{"id":4975,"date":"2010-11-28T18:58:42","date_gmt":"2010-11-28T17:58:42","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4975"},"modified":"2010-11-28T18:58:42","modified_gmt":"2010-11-28T17:58:42","slug":"erich-fried-preis-2010","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4975","title":{"rendered":"Erich Fried Preis 2010"},"content":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chste November Fixpunkt ist die Verleihung des internationalen Erich Fried Preises, der seit 1989 oder 1990  von der Erich Fried Gesellschaft  in Verbindung mit dem Bundesministerium f\u00fcr Unterricht und Kunst vergeben wird. So weit ich mich erinnern kann, findet die Veranstaltung im Literaturhaus statt, ein Jahr in Verbindung mit einem Symposium, das Jahr darauf nur die Preisverleihung mit Laudatio und der Lesung des Preistr\u00e4gers oder Jurors. Das Besondere an dem Preis ist, da\u00df immer nur ein Juror f\u00fcr die Auswahl verantwortlich ist.<br \/>\nDerzeit ist Heinz Lunzer, der ehemalige Literaturhausleiter, der Pr\u00e4sident. Rolf Schwendter war das schon und um die Mitgliedschaft kann man sich nicht bewerben, sondern mu\u00df ausgew\u00e4hlt werden.<br \/>\nMitglieder sind Ilse Aichinger, Klaus Amann, Marcel Beyer, Elisabeth Borchers, Paolo Chiarini, Anne Duden, Gustav Ernst, Julia Franck, Kurt Groenewold, Sabine Groenewold, Josef Haslinger, Christoph Hein, Walter Hinderer,  Karin Ivancsics, Elfriede Jelinek, Inge Jens, Volker Kaukoreit, Alfred Kolleritsch, Gy\u00f6rgy Konrad, Gila Lustiger, Beatrice von Matt, Friederike Mayr\u00f6cker, Robert Menasse, Adolf Muschg, Doron Rabinovici, Robert Schindel, Susanne Sch\u00fcssler, Rolf Schwendter, Ursula Seeber, Christine Weiss, Herbert J. Wimmer und Christa Wolf.<br \/>\nDer heurige Juror Urs Widmer hat sich f\u00fcr Terezia Mora als Preistr\u00e4gerin entschieden. Den 1938 in Basel geborenenen Urs Widmer habe ich erst am Donnerstag in der Alten Schmiede bei f\u00fcnfzig Jahre Mansuskripte geh\u00f6rt. Gestern hat er im Rahmen des Fried Preises im Literaturhaus aus seinem Roman &#8220;Herr Adamson&#8221; gelesen. Das h\u00e4tte mich interessiert, davon voriges Jahr einiges beim  Frankfurter Buchmessen Surfen h\u00f6rte. Wir sind aber am Freitag nach Harland gefahren, da es gestern Nachmittag den Fototreff von Alfreds Wandergruppe gab.<br \/>\nDa ich aber regelm\u00e4\u00dfig zur Erich Fried Preisverleihung, seit sie im Literaturhaus und nicht im Akademietheater, wozu man Karten haben mu\u00dfte, gehe, sind wir heute fr\u00fch zur\u00fcckgefahren und ich hatte an Heinz Lunzer, bzw. Volker Kaukoreit, mit dem ich 2001 einen gemeinsamen Interviewtermin bei Radio Orange hatte, ein Anliegen.<br \/>\nHat mir n\u00e4mlich Alfred in Leipzig Reiner Kunzes Gespr\u00e4chsband &#8220;Wo Freiheit ist&#8230;&#8221;, gekauft und da wird auf S189 von einer 1991 in Wien stattgefundenen Erich Fried Tagung berichtet, auf der eine \u00f6sterreichische Politikerin w\u00f6rtlich &#8220;Mit dem Fall der Mauer hat die Verfolgung der Schriftsteller und Intellektuellen angefangen&#8230;&#8221; begr\u00fc\u00dfte und niemand der anwesenden namhaften Autoren hat widersprochen, was Rainer Kunze sehr emp\u00f6rte.<br \/>\nDar\u00fcber h\u00e4tte ich gern mehr gewu\u00dft, aber weder Volker Kaukoreit, noch Heinz Lunzer und auch nicht Rolf Schwendter, den ich schon fr\u00fcher danach fragte, konnten mir was sagen.<br \/>\nIch bin aber ein bi\u00dfchen mit Frau Lunzer, neben der ich gesessen bin, ins Gespr\u00e4ch gekommen und habe mich auch mit Franz Koller unterhalten. Dann hat die Begr\u00fc\u00dfung durch Heinz Lunzer, Robert Stocker und Robert Huez angefangen. Es folgte die Laudatio von Urs Widmer, die damit begann, da\u00df er, als die Aufforderung in diesem Jahr der alleinige Juror zu sein, nicht lange \u00fcberlegen mu\u00dfte, sondern sofort an Terezia Mora dachte, hatte er doch ihren Roman &#8220;Der einzige Mann auf dem Kontinent&#8221; gelesen und war begeistert.<br \/>\nDieser stand voriges Jahr auf der Longlist zum deutschen Buchpreis, handelt von  der New Economy, der Liebe und dem Computerspezialisten Darius Kopp aus dem ehemaligen Osten, der als einziger Mann auf dem Kontinent einer amerikanischen Firma in einem B\u00fcrohaus ein Zimmer hat, mit seinen Chefs nur in telefonischer Verbindung steht und dessen Welt, in dem in acht Tagen und N\u00e4chten erz\u00e4hlten Roman, durch einen Koffer Geld u. a. geh\u00f6rig durcheinander ger\u00e4t.<br \/>\nIch w\u00e4re vorigen November fast zu einer Lesefestwochenlesung der Buch-Wien ins Cafe Korb gegangen.<br \/>\nUrs Widmer lobte die Sprache, meinte Terezia Mora w\u00e4re darin Spezialistin und w\u00fcrde sowohl den Alltagsslang, als auch technische Spezialsprachen beherrschen.<br \/>\nTerezia Mora wurde 1971  in Sopron geboren und lebt seit 1990 in Berlin. 1999 hat sie den Bachmannpreis gewonnen, es gibt noch den Roman &#8220;Alle Tage&#8221; und den Erz\u00e4hlband &#8220;Seltsame Materie&#8221;, die von Urs Widmer ebenfalls gelobt wurden.<br \/>\nAnschlie\u00dfend kam die Festrede &#8220;Die Worte noch halbwegs zusammenf\u00fcgen&#8221;, die nach einem Erich Fried Zitat benannt wurde, in der Terezia Mora von ihrer genauen Sprache erz\u00e4hlte.<br \/>\nSeit zwei Jahren soll sie schon ihren neuen Roman beginnen, wird aber von den vielen Eindr\u00fccken, die eine Schreibende umgibt, daran gehindert und das ist mir ja ebenfalls bekannt. Wenn sie auf die Stra\u00dfe geht, sieht sie den Filialleiter ihres Supermarkts die Zigarettenbeh\u00e4lter leeren, bzw. einen Obdachlosen aus einem Geldabheberaum entfernen und mu\u00df diese Eindr\u00fccke so verdichten und entfremden, damit ein neuer Roman mit einer sch\u00f6nen Sprache, der uns ein bi\u00dfchen was von unserer seltsamen Welt erfahrbar macht, entsteht.<br \/>\nMir hat die Rede sehr gefallen, der Dame, die ich \u00f6fter bei Literaturveranstaltungen treffe, weniger, ihr war es nicht abgehoben genug. Aber wenn ich ins Literaturhaus gehe, komme ich auch an einer Bankfiliale vorbei und da h\u00e4lt sich auch gelegentlich ein Obdachloser auf, \u00fcber den zu schreiben ich mir vorstellen k\u00f6nnte&#8230;<br \/>\nIch habe schon wieder Schreibepl\u00e4ne, das hei\u00dft ein vorl\u00e4ufiger Arbeitstitel &#8220;F\u00fcnf, sechs W\u00fcnsche, nicht mehr!&#8221;, ist mir da gestern Nacht eingefallen. Das w\u00fcrde aber realistisch werden und eine Handlung haben. Zwei Schwestern n\u00e4mlich, von denen eine nach ihrer Pensionierung oder Ausscheiden aus dem Arbeitsleben mit einem Bus durch \u00d6sterreich oder Europa f\u00e4hrt, w\u00e4hrend die andere zu Hause, die B\u00fccherschrankb\u00fccher liest und dar\u00fcber k\u00f6nnten sie per  e-mail kommunizieren.<br \/>\nSo weit, die Idee, bis zur Umsetzung, ist noch Zeit und das Literaturhaus war sehr voll mit festlichen Besuchern. Eleonore Zuzak und ihren Bruder habe ich getroffen, die mir von ihrer erfolgreichen Literaturhauslesung am Mittwoch erz\u00e4hlte. Mit Gustav Ernst habe ich ein bi\u00dfchen \u00fcber das realistische Schreiben gesprochen und wie es einem Priessnitz-Juror damit geht. Rolf Schwendter hat mir das Programm zu seiner  n\u00e4chsten Marathonveranstaltung gegeben, da ich dort ja gern hingehe.<br \/>\nEs gab Sekt, Wein, Knabberstangen und wei\u00dfgedeckte Stehtische im Vorraum auf denen man das genie\u00dfen konnte. Das Literaturhaus hat ja  seit  Herbst ein neues Design. So fehlte auch das ber\u00fchmte Fried Bild von Heide Heide.<br \/>\nEs gab aber die Vicki Baum Ausstellung &#8220;Weekend at the Waldorf&#8221; oder &#8220;Menschen im Hotel&#8221;, die Ursula Seeber zusammenstellte, die ebenfalls anwesend war und morgen gibt es noch was Neues, n\u00e4mlich eine von der Angewandten mitorganisierte Lesart der Sprachkunst genannte Lesung, damit wie Robert Schindel erkl\u00e4rte, die Studenten in Kontakt mit interessanten Autoren kommen, von Terezia Mora aus dem &#8220;Einzigen Mann  auf dem Kontinent&#8221;, die ich mir inzwischen angeh\u00f6rt habe und bei der die Autorin launig aus zwei Kapiteln las.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/11\/09\/geteiltes-wochenende\/\">Hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/29\/erich-fried-preis-09\/\">hier<\/a> ein bi\u00dfchen was aus dem Literaturgefl\u00fcsterarchiv.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chste November Fixpunkt ist die Verleihung des internationalen Erich Fried Preises, der seit 1989 oder 1990 von der Erich Fried Gesellschaft in Verbindung mit dem Bundesministerium f\u00fcr Unterricht und Kunst vergeben wird. 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