{"id":50455,"date":"2017-03-13T00:37:52","date_gmt":"2017-03-12T23:37:52","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=50455"},"modified":"2017-03-13T00:37:52","modified_gmt":"2017-03-12T23:37:52","slug":"tiere-fuer-fortgeschrittene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50455","title":{"rendered":"Tiere f\u00fcr Fortgeschrittene"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den Neuerscheinungen und\u00a0 mit den Tieren. Denn &#8220;Kiepenheur &amp; Witsch&#8221; hat dieses Fr\u00fchjahr gleich zwei B\u00fccher herausgegeben, die &#8220;Tiere&#8221; im Titel haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/20\/tierchen-unlimites\/\">&#8220;Tierchen unlimited&#8221;<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.kiwi-verlag.de\/buch\/tiere-fuer-fortgeschrittene\/978-3-462-04791-2\/\">&#8220;Tiere f\u00fcr Fortgeschrittene&#8221;<\/a> und der Unterschied ist, da\u00df es sich bei Eva Menasse, um eine Erz\u00e4hlsammlung handelt und man k\u00f6nnte jetzt noch kritisch anmerken, da\u00df ich mich eigentlich weder f\u00fcr Tiere noch f\u00fcr Erz\u00e4hlb\u00e4nde so besonders interessiere.<\/p>\n<p>Aber ich bin eine Namensammlerin und w\u00e4hle meine Lekt\u00fcre bevorzugt nach den Autorennamen aus und Eva Menasse, die Halbschwester vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/23\/robert-menasses-faust-und-namensprobleme\/\">Robert,<\/a> 1970 in Wien geboren, seit 2003 in Berlin lebend, kenne ich wahrscheinlich sp\u00e4testens durch ihren Roman &#8220;Vienna&#8221; f\u00fcr den ich eine meine ersten &#8220;Thalia-Rensionen&#8221; geschrieben habe, die auch erschienen ist.<\/p>\n<p>&#8220;Mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/12\/quasikristalle\/\">&#8220;Quasikristallen&#8221;<\/a> hat sie den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/10\/der-funfte-alpha-literaturpreis\/\">&#8220;Alpha&#8221;<\/a> und auch andere Preise bekommen und wie im Klappentext steht eine Sammlung mit skurillen Tiergeschichten, die sie in Zeitungen fand.<\/p>\n<p>Grund genug daraus Geschichten zu schreiben, die das moderne Gro\u00dfstadtleben mit seinen H\u00f6hen und Tiefen beziehungsweise Alltagskurlit\u00e4ten, die das Leben und das Sterben umfassen.<\/p>\n<p>Das Buch ist dem 2014 verstorbenen Filmemacher Michael Glawogger gewidmet und im Anhang gibt es eine Liste, wo die Tierzitate erschienen sind.<\/p>\n<p>&#8220;Schmetterling, Biene, Krokodil&#8221; hei\u00dft die erste Geschichte und der Notiz ist zu entnehmen, da\u00df Bienen und Schmetterlinge ihre Nahrung an seltsamen Orten finden, so setzten sie sich beispielsweise auch auf Krokodile, um deren Tr\u00e4nen aufzusammeln und dann kommt die Geschichte von einer Tom genannten Frau, die mit ihrem Sohn und den zwei Kindern ihres Mannes Georg in einer Patchworkfamlie lebt.<\/p>\n<p>Eine Woche sind die beiden Kinder, Karo und Jonas bei der Mutter, die andere beim Vater und bei ihr und das f\u00fchrt zu \u00dcberlebensk\u00e4mpfen, denn, die Mutter ist so unzufrieden und beschuldigt Tom immer die Kinder schmutzig oder unvollst\u00e4ndig angezogen zur\u00fcckzubringen, so da\u00df sie alle ihre Kleider zweimal kaufte und in den Kleidungsst\u00fccken auch Erkennungszeichen angebracht hat. Jetzt geht es aber eine Woche in eine &#8220;Touristenfabrik&#8221; in die T\u00fcrkei, das hei\u00dft in einen all inclusive Urlaub ans Meer.\u00a0 Aber Tom ist nicht gut drauf, ist doch gerade ihr Jugendfreund Martin gestorben und dann spricht sie in dem Hotel noch ein alter Mann an, der sie f\u00fcr seine Schwester h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Interessant, die Assoziationskette k\u00f6nnte man meinen und vielleicht nicht viele \u00dcbereinstimmungen finden, aber Eva Menasses Erz\u00e4hleisterschaft, die aus &#8220;pointierten Witz, Geheimnis und melancholischen Ernst&#8221; besteht, wird im Klappentext ausdr\u00fccklich gelobt.<\/p>\n<p>In &#8220;Raupen&#8221; geht es um die &#8220;Tabakschw\u00e4rmerraupen&#8221;, die sich ungewollt selbst ihr Grab schaufeln und das erscheint wahrscheinlich jenem alten &#8220;Despoten&#8221; als Ausweg, dessen Frau an Demenz erkrankt ist und der sich jetzt gegen die Ver\u00e4nderungen, wie Wohnungsumbau, Annehmen von Dienstleistern beziehungsweise Pflegehelfern zur Wehr setzt,\u00a0 die ihm seine T\u00f6chter aufschwatzen wollen,\u00a0 in dem er sich, in den zur Pensionierung geschenkt bekommenen Direktorensessel setzt, sich Pornofilme auflegt und an seiner eigenen Todesanzeige schreibt.<\/p>\n<p>Und die &#8220;Igel&#8221;, die in den von Mc Donald`s erzeugten &#8220;Mc Flurry Eisbechern&#8221; verhungern, tauchen dann in Geschichte drei, wo es, um ein Luxusweibchen geht, das nichts gelernt hat und nichts kann, als Champagner zu trinken und sich von ihrem erfolgreichen Ehemann aushalten zu lassen, tats\u00e4chlich auf.<\/p>\n<p>Sie rettet einen solchen armen Igel in einem Luxushotel, wo das Paar, beziehungsweise, die Frau Urlaub macht, der Gatte mu\u00dfte dazwischen zu seinen Aufsichtsratsitzungen und angelte sich einen Liebhaber\u00a0 und hat\u00a0 dabei h\u00f6chstwahrscheinlich ein liebesleeres Leben, wie das bei den nichtberufst\u00e4tigen Luxusweibchen eben so ist.<\/p>\n<p>Zu den &#8220;Schafen&#8221;, die ihre Wolle selbst abwerfen, ist Eva Menasse eine bizarre Geschichte von einer Kolonie eingefallen, in die w\u00e4hrend oder nach einer Krise, vielleicht ist die Welt zusammengebrochen, eine Reihe von ausgew\u00e4hlten Wissenschaften und K\u00fcnstlern eingeladen werden, um eine unbestimmte Aufgabe zu l\u00f6sen. Schafe gibt es dort nicht, nur Blattl\u00e4use und M\u00fccke, eine Katze, die man nicht f\u00fcttern und Zitronen die man von bestimmten Stellen nicht pfl\u00fccken darf.<\/p>\n<p>In Amerika wurde einmal ein betrunkener Autofahrer dabei erwischt, da\u00df er ein totes &#8220;Possum&#8221; wiederbeleben versuchte, das l\u00e4\u00dft Eva Menasse jetzt einen bekannten Regisseur bei einem Reh machen und da ihre Protagonisten ja bevorzugt der Mittelschicht, den Intellektuellen, sowie den Reichen und den Sch\u00f6nen angeh\u00f6ren, haben diese dann auch Probleme, wenn sie so offen und &#8220;multikulti&#8221; sind, da\u00df\u00a0 sie ihre Kinder in eine \u00f6ffentliche Schule geben wollen.<\/p>\n<p>Wie das mit dem &#8220;Hai&#8221; im &#8220;Haus des Meeres&#8221; zusammenh\u00e4ngt, habe ich nicht ganz verstanden oder ja, denn der geh\u00f6rt dort eigentlich nicht hinein.<\/p>\n<p>Das Kletterverhalten von &#8220;Schlangen&#8221; bringt Eva Menasse zu einer komplizierten Beziehungsgeschichte, beziehungsweise einen Neuanfang, in dem ein abgeschlagenes Bein eines Tisches eine gro\u00dfe Rolle spielt und, da\u00df &#8220;Enten&#8221; gleichzeitig schlafen, als auch nach Feinden Ausschau halten k\u00f6nnen, habe ich schon irgendwo geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Eva Menasse macht eine Urlaubsreise daraus, die von Panikattacken und Flugangst gequ\u00e4lte Jenna f\u00e4hrt mit ihrem Mann Ben und dem Sohn Sammy im Auto auf Urlaub nach Italien. Dabei machen ihre Kleinhirnh\u00e4lten gleich mehrere Arbeitsprozesse durch. Geht sie dabei doch in die Holocaustvergangenheit ihrer Familie zur\u00fcck, w\u00e4hrend sie sie sich mit ihrem Mann beim Fahren abwechselt, den kleinen Sohn beruhigt und ihm schlie\u00dflich ein Kuscheltier in einer Tankstelle kauft.<\/p>\n<p>Grandiose Meisterleistung diese Verbindung von tierischen Eigenschaften zu menschlichen Schicksalen und ihren Neurosen, \u00c4ngsten, k\u00f6nnte man so sagen.<\/p>\n<p>Manches war\u00a0 f\u00fcr mich leicht nachvollziehbar, anderes, wie schon erw\u00e4hnt, eher schwierig bis unverst\u00e4ndlich und am Cover prangen neuen K\u00e4fer und schillern von gr\u00fcn bis rot in allen Farb-und Formnuancen, obwohl von K\u00e4fern in den acht Geschichten eigentlich auch nicht die Rede war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den Neuerscheinungen und\u00a0 mit den Tieren. 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