei einer Vorlesung\u00a0 &#8220;unbeliebte Ansichten&#8221; \u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<p>&#8220;Die unverzeihlichste S\u00fcnde, des einundzwanzigsten Jahrhunderts&#8221; nennt es Kobek, worauf sie, die Nachricht &#8220;Liebe Schlampe, ich hoffe, du wirst von einer Gruppe illegaler Einwanderer mit Syphilis vergewaltigt&#8221;, bekommt, worauf sie zu twittern anf\u00e4ngt und eines der dreiunddrei\u00dfig Kapitel des Buches, sich mit ihren Twitternachrichten besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Eine Ellen, die wegen ihrer Gro\u00dfmutter wieder in die Kleinstadt zur\u00fcckgegangen ist und eines Tages im Netz ihre Sexfotos findet, gibt es auch,sowie eine Christina, eine Hilfsbibliothekarin, die einmal ein Christian war.<\/p>\n<p>Aber Adelinas &#8220;unverzeihlicher Fehler&#8221; zieht sich durch das ganze Buch, in dem auch \u00fcber Thomas Jeffersons\u00a0 angebliche Sexvorlieben berichtet wird, sowie, wie die Mieten in San Francisko steigen und Leute delogiert werden, um Wohnungen f\u00fcr die &#8220;Google Arbeiter&#8221; freizumachen.<\/p>\n<p>Es wird betont, da\u00df unsere i Phones und i Pads, auf denen wir unser Intimleben verbreiten, damit &#8220;Google&#8221; und Co Gesch\u00e4fte machen k\u00f6nnen, von billigen Sklavenarbeitern erzeugt werden und es zieht sich auch der Satz durch das ganze Buch, beziehungsweise seine dreihundertsechzig Seiten, da\u00df der oder die, einer der vielen Freunde Adelinas beispielsweise, die schon viele &#8220;um den Verstand gev\u00f6gelt hat&#8221;, &#8220;kein oder nicht viel Eumelanin in der Basalschicht seiner Epidermis hat&#8221;, womit erkl\u00e4rt wird, ob er ein Wei\u00dfer oder Farbiger ist.<\/p>\n<p>Und dann wird in dem Buch, auf den dreihundertsechzig Seiten von Gott und der Welt, beziehungsweise dem Kommunsismus und der Unterdr\u00fcckung, etcetera erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Begriffe tauchen auf, die eigentlich ganz selbstverst\u00e4ndlich sind, aber immer wieder, wie die Zitierung, des oben erw\u00e4hnten Satzes, erkl\u00e4rt werden, beispielsweise:<\/p>\n<p>&#8220;Jane Austen war eine Autorin aus dem 19. Jahrhundert, die B\u00fccher \u00fcber die Ehe und Geld geschrieben hat&#8221; oder<\/p>\n<p>&#8220;Das i Phone war ein Smartphone, das Apple auf den Markt gebracht hatte. Smartphones waren kleine Computer, die fast alle Aufgaben gr\u00f6\u00dferer Computer erledigten, aber gleichzeitig als Handies\u00a0 fungierten&#8221; und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Ein umfangreiches Personen Inventar taucht auf, es gibt einen J Karacehennen, einen Kevin Kilian, ein Baby, etcetera, alles meistens K\u00fcnstler in Adelines Freundeskreis, die Science Fictions oder auch realistische Romane geschrieben haben und damit mehr oder wenig ber\u00fchtm wurden.<\/p>\n<p>&#8220;Rettet Anne Frank&#8221; hei\u00dft beispielsweise einer, aber auch reale Namen von Personen, wie Jonathan Franzen, Marc Zuckerberg, Walt Disney etcetera kommen vor, so da\u00df es mir manchmal, wie auch in dem Buch beschrieben wird, schwer fiel, die Fiktion von der Realit\u00e4t zu unterscheiden, was an dem Beispiel erl\u00e4utert wird, da\u00df sich ein Cosby Player auf einer Messe, als eine Kunstfigur verkleidet, die dann von allen, f\u00fcr real gehalten wird, was vielleicht auch auf die Nachrichten zu trifft, die im Internet verbreitet werden und, die dann alle glauben und die Konzerne daran verdienen, obwohl sie erfunden sind.<\/p>\n<p>&#8220;Eine schonungslose, herrlich wutentbrannte Satire&#8221;, schreibt Greil Marcus von &#8220;Pitchfork&#8221; auf der Buchr\u00fcckseite und das &#8220;Zyzzyva Magazine&#8221; meint &#8220;Kobek liefert einen umwerfenden Abgersang auf das digitale Zeitalter&#8221;, w\u00e4hrend die &#8220;Amazon-Rezensenten&#8221; gelegentlich&#8221;das Lesen auf Seite 87 aufgegeben haben&#8221;.<\/p>\n<p>Ich habe zu Ende gelesen, es auch als eine Satrie empfunden, die manchmal etwas anstrengend zu verstehen war und habe das Buch eigentlich mehr, als einen Abgesang auf die amerikanische Kultur und den Kapitalismus, als auf das Internet gelesen, das mir manchmal in den dreihundertsechzig Seiten Weltanalyse auch etwas verloren ging.<\/p>\n<p>Interessant habe ich das Buch trotzdem empfunden und f\u00fcge, weil ich mich in der letzten Zeit auch mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/02\/zwei-foerderungspreistraegerinnen-der-stadt-wien\/#comments\">Ha\u00dfpostings <\/a>oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/13\/die-neunte-buch-wien\/\">Ratgeber dagegen,<\/a> besch\u00e4ftigt habe, hinzu, da\u00df ich das Internet nicht hasse, sondern im Gegenteil manchmal sogar recht n\u00fctzlich empfinde, aber das lesen von dreihundertsechzig Seiten B\u00fcchern, auch wenn dieses von den Autoren, satirisch oder nicht, als schlechte romane bezeichnen werden, einen davon abhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nicht umsonst wird ja am Buchr\u00fccken noch der Rat &#8220;Gehen Sie einen Tag offline und lesen dieses Buch!&#8221;, gegeben.<\/p>\n<p>Aber wahrscheinlich kann man das auch im Netz beziehungsweise auf dem E-Bookreader tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Monaten habe ich von &#8220;Literaturtest&#8221; eine Maske zugeschickt bekommen, die mich auf das bei &#8220;S.Fischer&#8221; erschienene Buch, des in Kalifornien lebenden Jarett Kobek, &#8220;Ich hasse dieses Internet&#8221;, aufmerksam machen sollte. 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