{"id":48858,"date":"2016-12-27T00:40:47","date_gmt":"2016-12-26T23:40:47","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=48858"},"modified":"2016-12-27T00:40:47","modified_gmt":"2016-12-26T23:40:47","slug":"bis-ich-21-war","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=48858","title":{"rendered":"Bis ich 21 war"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt noch das Weihnachtsbuch von vor zwei Jahren. Ela Angerers &#8220;Bis ich einundzwanzig war&#8221;, das die 1964 in geborene, die laut Klappentext, als Schriftstellerin, freie Autorin (was ist der Unterschied) und Fotografin, damals auch auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/15\/buch-wien-und-rundherum\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> vorstellte, wo es dem Alfred wahrscheinlich aufgefallen ist.<\/p>\n<p>Damals hatte ich von Ela Angerer keine Ahnung, inzwischen habe ich ihren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/17\/und-die-nacht-prahlt-mit-kometen\/\">fiktiven Roman<\/a> gelesen und sie auch\u00a0 in einer Diskussion mit unter anderen Peter Henisch in der &#8220;News-Lounge&#8221; \u00fcber die \u00f6sterreichische Literatutur auf der heurigen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/13\/die-neunte-buch-wien\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> geh\u00f6rt, weil sie inzwischen auch eine Kolumne in der Zeitschrift &#8220;News&#8221; hat.<\/p>\n<p>Das Debut ist laut Klappentext ein autobiografischer Roman und das Ela Angerer aus einer b\u00fcrgerlichen Familie stammen k\u00f6nnte, ist mir schon bei den &#8220;Kometen&#8221;aufgefallen.<\/p>\n<p>Um was geht es also in der Autobiografie, der um zehn Jahre j\u00fcngeren Autorin und Journalistin?<\/p>\n<p>Um das grausliche Leben in der \u00f6sterreichischen Oberschicht, die Mutter, die eigentlich K\u00fcnstlerin werden wollte, lie\u00df sich vom Vater offenbar sehr jung, drei Kinder andrehen, betr\u00fcgt ihn dann mit einem reichen &#8220;Cadillacfahrer&#8221; und zieht nach einigen Komplikationen mit den zwei T\u00f6chtern, der Sohn ist dem Franhzosen nicht zuzumuten, zuerst in ein Reihenhaus, es sind ja noch Alimente f\u00fcr dessen Familie zu zahlen, dann in ein Schlo\u00df, wo es \u00e4hnlich zugeht, wie es vorher war.<\/p>\n<p>N\u00e4mlich Kinderm\u00e4dchen, B\u00fcgel- und Putzfrauen, die auf die Kinder aufpassen und den Haushalt schupfen, die Mutter steht zwar gegentlich in der K\u00fcche, um den Franzosen sechsg\u00e4ngige Menus zu bereiten, die vom Gro\u00dfvater dann mit &#8220;Votre Couisine est tres simple, mais bonne!&#8221;, gelangweilt kommentiert werden.<\/p>\n<p>Ansonsten \u00fcberl\u00e4\u00dft sie die Kinder den Kinderm\u00e4dchen und geht mit dem G\u00f6ttergatten auf Reisen oder Bridgespielen, so da\u00df, die dann, wenn kein Essen im K\u00fchlschrank ist, in den Keller gehen und sich die franz\u00f6sische G\u00e4nseleperpastete und den &#8220;Beluga-Kaviar&#8221;, der monatlich angeliefert werden, aufs harte Brot schmieren.<\/p>\n<p>Wie schrecklich, k\u00f6nnte man in der Zeit der Achtundsechzigerjahre, wo die Portraits der RAF-Terroristen an der Schweizer Grenze ingen, wenn die Mutter mit der namenlosen Tochter dorthin einkaufen fuhr.<\/p>\n<p>Reicht aber nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr einen Roman, die \u00fcbliche Vergewaltigung\u00a0 durch den Gro\u00dfvater ist nat\u00fcrlich auch dabei und die Ich-Erz\u00e4hlerin f\u00e4ngt auch fr\u00fch mit Drogen und\u00a0 erotischen Spielechen, sowohl bei M\u00e4nnchen oder Weibchen an, schlecht nachts auf dem Haus, um sich in der Disko Heroin oder ist es noch LSD zu spitzen und die Mutter hat nat\u00fcrlich den Tablettencocktail, &#8220;Mothers little Helpers&#8221; im Badezimmer stehen, um immer frisch und fr\u00f6hlich zu sein und kleine Nasen und Ohren braucht man auch, um an den Mann zu kommen, so werden diese plattgedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Einmal ist eine \u00e4ltereKinderfrau dabei, als die Erz\u00e4hlerin einer Freunin Captagon mit Martini serviert, so da\u00df, die dann flach am Boden liegt und die Betreuerin die Rettung holt.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlerin t\u00e4uscht eine Zehenverletzung vor, kommt dann aber mit Dreizehn oder Vierzehn doch in ein Internat. Zwei Schweizer, ein sehr katholisches und eines, wo arabische Prinzessinnen von ihren Tennislehrer begleitet werden, werden angeschaut. Sie kommt dann in eine billigere Erziehungsanstalt, macht auch dort ihre erotischen Erfahrungen mit manchen Lehrerinnen, die ihr Nachhilfeunterricht geben, f\u00e4hrt am Wochenende angeblich zur Gro\u00dfmutter nach Wien, in Wahrheit in in WG ihrer Jugendfreunde und das Alpha Tierchen Stella wird beim Klauen erwischt. F\u00fcnfhunderttausend Euro Schaden in den \u00f6rtlichen Juweliergesch\u00e4ften und die goldene Uhr der Erz\u00e4hlerin, die diese vom Stiefvater bekam, ist auch dabei. Sie zeigt, um sich zu retten, die Erz\u00e4hlerin wegen Drogendeals an, die wieder alle Spielchen braucht, um sich reinzuwaschen und zu siegen, was auch gelingt.<\/p>\n<p>Sie will trotzdem heim ins stiefv\u00e4terliche Schlo\u00df, beginnt ein Liebesspiel mit einem Cousin in einem Nobelhotel in Vendig, wohin sie mit ihren Eltern darf, bevor sie sich mit der Mutter verzankt und nach Paris ausb\u00fcchst.<\/p>\n<p>Der Sinn des Lebens scheint ihr noch immer zu fehlen oder vielleicht hat sie ihn auch dort gefunden, denn wenn das Buch wirklich autobiografisch ist, hat ihn Ela Angerer ja bekommen.<\/p>\n<p>Aber ich wei\u00df schon, in Romanen ist alles \u00fcbertrieben und nicht ganz w\u00f6rtlich zu nehmen, Drogenkonsum ist ja auch verboten und Sex mit Minderj\u00e4hrigen auch. Aber nat\u00fcrlich kann man nur schreiben, was man erlebt hat, so wird das Leiden der wohlstandsverwahrlosten Oberschichtnugend nicht ganz erfunden sein und ich glaube auch, da\u00df so ein Leben zwischen wechseldnen Kinderm\u00e4dchen und Putzfrauen und einer medikamentens\u00fcchtigen Mutter, die mit Omar Sharif Bridge spielen geht, sicher nicht ganz einfach ist.<\/p>\n<p>Das von den Unterschichtjugendlichen, die kiffen, dealen oder klauen und dazwischen arbeitslos sind, ist es wahrscheinlich auch nicht, aber die bringen h\u00f6chstwahrscheinlich keinen so fehlerfreie und grammatikalisch richtige Autogbiografie, ob erfunden oder echt zusammen, da\u00df sie bei &#8220;Deuticke&#8221; verlegt wird, trotzdem frage ich mich , warum ein solcher Roman erscheint und warum ich ihn lese?<\/p>\n<p>Nun ich habe ihn vor zwei Jahren zu Weihnachten bekommen und bin ja sehr interssiert an der \u00f6sterreichischen Gegenwartsliteratur, m\u00f6chte am liebsten alles lesen und auch selber schreiben, was ich auch tue, aber leider offensichtlich nicht so gut und so interessant, da\u00df es einem Verlag gef\u00e4llt und mit dem<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/20\/indie-bucher\/\"> Selbstgemachten <\/a>ist es ja auch nicht so leicht, obwohl ja schon<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/25\/das-einundvierzigste-selbstgemachte-buch\/\"> viele solche B\u00fccher <\/a>von mir erschienen sind.<\/p>\n<p>Interessanterweise sind die &#8220;Amazon-Rezensionen&#8221;, die ich mir durchgeschaut habe, eher begeistert und sprechen davon, da\u00df das Buch an die Erlebnisse der eigenen Jugend erinnert. Das habe ich bei den &#8220;Kometen&#8221; mehr\u00a0 empfunden, obwohl ich ja zehn Jahre \u00e4lter bin.<\/p>\n<p>Hier w\u00fcrde ich schon ganz vorsichtig sagen, da\u00df ich hoffe, da\u00df nicht jede Jugend, so ausschaut und, da\u00df ich eine solche auch nicht als sehr empfehlenswert und f\u00fcr vorbildhaft halten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Elke Heidenreich hat sich ja in einer Fernsehdiskussion sehr \u00fcber<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/30\/mein-vater-war-ein-mann-am-land-und-im-wasser-ein-walfisch\/\"> Michelle Steinbecks Debut<\/a> emp\u00f6rt und von &#8220;krankhaft&#8221; gesprochen, was ich eher f\u00fcr erfunden gehalten h\u00e4tte. Hier w\u00e4re ich, wenn das wirklich alles autobiografisch ist, wahrscheinlich mehr besorgt und kann vielleicht froh sein, da\u00df mir das erspart geblieben ist, auch wenn ich auf meine B\u00fccher <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/14\/schreibinteressen\/#comments\">solche Reaktionen <\/a>bekomme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt noch das Weihnachtsbuch von vor zwei Jahren. 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