{"id":49098,"date":"2017-01-21T00:21:51","date_gmt":"2017-01-20T23:21:51","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=49098"},"modified":"2017-01-21T00:21:51","modified_gmt":"2017-01-20T23:21:51","slug":"nachrichten-aus-der-normopathie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=49098","title":{"rendered":"Nachrichten aus der Normopathie"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Nachrichten aus der Normopathie-Essays zum Zeitgeschehen&#8221; &#8211; Am 11. 2. 2014, also fast vor zwei Jahren ist der 1944 geborene Kommunist, Volksstimmejournalist und Literaturwissenschaftler Lutz Holzinger gestorben und der 1953 geborene Autor und GAV-Mitglied Gerald Grassl, Mitglied des Werkkreises &#8220;Literatur der Arbeitswelt&#8221;, der auch die &#8220;Edition Tarantl&#8221;, herausgibt hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Werk zu verlegen.<\/p>\n<p>Die literarischen Arbeiten <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/28\/ein-kurzer-sommer-der-literatur\/\">&#8220;Ein kurzer Sommer der Literatur&#8221;<\/a> sind schon erschienen und wurden von mir auch besprochen, da Gerald Grassl mit dem ich regelm\u00e4\u00dfig am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/28\/ein-kurzer-sommer-der-literatur\/\">Volksstimmefest<\/a> lese und ihn auch so auf diversen Veranstaltungen sehe, so freundlich ist, mir manchmal seine Publikationen zu geben.<\/p>\n<p>In Band zwei geht es, um die gesellschaftlichen Arbeiten des Volksstimmeredakteurs, der im &#8220;Neuen Forum&#8221; angefangen und dann sp\u00e4ter, als es Volksstimme nicht mehr t\u00e4glich gab, auch in der Obdachlosenzeitschrift &#8220;Augustin&#8221; publizierte.<\/p>\n<p>Es gibt ein Vorwort von Gerald Grassl in dem er auf den interessanten Umstand aufmerksam macht, da\u00df der Literaturwissenschaftler und Intellektuelle im Laufe der Zeit immer verst\u00e4ndlicher wurde: &#8220;Lutz entwickelte im Laufe der Jahre eine Meisterschaft, komplizierte und komplexe wirschaftliche\/politische Themen leicht lesbar aufzubereiten (ohne jedoch &#8220;volksd\u00fcmmlich&#8221; zu werden&#8221;, schreibt Gerald Grassl, und das ist, glaube ich, ein sehr wichtiger Aspekt bei dem ich auch im &#8220;Literaturgefl\u00fcster&#8221; nicht umhin komme, mich damit zu <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/23\/unverstaendlich-schreiben\/\">besch\u00e4ftigten<\/a>, denn was hat man schon von Texten \u00fcber die &#8220;Lohnarbeit und das Kapital&#8221;, wenn die Arbeiter, f\u00fcr sie ja geschrieben waren, sie nicht lesen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/31\/leichte-sprache-leichter-lesen\/\">weil sie es einfach nicht verstehen.<\/a><\/p>\n<p>Grassl f\u00fchrt noch ein Beispiel an, so hat er Lutz Holzinger einam gefragt : Kann heute noch von &#8220;der f\u00fchrenden Rolle der Arbeiterklasse gesprochen werden? DIE ARBEITER sind doch nur mehr eine kleine Schicht, die t\u00e4glich kleiner werden. &#8211; Geh einmal zu meinem Stammwirt und h\u00f6re ihnen zu &#8211; die meisten sind Mitglieder der SP\u00d6 und w\u00e4hlen wahrscheinlich den Haider&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>Lutz Holzinger hat gel\u00e4chelt und &#8220;Wer hat dein Fr\u00fchst\u00fccksbrot gemacht, wer hat es verkauft, wer hat das Haus gebaut, in dem du wohnst? Wenn du mit Fertigbaum\u00f6bleln eingerichtet sein solltest, wer hat die Rohteile zugeschnitten und wer hat die Verpackung hergestellt? Dieses Problem hat bereits Karl Marx erkannt. &#8230; Und zur Unfreundlichkeit von Arbeitern am Morgen: Gehst du jeden Tag gut gelaunt in die Hackn?&#8221;<\/p>\n<p>Das war wohl schon in der leicht lesbaren Zeit des Autors, die in dem Buch abgedruckten Texte stammen von 1973 bis 1995, denn zuerst kommen wirklich zwei Beispiele, der schwer verst\u00e4ndlichen theoretischen Arbeiten, zu denen man wohl, wie Gerarld Grassl ebenfalls anmerkt und manchal auch eine &#8220;Wikipedia-Erkl\u00e4rung&#8221;, die es in den Siebzigerjahren noch nicht gab, daneben stellt, ein W\u00f6rterbuch braucht, um den Inhalt zu verstehen.<\/p>\n<p>Dann wird es aber schon bald konkreter, wenn es um den &#8220;Konsumterror &#8211; zur \u00c4sthetisierung des Marktes&#8221; geht, das ist ein Artikel aus dem &#8220;Neuen Forum&#8221; von 1972 und hat zugegeben auch keinen sehr verst\u00e4ndlichen Titel. Es geht aber um den Konsum und die Werbung und da habe ich einige sehr interessante Aspekte dabei gefunden.<\/p>\n<p>Schreibt Holzinger doch sehr genau, da\u00df es f\u00fcr den Markt nicht reicht, einfach Mehl zu verkaufen und zu vertrauen, da\u00df die Hausfrauen, schon zwischen &#8220;glatt und griffig&#8221; unterscheiden k\u00f6nnen und sich f\u00fcr ihre Speisen, die richtigen Sorten holen.<\/p>\n<p>Nein, bei der Waschmittelindustrie wird zwischen &#8220;Persil&#8221;, &#8220;Omo&#8221;, &#8220;Wei\u00dfer Riese&#8221; etcetera unterschieden, man kauft das Produkt, die Marke und dazu noch Statuszugeh\u00f6rigkeit, Gl\u00fcckseligkeit etcerta und weil der Preis ja stimmen mu\u00df werden die Angestellten eingespart, es boomt der Selbstbeidenungsladen, wo man zwar die angebliche Freiheit hat sich frei zwischen hundertzwanzig Joghurtsorten entscheiden zu k\u00f6nnen, in Wirklichkeit aber von der Werbung gesteurt wird und wenn auch das noch zu teuer ist, wird auf den Versandhandel ausgewichen. Da f\u00fcllt man einen Bestellschein aus und einige Tage sp\u00e4ter bringt der Brieftr\u00e4ger das Nachahmepaket und man hat den Laden eingespart.<\/p>\n<p>Ja nat\u00fcrlich, der Text wurde 1972 geschrieben, wo es noch keinen Internethandel und noch Brieftr\u00e4ger gegeben hat und das ist ja vielleicht das Iinteressante an dem Buch, da\u00df sie die sonst schon vergriffenenen Zeitschriftenartikel zusammensammeln, so da\u00df man ihn ihm, die politischen und gesellschaftlichen Ver\u00e4nderung der letzten vierzig Jahre sehr gut bemerkt.<\/p>\n<p>Dann geht es in den Strafvollzug &#8220;N\u00fctzliche Verbrecher&#8221;, auch ein Artikel aus dem &#8220;Neuen Forum&#8221;, von 1972 und das ist wahrscheinlich vor oder zwischen der gro\u00dfen \u00f6sterreichischen Strafreform und wieder ist inzwischen alles anders, aber einiges daraus nachzulesen ist durchaus interessant und kann <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/19\/jack-unterweger-film-und-open-hause\/\">nostalgische Gef\u00fchle<\/a> wecken.<\/p>\n<p>Holzinger ist dazu auch in die gro\u00dfen \u00f6sterreichischen Strafanstalten gegangen und hat deren Leiter interviewt, die 1972 oder noch fr\u00fcher betonten, wie wichtig Sauberkeit und Ordnung ist, aber schon wu\u00dften, da\u00df man f\u00fcr das Geld das man f\u00fcr zwei Gefangene kosten, f\u00fcnf Bew\u00e4hrungshelfer einstellen kann, die dann f\u00fcnfnhundert Leute betreuen.<\/p>\n<p>Es gibt eine Statistik der Straft\u00e4ter und einer der Leiter bedauert, da\u00df es die Reform des Paragraphen 144 noch nicht gab, so hatte er n\u00e4mlich einige Kindsm\u00f6rderinnen einsitzen, arme M\u00e4dels vom Land, die dann regelm\u00e4\u00dfig zu weinen beginnen, wenn kleine Kinder auf Besuch in das Gef\u00e4ngnis kamen.<\/p>\n<p>Interessant dazu vor Weihnachten habe ich eine Reportage in \u00d61 zur heutigen Gef\u00e4ngnissituation geh\u00f6rt und wie traurig es f\u00fcr die Gefangenen ist, beim gro\u00dfen Fest nicht bei ihren Verwandten zu sein, wo ich mir dachte, ob es keine Besuchzeiten gibt, womit man dieses Problem ja verringern k\u00f6nnte, aber viele Gefangene haben wohl keine Verwandten, Freunde d\u00fcrfen vielleicht nicht hinein und die Alternative mit der Fu\u00dffessenl von der ich zwar nicht wei\u00df, ob sie ein Segen ist, gibt es heute auch, 1970 hat es sie wohl noch nicht gegeben.<\/p>\n<p>Es geht dann weiter mit Artikeln zur Geldw\u00e4sche, mehrere zum Konsumverhalten von Arbeitern, solchen zur Kaufsucht, Konsumsucht nennt Lutz Holtzinger dieses Problem und ganz besonders interessant, einen \u00fcber den f\u00fcnften Bezirk und insbesondere zur Reinprechtsdorferstra\u00dfe, wo es ja eine Zeitlang sehr viele und immer mehr Wettb\u00fcros gegeben hat, die den Arbeitern und auch Arbeitslosen das Geld aus der Tasche zogen.<\/p>\n<p>Der Artikel ist aus dem &#8220;Augustin&#8221;, der Obdachlosenzeitung von 2012 und da war ich ja einmal bei einem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/15\/vom-funften-in-den-vierten\/\">&#8220;Augustin-Flohmarkt&#8221;<\/a>, wo auch eine Proklamationen beziehunsweise eine Repbulik dagegen ausgerufen wurde. jetzt hat sich das Bild und die Anzahl der Wettb\u00fcro glaube ich wieder etwas ver\u00e4ndert, die Billiggesch\u00e4fte gibt es aber immer noch in dieser Gegend.<\/p>\n<p>Einen Artikel zur Geschichte der Armut, illustriert von Bildern von Pieter Breugel des \u00c4lteren gibt es auch und ganz besonders lang, so da\u00df ich bekennen mu\u00dft, da\u00df ich ihm nicht ganz gelesen, sondern eher nur \u00fcberflogen habe, ist der Artikel zur Geschichte der KP\u00d6, beziehungsweise zur Geschichte \u00d6sterreichs im zwanzigsten Jahrhunderts &#8220;Befreiung wovon und wof\u00fcr&#8221;, der auch mit zahlreichen Illustrationen versehen ist und als Brosch\u00fcre vom Bundesvorstand der KP\u00d6 im April 1995 herausgegeben wurde.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch, das ich den an der linken \u00f6sterreichischen Zeitgeschichte interessierten, sowie allen Lutz Holzinger Fans sehr empfehlen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Nachrichten aus der Normopathie-Essays zum Zeitgeschehen&#8221; 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