{"id":50615,"date":"2017-03-23T00:00:40","date_gmt":"2017-03-22T23:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=50615"},"modified":"2017-03-23T00:00:40","modified_gmt":"2017-03-22T23:00:40","slug":"die-stierin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50615","title":{"rendered":"Die Stierin"},"content":{"rendered":"<p>Von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/11\/andrea-stift-bei-den-wilden-worten\/\">Andrea Stift<\/a>, die ich 2008 kennenlernte und die dann <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/25\/die-mittleren-iv\/\">einige Zeit <\/a>meinen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/07\/03\/1-jahr-literaturgefluster\/#comments\">Blog begleitete<\/a> und auch einige Zeit lang in der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/03\/siebenter-ohrenschmaus\/\"> &#8220;Ohrenschmaus-Jury&#8221; <\/a>war, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/13\/reben\/\">habe<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/02\/wilfert-und-der-schatten-des-klapotez\/\"> ich <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/04\/elfriede-jelinek-spielt-gameboy\/\">so<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/26\/auf-watte\/\"> ziemlich<\/a> alles gelesen.<\/p>\n<p>Aber jetzt schon l\u00e4nger nichts mehr von ihr geh\u00f6rt und als ich vor kurzem eines Abends von der &#8220;Alten Schmiede&#8221;, der &#8220;Gesellschaft&#8221; oder von sonst irgenwo nach Hause ging, habe ich bei Anna Jeller ihr neues Buuch liegen gesehen. Zuerst habe ich geglaubt, es w\u00e4re bei &#8220;Kiwi&#8221;, es ist aber bei <a href=\"http:\/\/www.kremayr-scheriau.at\/bucher-e-books\/die-stierin-882\">&#8220;Kremayr &amp; Scheriau&#8221;<\/a> erschienen, die in ihrer literarischen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/24\/lied-ueber-die-ggeignete-stelle-fuer-eine-notunterkunft\/\">Schiene<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/27\/lucy-fliegt\/\">nicht <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/03\/das-tortenprotokoll\/\">nur<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/04\/wir-zerschneiden-die-schwerkraft\/\">Debuts<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/25\/kopfzecke\/\">machen<\/a> und ich kann es gleich verraten, es ist ein sehr dichtes Buch, wahrscheinlich das beste, das ich von der 1976 in der S\u00fcdsteiermark Geborenen, gelesen habe, obwohl mir, das schreibe ich auch dazu, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/12\/grosses-finale-fur-novak\/\">nicht alles daran gef\u00e4llt.<\/a><\/p>\n<p>Stammleser werden jetzt schon wissen, worauf ich anspiele, bin ich ja nicht nur gegen<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/30\/die-muhle-der-gerechtigkeit\/\"> Sterbehilfe,<\/a> sondern auch daf\u00fcr, da\u00df sich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/05\/blauschmuck\/\">Frauen gegen die Gewalt<\/a>, die die M\u00e4nner auf sie aus\u00fcbend, wehren sollen, aber nicht mit jeden Mittel und nicht um jeden Preis.<\/p>\n<p>Mord geh\u00f6rt nicht dazu, da gibt es viel bessere Mittel.<\/p>\n<p>&#8220;Nein!&#8221;, sagen geh\u00f6rt schon einmal dazu und dann gibt es noch Frauenh\u00e4user, Pfeffersprays, Karateg\u00fcrtel, aber kein Pflanzengift und auch keinen Hammer.<\/p>\n<p>Aber sonst ist es ein sehr vielschichtiges Buch, das in mehreren Ebenen gegliedert ist und bis in die Antike zur\u00fcckgeht. So gibt es wie in einem der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/18\/saisoneroffnung-mit-barbara-frischmuth\/\">Frischmuth-B\u00fccher<\/a>, einen Chor, hier ist es vielleicht kein ganz griechischer, sondern einer von irischen K\u00f6niginnen, die auch einmal Kr\u00e4hen genannt werden und da ist Maeve, eine rothaarige Frau um die F\u00fcnfzig, wie uns der Chor schon eingangs verr\u00e4t.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/30\/bedenkliche-beziehung\/\">Andrea Stift,<\/a> die sich inzwischen offenbar verheiratet hat und sich jetzt Stift-Laube nennt, etwas, was vielleicht auch ganz gut zum Sujet passt, ist rothaarige, aber weil 1976 geboren, etwas j\u00fcnger und Maeve ist die Besitzerin eines K\u00e4seladens.<\/p>\n<p>Da steht sie\u00a0 mit der Sch\u00fcrze hinter der Budel, schneidet mit scharfen Messern K\u00e4se ab, schenkt auch Wein aus und wenn nichts zu tun ist, schnitzt sie aus harten K\u00e4seresten Stiere und ein Heer von Krieginnen.<\/p>\n<p>Nach und nach erf\u00e4hrt man ihre Geschichte und die ist auch sehr vielstimmig und diffizif und wird in verschiedenen Ebenen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Der Klappentext erz\u00e4hlt von Alli ihrem Mann, den sie nachts besucht und dieser Alli tauchte eines Tages im Laden auf, bestellte eine bestimmte Sorte K\u00e4se und lud sie zum Essen ein. Beim zweiten Versuch stimmte sie zu und heiratete ihn\u00a0 auch bald, er aber behandelte sie sehr schlecht und darin hatte Maeve,\u00a0 die mit Achtzehn von ihren Eltern weg und in eine Stadt gegangen ist, ob es sich dabei um Graz handelt, wird nicht erw\u00e4hnt, schon ihre Erfahrungen.<\/p>\n<p>Denn da hat sie eine Weile in einer Pension gewohnt, bis sie der K\u00e4seh\u00e4ndler ansprach, sie\u00a0 in seinem Gesch\u00e4ft arbeiten lie\u00df und sie dann heiratete.<\/p>\n<p>Danach mu\u00dfte sie zu Hause bleiben, das Haus putzen, der namenlose K\u00e4seh\u00e4ndler war da sehr penibel, f\u00fcr ihn kochen und sich am Abend f\u00fcr ihn sch\u00f6n machen.<\/p>\n<p>Als er gestorben ist, hat sie den Laden \u00fcbernommen und, als sie noch Sch\u00fclerin war und auf den Schulbus wartete, tauchte eines Tages ein behinderter Mann auf und begann an ihr herumzukrapschen. Sie konnte sich nicht wehren und, wie Andrea Stift hier die Dissoziation beschreibt, sie l\u00e4\u00dft sich von den Kr\u00e4hen wegtragen und sieht eine irische K\u00f6nigin, die mit ihrem Mann, um die Herrschaft beziehungsweise, um die Stiere streitet, ist wahrhaft meisterhaft. Gro\u00dfes Kompliment, so habe ich das noch nicht gelesen.<\/p>\n<p>Jetzt ist sie aber erwachsen, Witwe, schnitzt in kundenlosen Momenten ihr weibliches Kriegerheer und da taucht eines Tages eine schwarzgekleidete Kundin auf, kauft K\u00e4se und erz\u00e4hlt ihr von Frauen, die ihre Gatten ermordet haben.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag kommt sie mit ihrer Schwester wieder und l\u00e4dt Maeve zum Essen in ihre Wohnung ein, da gibt es\u00a0 noch eine dritte Schwester.<\/p>\n<p>Sie hei\u00dfen Bod, Morrigen und Macha, das sind irische Namen und\u00a0 haben ihre irische Vergangenheit und Lebensgeschichte, werden aber auch als Kr\u00e4hen beschrieben und sie helfen, wie ich schon erw\u00e4hnte, mit f\u00fcr mich sehr unlauteren Mitteln, Maeve sich von der Unterdr\u00fcckung zu befreien.<\/p>\n<p>Wahre Emanzipation geht, glaube ich, anders und ich denke, die Frauen m\u00fcssen den M\u00e4nnern nicht jede Gewalt nachmachen.<\/p>\n<p>Sonst ist er aber ein starkes St\u00fcck, der kleine Roman, der am Buchr\u00fccken noch mit &#8220;Ein d\u00fcsteres Kammerspiel, zwischen Freiheit, Mord und Selbstbestimmung&#8221;, beschrieben wird, der mich sehr beeindruckt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Andrea Stift, die ich 2008 kennenlernte und die dann einige Zeit meinen Blog begleitete und auch einige Zeit lang in der &#8220;Ohrenschmaus-Jury&#8221; war, habe ich so ziemlich alles gelesen. 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