{"id":49802,"date":"2017-02-17T00:26:52","date_gmt":"2017-02-16T23:26:52","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=49802"},"modified":"2017-02-17T00:26:52","modified_gmt":"2017-02-16T23:26:52","slug":"mein-schlimmster-schoenster-sommer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=49802","title":{"rendered":"Mein schlimmster sch\u00f6nster Sommer"},"content":{"rendered":"<p>Im &#8220;Aufbau-Verlag&#8221; ist gerade als Spitzentitel ein Roman der 1970 geborenen Unternehmensberaterin Stefanie Gregg erschienen, die jetzt nur noch f\u00fcrs Schreiben in der N\u00e4he von M\u00fcnschen lebt und die Inhaltsangabe war eine, die mich sofort faszinierte.<\/p>\n<p>Geht es da ja auch um eine Unternehmensberaterin namens Isabell, die vom Krankenhaus mit einer Krebsdiagnose, eine M\u00e4nnerfaust im Bauch, kommt, sich einen gelben Campingbus kauft und damit f\u00fcr vierzehn Tage\u00a0 in die Provence fahren wird.<\/p>\n<p>Das erscheint mir doch bekannt, habe ich doch in &#8220;Und Trotzdem&#8221; etwas \u00e4hnliches mit dem Rad ans schwarze Meer beschrieben und in &#8220;Im Namen des Vaters&#8221; geht es um die Behandlungsverweigerin und Campingbusse mit denen pensionierte oder auch betrogene Frauen um die Welt oder nach Kroatien fahren, gibt es bei mir auch.<\/p>\n<p>Meine Romane interessieren aber niemanden, sind angeblich schlecht geschrieben, also der Meisterin mit der Startauflage von zwanzigtausend Exemplaren \u00fcber die Schulter gucken und das Themas ist ja auch sehr interessant, werden Krebsdiagnosen ja t\u00e4glich gestellt und was macht man dann, Chemo, Strahlentherapie, Operationen oder f\u00e4hrt man ihm davon und verschwindet der dann auch wirklich, wenn man das tut?<\/p>\n<p>Das Buch ist rassant und flott geschrieben, verbl\u00fcfft aber immer wieder durch Zickzackwendungen, die vielleicht auch die Ratlosigkeit in einer solchen Extremsituation ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Zuerst spielt Isabell, die jetzt vierzehn Tage Urlaub hat, wie ihr der freundliche Arzt emfiehlt, bevor es unter das Messer geht, mit\u00a0 der Kirsche, dem Tennisball, dem Taubenei in ihrem K\u00f6rper, dann f\u00e4hrt sie im Taxi davon und sieht auf einmal einen gelben Campingbus auf der Stra\u00dfe stehen, zu verkaufen steht darauf, sie steigt aus, ruft an, ein Typ mit Rasterlocken meldet sich und will 2800 Euro haben, sie gibt ihm zweitausend f\u00fcr vierzehn Tage und will gleich einsteigen.<\/p>\n<p>Er mu\u00df aber zuerst nach Freilassing, die Urne seiner Mutter abholen, also f\u00e4hrt er bis dahin mit. Isaell hinterl\u00e4\u00dft ihrem Freund Georg ebenfalls ein Unternehmenberater, das sind die die Leute entlassen und dabei viel Geld verdienen, so da\u00df sie immer in schwarzen Kost\u00fcmen oder Hosenanz\u00fcgen herumlaufen, eine Nachricht auf dem Handy und dieses auf den Tisch und sie fahren los.<\/p>\n<p>Da\u00df sie in die Provence will, weil sie dort einmal eine Seilt\u00e4nzerin gesehen hat, f\u00e4llt ihr noch ein und da\u00df &#8220;Der Himmel \u00fcber Berlin&#8221; ihr Lieblingsfilm ist, also das was man vielleicht klischeehaft nach einer solchen Diagnose macht.<\/p>\n<p>Es kommt aber anders, denn Rasso, das ist der Rastertyp will zuerst die zweitausend Mark bei einer Bank einlegen, richtig einen Hund namens Streuner haben sie inzwischen auch gefunden und aus der Bank kommt pl\u00f6tzlich ein Bankr\u00e4uber gesprungen und flieht \u00fcber die D\u00e4cher davon.<\/p>\n<p>Die pflichtbewu\u00dfte Isabell will eine Zeugenaussage machen, aber Rasso, der verhinderte Musiker, hat zuf\u00e4llig f\u00fcnf Kilo Haschisch im Auto liegen und rast damit und mit ihr davon.<\/p>\n<p>Sie besteht darauf das Zeug im Wald zu verbrennen und als sie danach zum Auto zur\u00fcckkommen, liegt pl\u00f6tzlich die Tasche mit den erbeuteten Geldscheinen darin und ein seltsamer Guru taucht auch noch auf und nimmt im Bus Platz, weil er die beiden f\u00fcr seine G\u00f6tter h\u00e4lt.<\/p>\n<p>In diesem Moment habe ich gewu\u00dft, was in dem Buch anders, als bei meinen depressiven Frauen, wo angeblich nichts passiert, ist und, da\u00df Stefanie Gregg ihr spannendes Handwerk erlernte oder kann, war einen Moment versucht es wegzulegen oder habe jedenfalls &#8220;Uje!&#8221;, gedacht.<\/p>\n<p>Es geht aber rassant und genauso unlogisch weiter und das kann ich gleich verraten, in die Provence zu den Lavendelfeldern kommt Isabell nie und es kommen auch immer wieder Zwischenkapitel vor, die von dem eigentlich sympathischen Georg, den Isabell sofort vergessen hat, erz\u00e4hlen, wie er dasteht mit dem Handy und der Angst, da\u00df er nichts von seiner Freundin wei\u00df, denn es ruft noch der diensttuende Arzt an und erz\u00e4hlt und das ist vielleicht die Wendung und das Unerwartete daran, denn meine Helga Schwarz wird ja vielleicht am schwarzen Meer gesund, die Veronika stirbt und Isabell hat nicht nur eine M\u00e4nnerfaust im Bauch sondern auch einen Tumor im Kopf und sollte sofort operiert werden.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend Isabell ihren schlimmsten sch\u00f6nsten Sommer erlebt, sich dabei in ihren Traummann verliebt, es ist nicht Rasso, der Hippie, plagen sie immer wieder Schmerzen und die Polizei ist ihnen, beziehungsweise dem verschwundenen Geld, auch auf der Spur.<\/p>\n<p>Im Epilog ist es dann noch einmal unlogisch, denn jetzt ist es ein Jahr sp\u00e4ter und Rasso, der inzwischen zu seiner Caro zur\u00fcckgefunden hat und im Begriff ist, als Musier Karriere zu machen, wird zu einem Notar nach M\u00fcnchen bestellt, um dort noch einmal sehr viel Geld zu bekommen.<\/p>\n<p>Wie die Geschichte mit dem Bankraub ausgegangen ist und woher Isabell auf einmal soviel Geld zum Vererben hatte und was sie nach ihrer Verhaftung machte, erf\u00e4hrt man aber nicht.<\/p>\n<p>Trotzdem spannend und rasant zu lesen, obwohl ich anmerken m\u00f6chte, da\u00df wenn man seinem Krebs davonf\u00e4hrt mit Sicherheit nicht soviel auf einmal passiert und, da\u00df die Taschen mit den Millionen auch nicht so herumfliegen und sich der Bankr\u00e4uber in echt wahrscheinlich auch, um sein Geld gek\u00fcmmert und die beiden verfolgt h\u00e4tte, aber der kommt ja dann nie wieder vor.<\/p>\n<p>Interessant vielleicht auch zu \u00fcberlegen, wie das Buch auf Menschen, die wirklich von dieserDiagnose betroffen sind und es zwischen ihrer Chemotherapie, Operationen und Strahlenbehandlungen lesen, wirkt.<\/p>\n<p>Vielleicht kann da die Absurdit\u00e4t und die rasante Handlung helfen mit dem eigenen\u00a0 Alltag und dessen Schwierigkeiten besser fertig zu werden und ich nehme mir f\u00fcr mein Schreiben mit, zwar bei der Realistik zu bleiben, aber meine Szenen vielleicht auch etwas bunter auszuarbeiten, zuviel Slapstick wird es bei h\u00f6chstwahrscheinlich aber trotzdem nicht geben.<\/p>\n<p>Und zwei Hinweise auf andere B\u00fccher mit Krebsgeschichten gibt<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/01\/die-alteste\/\"> es<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/29\/es-wird-mir-fehlen-das-leben\/\">hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im &#8220;Aufbau-Verlag&#8221; ist gerade als Spitzentitel ein Roman der 1970 geborenen Unternehmensberaterin Stefanie Gregg erschienen, die jetzt nur noch f\u00fcrs Schreiben in der N\u00e4he von M\u00fcnschen lebt und die Inhaltsangabe war eine, die mich sofort faszinierte. 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