{"id":48841,"date":"2016-12-26T00:10:45","date_gmt":"2016-12-25T23:10:45","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=48841"},"modified":"2016-12-26T00:10:45","modified_gmt":"2016-12-25T23:10:45","slug":"chronik-einer-froehlichen-verschwoerung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48841","title":{"rendered":"Chronik einer fr\u00f6hlichen Verschw\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt ein Geburtstagsbuch vom vergangenen Jahr, Richard Schuberths Debutrom, den ich mir w\u00fcnschte, weil ich ja wenigstens teilweise bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/26\/viktor-frankl-richard-schuberth-edward-snowden\/\">Pr\u00e4sentation im Ost-Club<\/a> war, der nat\u00fcrlich auch in dem Buch vorkommt, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/28\/der-kalte\/\">Robert Schindel <\/a>war mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/08\/veza-canetti-preis-an-sabine-gruber\/\">Sabine Grube<\/a>r ebenfalls anwesend und der, habe ich mir zumindest am Anfang des Buches gedacht, k\u00f6nnnte das Urbild f\u00fcr den Ern\u00f6 Katz sein, aber dann macht das f\u00fcnfhundert Seiten Buch ja sehr rasante Spr\u00fcnge, aber sch\u00f6n langsam, h\u00fcbsch der Reihe nach, denn ich soll ja nicht so <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/23\/unverstaendlich-schreiben\/\">unverst\u00e4ndlich schreiben<\/a>.<\/p>\n<p>Den 1968 Geborenen kenne ich, glaube ich, vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/06\/volksstimmefest-mit-kaelteeinbruch\/\">&#8220;Volksstimmefest&#8221;<\/a>, ich bin auch irgendwie in seine Kartei gekommen, denn er schickt mir regelm\u00e4\u00dfig die Einladungen zu seinen Veranstaltungen. Er hat Essays und Theaterst\u00fccke geschrieben, &#8220;Wie Branca sich nach oben putzte&#8221; bespielsweise, aber auch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/13\/von-richard-schubert-zu-gerhard-jaschke\/\">&#8220;Neue W\u00f6rterbuch des Teufels&#8221;<\/a>, mit seinem 1915 erschienenen Debutroman, stand er im Vorjahr auf der Longlist des<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/17\/alpha-literaturpreis-an-karin-peschka\/\"> &#8220;Alphas&#8221;,<\/a> heuer hat er auf den<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/01\/donnerstag-mit-drei-veranstaltungen\/\"> \u00d6- T\u00f6nen<\/a> daraus gelesen und das St\u00fcck, was ich im Ost-Club daraus h\u00f6rte, hat mir sehr gefallen, wohl wissend, da\u00df Richard Schuberth mir wahrscheinlich\u00a0 zu m\u00e4nnlich aggressiv sein wird und er sehr viel \u00fcber Sex schreibt und manches in dem Roman war schlichtweg so kitschig, da\u00df man sich wundert, da\u00df er bei &#8220;Zsolnay&#8221; erscheinen konnte.<\/p>\n<p>Bei &#8220;Amazon&#8221; gibt es ein paar f\u00fcnf Stern und eine ein Stern Rezension. Ich vergebe ja keine Sterne, Hauben oder B\u00fccher, weil ich B\u00fccher ja nicht verrei\u00dfen m\u00f6chte, hier k\u00f6nnte ich aber sowohl das eine, als auch das andere geben und das ist wahrscheinlich auch der Vorzug des Buchs.<\/p>\n<p>Wieder sch\u00f6n der Reihe nach und die Handlung des Buches ist eigentlich sehr schnell erz\u00e4hlt und steht auch so am Klappentext.<\/p>\n<p>Der siebzigj\u00e4hrige Jude und ehemalige Universit\u00e4tsprofessor Ern\u00f6 oder Ernst Katz f\u00e4hrt auf der Westbahnstrecke mit dem Zug nach Wien und ist stinkw\u00fctend, ma\u00dft sich da doch ein junger Autor namens Rene Mackensen, wie er in der Zeitung gelesen hat, einen Roman \u00fcber das Leben Klara Sonnenscheins zu schreiben. Eine Wiener j\u00fcdin, die ein paar Jahre in einer Wohnung versteckt wurde, dann ein paar Monate in Mauthausen war und sich in den Sechzigerjahren in Belgien erh\u00e4ngte. Sie war Philosophin, hat Aphorismen und Haikus geschrieben, sowie Briefe an Ernst Katz zu dem sie irgendeine Beziehung hatte, Teile aus ihrem Werken sind den jeweiligen Kapiteln vorangestellt und die Aphorismen &#8220;Arschloch: Tunnel, in den die Karriereleiter f\u00fchrt und an desen Ende es kein Licht gibt&#8221;, beispielsweise, stammen wohl auch aus dem &#8220;W\u00f6rterbuch des Teufels.&#8221;<\/p>\n<p>Im Zug lernt der Fluchende die siebzehnj\u00e4hrige Birgit oder Biggy Haunschmid aus St. P\u00f6lten kennen, die aus einer HTL geflogen ist und die nun bei ihm einzieht.<\/p>\n<p>Er zahlt ihr alles, sie gibt das Geld auf seiner Kreditkarte mit vollen H\u00e4nden aus und das ungleiche Paar zieht im ersten Drittel des Buches durch Wien herum, s\u00e4uft und kifft und treibt allerhand seltsame Sachen, in dem sie beispielsweise verkleidet in den Ost-Club ziehen und dort Tischfu\u00dfball spielen.<\/p>\n<p>Dann schmieden sie ein Komplott, denn das Schreiben des Romans mu\u00df verhindert werden. So hetzen sie den armen Rene, der den Roman am Anfang gar nicht schreiben will, aber von seinem Agenten und Verleger Carsten Kempowski\u00a0 und seiner \u00e4lteren Geliebten Almuth, einer Literaturritikerin dazu gezwungen wird, mit gef\u00e4lschten Wikipediaeintr\u00e4gen und gefl\u00e4schten Briefen zuerst nach Belgrad, dann sogar nach Tel Avic und als Mackensen Dr. Katz besuchen will, weil der ja eine Vorlesung \u00fcber Klara Sonnenschein gehalten hat, spielt er ihm einen senilen inkontinenten alten Trottel vor, der ihm Unterricht in Hegels Werke geben will.<\/p>\n<p>Man sieht ein sehr ungew\u00f6hnliches Buch, es wird geschnackselt und gev\u00f6gelt und Birgit, die zu dem alten Philosophen nat\u00fcrlich nur eine unerotische Beziehung hat, betr\u00fcgt ihn mit allen m\u00f6glichen Sorten von Arabern. Sie zeigt ihm auch gruppendynamische Kniffe. Beispielsweise, da\u00df sich alle Leute in der U-Bahn entschuldigen, wenn man ihnen auf die Zehen tritt. Dann kommt es zu einer Wende. Katz beginnt ein Verh\u00e4ltnis zu Mackensens Geliebter, Birigit eines mit Rene. Der alte Katz erleidet einen Schlaganfall, als er, das ist eine der kitschigen Szenen, im Cafe Landtmann eine rassige Frau k\u00fcssen soll, um Almuth von ihm abzubringen.<\/p>\n<p>Dann begeht er noch einen Selbstmordversuch. Biggy rast zu ihm ins Spital und dort, aber auch in einer Bar, wo inzwischen der betrunkene Mackensens herumh\u00e4ngt, erscheint Klara Sonnenschein allen drein und bringt Biggy platonisch oder nicht, mit dem alten Katz zusammen, bevor sie wieder ins Paradies entschwebt und der Epilog ist ein Kronenzeitung-Artikel, in dem \u00fcber dem Live Ball berichtet wird, wo sich Abdulramahn Mackensen, der junge Dichter, hat w\u00e4hrend des Romans, nicht nur seine j\u00fcdischen Wurzeln entdeckt, sondern ist auch zum Islam konvertiert mit seinem sch\u00f6nen Freund befindet und einen tollen Roman, der aber ein ganz anderer, als der \u00fcber Klara Sonnenschein ist, denn den, hat ihr Geist dem alten Katz verraten, wird nat\u00fcrlich Biggy verfassen, hat er auch geschrieben.<\/p>\n<p>Wird man mir jetzt glauben, da\u00df es ein sehr intellktuelles, h\u00f6chst anspruchsvolles Buch ist, das sich mit Gott und der Welt und noch vielen anderen besch\u00e4ftigt und das gar nicht so leicht zu lesen ist?<\/p>\n<p>Es ist so manchmal und manchmal ist es, wie schon erw\u00e4hnt wieder unertr\u00e4glich kitschig. Mir zuviel harten M\u00e4nnersex und auch zu aggresssiv und die Stelle, wo Biggy in die Wohnung, wo Klara Sonnenschein, die von ihrem Verstecker nat\u00fcrlich auch mi\u00dfbraucht wurde,\u00a0 gelebt hat, einbricht und dann von den jetztigen Bewohnern, einem Juppiep\u00e4rchen nicht nur f\u00fcnfzehnausend Euro als auch noch ein Bild von Maria Lassing geschenkt bekommt, die &#8220;Identit\u00e4ren&#8221; w\u00fcrden das wohl &#8220;Ethno-Masochismus&#8221; nennen, habe ich vollends nicht verstanden.<\/p>\n<p>Aber ich wei\u00df schon, Richard Schuberth hat sich in seinem Debut ordentlich ausgetobt, alle Saiten gezogen und \u00fcber alle Str\u00e4nge gesprungen, irgendwie phaszinierend und sehr interessant.<\/p>\n<p>Ein ungew\u00f6hnliches Buch, \u00fcber eine &#8220;ungew\u00f6hnliche Freundschaft&#8221;, wie am Buchr\u00fccken steht, auf jeden Fall.<\/p>\n<p>Eine Mischung zwischen E und U oder besser eine zwischen einem Porno und einem philosophischen Essay und das so etwas m\u00f6glich ist und noch dazu bei &#8220;Zsolnay&#8221; erscheint und auch auf die &#8220;Longlist des Alphas&#8221; f\u00fcr das beste Debut kommt, ist auch sehr ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>Wie schon geschrieben, ich habe das Buch sehr ambivalent gelesen und bin jetzt schon auf seinen n\u00e4chsten Roman, von dem ich schon ein St\u00fcck lesen durfte, weil er damit einmal ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/14\/auserlesen\/\">&#8220;Hans Weigel- Stipendium&#8221;<\/a> bekam, sehr gespannt und ehe ich es vergesse, eine Satire auf den Literaturbetrieb ist das Ganze auch noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt ein Geburtstagsbuch vom vergangenen Jahr, Richard Schuberths Debutrom, den ich mir w\u00fcnschte, weil ich ja wenigstens teilweise bei der Pr\u00e4sentation im Ost-Club war, der nat\u00fcrlich auch in dem Buch vorkommt, Robert Schindel war mit Sabine Gruber ebenfalls anwesend &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48841\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1354,3623,4842,5029,5068,6389],"class_list":["post-48841","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-debut","tag-literaturbetrieb","tag-richard-schuberth","tag-satire","tag-schelmenroman","tag-zsolnay"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48841","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48841"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48841\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48841"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48841"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48841"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}