{"id":50648,"date":"2017-03-25T09:04:23","date_gmt":"2017-03-25T08:04:23","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=50648"},"modified":"2017-03-25T09:04:23","modified_gmt":"2017-03-25T08:04:23","slug":"gedichte-zwischen-uhr-und-bett","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50648","title":{"rendered":"Gedichte zwischen Uhr und Bett"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt eingeklemmt zwischen den Neuerscheinungen von &#8220;K&amp;S&#8221; und &#8220;Kiwi&#8221; ein wenig Lyik aus dem &#8220;Keiper-Verlag&#8221;, den ich ja einmal auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/24\/vom-der-sechsten-buch-wien\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221; <\/a>durch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/02\/wilfert-und-der-schatten-des-klapotez\/\">Andrea Stift<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/04\/elfriede-jelinek-spielt-gameboy\/\"> kennenlernte <\/a>und dessen Gedichtb\u00e4nde von Petra Ganglbauer und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/09\/oder-so\/\">Ingeborg G\u00f6rler<\/a> ich inzwischen gelesen habe und nun in dem 1984 geborenen in Graz als Buchh\u00e4ndler arbeitenden Mario Hladicz eine \u00dcberraschung erlebte, denn allein schon der Titel <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=50648\">&#8220;Gedichte zwischen Uhr und Bett&#8221;<\/a> machen neugierig.<\/p>\n<p>Da denkt man wahrscheinlich gleich an den vier Jahre \u00e4lteren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/10\/die-stunde-zwischen-frau-und-gitarre\/\">Grazer mit seinem skurrilen Monsterroman<\/a>, den ich gerne den<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/21\/das-literaturpreis-archiv\/\"> dBP 2015 <\/a>gegeben h\u00e4tte und freut sich vielleicht auch noch, da\u00df das Lesen der Gedichte wahrscheinlich viel schneller geht, als dessen tausend Seiten\u00a0 und ich frohlocke auch, denn das habe ich ja gerne und suche ich schon lange, einen oder eine, die die Allt\u00e4glichkeit des Lebens in\u00a0 Poesie verfa\u00dft, weil ich ja manchmal bekannterma\u00dfen Schwierigkeiten mit der allzugro\u00dfen Abgehobenheit und den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/02\/priessnitzpreis-an-andrea-winkler\/\">Sprachr\u00e4uschen l\u00e0rt pour L`Art<\/a> habe und nur &#8220;Hui&#8221; denke, wenn mir da Seitenlang in den allersch\u00f6nsten Worten die Eigenschaften eines Steins erkl\u00e4rt wird. Denn, was habe ich davon?<\/p>\n<p>Hier habe ich sehr viel und kann den Absurdit\u00e4ten und den M\u00fchlseligkeiten des Lebens nachlauschen und auch verbl\u00fcfft feststellen wie einach, das dem jungen Autor, der nat\u00fcrlich mit Prosast\u00fccken den Weg in die Literatur, wie Helwig Brunner, der Herausgeben der Reihe in seinem Nachwort erkl\u00e4rt, gefunden hat, gelungen ist.<\/p>\n<p>&#8220;2014 hat er damit den &#8220;Literaturf\u00f6rderungspreis der Stadt Graz&#8221; bekommen und ich denke, wieder, da\u00df man mehr Prosa f\u00fcr die Lyrik braucht und mehr Poesie, um den Alltag zu erkl\u00e4ren und wahrscheinlich auch, um ihn auszuhalten und das versteht Marion Hladizc vortrefflich, also wieder ein kurzer Streifzug durch das Buch und ich f\u00fcge gleich hinzu, da\u00df man die Gedichte lesen soll, denn vieles hat man so noch nicht geh\u00f6rt und man kann auch \u00fcber den Alltag Gedichte schreiben und ich glaube, da\u00df das sehr wichtig ist und so geht es auch gleich zu der &#8220;W\u00e4sche, die im Hof flattert und zu den Nachmittagen, die z\u00e4h sind, als sei man in Kaugummi getreten.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Aus einem Tagebuch&#8221; nennt Mario Hladicz dieses Gedicht und geht weiter zu dem &#8220;Gep\u00e4ck&#8221;, das man vielleicht braucht, um den letzten Weg anzutreten, &#8220;Die kaputte Uhr und den Rum f\u00fcr den Mut, das Schreiben vor zwei Wochen und den Stein, den er ben\u00fctzen w\u00fcrde, wenn es so weit war.&#8221;<\/p>\n<p>Pr\u00e4gnanter kann man es wohl nicht sagen. Und dennoch, trotzdem geht es immer, um die Dichtung, um das Schreiben, um das Wort:<\/p>\n<p>&#8220;Es gibt immer weniger von denen, die ziellos durch die St\u00e4dte streifen, an Mistk\u00fcbeln Halt machen, sie scheu umkreisen und besch\u00e4mt um sich blicken, bevor sie dann doch hineingreifen, auf der Suche nach noch brauchbaren Worten, aus denen sie nichts machen w\u00fcrden.&#8221;<\/p>\n<p>Man sieht Mario Hladicz ist ein ganz Hintergr\u00fcndiger, ein Durchtriebener, denn es ist nichts bei ihm, wie es scheinen sollte und alles irgenwie hoffnungslos verloren oder vielleicht auch doch nicht so ganz.<\/p>\n<p>Er versteht die Ausweglosigkeit des Lebens jedenfalls in sch\u00f6ne Worte zu fassen und holt uns die Poesie in den Alltag, die wir dann vielleicht\u00a0 nicht verstehen, vers\u00e4umen, wegwerfen, etcetera.<\/p>\n<p>Eine Anspielung an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/19\/letzte-textvorstellungen-mit-angelika-reitzer\/\">Angelika Reitzer<\/a> und die &#8220;Frauen in Vasen&#8221; gibt es auch, sogar zweimal.<\/p>\n<p>&#8220;Zugegeben als wir zu Vasen wurden, geschmackvoll und wohlgeformt&#8221; und dann geht es nat\u00fcrlich um das Lesen oder zur &#8220;Liebe (franz\u00f6sisch)&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Sie h\u00e4tte wohl zu\u00a0 Francis Ponge gegriffen, er h\u00e4tte einen Band von\u00a0 Maurice Blanchot gew\u00e4hlt, um damit den jeweils anderen kr\u00e4ftig eines \u00fcber den Sch\u00e4del zu schlagen.<\/p>\n<p>Da sie sich aber aus Literatur nicht viel machten und diese B\u00fccher gar nicht besa\u00dfen, blieb alles ruhig und sie verbrachen eine weitere friedliche Nacht im gemeinsamen Bett.&#8221;<\/p>\n<p>Wie schon geschrieben, ganz sch\u00f6n hinterfotzig, der Grazer Buchh\u00e4ndler, der Germanistik studierte und eine Ausbildung zum Bibliothekar machte und poetisch und auf der Suche nach den Worten, um den Sinn und Unsinn des Lebens und seine Allt\u00e4glichkeit zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>In Haikus l\u00e4\u00dft sich das wahrscheinlich ganz besonders gut ausdr\u00fccken, deshalb gibt es auch drei in dem Band, nach jeder Abteilung eines<\/p>\n<p>&#8220;Haiku II<\/p>\n<p>Wie schafft die Fliege ihren Roman aus dem Raum hinaus in die Welt&#8221; und<\/p>\n<p>&#8220;Haiku III<\/p>\n<p>So viel Poesie vor dem Haus aufgestapelt zur freien Entnahme&#8221;<\/p>\n<p>Ganz sch\u00f6n zynisch vielleicht gemeint, aber ich denke da an die offenen B\u00fccherschr\u00e4nke aus denen ich mich ja auch sehr gern und bevorzugt bediene und habe mich in meinen Rundgang durch Mario Hladiczs Gedichte, jetzt auf die, sie sich\u00a0 auf die W\u00f6rter und die Literatur beziehen, beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch so viel anderes darin zu finden, von den H\u00e4usern, die keinen Ausgang haben und den Hunden, die merken, da\u00df ihre Herrchen alt werden, besipielsweise und und und&#8230;.<\/p>\n<p>Lesen w\u00fcrde ich noch einmal empfehlen, umMario Hladiczs Talent kennenzulernen, aus dem\u00a0\u00a0 Alltag Kunst zu machen und die Kunst in den Alltag hin\u00fcberzubringen, was mir, meine Leser wissen es, ganz besonders gef\u00e4llt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt eingeklemmt zwischen den Neuerscheinungen von &#8220;K&amp;S&#8221; und &#8220;Kiwi&#8221; ein wenig Lyik aus dem &#8220;Keiper-Verlag&#8221;, den ich ja einmal auf der &#8220;Buch-Wien&#8221; durch Andrea Stift kennenlernte und dessen Gedichtb\u00e4nde von Petra Ganglbauer und Ingeborg G\u00f6rler ich inzwischen gelesen habe &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=50648\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[26,3139,3873,590],"class_list":["post-50648","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-neuerscheinung","tag-keiper-lyrik","tag-mario-hladicz","tag-oesterreichische-gegenwartsliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50648","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50648"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50648\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}