{"id":48802,"date":"2016-12-24T00:28:02","date_gmt":"2016-12-23T23:28:02","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=48802"},"modified":"2016-12-24T00:28:02","modified_gmt":"2016-12-23T23:28:02","slug":"wiener-wunder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48802","title":{"rendered":"Wiener Wunder"},"content":{"rendered":"<p>Zu Weihnachten ein Krimi statt einem Weihnachtsbuch, die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/15\/buch-wien-und-rundherum\/\">&#8220;Buch-Wien 2014&#8221;<\/a> und Franzobel machten es m\u00f6glich und das Wort Weihnachten oder, die schon aufgestellten Dekorationen, kommen in dem Buch auch vor, spielt er ja in Wien, Ende Oktober und jetzt wei\u00df ichs endlich, der 1967 in V\u00f6lklabruck geborene Stefan Griebl, &#8220;Bachmannpreistr\u00e4ger von 1995 und seit einigen Jahren auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/10\/der-zehnte-ohrenschmaus\/\">&#8220;Ohrenschmaus-Juror&#8221;<\/a> ist wie ist ein gro\u00dfartiger Schriftsteller, bisher war ich da eher skeptisch. Aber er kann schreiben, versucht sich in allen Genres und traut sich auch an einen oder sogar schon zwei Krimis, obwohl die, ja nicht als gro\u00dfe Literatur gelten und ihm, wie ich h\u00f6rte, der Verlag abgeraten haben soll.<\/p>\n<p>Aber &#8220;Das Krimischreiben ist wie f\u00fcr einen Antialkoholiker die Entdeckung des Weins. Ein berauschender Genuss. Man kann sich nicht vorstellen, wie man es solange ohne ausgehalten hat!&#8221;, schreibt er am Buchr\u00fccken.<\/p>\n<p>Eine Satire ist es nat\u00fcrlich auch, sprachlich exzellent und dennoch nicht hochgestochen und ein Genu\u00df beim Lesen, vor allem f\u00fcr eine, die, wie ich, ja Schwierigkeiten beim Schreiben eines Krimis hat.<\/p>\n<p>Ein Mord soll es nicht sein, also fallen bei meinen Krimiversuchen immer <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_tauben.html\">\u00c4ste von den B\u00e4umen und erschlagen die Leichen<\/a> und bis zum zweiten Drittel des Buches k\u00f6nnte man glauben, Franzobel hat mir\u00a0 nach- beziehungsweise vorgemacht, wie das richtig gehen k\u00f6nnte, aber dann wird es, wie schon im Klappentext steht, alles anders und die Geschichte wendet sich und am Schlu\u00df wird es vollends parodistisch und man kann das Vergn\u00fcgen merken, da\u00df der Autor wohl beim Schreiben hatte.<\/p>\n<p>Aber warum geht es eigentlich?<\/p>\n<p>Um einen Kommisar Falt Groschen, Franzobel ist auch ein Meister <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/11\/aktueller-korrekturbericht\/#comments\">der sprechenden Namen<\/a>, so hei\u00dft der Journalist Walter Maria Schmierer und einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/16\/die-merowinger-oder-die-totale-familie\/\">Dr. D\u00f6blinger<\/a> gibt es auch, das ist der etwas doofe Untersuchungsrichter, mit Vornamen Answer, obwohl er niemals solche gibt und der Kommissar bekommt ein Mail, da\u00df sich demn\u00e4chst ein Sportler tot aufgefunden werden wird, ein als Selbstmord getaqrneter Mord und der Sportler ist ein Leichtatleht des Dopings \u00fcberf\u00fchrt und nun aus dem Fenster gefallen und f\u00fcnf Tatverd\u00e4chtige ergeben sich auch gleich.<\/p>\n<p>Der erste ist der Manager Stanek aus dessen Wohnung Edgar Wenninger fiel, dann seine Ehefrau Marion, die Groschen fast im Bett mit ihrem Trainer Oktavian Tulpian erwischt und dann noch den Sportreporter Walter Maria Schmierer und den Doppingfahnder Hanns\u00a0 Hallux mit zwei &#8220;n&#8221; geschrieben.<\/p>\n<p>Falt Groschen f\u00fchrt sie alle an der Nase herum, w\u00e4hrend er das Gef\u00fchl hat st\u00e4ndig beobachtet zu werden. Dann bestellt er die F\u00fcnf, die er, w\u00e4hrend er mit seiner Frau gem\u00fctlich am Donaukanal essen geht, \u00fcberwachen l\u00e4\u00dft, er tut das nur, um seine Frau als K\u00f6der zu ben\u00fctzen, am n\u00e4chsten Tag in die Tatortwohnung, dort erkl\u00e4rt er ihnen, da\u00df sie alle ein Motiv h\u00e4tten, es aber leider doch ein Selbstmord war, weil der Gedopte sich an ihnen r\u00e4chen wollte.<\/p>\n<p>&#8220;Wui!&#8221;, habe ich gedacht, so mu\u00df man es machen. Es geht aber weiter. Erstens gibt es da noch einen seltsamen Nachbarn, der Falt Groschen st\u00e4ndig \u00fcber dem Weg l\u00e4uft und dann wird Karl Stanek, genannt Spritzen-Chary auch noch mit einem Gewehr im Mund tot in der Wohnung aufgefunden.<\/p>\n<p>Ein Wortspiel oder eine Behauptung, da\u00df niemand freiwillig mit Schuhen und Wertsachen aus dem Fenster springt und es deshalb ein Mord war, w\u00e4hrend Spritzen-Charly sich ohne Schuhe in den Mund gescho\u00dfen hat, gibt es auch, Franzobel scheint wirklich \u00fcber eine gro\u00dfe Phantasie zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Aber dann entarnt Groschen noch seinen Beobachter, trifft einen alten Schnorrer und ehemaligen Bekannten wieder und der M\u00f6rder war ein genialer Einzelg\u00e4nger. Ehemaliger Wenniger-Verehrer, weil er selbst wegen eines verkr\u00fcppelten Fu\u00dfes nicht so schnell laufen konnte und den hat er nur, weil seine Mutter, in der ehemaligen DDR in der sie aufgewachsen ist, einem Zwangsdoping, w\u00e4hrend man das in Wien st\u00e4ndig verharmlost, &#8220;ohne Doping kein Sieg!&#8221;, unterzogen wurde und der nun von seinem Liebling entt\u00e4uscht ist.<\/p>\n<p>Ein vertauschtes Biertr und einen nochmaligen Fenstersturz gibt es auch , bevor sich alles aufkl\u00e4rt und man einen rasanten Sprint durch die Krimiphantasien eines &#8220;Bachmannpreistr\u00e4gers&#8221; gemacht hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr die deutschen Leser seis verraten. Man erf\u00e4hrt sehr viel von Wien dabei, aber ich habe\u00a0 auch nicht gewu\u00dft, da\u00df es in der Taborstra\u00dfe einen kupfernen Hirschen auf einem Dachvorsprung zu sehen gibt und eine kleine Satire w\u00fcrde ich annehmen, ist f\u00fcr die Deutschen auch noch eingebaut, obwohl &#8220;Zsolnay&#8221; ja ein \u00f6sterreichischer Verlag ist oder auch nicht wirklich, sondern nur die kleine Schwester oder\u00a0 der kleine Bruder des gro\u00dfen &#8220;Hansers&#8221;, aber weil die deutschen Gro\u00dfverlage ja den \u00f6sterreichischen Autoren, wenn sie nicht so ber\u00fchmt, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/08\/der-erste-oesterreichische-buchpreis\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a> oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/09\/aktuelle-literarische-gesellschaftsbefunde\/\">Marlene Streeruwitz<\/a> sind, alle \u00f6sterreichischen Ausdrucke umschreiben und aus einem Karifol einen Blumenkohl etcetera machen:<\/p>\n<p>&#8220;Zum Kotzen finde ich das!&#8221;, sagt Falt Groschen seinen Verd\u00e4chtigen &#8220;Zum Speiben verbessert er sich selbst. Seine Frau wies ihm immer wieder darauf hin, gef\u00e4lligst \u00f6sterreichische Ausdr\u00fccke zu verwenden &#8211; und keine deutschen. Paradeiser statt Tomaten, Erd\u00e4pfel statt Kartoffeln, Spritzer statt Schorle, Krapfen statt Berliner&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>K\u00f6stlich, k\u00f6stlich und wo hat der Ober\u00f6sterreicher nur so gut Wienerisch gelernt?<\/p>\n<p>Eine Buchempfehlung, die man vielleicht noch schnell der Mami oder der Schwiegermutter auf den Weihnachtstisch legen sollte. Eine, die f\u00fcr alle passt, f\u00fcr die, die sich nur f\u00fcr die hehre Literatur interessieren und keine Genres m\u00f6gen, denn Franhzobel ist ja &#8220;Bachmannpreistr\u00e4ger&#8221;, hat auch den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\">Bernhardschen-Jargon<\/a> bestens drauf und ist, wie weiter auf dem Klappentext steht &#8220;Einer der popul\u00e4rsten \u00f6sterreichischen Schriftsteller&#8221; und f\u00fcr die, die sich unterhalten wollen und gerne Krimis lesen, ist es auch geeignet, denn es ist ja einer.<\/p>\n<p>Einer in dem man viel von Wien erf\u00e4hrt, sprechende Namen findet, Spannung, aber auch Wissen \u00fcber das Wien und seine Klischees. Es scheint aber auch, was das Dopingwesen betrifft, gut recherchiert zu sein, spannend, lustig, satirsch und wieder ein Beweis, da\u00df man vielleicht auch Krimis lesen kann und solche schreiben, auch wenn man gegen Morde ist, aber nein-.<\/p>\n<p>Denn es war ja ein Doppel- oder sogar ein Dreifachmord, aber der nicht wirklich und eine unterschobene Bierflasche des Komissars\u00a0 hat es auch gegeben, also doch ein dritter Mord, aber den hat dann ein anderer fast ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Vom Vielschreiber gibt es inzwischen noch einen zweiten &#8220;Groschen-Krimi&#8221;, das Cover ist auch einem Groschenroman nachgebildet, den ich leider noch nicht gewonnen und auch nicht gefunden habe und bei der Vorstellung eines<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/06\/vor-der-vermarktung\/\"> &#8220;Works in Progress&#8221;<\/a> bin ich vor einem halben Jahr auch in der\u00a0 &#8220;Alten Schmiede&#8221; gewesen und habe ihn auch bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/04\/gesellschaftliches-volksstuck-von-franzobel\/\">anderen <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/06\/hemma-von-gurk\/\">Lesungen<\/a> schon geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>&#8220;Wiener Wunder&#8221; ist aber, glaube ich, das erste Buch das ich von ihm, der ja einmal auch, ganz klein, im &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/20\/recherchebeginn-und-gluecksschweinmuseum\/\">Fr\u00f6hlichen Wohnzimmer&#8221;<\/a> angefangen hat, gelesen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Weihnachten ein Krimi statt einem Weihnachtsbuch, die &#8220;Buch-Wien 2014&#8221; und Franzobel machten es m\u00f6glich und das Wort Weihnachten oder, die schon aufgestellten Dekorationen, kommen in dem Buch auch vor, spielt er ja in Wien, Ende Oktober und jetzt wei\u00df &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48802\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2120,3302,590,6244,6389],"class_list":["post-48802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-franzobel","tag-krimi","tag-oesterreichische-gegenwartsliteratur","tag-wien-roman","tag-zsolnay"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48802"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48802\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}