{"id":48577,"date":"2016-12-10T00:40:40","date_gmt":"2016-12-09T23:40:40","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=48577"},"modified":"2016-12-10T00:40:40","modified_gmt":"2016-12-09T23:40:40","slug":"wiederholte-geburten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48577","title":{"rendered":"Wiederholte Geburten"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt der historische Roman aus dem alten \u00c4gypten &#8220;Wiederholte Geburten&#8221;, an dem Dietmar F\u00fcssel, glaube ich, sehr lang gearbeitet hat.<\/p>\n<p>Jedenfalls kann ich mich daran erinnern, als ich 2008 oder so auf seine <a href=\"http:\/\/www.dietmarfuessel.com\/\">Website<\/a> und seine Gewinnspiele, stie\u00df, an denen ich mich zu Anfang sehr beteiligt und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/03\/wirf-den-schaffner-aus-dem-zug\/\">mich<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/13\/rindfleisch\/\">so<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/18\/gotter-und-ihre-fans\/\"> inzwischen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/03\/panthokanarische-seitensprunge\/\">fast <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/25\/leidenschaft\/\">durch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/04\/lyrik-bade-session\/\">sein<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/08\/18\/diesseits-von-eden\/\">gesamtes<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/07\/der-strohmann\/\">Werk <\/a>gelesen habe, da\u00df er schon da an einem historischen Roman gearbeitet hat.<\/p>\n<p>Inzwischen sind aber einige andere B\u00fccher, Gedichte, Erz\u00e4hlungen, Satiren, entstanden, denn der 1958 in Wels geborene Schriftsteller und Aktionsk\u00fcnstler, der mir auch regelm\u00e4\u00dfig seine Videos schickt, ist ein Vielschreiber und er hat ohne Zweifel einen Hang zur Satire beziehungsweise zum schwarzen Humor.<\/p>\n<p>Deshalb war ich, als ich von dem neuen, wieder bei <a href=\"http:\/\/www.sisyphus.at\/sisyphus\/index.php\/book\/view\/98\">&#8220;Sisyphus&#8221; <\/a>erschienenen Roman erfuhr, auch ein wenig skeptisch, denn ganz ehrlich, Romane aus dem alten \u00c4gypten interessieren mich nicht so besonders, h\u00f6rt mein historisches Interesse, das an sich stark vorhanden ist, ja ungef\u00e4hr beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/02\/vorschau-auf-miranda-schutzengelchen\/\">ersten Weltkrieg auf<\/a> und bei &#8220;Wiederholte Geburten&#8221; handelt es sich noch dazu um ein besonders dickes, \u00fcber sechshundert Seiten, Buch.<\/p>\n<p>Es scheint seinem Autor, dem sehr bem\u00fchten GAV-Mitglied aber sehr wichtig zu sein und er hegt, wie er mir bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/22\/gav-versammlungen\/\">letzten GV beim Abendessen<\/a> versicherte, damit auch gro\u00dfe Pl\u00e4ne, hat er doch nichts anderes vor, als damit auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/06\/die-oesterreichische-debut-und-buchpreislonglist\/\">Longlist f\u00fcr den n\u00e4chsten \u00f6st Bp<\/a> zu kommen und deshalb versucht er es auch bekannt so machen, so da\u00df nicht nur ich ein diesbez\u00fcgliches Ememplar bekommen habe, sondern sogar zwei, denn das erste habe ich auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/13\/die-neunte-buch-wien\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> getragen und das zweite jetzt gelesen, das, ich kann es gleich gestehen, nicht so langweilig war, wie erwartet und das konnte es eigentlich auch\u00a0 nicht sein, ist Dietmar F\u00fcssel ja ein Satiriker und so ist die Geschichte des Frauenarztes Merire aus dem dreizehnten vorchristlichen Jahrhundert auch eine, die voll Sarkasmus tropft und so erz\u00e4hlt wird, wie es sich h\u00f6chstwahrscheinlich nicht im alten \u00c4gypten zugetragen hat oder doch vielleicht, gibt es ja am Ende einen umfangreichen Anhand und eine ausf\u00fchrliche Quellenangabe, die uns die \u00e4gyptische Geschichte n\u00e4her bringen kann, w\u00e4hrend der Autor, wie er vorher schreibt, versucht hat, seinen Stoff so alltagstauglich, wie nur m\u00f6glich zu erz\u00e4hlen, so kommen auch Worte und Wendungen darin vor, wie &#8220;Sanktionen&#8221; oder &#8220;Du hast einen Vogel!&#8221;, wie sie die alten \u00c4gypter h\u00f6chstwahrscheinlich nicht verwendet haben und Dietmar F\u00fcssels Stil ist wieder sehr bed\u00e4chtig, sehr genau, verwendet Erz\u00e4hlung um Erzu\u00e4hlung, um uns in das alte \u00c4gypten einzuf\u00fchren und uns dabei eine wahrscheinlich sehr heutige Geschichte zu erz\u00e4hlen, die von Intrigen, Liebe, Ha\u00df, Verrat, etcetera handelt.<\/p>\n<p>Einige Absurdit\u00e4ten, ganz, wie bei einem F\u00fcssel gewohnt, sind auch dabei und am Ende kommen immer wieder Wendungen, wie &#8220;Dieses hier ist aber nicht geschehen!&#8221;, so da\u00df man sich nicht so ganz auskennen kann, von dem listigen Autor irregeleitet und das mu\u00df ich zugeben, auch gut unterhalten wird.<\/p>\n<p>Es beginnt mit der Mitteilung, da\u00df 2005, vielleicht der Beginn der F\u00fcsselschen Romanarbeit, im alt\u00e4gyptischen Piramesse, das Skelett eines m\u00e4nnlichen Kindes mit dem Kopf eines Frosches gefunden wurde und &#8220;Heket&#8221; entnehme ich dem Anhang, war die &#8220;Froschk\u00f6pfige Geburtsg\u00f6ttin, diezust\u00e4ndig f\u00fcr das\u00a0 Wachstum des Ungeborenen, im Leib der Mutter und f\u00fcr den Vorgang der Geburt ist, die meistens als froschk\u00f6pfige Frau dargestellt wird.&#8221;<\/p>\n<p>Um aber an den Anfang zur\u00fcckzukommen. Da sitzt die Frau des\u00a0 thebanischen Sunus Maatamuun, das ist ein \u00e4gyptischer Allgemeinmediziner, auf dem Geburtsziegel, um zu geb\u00e4ren, w\u00e4hrend der Gatte drau\u00dfen warten mu\u00df, darf er ja nicht seiner Frau dazu beistehen. Er darf nur sp\u00e4ter hereinkommen und dem Kind, es ist ein Sohn, seinen Namen geben.<\/p>\n<p>Er nennt ihn Merire und die Mutter stirbt nach drei Tagen, w\u00e4hrend der Dreij\u00e4hrige von seiner \u00e4lteren Schwester erf\u00e4hrt, da\u00df er schuld am Tod seiner Mutter ist. Er rennt darauf in die Ordination des Vaters und spricht sehr viel f\u00fcr einen Dreij\u00e4hrigen. Der Vater beruhigt ihn und Merire beschlie\u00dft daraufhin Frauenenarzt zu werden, um anderen Frauen in ihrer schweren Stunde zu helfen.<\/p>\n<p>Was er auch tut. In deren N\u00e4he wird er sp\u00e4ter allerdings im Zustand des Geb\u00e4ren nicht d\u00fcrfen, denn das ist nur den Hebammen gestattet, die m\u00fcssen bei uns zwar auch bei einer Geburt dabei sein, die Frauen\u00e4rzte haben aber Zutritt, Merire, der ein ausgezeichneter solcher geworden ist, aber nicht. So ger\u00e4t er sp\u00e4ter beim Pharao auch in Ungnade, als er aufm\u00fc\u00dfig genug, doch in den Leib einer Frau hineingreift, um das tote Kind herauzuholen und ihr damit das Leben zu retten und wird daf\u00fcr auf eine Mission zu den Hetihtern geschickt, die ziemlich unm\u00f6glich klingt, obwohl Merire immer wieder versichert, da\u00df es eigentlich gar nicht so unm\u00f6glich ist. Er soll n\u00e4mlich einer sechzigj\u00e4hrigen Prinzessin zur Mutterschaft verhelfen.<\/p>\n<p>Heutzutage bringt, glaube ich, die Wissenschaft mit der Gentechnik, k\u00fcnstlicher Berfruchtung und Leihmutterschaft etcetera, solches zusammen, ich erinnere da nur an ein k\u00f6stlichen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/22\/hoerspiel-von-antonio-fian-und-werner-kofler\/\">Fian<\/a>-Dramulett, das ich vor einiger Zeit im &#8220;Standard&#8221; gelesen habe, im alten \u00c4gypten war es aber wahrscheinlich unm\u00f6glich, umsomehr, da Merire\u00a0 gar nicht an den K\u00f6rper der Prinzessin und sie auch nicht untersuchen durfte, so da\u00df er ihr nur t\u00e4glich ein paar Z\u00e4pfchen schicken konnte, die im g\u00fcnstigen Fall einen roten Regel\u00e4hnlichen Ausflu\u00df vort\u00e4uschten.<\/p>\n<p>Er bricht auf seine Mission in das Land der Hetither mit einem Rahotep genannten Priester auf, offiziell, weil dieser die Sprache der Hetither spricht, inoffiziell, weil er den Frieden zwischen \u00c4gypten und den Hetithern wiederherstellen soll, was so geheim ist, da\u00df Merire keine Ahnung davon hat, was aber zu seltsamen Verwicklungen und Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen f\u00fchrt, denn Merire verliebt sich in die sch\u00f6ne Hofdame Lavinia, die auf Gehei\u00df der K\u00f6nigin, den Haushalt der beiden Fremden betreuen soll. Rahetop versucht ihn davon abzuhalten, was ihm aber nicht gelingt und einen assyrischen Gedandten namens\u00a0 Assur-Nadin, der all das verhindern soll, Lavinia vergewaltigt, Rahetop zu t\u00f6ten versucht, gibt es auch, der um die Mission zu verhindern, die harmlosen Z\u00e4pfen mit einem mit Gift gef\u00fcllten vertauscht, so da\u00df die Prinzessin stirbt und Merire an ihrer T\u00f6tung verd\u00e4chtigt wird. Er soll daf\u00fcr get\u00f6tet werden, die hochschwangere Lavinia, kann das aber verhindertn. Kurz darauf kommt sie nieder. Geb\u00e4rt ihr Kind mit einer sehr harschen Hebamme, w\u00e4hrend Merire nichts anderes \u00fcberbleibt, sich in der Zwischenzeit mit dem Sunu Rabasha zu betrinken und dann gibt es in Merires Haus noch einen Pestverdacht, Rahtop ist inzwischen auf Mission in \u00c4gypten, an dem Livinia und ihr Sohn angeblich sterben und Merire wird des Landes verwiesen.<\/p>\n<p>&#8220;Packend leidenschaftlich und mit gro\u00dfer Sachkenntnis erz\u00e4hlt Dietmar F\u00fcssel von Autokratie, politischer R\u00e4nke, verlogener Staatsr\u00e4son, Korruption, Heuchelei und Gewalt, aber auch von wirklicher Freundschaft und wahrer Liebe im alten \u00c4gypten&#8221;, steht am Buchr\u00fccken und ich f\u00fcge noch hinzu, da\u00df, die in der gewohnt F\u00fcsselschen-Manier manchal sehr verzerrt erscheint.<\/p>\n<p>So beginnt das Brautpaar am Vortag seiner Hochzeit geh\u00f6rig zu streiten und dabei ganz derbe Wortfloskeln zu verwenden &#8220;Warte nur, wenn wir erst verheiratet sind, dann werde ich dir schon noch Manieren beibringen, verla\u00df dich darauf&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Wenn da so ist , m\u00f6chte ich dich lieber doch nicht heiraten&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Das mein Lieber h\u00e4ttest du dir vorher \u00fcberlegen m\u00fcssen. Jetzt ist es daf\u00fcr zu sp\u00e4t. Jetzt wird geheiratet.&#8221;&#8221;<\/p>\n<p>Den Titel des Buches, habe ich, wie ich gestehen mu\u00df, nicht ganz verstanden, wenn er sich nicht vielleicht auf die \u00e4gyptische Mythologie beziehen sollte, wovon es am Buchr\u00fccken noch ein Zitat gibt:<\/p>\n<p>&#8220;Wir d\u00fcrfen uns freuen, Liebster, aber wir d\u00fcrfen auch traurig sein. Weil jede Geburt das Ende eines Beginnes und der Beginn des Ende ist!&#8221;<\/p>\n<p>Denn so viel Geburten hat ja der ber\u00fchmteste Frauenarzt den \u00c4gypten im dreizehnten vvorchristlichen Jahrhunderts, nach seiner Aussage, hatte, gar nicht mitbekommen.<\/p>\n<p>Aber auch das ist vermutlich ein Teil der F\u00fcsselschen Satrie, so da\u00df ich nicht umhin komme, zu erkl\u00e4ren, in den letzten f\u00fcnf Tagen einen sehr spannendes Roman gelesen zu haben.<\/p>\n<p>Ob ich jetzt viel vom alt\u00e4gyptischenen Leben erfahren habe, bin ich aber nicht sicher, halte das Buch aber f\u00fcr einen &#8220;sehr gelungenen F\u00fcssel&#8221;, dem ich f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/08\/der-erste-oesterreichische-buchpreis\/\">n\u00e4chsten \u00f6sterreichischen Buchpreis<\/a> aless Gute w\u00fcnsche und bin gespannt, ob ich es auf der Liste finden werde?<\/p>\n<p>Denn dann h\u00e4tte ich auf jeden Fall weniger zu lesen und ach ja, als Weihnachtsgabe f\u00fcr die ber\u00fchmte Schwiegermutter, eignet es sich allemal, denn diese m\u00f6gen ja im Allgmeinen, wie ich von meiner Schwiegermutter wei\u00df, historische Romane sehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt der historische Roman aus dem alten \u00c4gypten &#8220;Wiederholte Geburten&#8221;, an dem Dietmar F\u00fcssel, glaube ich, sehr lang gearbeitet hat. 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