{"id":49766,"date":"2017-02-16T00:05:41","date_gmt":"2017-02-15T23:05:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=49766"},"modified":"2017-02-16T00:05:41","modified_gmt":"2017-02-15T23:05:41","slug":"unter-der-sonne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=49766","title":{"rendered":"Unter der Sonne"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder etwas ganz Altes, n\u00e4mlich Daniel Kehlmanns, 1998 bei &#8220;Deuticke&#8221; erschienener Erz\u00e4hlband &#8220;Unter der Sonne&#8221;, da war der 1975 in M\u00fcnchen geborene und in Wien aufgewachsene Sohn des ber\u00fchmten Regisseurs Michael Kehlmann, gerade dreiundzwanzig.<\/p>\n<p>&#8220;Beerholms Vorstellungen&#8221;, das ich mir einmal in einem Antiquariat in der Kirchengasse, um drei\u00dfig Cent kaufte, war da schon erschienen und das Buch stammt aus einem der B\u00fccher-T\u00fcrme der &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221;, wo ich mir ja damals viel mitnahm und langsam aufzulesen versuchte, als ich mir vor ein paar Jahren alle meine ungelesene B\u00fccher auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/02\/aufgeraumt-und-angeschrieben\/\">meine Leseliste <\/a>schrieb. Die habe ich im vorigen Herbst mitten meines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/23\/ueberraschende-longlisttitel\/\">Buchpreislesens<\/a>, als sich die Rezensionsexemplare t\u00fcrmten und ich sah, da\u00df ich sie nicht, schaffte, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/31\/zurueckgeschaut\/\">wieder umge\u00e4ndert<\/a>.<\/p>\n<p>&#8220;Unter der Sonne&#8221; ist daraufgeblieben und das Buch passt jetzt auch ganz gut, wurde gerade ein Theaterst\u00fcck von Daniel Kehlmann, der ja inzwischen aufgestiegen und ber\u00fchmt geworden ist, in der Josefstadt aufgef\u00fchrt, deshalb war er auch in der Sendereihe im Gespr\u00e4ch und eine Frage beim \u00d61-Quiz und ich habe von den noch nicht so ber\u00fchmten Kehlmann &#8220;Der fernste Ort&#8221;, 2001, bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; sowie in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; geh\u00f6rt und die dabei gemachten Erfahrungen in meiner <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_dorafaust.html\">&#8220;Viertagebuchfrau&#8221;<\/a> verarbeitet.<\/p>\n<p>Dann kam 2003 &#8220;Ich und Kaminsky&#8221;, alles schon bei &#8220;Suhrkamp&#8221; erchienen und der kleine \u00f6sterreichische &#8220;Deuticke&#8221; und inzwischen &#8220;Hanser-Ableger&#8221; leidet ja noch immer, da\u00df der gro\u00dfe Khelmann ihn verlassen hat, obwohl schon ein Vertrag, f\u00fcr dann bei einem anderen Verlag erschienenes Buch, geplant oder vorhanden war.<\/p>\n<p>Nun ja, die &#8220;Vermessung der Welt&#8221; erschien 2005 bei &#8220;Rowohlt&#8221; und machte den Autor schlagartig mit einem historischen Roman ber\u00fchmt, interessant, bei dem Radiointerwiew sagte er, da\u00df er in seinem Literaturstudium gelernt hat, da\u00df man ja nicht, unter gar keinen Umst\u00e4nden mehr einen historischen Roman schreiben d\u00fcrfe und dann kam vielleicht auch ein Knick, denn die sp\u00e4teren Werke sind m\u00f6glicherweise nicht mehr so erfolgreich oder bekannt geworden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/30\/ruhm\/\">&#8220;Ruhm&#8221;<\/a> habe ich jedenfalls gelesen und den Roman &#8220;F&#8221; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/25\/die-longlist-leseproben\/\">2013, als ich noch nicht so buchpreisbloggte auf der LL<\/a> des dBps und jetzt ein Griff zu den Anf\u00e4ngen und die sind, ich schreibe es gleich, sehr interessant.<\/p>\n<p>Richtig, etwas habe ich noch vergessen. In einer der aus Leseproben zusammengeknipsten Gratisb\u00fccher zum Welttag des Buches des Hauptverbands, war einmal eine Kehlmann-Geschichte, die mich sehr beeindruckt hat, sonst w\u00fcrde ich den inzwischen auch nicht mehr so ganzen jungen Mann ja eher f\u00fcr einen sehr eifrigen und ehrgeizigen Schreiber halten, der vielleicht auch gut gef\u00f6rdert wurde und jetzt sind diese Kurzgeschichten, die ich ja gar nicht so gerne lese, auch h\u00f6chst eindrucksvoll.<\/p>\n<p>&#8220;Bankraub&#8221; hei\u00dft die erste und da wacht ein h\u00f6chst mittelm\u00e4\u00dfiger junger Mann mit einem ganz gew\u00f6hnlichen Leben, der eine kleine Wohnung hat, gerne B\u00fccher liest, aber sonst keine Interessen, auf und hat, als er seinen Bankauszug ansieht, pl\u00f6tzlich durch einen Irrtum ein paar Millionen auf dem Konto. Er hebt sie ab, bekommt sie sonderbarer Weise auch gleich in einem Koffer, nimmt ein Taxi, f\u00e4hrt zum Flughafen und dann an einemfernen Ort, um dort ein neues Leben zu beginnen.<\/p>\n<p>Geht wahrscheinlich und passiert auch in Echtzeit nicht, ist aber sicher der Traum des kleinen Mannes und sehr gut und sehr pr\u00e4zis erz\u00e4hlt, das ist wahrscheinlich auch Daniel Kehlmanns St\u00e4rke.<\/p>\n<p>&#8220;T\u00f6ten&#8221; hei\u00dft die zweite und erz\u00e4hlt von genausoviel Mittelm\u00e4\u00dfigkeit, vielleicht auch ein Kehlmann Thema.<\/p>\n<p>Sommerferien, irgendwo in einer Gartensiedlung, ein gelangweilter Vierzehnj\u00e4hriger\u00e4rgert sich \u00fcber den Hund des Nachbarn, schnappt im rennenden Fernseher ein paar S\u00e4tze \u00fcber das B\u00f6se im Menschen auf, geht auf die Stra\u00dfe findet einen Ziegelstein, schmei\u00dft ihn auf ein Auot, geht zur\u00fcck, klaut der Mutter Wurst aus dem K\u00fchlschrank, vermischt sie mit Rattengift, f\u00fcttert den Hund damit und die Mutter fragt beim Essen &#8220;Wunderbares Wetter, nicht. Genau richtig f\u00fcr die Ferien. War das nicht ein sch\u00f6ner Vormittag?&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Doch!&#8221;, sagte er dann, &#8220;doch ja. Er war ziemlich gut!&#8221;.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich noch beeindruckender die Titelgeschichte, in der ich\u00a0 Vorstudien f\u00fcr &#8220;Ich und Kaminski&#8221; vermute, denn da geht ein, wahrscheinlich, wie Kehlmann sagen will, wieder mittelm\u00e4\u00dfiger Literaturdozent auf die Suche nach seinem Idol, der hei\u00dft Bonvard und ist ein schon verstorbener Dichter, der einen Roman oder eine Trologie unter dem Titel &#8220;Unter der Sonne&#8221; geschrieben hat und Kramer, so hei\u00dft der erfolgllose Dozent hat sein ganzes Leben ihm gewidmet. Seine B\u00fccher gelesen, vielleicht wegen ihm Literaturwissenschaft studiert, Diplomarbeit, Dissertation, jetzt die Habilitation, die in einem mittelm\u00e4\u00dfigen Verlag erscheinen soll, allles ihm gewidmet. Er hat ihm auch \u00f6fter Briefe geschrieben und ihm seine Verehrung ausgedr\u00fcckt, keine Antwort, der Sekret\u00e4r des Ber\u00fchmtes hat die Briefe wohl alle weggeschmissen. Jetzt soll das Buch &#8220;Bonvards Grab&#8221; hei\u00dfen. Ein Foto von desselben ist aber nicht aufzufinden. So reist der Wissenschaftler in der Sommerhitze, an den kleinen franz\u00f6sischen Ort, wo der Dichter lebte, hetzt einen Berg hinauf auf den Friedhof, um vom G\u00e4rtner dort zu erfahren, das Grab liegt in einem anderen Ort. Er f\u00e4hrt dorthin, aber der Zug ist ein schneller, der nicht stehen bleibt, sondern direkt nach Paris f\u00e4hrt, wo der Wissenschafter auch am Abend einen Vortrag halten mu\u00df. Jetzt erkennt er seine Mittelm\u00e4\u00dfigkeit und f\u00e4ngt im Zug zu weinen an und der Schaffner geht betreten hinaus.<\/p>\n<p>Nun, das ist vielleicht ein wenig \u00fcbertrieben und was soll eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/24\/vierzig-jahre-matura-vierzig-jahre-schreiben\/\">seit \u00fcber vierzig Jahren erfolglos Schreibende<\/a>, der \u00f6fter von ihren Kriikern geraten wird, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/23\/unverstaendlich-schreiben\/\">doch endlich damit aufzuh\u00f6ren<\/a>, zu dem Text eines Zwanzigj\u00e4hrigen sagen, der inzwischen viel h\u00f6her aufgestiegen ist?<\/p>\n<p>Den Nobelpreis, den Bonvard \u00fcberm\u00fctig ablehnte &#8220;Solche Ehrungen der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit ben\u00f6tige ich weder k\u00fcnstlerisch noch finanziell&#8221;, hat er aber noch nicht und wird ihn vielleicht auch nicht bekommen, denn wir haben ja schon eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/20\/elfriede-jelineks-siebzigster-geburtstag\/\">Nobelpreistr\u00e4gerin <\/a>und Deutschland, wo Kehlmann jetzt wieder zu leben scheint, hat die auch schon und so f\u00fcge ich nur hinzu, da\u00df ich auch einmal an einem sehr hei\u00dfen Sommertag auf den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/15\/grinzinger-friedhof\/\">Grinziger Friedhof <\/a>hinausgegangen bin und w\u00e4hrend die anderen in wahrscheinlich fr\u00f6hlicher Runde beim Leichenschmaus sa\u00dfen, vergeblich das Grab unseres Idols<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\"> Thomas Bernhard <\/a>suchte und es auch nicht gefunden habe, aber ich bin ja eigentlich kein Fan der gro\u00dfen Meister und also auch von diesem nicht.<\/p>\n<p>Mit der genauen Beschreibung der Sinnlosigkeit des durchschnittlichen Lebens beziehungsweise dessen Extremsituationen geht es weiter.<\/p>\n<p>In &#8220;Aufl\u00f6sung&#8221; verschwindet einer in die Psychiatrie, weil er die Zeit verliert. in &#8220;Pyr&#8221; legt ein Pyromane seinem Autor die Liebe zum Feuer in die Feder und in &#8220;Schnee&#8221; verschwindet der Direktor einer Firma in den wei\u00dfen Massen und erlebt ein nie geahntes Gl\u00fccksgef\u00fchl dabei.<\/p>\n<p>Wie schon gewu\u00dft, sehr pr\u00e4zise und genau erz\u00e4hlt &#8220;Ein Fall von fr\u00fcher Meisterschaft&#8221;, schrieb die &#8220;Abendzeitung am Buchr\u00fccken.<\/p>\n<p>Wir wissen\u00a0 nun inzwischen, wie es mit Daniel Kehlmanns Begabung weitergegangen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder etwas ganz Altes, n\u00e4mlich Daniel Kehlmanns, 1998 bei &#8220;Deuticke&#8221; erschienener Erz\u00e4hlband &#8220;Unter der Sonne&#8221;, da war der 1975 in M\u00fcnchen geborene und in Wien aufgewachsene Sohn des ber\u00fchmten Regisseurs Michael Kehlmann, gerade dreiundzwanzig. &#8220;Beerholms Vorstellungen&#8221;, das ich &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=49766\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[550,1259,1408,1837],"class_list":["post-49766","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher-lesen","tag-daniel-kehlmann","tag-deuticke","tag-erzaehlungen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49766"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49766\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}