{"id":49636,"date":"2017-01-29T10:03:01","date_gmt":"2017-01-29T09:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=49636"},"modified":"2017-01-29T10:03:01","modified_gmt":"2017-01-29T09:03:01","slug":"adam-geht-durch-die-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=49636","title":{"rendered":"Adam geht durch die Stadt"},"content":{"rendered":"<p>Ich suche mir seit einiger Zeit f\u00fcr meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/17\/reisen\/\">&#8220;Reisen&#8221;<\/a> ja immer die n\u00f6tige <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/17\/litauischer-literaturstreifzug\/\">Reiselekt\u00fcre<\/a> aus, f\u00fcr die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/28\/in-salzburg-angekommen\/\"> Salzburg-Lesung<\/a> also Salzburg B\u00fccher, wie sie beispielsweise, die von Margot Koller sind, da habe ich mir diesmal &#8220;Alle Wege f\u00fchren&#8230;zum Wasser&#8221; mitgenommen und ungelesen nach St. P\u00f6lten zur\u00fcckgebracht, denn wenn man eineinhalb Tage in Salzburg ist und sich auch ein bi\u00dfchen die Stadt und ihre B\u00fccher ansehen will, kommt man nicht sehr zum Lesen.<\/p>\n<p>Obwohl ich Erich Landgrebes &#8220;Adama geht durch die Stadt&#8221; schon vorsorglich Donnerstag fr\u00fch in der Wiener Badewanne zu lesen angefangen habe und jetzt in der in Harland beendete, denn eigentlich habe ich das Landgrebe-Buch ja schon bei unserem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/01\/salzburg-buechertour\/\">vorj\u00e4hrigen Salzburg-Aufenthalt lesen wollen<\/a>, aber da hatte ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/06\/haus-frauen-sex\/\">Margit Schreiner &#8220;HausFrauenSex&#8221; <\/a>halbgelesen mitgenommen und dann noch im Zug <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/02\/im-paradies-der-buecher\/\">Margot Kollers &#8220;Im Paradies der B\u00fccher&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Und &#8220;Adam geht durch die Stadt&#8221;, den Roman, des 1908 in Wien geborenen und 1979 verstorbenen Malers und Schriftstellers Erich Landgrebe dessen Nachla\u00df im Salzburger Literaturarchiv, das wir uns im Vorjahr mit Margot Koller angesehen haben, verwaltet wird, habe in einem der offenen B\u00fccherschr\u00e4nke gefunden.<\/p>\n<p>Das Cover ist mir dabei wahrscheinlich aufgefallen und vielleicht auch der Name, ich suche mir meine B\u00fccher meistens nach den Covern und den Autorennamen aus.<\/p>\n<p>Ob ich da schon kombinierte, da\u00df ich, als Kind einmal zu Weihnachten sein &#8220;Aufruhr in Salzheim &#8211; Ein Roman f\u00fcr die Jugend&#8221; geschenkt bekommen habe und von der Geschichte der beiden Gauner, die mit einem falschen Tausendschillingschein eine ganze Kleinstadt lahmlegten, schwer begeistert war, kann ich nicht sagen.<\/p>\n<p>Jetzt habe ich den &#8220;Adam&#8221; ein Buch eines in Wien Geborenen, der in Salzburg gestorben ist, also gelesen und kann den sp\u00e4rlichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erich_Landgrebe\">&#8220;Wikipedia-Angaben&#8221;<\/a>, Landgrebe ist ja inzwischen, glaube ich, so gut wie vergessen und seine B\u00fccher h\u00f6chstwahrscheinlich nur mehr in den Schr\u00e4nken, Antiquariaten oder Archiven zu finden, nicht entnehmen, wann es geschrieben wurde und die fr\u00fcher erschienenen B\u00fccher haben oft keine Zeitangaben. Da gab es ja einmal einen Krieg. Ist das Buch vorher oder sp\u00e4ter geschrieben worden? Dem Inhalt nach kann man es nicht erkennen, denn dort findet soetwas nicht statt.<\/p>\n<p>Ich habe jedesfalls eine &#8220;Donauland-Ausgabe&#8221; mit dem Copyright von 1954 und da steht im Klappentext, den es da wunderbarer Weise schon gibt, da\u00df es sich bei dem Buch, um eine Neubearbeitung handelt und Landgrebe seinen Adam also wieder und neuerlich in die Stadt schickt.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte ich\u00a0 damals im Archiv erfragen k\u00f6nnen, auf welche Ausgabe ich noch schauen soll. Bei &#8220;Wikipedia&#8221; steht jedefalls auch etwas von einer sehr fr\u00fchen NSDAP-Mitgliedschaft, da\u00df sich Landgrebe nach dem Krieg davon distanzierte und, da\u00df er Freunde wie Weigel, Doderer und Matejka hatte, die ihn f\u00f6rderten und st\u00fctzten.<\/p>\n<p>Nun denn hinein in das Buch, das f\u00fcr den am heutigen Schreibstil gewohnten etwas schwierig zu lesen ist, denn Landgrebe spielt sehr mit dem Raum zwischen Phantasie und Wirklichkeit und es auch nicht ganz einfach herauszufinden, was er damit sagen will?<\/p>\n<p>Ist es ein Lob\u00a0 auf das K\u00fcnstlerlleben und eine Paradies auf das b\u00fcrgerliche Beamtentum, wo die Menschen in stregen Regeln mit \u00c4rmelschonern und Stempeln herumlaufen und das wirkliche Leben dabei vers\u00e4umen?<\/p>\n<p>Wenn das so ist, geht das Buch vielleicht zu schlecht aus, denn die Seifenblasen zerplatzen ja irgendwie und Adam, hat zwar einen Romanpreis gewonnen, sein M\u00e4dchen aber verloren, weil beide nie ehrlich zueinander sein konnten und sich immer etwas vormachen mu\u00dften.<\/p>\n<p>Nun denn genug der Vorreden. Da liegt einer auf einer Wiese mit einem Zeitungsartikel in dem steht, da\u00df er von der Polizei gesucht wird, weil er etwas angez\u00fcndet haben soll. Also f\u00e4lscht er seine Papiere, radiert den richtigen Namen aus und nennt sich fortan Adam, damit er nicht gefunden wird und zieht als Vagabund mit dem Rucksack herum.<\/p>\n<p>Man erf\u00e4hrt auch noch, da\u00df der falsche Adam aus einem b\u00fcrgerlichen Leben gekommen ist, Familie und einen Beruf hatte, aber wegen einem untreuen M\u00e4del mit dem Rucksack hinausgezogen ist, dort ist er zwar auch nicht immer ganz treu geblieben, sondern hat so manche Magd am Heustadel genommen und sie daf\u00fcr gezeichnet, man sieht die autobiografischen Elemente, w\u00fcrde ich mal vermuten, denn auch einen Roman hat er vorher schon geschrieben und an eine Zeitungsredaktion geschickt.<\/p>\n<p>Jetzt zieht er also herum und es kommt der Winter, die Zeit also, wo die Landstreicher irgendetwas stehlen, damit sie erwischt werden und den Winter warm auf Staatskosten \u00fcberleben k\u00f6nnen. Adam tut das nicht, er geht in die Stadt. Ob Wien damit gemeint ist, wei\u00df ich nicht, w\u00fcrde ich aber vermuten, Salzburg erscheint mir zu klein dazu. da wird er an der Stadtgrenze gleich von zwei Gaunern erwartet, die ihm sein Erspartes, das er noch hat, abkn\u00f6pfen wollen. Adam ist aber, obwohl er so naiv wirkt, schlauer und zieht am Ende mit dem im Falschspiel gewonnenen Geld davon.<\/p>\n<p>Er mietet sich in ein Zimmer ein, sucht sich einen Job als Kinorollen\u00fcbertrager, ja das gab es damals offenbar, Pendler, steht im Buch. Dazu braucht er allerdings ein Motrrad, das er sich billig kauft, so ganz glatt ist es mit seiner Mittellosikgeit also doch nicht und er lernt auch gleich ein M\u00e4dchen, seine Sibylle,Tochter aus guten Haus, die einen lieben Papa hat und eine Mama, die den leider mit einem Gecken betr\u00fcgt, kennen. Vielleicht ist das die Ursache, da\u00df Adam und Sibylle nicht zusammenkommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie l\u00e4dt ihn jedenfalls zu einem Tee ein, ich habe ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/22\/das-bildnis-einer-verschollenen\/\">schon geschrieben<\/a>, da\u00df ich mich wundere, wie freiz\u00fcgig man\u00a0 in den alten B\u00fcchern war, dort lernt er Prinz Jeremias, den Luftk\u00f6nigaufschneider und Rudolf, einen Malen, der eine Eisenhandlung \u00fcbernehmen mu\u00df, kennen.<\/p>\n<p>Prinz Jeremias oder Jeremias Prinz, wie er wirklich hei\u00dft, ist ein armer Teufel, einer von denen, die im Amt mit dem \u00c4rmelschoner herumlaufen, lebt aber in seiner Traumwelt und flunkert allen alles vor. Metrostationen in Paris beispielsweise, die nach irgendwelchen Adeligen hei\u00dfen,\u00a0 G\u00fcter oder Fabriken, die er bald als Direktor \u00fcbernehmen wird, dabei hat er kein Geld die Ringe zu bezahlen, die er seiner Inge, einer Gutstochter zur Verlobung schenken will. Die ist ihm aber \u00fcber, nimmt sich alle M\u00e4nner und luchst am Ende Adam noch das Auto ab, das er sich von dem Geld kaufte, das er mit dem Los gewonnen hat, das Jeremias ihm einmal schenkte und den gewonnenen Betrag partout nicht zur\u00fccknehmen will, denn er lebt ja in seiner Traumwelt und will von der Wirklichkeit nicht wissen.<\/p>\n<p>Da merkt man schon, wie das Buch, beziehungsweise Erich Landgrebe gestrickt ist, schade, da\u00df ich nicht wei\u00df, wann er es geschrieben hat und wie er dazu gekommen ist, die Welt so zu sehen und nat\u00fcrlich ist es ein sch\u00f6ner Traum, sich einfach durch den Tag zu leben, einfach seine Papiere zu f\u00e4lschen und sich damit eine Motorrad und sogar ein Auto zu kaufen und wenn man keinen Job hat, geht man zu einem Gesch\u00e4ft hin und putzt ungefragt die Fenster.<\/p>\n<p>Heute w\u00fcrde das in Zeiten der Hochsicherheitssysteme ind Identit\u00e4tskarten nicht gehen, damals war es offenbar anders, aber Adam und Sibylle, ich habe es schon geschrieben, kommen nicht zusammen. Sie erleben zwar in einem Hotel ihr Hochzeitsessen, aber immer wenn er sie besuchen will, l\u00e4\u00dft sie sich verleugnen, obwohl sie ihn liebt, ihn sogar Handschuhe schickt, damit er, wenn er seine Kinorollen ausf\u00e4hrt, keine klammen Finger bekommt.<\/p>\n<p>So ist das Leben bei Erich Landgrebe und die W\u00fcnsche, die vielleicht ein Krieg und ein falsches Heilversprechen verst\u00f6rt haben?<\/p>\n<p>Adam verl\u00e4\u00dft jedenfalls, als der Fr\u00fchling wieder kommt, die Stadt und da trifft er dann den Landstreicher wieder, der ihm damals vernadert hat, er hat auch wieder einen Zeitungsartikel f\u00fcr ihn. Nur diesmal steht nichts von der Bradtstiftung sondern &#8220;Gesucht &#8230; steltsamer Steckbrief&#8230; der Preistr\u00e4ger des gro\u00dfen Wettbewerbes &#8212; unter falschen Namen als Gelegenheitsarbeiter &#8230; gro\u00df, dunkelblond, graue Augen&#8230; zweckdienliche Angaben&#8230;&#8221; darin.<\/p>\n<p>Und Adam geht weiter: &#8220;Wind weht \u00fcber die Wege. Gro\u00dfes und Kleines wirft er drucheinander. Mist, Spreu, Samen &#8211; und manchmal ist eine Blume darunter. Und die Menschen gehen dazwischen und berechnen das Ihre und schwanken zwischen drohendem Gef\u00e4ngnis und Ehrungen, ahnungslos &#8211; wie wir alle.&#8221;<\/p>\n<p>So schlie\u00dft das Buch und Erich Landgrebe entnehme ich weiter &#8220;Wikipedia&#8221; hat sich sp\u00e4ter haupts\u00e4chlich, als Maler bet\u00e4tigt. Ein buch \u00fcber Vang Gogh hat er auch geschrieben, das noch auf meinen B\u00fccherstapel liegt.<\/p>\n<p>Vielleicht komme ich bei meinem n\u00e4chsten Salburg-Aufenthalt dazu es zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich suche mir seit einiger Zeit f\u00fcr meine &#8220;Reisen&#8221; ja immer die n\u00f6tige Reiselekt\u00fcre aus, f\u00fcr die Salzburg-Lesung also Salzburg B\u00fccher, wie sie beispielsweise, die von Margot Koller sind, da habe ich mir diesmal &#8220;Alle Wege f\u00fchren&#8230;zum Wasser&#8221; mitgenommen und &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=49636\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[550,1781,5002],"class_list":["post-49636","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher-lesen","tag-erich-landgrebe","tag-salzburg-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49636","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49636"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49636\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}