{"id":5046,"date":"2010-12-05T08:50:42","date_gmt":"2010-12-05T07:50:42","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5046"},"modified":"2010-12-05T08:50:42","modified_gmt":"2010-12-05T07:50:42","slug":"wie-man-eine-frau-vergisst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5046","title":{"rendered":"Wie man eine Frau vergisst"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wie man eine Frau vergi\u00dft&#8221;  ist ein, k\u00f6nnte man sagen, leicht dahin erz\u00e4hlter Roman \u00fcber die Hoffnungs- und Sinnlosigkeit im modernen Rum\u00e4nien, des 1969 geborenen Soziologiedozenten Dan Lungu.<br \/>\nEr ist in drei Perspektiven geschrieben und beginnt ziemlich spritzig, in dem der Ich- Erz\u00e4hler Andi mit einem ziemlichen B\u00e4renhunger in seine Wohnung kommt und statt seiner Freundin Marga einen Abschiedsbrief findet. Zuerst h\u00e4lt er es f\u00fcr einen Scherz und beginnt sie auf allen Vieren im Glauben, sie h\u00e4tte sich im Kasten versteckt, zu suchen.<br \/>\nNach und nach taucht man ein in die Geschichte, die in einer rum\u00e4nischen Klein- oder Gro\u00dfstadt zu spielen scheint, obwohl das ziemlich schwierig ist, denn einmal wird sie in der Ich-Form dann wieder in der dritten Person erz\u00e4hlt, auch Marga, \u00fcber die man sonst nicht  viel erf\u00e4hrt, vor allem nicht, wohin sie warum gegangen ist, bekommt ein paar Kapitel.  Die Chronologie wechselt ebenfalls. Andi, der mit ein paar Br\u00fcdern am Land aufgewachsen ist und sich als Student mit seiner Freundin Luana betrank, bis sie von ihren Eltern in eine psychiatrische Klinik gesteckt wird,  ist \u00fcber das Verschwinden Margas aus allen Socken und denkt \u00fcber seine Beziehung zu ihr nach.<br \/>\nVom Beruf ist er Journalist in der Abteilung f\u00fcr investigativen Journalismus und hat einen vorsichtigen Artikel \u00fcber die Korruption eines Herrn Direktors geschrieben, den sein Chef Bodo munter weiter enth\u00fcllt. Sonst hat er bei der Zeitung nicht sehr viel zu tun, soll aber zur Abwechslung etwas \u00fcber die Bapisten schreiben. Andi hat inzwischen die Wohnung in der er mit Marga lebte, verlassen, bzw. wurde er von seinem esoterisch angehauchten Vermieter hinausgeschmissen, so da\u00df er vor\u00fcbergehend bei dem Bapistenprediger Seth unterkommt, ihn bei seiner Gemeindearbeit begleitet und \u00fcber den anmutigen Egoismus Margas gr\u00fcbelt, die in sein Leben genauso pl\u00f6tzlich eintauchte, wie sie daraus verschwand.<br \/>\nEr lernte sie auf einer Party kennen, wo sie sich auf seinen Scho\u00df setzte, weil sie von ihren Ex-Liebhaber verfolgt wurde, dann zieht sie mit einem Koffer teurer Kosmetika bei ihm ein und beginnt sich stundenlang f\u00fcr ihn sch\u00f6n zu machen, obwohl er eigentlich mit ihr Sex haben will.<br \/>\nSie i\u00dft auch sehr anmutig Eis, ohne auf die Idee zu kommen, es mit ihm zu teilen, bohrt ihre Z\u00e4hne in Teer und k\u00fcmmert sich nicht um den Mietr\u00fcckstand und um Andys Schulden.<br \/>\nIn den Kapiteln die Marga zur Ich-Erz\u00e4hlerin haben, kann man den Grund daf\u00fcr erfahren. Marga ist die Tochter eines ehemaligen Parteibonzen und  von der Allgemeinheit abgeschirmt in ziemlichen Luxus aufgewachsen, wird von ihren Eltern immer noch finanziell unterst\u00fctzt, w\u00e4hrend er das Kind armer Leute ist.<br \/>\nAndi zieht von Seth, der immer freundlich zu ihm ist und ihn zu nichts dr\u00e4ngt, bald aus, bekommt dann aber irgendwelche  wahnhafte Erscheinungen und beginnt das Geld, das ihm f\u00fcr seine Enth\u00fcllungsreportagen in die Redaktion geschickt wird,  einem krebskranken Kind zu spenden, am Ende lachen sich aber nur die Kollegen \u00fcber seine Dummheit krumm.<br \/>\nMarga taucht nicht wieder auf, so da\u00df Andi ziemlich einsam dem Jahresende entgegensieht, wenn er nicht die Chance ergreift mit Seth und der Gemeinde den Sylvester in der Kirche zu feiern.<br \/>\n&#8220;Wie man eine Frau vergi\u00dft&#8221;, ist er dritte Roman Dan Lungus, das &#8220;H\u00fchnerparadies&#8221; und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/26\/die-rote-babuschka\/\">&#8220;Die rote Babuschka&#8221;<\/a> waren die beiden anderen und er erz\u00e4hlt in einer sehr spritzigen, ironischen Weise vom Leben nach der Wende in Rum\u00e4nien. Von der Hoffnungslosigkeit, der Zerrissenheit, der Getriebenheit eines  Landes, wo alle nach Italien, Spanien oder Deutschland gehen und man sich nur von Gott bekehren oder zu Tode trinken kann, um das Leben zu meistern und seinen Sinn zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wie man eine Frau vergi\u00dft&#8221; ist ein, k\u00f6nnte man sagen, leicht dahin erz\u00e4hlter Roman \u00fcber die Hoffnungs- und Sinnlosigkeit im modernen Rum\u00e4nien, des 1969 geborenen Soziologiedozenten Dan Lungu. 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