{"id":50048,"date":"2017-02-22T21:45:18","date_gmt":"2017-02-22T20:45:18","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=50048"},"modified":"2017-02-22T21:45:18","modified_gmt":"2017-02-22T20:45:18","slug":"zum-fuenfundsiebzigsten-todestag-von-stefan-zweig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50048","title":{"rendered":"Zum f\u00fcnfundsiebzigsten Todestag von Stefan Zweig"},"content":{"rendered":"<p>Am dreiundzwanzigsten Februar 1942 hat sich Stefan Zweig mit seiner zweiten Frau Charlotte in<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/02\/brasilien\/\"> Brasilien<\/a> das Leben genommen, aus diesem Anla\u00df gab und gab es zwei Veranstaltungen in der &#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221;, n\u00e4mlich am Dienstag die Pr\u00e4sentation des Stefan Zweig-Thomas Mann Briefwechsels, einem sehr umfangreichen und sehr teuren Buch, das von Katrin Bedenig und Franz Zeder herausgegeben wurde.<\/p>\n<p>Der 1948 geborene Gymnasiallehrer Franz Zeder war in der &#8220;Gesellschaft&#8221; und diskutierte mit dem 1954 in Wien geborenen Ulrich Weinzierl, den Band, w\u00e4hrend Manfred M\u00fcller ausgew\u00e4hlte Briefstellen vorlas und von Ulrich Weinzierl ist ja auch das Buch &#8220;Stefan Zweigs brennendes Geheimnis&#8221;, in dem er ihm, glaube ich, homoseuxuelle oder exhibitionistische Neigungen nachweisen will.<\/p>\n<p>Ich habe dieses Buch nicht gelesen, wohl aber zweimal die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/06\/die-welt-von-gestern\/\">&#8220;Welt von gestern&#8221;<\/a> was ich als ein sehr offenes und ehrliches Buch empfunden habe, diesbez\u00fcgliche Neigungen sind mir darin nicht aufgefallen und Tagebucheintragungen diesbez\u00fcglich zu deuten und zu interpretieren, w\u00fcrde ich, auch wenn der Autor, diese nat\u00fcrlich verbrennen oder aufpassen h\u00e4tte k\u00f6nnen, was er hineinschreibt, eigentlich nicht als ein legitimes\u00a0 Mittel halten, einen Autor zu beurteilen, ganz abgesehen davon, da\u00df mir das eigentlich egal ist, ob er jetzt homosexuell war oder nicht.<\/p>\n<p>Vielleicht finde ich das Buch einmal im Schrank, da w\u00fcrde ich ja vorher auch ganz gerne, das von Volker Weidermann noch lieber finden, dann werde ich es lesen und mich diesbez\u00fcglich informieren und weil ich in den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/22\/vorschau-auf-nicht-beruehren-oder-notizen-zur-romanentstehung\/\">&#8220;Ber\u00fchrungen&#8221; <\/a>Stefan Zweig ja in den Himmel schickte und ihn dort mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/01\/biografien\/\">Heimito<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/22\/anne-frank-tagebuch\/\">Fr\u00e4ulein Anne<\/a> immer fr\u00fchst\u00fccken lassen, habe ich mich ja im vorigen Jahr sehr intensivi in sein Werk eingelesen, den Film <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/20\/vor-der-morgenroete\/\">&#8220;Vor der Morgenr\u00f6te&#8221;,<\/a> die das brasilianische Exil bis zum Selbstmord schildert, habe ich auch gesehen und w\u00fcrde mich, obwohl ich nat\u00fcrlich keine solche Expertin, wie die beiden schon erw\u00e4hnten Herren bin, schon als ein bi\u00dfchen kompetent betrachten.<\/p>\n<p>Die &#8220;Gesellschaft&#8221; war auch erstaunlich voll, sehr viel Publkum, das sich \u00fcber Thomas Mann und Stefan Zweig informieren wollten und bez\u00fcglich Thomas Mann m\u00fc\u00dfte ich das wahrscheinlich viel mehr tun, denn da habe ich zwar schon in der Stra\u00dfergasse, die &#8220;Buddenbrocks&#8221; gelesen, das hei\u00dft, ich habe es zu Hause getan, w\u00e4hrend ich dort noch in die Schule gegangen bin. Bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/19\/rechtschreibregeln\/\">Frau Professor Friedl<\/a> haben wir, glaube ich den &#8220;Tonio Kr\u00fcger&#8221; gelesen und meine Schwester hatte die &#8220;Buddenbrocks&#8221; zu Haus.<\/p>\n<p>Ich wollte es lesen, sie hat es mir nicht gegeben, so bin ich in die Buchhandlung in die Kalvarienberggasse gefahren und habe mir das Buch gekauft.<\/p>\n<p>Ob es diesbez\u00fcglich Streit mit meiner Mutter und Ohrfeigen gegeben hat, wei\u00df ich nicht mehr. Verstanden habe ich es sicher nicht. Meine Schwester hatte auch die &#8220;Bekenntnisse des Hochstabplers Felix Krull&#8221;, wo ich mir vom Namen her, wahrscheinlich etwas anderes vorstellte und nach meiner Matura, schon als Studentin, habe ich den &#8220;Zauberberg&#8221;, &#8220;Lotte in Weimar&#8221; und auch noch einiges mehr gelesen.<\/p>\n<p>Verstanden nicht sehr viel und sp\u00e4ter habe ich mich mit dem gro\u00dfen Meister nicht mehr besch\u00e4ftigt, den sollte ich also auch wiederlesen und ez\u00fcglich Stefan Zweig habe ich im letzten Jahr die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/19\/schachnovelle\/\"> Frage gekl\u00e4rt, ob der jetzt ein gro\u00dfer Schriftsteller ist.<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist er es was &#8220;Die Welt von Gestern&#8221; und die Novellen, da zum Beispiel auch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/13\/novellen-der-leidenschaft\/\">&#8220;Brennende Geheimnis&#8221; <\/a>oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/14\/erstes-erlebnis\/\">&#8220;Die Gouvernante&#8221;<\/a> betrifft und f\u00fcr das Publkum wahrscheinlich auch, sonst w\u00e4re es nicht in Scharen gekommen, aber vielleicht waren es auch die drei Herren am Podium, die es anlockte, Franz Zeder sagte ja in seiner Eileitung launig, das die Herrengasse ein geeeingeterer Ort, als beispielsweise das Literaturhaus w\u00e4re, denn drei Herren am Podium, zwei Herren im Briefwechsel, die Frauen waren dann eher im Publikum und Ulrich Weinzierl dokumentierte genauso launig, die von Manfred M\u00fcller vorgelesenen Stellen.<\/p>\n<p>Da begann es gleich mit dem Jahr 1917, da war der Krieg und da hat Stefan Zweig ja ein St\u00fcck geschrieben, das in Z\u00fcrich, glaube ich, aufgef\u00fchrt wurde und Stefan Zweig verehrte den gro\u00dfen Meister Mann sehr, w\u00e4hrend der laut Ulrich Weinzierl in seinen Tageb\u00fcchern etwas anderes, als in den Briefen geschrieben hat.<\/p>\n<p>Es gab dann auch eine Differenz, weil sich Thomas Mann sehr klar von den Nazis distanzierte, die ja in Deutschland schon ab 1933 herrschten, da hat Stefan Zweig noch das Libretto f\u00fcr die &#8220;Schweigsame Frau&#8221; geschrieben und sich vom Reichs- oder Generaalmuskdirektor Richard Strauss noch nicht so distanziert, wie er das sp\u00e4ter tat.<\/p>\n<p>Thomas Mann emigrierte dann in die Schweiz, verlor die deutsche Staatsb\u00fcrgetrschaft und Stefan Zweig verlie\u00df Salzburg, glaube ich, im Februar 1934, weil es da bei ihm\u00a0 eine Hausdurchsuchung gegeben hat.<\/p>\n<p>Thomas Mann nahm deutlich gegen die Nazis Stellung, Stefan Zweig war da viel konfliktscheuer, wie das ja auch in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/04\/20\/ungeduld-des-herzens\/\">&#8220;Ungeduld des Herzens&#8221;<\/a> sch\u00f6n beschrieben wird.<\/p>\n<p>Zum sechzigsten Geburtstag schenkte Zweig Thomas Mann eine Goethe Handschrift und, als es dann zum Selbstmord kam, hat sich Thomas Mann sehr distanziert und dazu keine eindeutige Stellung bezogen, das vielleicht sogar als Flucht oder Feigheit ausgelegt, aber sein Sohn Klaus hat sich auch umgebracht.<\/p>\n<p>&#8220;Thomas Mann war der bessere Schriftsteller, Stefan Zweig der bessere Mensch!&#8221;, schlo\u00df Ulrich Weinzierl launig die Pr\u00e4sentation und forderte dann zum Kauf oder besser Nichtkauf des hundert Euro Werkes auf und ich kann mich was das betrifft nicht so festlegen, ist es ja schon vierzig Jahre her, da\u00df ich Thomas Mann gelesen habe, Stefan Zweig aber erst im letzten Jahr und am Mittwoch ging gleich weiter in der &#8220;Gesellschaft&#8221; mit viel Publikum und mit einem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/29\/salzburg-lesung\/\">Vortrag des Leiters des Salzburger Stefan Zweig Centers Klemens Renoldners,<\/a> der \u00fcber das \u00d6sterreich Bild Zweigs\u00a0 &#8220;Zuletzt noch einmal \u00d6sterreich&#8221;, gesprochen\u00a0 hat, der im Programm mit den Namen Hoffmannsthal, Kraus, Freud, etcetera angek\u00fcndigt war, auf die offenbar verwiesen werden sollten<\/p>\n<p>Marianne Gruber hat mit sehr ber\u00fchrenden Worten eingeleitet und der\u00a0 1953 in Sch\u00e4rding Geborene, der glaube ich, ein Cousin des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/16\/mein-wg-zur-literatur\/\">Andreas Renoldners<\/a> ist, den ich immer bei den IG Autoren sehe, hat im Wesentlichen den Lebenslauf erz\u00e4hlt, wozu der Schauspieler\u00a0 Peter Vilnay entsprechenden Textstellen gelesen hat.<\/p>\n<p>Die ersten zwei stammten aus der &#8220;Welt von Gestern&#8221;, ein Erinnerungsbuch, keine Biografie, wie Klemens Renoldner betonte, was f\u00fcr mich sehr ber\u00fchrend war, zu sehen, da\u00df man sich mit dem Buch den Vortrag ersparen h\u00e4tte k\u00f6nnen, denn Stefan Zweig hat schon f\u00fcr sich selbst gesprochen und geschrieben und braucht eigentlich die ganzen Theorien, ob jetzt wahr oder falsch, die sich um sein Leben ranken, nicht.<\/p>\n<p>Sehr beeindruckend, die Einleitung und der Schlu\u00df und nat\u00fcrlich interessant von Klemens Renoldner zu h\u00f6ren, da\u00df er das Buch zum gr\u00f6\u00dften Teil im Londoner Exil von 1938 bis 1940 geschrieben hat und dazu, als Kontrast kam eine Stelle aus &#8220;Brasilien, dem Land der Zukunft&#8221;, die meisten werden es nicht kennen, vermutete Klemens Renoldner und sagte noch dazu, da\u00df das Buch nach seinem Erscheinen nicht sehr freundlich aufgenommen wurde, da\u00df es aber auch, als eine Liebeserkl\u00e4rung an die verlorene Heimat Wiens zu verstehen ist.<\/p>\n<p>Dann folgten noch zwei Briefe, einer an Franz Werfel, der da mit seiner Frau Alma nach Kalifornien ins Exil gegangen ist und dort als Dank f\u00fcr seine Rettung <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/28\/das-lied-von-bernadette\/\">&#8220;Das Lied von Bernadette&#8221;<\/a> geschrieben hat und dann den Abschiedbrief, den Zweig, bevor er das Veronal genommen hat auf seinen Schreibtisch liegte:<\/p>\n<p>&#8220;Ich gr\u00fcsse alle meine Freunde, m\u00f6gen sie die Morgenr\u00f6te noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger gehe ihnen voraus!&#8221;<\/p>\n<p>Peter Vilnay hat das sehr beeidruckend gelesen und den Schlu\u00dfapplaus auf diese Art und Weise erstickt.<\/p>\n<p>Morgen h\u00e4lt, wie ich in den letzten Tagen in \u00d61 st\u00e4ndigh\u00f6ren konnte, Klemens Renoldner diesen oder einen anderen Vortrag noch in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/01\/salzburg-buechertour\/\">Salzburg. <\/a>Er wies auch auf einige neue Tonaufnahmen hin und ich kann allen an meinen Zweig Bild interessierten, meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/25\/das-einundvierzigste-selbstgemachte-buch\/\">&#8220;Ber\u00fchrungen&#8221;<\/a> empfehlen.<\/p>\n<p>Ich schicke das Buch gerne zu, vergebe auch Rezensionsexemplare und die Stelle im Himmel, die ich auch beim letzten<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/04\/das-siebzigste-volksstimmefest\/\"> Volksstimmefest <\/a>gelesen habe, kann man auch in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_beruehrungen.html\">Leseprobe<\/a> lesen und ich lese sie bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\">&#8220;Amerlinghaus-Benefizveranstaltung&#8221; am 3. M\u00e4rz um ungef\u00e4hr 23 Uhr auch nochmals vor,<\/a> wo das Buch auch aufliegen wird und man es kaufen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am dreiundzwanzigsten Februar 1942 hat sich Stefan Zweig mit seiner zweiten Frau Charlotte in Brasilien das Leben genommen, aus diesem Anla\u00df gab und gab es zwei Veranstaltungen in der &#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221;, n\u00e4mlich am Dienstag die Pr\u00e4sentation des Stefan Zweig-Thomas &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50048\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[2356,3201,5542,5544],"class_list":["post-50048","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltungen","tag-gesellschaft-fuer-literatur","tag-klemens-renoldner","tag-stefan-zweig-thomas-mann-briefwechsel","tag-stefan-zweigs-todestag"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50048"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50048\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}