{"id":50036,"date":"2017-02-25T10:33:24","date_gmt":"2017-02-25T09:33:24","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=50036"},"modified":"2017-02-25T10:33:24","modified_gmt":"2017-02-25T09:33:24","slug":"musils-moerder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50036","title":{"rendered":"Musils M\u00f6rder"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den Neuerscheinungen, das hei\u00dft, die Erz\u00e4hlung oder Novelle des 1950 geborenen Regisseurs J\u00fcrgen Kaizik, der, wie ich Google entnahm, in den Achtzigerjahren, als ich auch gerade dar\u00fcber schrieb, ein sch\u00f6nes ORF- Portrait \u00fcber Paula von Preradovic, der Bundeshymnensch\u00f6pferin, machte, ist schon im letzten Dezember bei <a href=\"http:\/\/www.braumueller.at\/shop\/catalog\/product_info.php?products_id=2406&amp;osCsid=l1892llclbfdudgjetreoeg0i4&amp;navsection=3&amp;navsection=3\">&#8220;Braum\u00fcller&#8221;<\/a> erschienen, war aber vor einigen\u00a0 Wochen bei den &#8220;Beispielen&#8221; im Radio und Robert Musils ber\u00fchmter Roman von dem alle reden, den aber wahrscheinlich, die wenigsten gelesen haben, habe ich 1974 noch mitten drin in meiner philosophischen Phase im Gartenh\u00e4uschen meiner Eltern, das es wahrscheinlich nicht mehr gibt, in vierzehn Tagen gelesen und nichts verstanden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nicht, als ich das vor ein paar Jahren in der &#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221;, Annas Schulfreundin, Anna L. sagte, die Germanistik studiert hat, hat die den Kopf gesch\u00fcttelt und behauptet, sie h\u00e4tte das getan.<\/p>\n<p>Ja, die jungen Frauen sind selbstbewu\u00dft. Ein zweites Lesen w\u00fcrde ihr aber wahrscheinlich nicht schaden, mir nat\u00fcrlich auch nicht, aber h\u00f6chstpers\u00f6nlich komme ich bei meinen B\u00fccherbergen, die ich mir\u00a0 immer so bereitwillig anh\u00e4ufe, nicht dazu das zu tun.<\/p>\n<p>Der Regisseur und Autor, der, glaube ich, \u00fcber Musil dissertiert hat, hat mir das vielleicht abgenommen oder besser mich ermahnt, das bitte doch zu tun, denn er hat das getan, was mir auch schon im Kopf herumschwirrte, vor einem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/29\/erzaehlband-versus-roman\/\">Jahr zum Beispiel<\/a>, als ich nicht wu\u00dfte, wor\u00fcber ich schreiben soll, er hat eine Figur aus dem Roman heraussteigenlassen und sie mit ihrem Autor konfrontiert.<\/p>\n<p>Im &#8220;Mann ohne Eigenschaften&#8221;, daran erinnere ich mich noch, geht es um einen Ulrich und, um dessen Liebe zu seiner Schwester Agathe. Um den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/25\/radetzkymarsch\/\">Zerfall der Monarchie und das Trauma, das das in dem Autor ausl\u00f6ste<\/a>, geht es wahrscheinlich auch, bei dem erstmals 1930 erschienenen und unvollendet gebliebenen Roman und daran gibt es auch eine Figur eines Frauenm\u00f6rders namens Christian Moosbrugger und die steigt jetzt\u00a0 in Kaiziks Erz\u00e4hlung und eine, die den Roman mit Anfang zwanzig vor vierzig Jahren gelesen hat, kennt sich nicht recht aus.<\/p>\n<p>Bei den &#8220;Beispielen&#8221;, ging es um eine Hedwig, die von ihrem Vater eine Buchhandlung erbte, die Monarchie ist schon zerfallen, sie denkt an den alten Kaiser und liest und liest, den Zauberberg, Hesse, eben das, was damals modern war und erschien und dann den &#8220;Mann ohne Eigenschaften&#8221;.<\/p>\n<p>Da ist sie nicht von dem Ulrich, sondern von dem M\u00f6rder, wie man das ja den Frauen so zuschreibt und ich selber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/19\/jack-unterweger-film-und-open-hause\/\">welche kannte und kenne, die das taten,<\/a> fasziniert und der letzte Satz des Kapitel ist &#8220;Und Hedwig beschlo\u00df zu handeln&#8221;.<\/p>\n<p>Ich habe auch gehandelt und das Buch bestellt und in dem schmalen hundertf\u00fcnzig Seiten B\u00fcchlein, das Kaiziks Doktormutter Marie-Louise Roth gewidmet ist, erz\u00e4hlt der M\u00f6rder selbst und\u00a0 ich habe lange nicht gewu\u00dft und wei\u00df das vielleicht noch immer nicht so genau, ob der Christian Moosbrugger jetzt eine reale Figur ist oder nicht? Aber von irgendwo wird Musil die Idee dazu schon herhaben und jener Moosbrugger beginnt schon im Prolog zu erz\u00e4hlen.Er sitzt im Gef\u00e4ngnis, in der Strafanstalt Garsten vermutlich, hat eine Frau ermordet und das Gericht konnte sich wieder mal nicht einigen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/16\/vom-wahn-zur-tat\/\">zurechnungsf\u00e4hig oder nicht?<\/a><\/p>\n<p>Der M\u00f6rder bestand, wie erst k\u00fcrzlich auch, auf das Erstere und so sitzt er und erz\u00e4hlt und der Kaiser stirbt der Krieg ist aus, es kommen die &#8220;Roten&#8221; ins Gef\u00e4ngnis und singen selbstbewu\u00dft &#8220;Br\u00fcder zur Sonne zur Freiheit&#8221;&#8221; und &#8220;V\u00f6lker h\u00f6rt&#8212;&#8221;<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter werden sie dann kleinlaut und die neue Repubik christlich sozial und dann wird Moodsbrugger entlassen. Hedwig holt ihn ab und gibt sich, was mich noch einmal verwirrte, als die Krankenschwester seiner verstorbenen Mutter aus, dann f\u00fchrt sie ihn ins Cafe Museum und zeigt ihm in der dort anwesenden Dichterunde, Robert Musil und er\u00f6ffnet ihm, sie hat die Buchhandlung verkauft und\u00a0 daf\u00fcr ein Haus in Bayern, das der gelernte Dachdecker reparieren soll. Die beiden ziehen dorthin, Moosbrugger, entdeckt in einen Koffer B\u00fccher, entdeckt den &#8220;Mann ohne Eigenschaften&#8221;, liest darin seinen Namen, stellt Hedwig zur Reee und bringt sie um.<\/p>\n<p>Als zuerst ein Brief von Musil, der inzwischen schon in die Schweiz emigrierte, wir sind jetzt mitten im World War II, an das &#8220;Verehrte Fr\u00e4ulein Hedwig!&#8221;, kommt und dann die Polizei, um das Haus zu durchsuchen, flieht er in die Schweizer Berge.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, er\u00a0 flieht nicht, sondern sucht den Dichter auf, der in \u00e4rmliche Verh\u00e4ltnissen, mit seiner \u00e4lteren Frau Martha, in einem Haus in Genf lebt, mit dem Bildhauer Wotroba, der ebenfalls dort das Exil verbrachte und seine B\u00fcste schuf, befreundet ist und am 15. April 1942, einen Schlaganfall erlitt.<\/p>\n<p>Vorher konfrontiert Kaizik Musil noch einmal mit seiner Figur, was im Buch dann wahrscheinlich zu dem Schlaganfall f\u00fchrt und Moosbruggers Leiche wird mit dem ber\u00fchmten Schihzophrenen-Hirn, wahrscheinlich das damaligen Stait of the Art, auch noch in der N\u00e4he des Tatorts gefunden.<\/p>\n<p>Interessant, interessant und ein bi\u00dfchen verwirrend, wenn eine, wie ich so wenig Ahung von Musils Leben und seinem ber\u00fchmten Roman hat.<\/p>\n<p>Was lernen wir daraus? Den &#8220;Mann ohne Eigenschaften&#8221; lesen. Erstmals oder nochmals, wie auch in einer der beiden schon vorhandenen &#8220;Amazon-Rezensionen steht&#8221;.<\/p>\n<p>Ja, nat\u00fcrlich, etwas besseres als das, gibt es allemal nicht. Aber wann werde ich mir die Zeit nehmen, dazuzukommen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den Neuerscheinungen, das hei\u00dft, die Erz\u00e4hlung oder Novelle des 1950 geborenen Regisseurs J\u00fcrgen Kaizik, der, wie ich Google entnahm, in den Achtzigerjahren, als ich auch gerade dar\u00fcber schrieb, ein sch\u00f6nes ORF- Portrait \u00fcber Paula von Preradovic, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50036\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[907,1099,1395,2912,4861],"class_list":["post-50036","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-braumueller","tag-christian-moosbrugger","tag-der-mann-ohne-eigenschaften","tag-juergen-kaizik","tag-robert-musil"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50036","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50036"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50036\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50036"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50036"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50036"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}