{"id":51118,"date":"2017-04-17T00:09:01","date_gmt":"2017-04-16T22:09:01","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=51118"},"modified":"2017-04-17T00:09:01","modified_gmt":"2017-04-16T22:09:01","slug":"der-liebesdilettant","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=51118","title":{"rendered":"Der Liebesdilettant"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/04\/14\/ich-dylan-ich\/\">Noch ein Buch<\/a> aus dem <a href=\"http:\/\/verlag-wortreich.at\/buecher\/der-liebesdilettant\/\">&#8220;Wortreich-Verlag&#8221; <\/a>und eine Entdeckung eines wahrscheinlich nicht so bekannten ober\u00f6sterreichischen Autors.<\/p>\n<p>Dabei habe ich den1961 in Bad Ischl geborenen Andreas Tiefenbacher, der deutsche Philologie studierte, in Wien und in\u00a0 Bad Goisern lebt und seit 1995 bei der GAV ist, schon bei mindestens einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/07\/zweimal-alte-schmiede\/\">Lesung<\/a> geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/16\/recherchetag-und-bernhard-fritsch-briefwechsel\/\">Thomas Bernhard<\/a> l\u00e4\u00dft gr\u00fc\u00dfen, k\u00f6nnte man bei der zart melancholischen Geschichte \u00fcber den jungen Wenzel Wurm, zitieren, die B\u00fccherliebe, ein Thema, das mir ja auch sehr vertraut ist, wenn ich es auch wahrscheinlich ganz anders <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">verarbeite<\/a>, taucht auf, die anbeblich so Wienerische Todessehnsucht und noch vieles anderes.<\/p>\n<p>Wenzel Wurm, man beachte den wahrscheinlich nicht zuf\u00e4llig <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/11\/aktueller-korrekturbericht\/#comments\">gew\u00e4hlten Namen,<\/a> ist achtundzwanzig und lebt als Zivildiener im Salzkammergut. Er hat ein Germanistik und Kunstgeschichtsstudium hinter sich, lebt bei einer Freundin namens Marion, die ganz anders ist als er, n\u00e4mlich schnell und sportlich, w\u00e4hrend er als Rettungsfahrer durch die Gegend f\u00e4hrt und am Leben scheitert, sich in dieses nicht hinein traut, ihm nicht gewachsen ist, etcetera.<\/p>\n<p>Ein sehr bekanntes und beliebtes Klischee k\u00f6nnte man meinen, vielleicht ist es auch nur eine ganz normale Entwicklungsstufe, die die jungen Menschen in das Leben machen. Zuerst kommt die Schule und das Studium, dann der Zivildienst oder das Heer bei den M\u00e4nnern. Eine Freundin braucht man auch und wenn man da nicht entsprechend hart genug, sondern sensibel \u00e4ngstlich oder sch\u00fcchtern ist, kommt es leicht zum sogenannten Scheitern.<\/p>\n<p>In der Literatur mu\u00df man das Normale, das, was wahrscheinlich in der einen oder anderen Form alle durchmachen, nat\u00fcrlich entsprechend \u00fcberh\u00f6hen und verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>So zitiert der Germanist Tiefenbacher Arthur Schnitzer und meint, er h\u00e4tte Wenzel Wurm, einen Liebesdilettanten genannt.<\/p>\n<p>Aber zuerst wird einmal ein wahrscheinlich ganz normaler Arbeitsalltag des Zivildieners geschildert, der alte Leute zur Dialyse fahren mu\u00df oder auch mal zu einem Unfall gerufen wird. Als Zivildiener bei der Rettung sieht man wahrscheinlich viel, was man mit Neunzehn oder auch schon mit Achtundzwanzig vielleicht nicht so leicht verkraften kann. So kauft sich Wenzel nach dem Arbeitstag eine Kiste Bier, verzieht sich damit auf dem Balkon. Die Freundin ist nat\u00fcrlich nicht zu Hause, geht danach in die Badewanne und schneidet sich die Pulsadern auf. Als Zivildiener bei der Rettung wei\u00df man nat\u00fcrlich, wie das richtig geht, dennoch ist Wenzel so betrunken, da\u00df der nicht tief genug trifft, so findet ihn die Freundin. Er wird gerettet, wird, nachdem er verspricht sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen, auf dem Spital entlassen und kann weiter bei der Rettung arbeiten.<\/p>\n<p>Der Zivildienst ist auch bald aus und so beschlie\u00dft Wenzel, um seine Beziehung zu retten, Marion auf eine Reise nach Griechenland einzladen. Die Rettung bleibt aber aus, denn Marion l\u00e4\u00dft ihn allein am Strand mit seinen B\u00fcchern liegen, trifft sich vielleicht mit anderen M\u00e4nnern. So kneift er aus, f\u00e4hrt zur\u00fcck, sucht in Wien seinen Freund Konstantin auf und fragt ihm ob er vorl\u00e4ufig bei ihm wohnen kann?<\/p>\n<p>Das geht, denn Stani kann nicht nein sagen. Wenzel braucht aber trotzdem einen Job und eine Wohnung, f\u00e4ngt, obwohl ja Germanist zuerst bei &#8220;Thalia&#8221; am Westbahnhof, als Verkaufsberater an. Verdient dort aber nicht genugt, so wechselt er ins Musikhaus D\u00f6blinger und im Lentos in Linz bewirbt er sich auch.<\/p>\n<p>Dabei trifft er im Zug auf eine Sch\u00f6ne, die er sich nicht recht anzusprechen traut. So gibt er wochenland Announcen auf, um sie zu finden. Trifft sie dann auch in einem Konzert wieder und als sie zu Ostern in die Musikalienhandlung kommt, um nach einem Lied zu fragen &#8220;Bist du bei mir geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh&#8221;, eine Arie von Bach, kneift er wieder aus, verl\u00e4\u00dft den Landen und rennt davon. So weit, so what.<\/p>\n<p>Er wird entlassen, f\u00e4ngt an Rezensionen zu schreiben, eine Wohnung hat er inzwischen auch gefunden und geht in Internetforen, wo er verschiedene Frauen trifft, deren Liebschaften und das Scheitern mehr oder weniger genau beschrieben werden.<\/p>\n<p>R\u00fcckblenden in die Kindheit, zu der schlagenden Mutter und den Gro\u00dfm\u00fcttern gibt es auch und dann tauchen kurz eine Nadja, eine Lea, die sich aber Cosima nennt auf, bis es ein Kapitel \u00fcber eine Franka oder Franiska gibt, die eine Liebe zu einem Italiener hat, nach dem sie ihren Zwerghasen nennt.<\/p>\n<p>Zu der beginnt er eine Beziehung, die ziemlich kompliziert verl\u00e4uft. Sie t\u00f6tet seinetwegen auch ihren Hasen, den sie dann weinend am Donauhafen versorgt, magert ab, und macht noch allerlei, was meiner Meinung nach viel zu fl\u00fcchtig erz\u00e4hlt wird, bis sich dann Wenzel in der Berndhardschen Manier aus dem Fenster\u00a0 und auf einen Lastwagen mit Textilplane st\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Das hat sein Schutzengel f\u00fcr ihn arrangiert, da\u00df ihm nicht viel passiert. Das Leben geht wahrscheinlich weiter, das Buch ist aus und ich habe dank &#8220;Wortreich&#8221; eine sehr interessante Entdeckung eines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/29\/europa-erlesen-salzkammergut\/\">nicht so bekannten \u00f6sterreichischen Autors gemacht,<\/a> denn mir hat die Schilderung eines eher sch\u00fcchternen jungen Mannes und sein Weg in das Leben sehr gefallen, obwohl ich wahrscheinlich zwei B\u00fccher daraus gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das erste h\u00e4tte den Tag als Zivildiener,\u00a0 seine Arbeits- und Liebessuche in Wien, das alles eher episodenfhaft beschrieben, umfasst. Das zweite Buch w\u00e4re eine genauer ausgef\u00fchrte Beziehung zu Franka geworden. Ein bi\u00dfchen h\u00e4tte ich das Buch von den Klischees und literarischen Anspielungen befreit, obwohl die wie Wenzel in das Gasthaus Blauensteiner str\u00fcmt und dort Fotos von Hermann Sch\u00fcrrer und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/12\/das-doderer-buch\/\">Heimito von Doderer<\/a> sieht und dazu Anekdoten erz\u00e4hlt, sehr interessant ist und das zuviel an den Geschehen und\u00a0 Zuf\u00e4llen weggenommen.<\/p>\n<p>Aber sonst hat mir das Buch des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/17\/oberoesterreich-erforschen\/\">ober\u00f6sterreichischen <\/a>Autors gefallen und kann es jeden, der sich f\u00fcr die \u00f6sterreichische Literatur abseits von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\">Bernhard<\/a> und Schnitzer interessiert, empfehlen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/10\/erich-hackls-antwort-auf-thomas-stangl\/\">Erich Hackl <\/a>hat dazu noch: &#8220;Tiefenbacher ist ein unerbittlicher Chronist der Ungleichzeitigkeit, der Tatsachen also, dass der Alltag der Menschen nicht mit ihren W\u00fcnschen und Trieben Schritt h\u00e4lt&#8221;, auf den Buchr\u00fccken geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein Buch aus dem &#8220;Wortreich-Verlag&#8221; und eine Entdeckung eines wahrscheinlich nicht so bekannten ober\u00f6sterreichischen Autors. 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