{"id":5012,"date":"2010-12-02T22:35:36","date_gmt":"2010-12-02T21:35:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5012"},"modified":"2010-12-02T22:35:36","modified_gmt":"2010-12-02T21:35:36","slug":"exil-shanghai","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5012","title":{"rendered":"Exil Shanghai"},"content":{"rendered":"<p>Am  29. August 1960 ist die 1888 in Wien geborene Vicki Baum in Hollywood gestorben und ich kenne ihren Namen von der B\u00fcchergilde Gutenberg und dem B\u00fccherschrank meiner Eltern.<br \/>\n &#8220;Hotel Shanghai&#8221; und &#8220;Marion&#8221; gab es dort zu finden und die, die meinen Blog bzw. meine B\u00fccher regelm\u00e4\u00dfig lesen, wissen, da\u00df der B\u00fccherschrank meiner Eltern eine gro\u00dfe Faszination auf mich aus\u00fcbte. Die beiden B\u00fccher habe ich, glaube ich, noch zu Lebzeiten meiner Eltern bzw. meines Vaters gelesen und damals war es eigentlich still sehr um Vicki Baum und au\u00dfer in den alten B\u00fcchergilde Gutenberg Journalen, die mir mein Vater ebenfalls vererbte, gab es nicht \u00fcber sie zu lesen. Sp\u00e4ter habe ich in dem Flohmarkt auf der Sch\u00f6nbrunnerstra\u00dfe, den Goethe-Roman &#8220;Clarinda&#8221; gefunden, Konstanze Fliedl hat mir irgendwann biografische Notizen zugesandt, denn au\u00dfer, da\u00df das eine Trivialschriftstellerin w\u00e4re, gab es damals nicht sehr viel zu h\u00f6ren.<br \/>\nInzwischen habe ich, als ich zur letzten GAV Vollversammlung in Graz war, in einem Biografieband gebl\u00e4ttert und im offenen B\u00fccherschrank gibt es auch immer wieder B\u00fccher von ihr zu finden. Sterben ja die Menschen, die die  um 1950 oder fr\u00fcher geschriebenen Romane besessen haben, allm\u00e4hlich weg und so ist inzwischen auch noch &#8220;Vor Rehen wird gewarnt&#8221; und &#8220;Flut und Flamme&#8221; zur mir gekommen.<br \/>\nIn meinem Katalog ersehe ich, da\u00df in Harland auch noch &#8220;Rendezvous in Paris&#8221; steht, also auch ein Erbe meiner Eltern, aber das habe ich wahrscheinlich nicht gelesen, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. An die Lekt\u00fcre von &#8220;Hotel Shanghai&#8221; vor ca f\u00fcnfzehn Jahren aber schon und wie ich meinem Katalog entnehme, scheinen die &#8220;Menschen im Hotel&#8221; an mir  vor\u00fcbergegangen sein. Danach m\u00fc\u00dfte ich also im B\u00fccherschrank suchen. Wie die erfolgreichste Schriftstellerin der Weimarer Republik, die au\u00dferdem noch Harfinistin war, \u00fcberhaupt sehr viele B\u00fccher geschrieben hat und anl\u00e4\u00dflich des f\u00fcnfzigsten Todesjahrs hat sich das Literaturhaus daran erinnert und der Schriftstellerin eine Ausstellung in der Bibliothek gewidmet.<br \/>\n&#8220;Weekend at the Waldorf oder Menschen im Hotel&#8221; und es gab auch (an meinem Geburtstag) eine Vicki Baum Nacht im Literaturhaus in der die &#8220;Menschen im Hotel&#8221; Verfilmung, &#8220;Grand Hotel&#8221; gezeigt wurde, die ich vers\u00e4umt habe. Aufmerksam wurde ich auf die Ausstellung durch die Sendung Leporello und heute gab es, veranstaltet von der Exil-Bibliothek einen Vortrag und eine Lesung zu dem Thema &#8220;Exil Shanghai als Erinnerungsraum in der Gegenwartsliteratur&#8221;.<br \/>\nDas Shaghai ein Ort war in dem sehr viele Juden auf der Flucht vor dem dritten Reich Aufnahme fanden, wei\u00df ich schon von Konstantin Kaisers &#8220;Zwischenwelt&#8221;, denn der  hat ja, glaube ich, eine ganze Zeitschrift diesem Thema gewidmet.<br \/>\n Vicki Baum hat Shanghai als Exilort, aber schon 1939 beschrieben, denn da ist &#8220;Hotel Shanghai&#8221; erschienen und der Roman schildert das Schicksal neun heimatloser Menschen, die im &#8220;Hotel Shanghai&#8221; Aufnahme fanden und dann bei einem Bombenanschlag ums Leben kamen.<br \/>\nEs gibt aber auch einige andere Shanghai-Exil-Romane. Franziska Tausig, des Schauspielers Otto Tausig Mutter hat ihre Autobiografie &#8220;Shanghai-Passage&#8221; genannt. Ulrike Ottinger hat 1997 einen Film &#8220;Exil Shanghai&#8221; gedreht und Ursula Krechel hat 2008 den Roman &#8220;Shanghai fern von wo&#8221; herausgebracht, f\u00fcr den sie, wie ich heute h\u00f6rte, zehn Jahre recherchierte,  der das Schicksal einiger Emigranten, darunter auch das von Franziska Tausig und einem Buchh\u00e4ndler nacherz\u00e4hlt.<br \/>\nInge Stephan von der Berliner Humboldt Universit\u00e4t hat das in ihrem Vortrag referiert, vorher hat  Alexander Strobele ein Kapitel aus &#8220;Hotel Shanghai&#8221; gelesen und nachher in verteilten Rollen mit Otto Tausig ein St\u00fcck aus &#8220;Shanghai Passage&#8221;.<br \/>\nSehr beeindruckend den alten Herrn lesen zu h\u00f6ren, da\u00df er als junger Mann seine Mutter am Westbahnhof mit den Worten &#8220;Verzeihung gn\u00e4dige Frau, sind Sie meine Mama?&#8221;, begr\u00fc\u00dfte.<br \/>\nOtto Tausig rief dann auch zu Spenden f\u00fcr seine Sozialprojekte auf und signierte B\u00fccher. Ottwald John kaufte eines f\u00fcr seinen Freund Thomas Losch, der 2009 beim &#8220;Tag der Freiheit des Wortes&#8221; gelesen hat.<br \/>\nAlso wieder viel gelernt, sowohl \u00fcber den Fluchtort Shaghai, als auch \u00fcber Vicki Baum, die jetzt wieder als Schriftstellerin entdeckt wird, es lagen  einige ihrer B\u00fccher in aktuellen Neuausgaben am B\u00fcchertisch auf. Ich kenne ja nur die alten B\u00fcchergilde Gutenberg Ausgaben.<br \/>\n1943 hat sie noch einen dritten Hotel Roman &#8220;Hotel Berlin&#8221; geschrieben, der mich auch sehr interessiert. Also Augen auf beim B\u00fccherschrank, da wird es ja bald einen dritten im Heinz-Heger-Park geben, jedenfalls hat es da heute eine Besprechung gegeben, zu der mich Frank Gassner eingeladen hat, nachdem ich ihm &#8220;Mimis B\u00fccher&#8221; schickte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 29. 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