{"id":5115,"date":"2010-12-10T09:56:40","date_gmt":"2010-12-10T08:56:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5115"},"modified":"2010-12-10T09:56:40","modified_gmt":"2010-12-10T08:56:40","slug":"drei-manner-im-schnee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5115","title":{"rendered":"Drei M\u00e4nner im Schnee"},"content":{"rendered":"<p>Erich K\u00e4stners 1934 geschriebenen Roman &#8220;Drei M\u00e4nner im Schnee&#8221; gab es 2003 in \u00d61 am Sonntagmorgen in Fortsetzungen, da habe ich den Anfang vers\u00e4umt, sp\u00e4ter die Folgen begierig verfolgt (bin dabei zweimal nach Graz zum \u00d61 Quiz gefahren), denn Geschichten von Million\u00e4ren und armen Schluckern, die die sch\u00f6ne junge Erbin und einen Job in der Vorstandsetage kriegen, faszinieren immer und in meinen B\u00fccher kommen auch solche m\u00e4rchenhaften Begegnungen vor, die dann der Patrick  kritisiert. So habe ich also sehr bedauert, da\u00df ich von K\u00e4stner nur einige Kinderb\u00fccher, &#8220;Fabian&#8221; und die &#8220;Verschwundene Miniatur&#8221;, aber nicht die &#8220;Drei M\u00e4nner im Schnee&#8221; besitze, wozu gibts aber den offenen B\u00fccherschrank und es passt auch gut in die Winterszeit, obwohl es nicht zu Weihnachten spielt.<br \/>\n&#8220;Drei M\u00e4nner im Schnee&#8221; ist also ein Buch \u00fcber Million\u00e4re, was in zwei Vorworten erkl\u00e4rt wird, wie es dazu kam, das Buch zu schreiben.<br \/>\nMillion\u00e4re sind aus der Mode gekommen und als k\u00fcnstlerisches Motiv ungeeignet, wird da behauptet, was f\u00fcr unsere Zeit nicht mehr stimmt, denn da werden, wie man in den Zeitungen lesen kann, die Million\u00e4re immer mehr und die Schwere zwischen arm und reich immer gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\n1934 gab es in Deutschland aber auch eine Wirtschaftskrise und der 1899 in Dresden geborene und 1974 in M\u00fcnchen gestorbene Satiriker hat sich in seinen B\u00fccher mit diesem Thema auch sehr auseinandergesetzt.<br \/>\nEs geht in dem Buch also um den innerlich Kind gebliebenen Geheimrat  Tobler, den ganz Deutschland und ein bi\u00dfchen mehr geh\u00f6rt, in seiner Villa mit dem Diener Johann, der Hausdame Frau Kunkel, dem Dienstm\u00e4dchen Isolde und seiner Tochter Hilde lebt, gerne Nudelsuppe mit Rindfleisch i\u00dft, Kognak und siamesische Katzen mag und sich bei dem Preisausschreiben seiner Putzblank-Werke beteiligt hat und dabei den zweiten Preis, zwei Wochen Aufenthalt in einem Hotel in den Alpen gewinnt. Was das Kind im Multimillion\u00e4r veranla\u00dft sich bei einem Tr\u00f6dler als Sandler einzukleiden und als solcher im Grandhotel aufzukreuzen. Zur Sicherheit nimmt er seinen Diener Johann mit, der mu\u00df sich als Reeder ausgeben und das Schifahren lernen. Damit der Papa aber nicht am ersten Tag hochkantig hinausfliegt, ruft Tochter Hilde im Hotel an und erkl\u00e4rt, wer der arme Schlucker ist und seine Katzen, einen hei\u00dfen Ziegelstein und einen Masseur im Zimmer braucht. Das tuen der Hoteldirektor und der Portier Onkel Polter auch sogleich und kl\u00e4ren auch die Stammg\u00e4ste auf. Sie verwechseln nur den ersten mit den zweiten Preistr\u00e4ger, denn den ersten Preis hat auch so ein arbeitsloster Schlucker gewonnen, n\u00e4mlich Dr. Hagedorn, ein Reklamefachmann, der mit seiner Mutter in Berlin lebt und schon seit Jahren s\u00e4mtliche Preisausschreiben mit trendigen Werbespr\u00fcchen gewinnt und in Luxushotels urlaubt, eine Stelle hat f\u00fcr ihn aber niemand, was wieder in unsere Zeit der Praktika und Prekariatsstellen passt.<br \/>\nDr. Hagedorn wird also f\u00fcr den Million\u00e4r gehalten, bekommt die Luxussuite mit den siamesischen Katzen und die alleinstehenden oder auch verheirateten Stammg\u00e4ste st\u00fcrzen sich auf ihn, w\u00e4hrend Geheimrat Tobler der sich Eduard Schulze nennt in die ungeheizte Dachkammer ausgelagert  und zu Hilfsdiensten herangezogen wird, was das Kind im Mann sehr genie\u00dft.<br \/>\nDer Diener Johann alias Herr Kesselhuth b\u00fcgelt die versandelte Hose und treibt einen Heizstrahler auf, Herr Schulze freundet sich auch gleich mit Fritz Hagedorn an und die drei M\u00e4nner bauen vergn\u00fcgt den Schneemann Kasimir. Herr Schulze kommt zum Spielen mit den Katzen in die Luxussuite und nascht von Fritz Hagedorns Rindfleischsuppe, w\u00e4hrend Herr Kesselhuth verspricht Hagedorns Entw\u00fcrfe zu Geheimrat Tobler zu schicken, weil er sehr initme Beziehungen zu dem Million\u00e4r hat. Johann macht sich auch Sorgen \u00fcber die schlechte Behandlung des Geheimrats und schreibt an Fr\u00e4ulein Hilde einen Brief. E-mails und SMS gab es damals ja noch nicht, so hat auch Mutter Hagedorn den ersten Brief an ihren Fritz schon geschrieben, als sich dieser noch im Fleischerladen den Reiseproviant besorgte. Es kommt, wie es kommen mu\u00df. Hilde Tobler reist mit der Hausdame, die sie Tante Julchen nennt in die Alpen und  lernt im Bus Dr. Hagedorn kennen. Die beiden verlieben und verloben sich, denn Dr. Hagedorn hat inzwischen von den Toblerwerken ein Angebot bekommen in die Reklameabteilung einzutreten. Das ist den luderlichen Damen ein Dorn im Auge, die sich den Million\u00e4r schnappen wollen, so bekommt Eduard Schulze zweihundert Mark geboten, wenn er das Hotel  verl\u00e4\u00dft. Der hat indessen die Lust am Tiefstapeln verloren, verschenkt das Geld an den Kellner und den Schneeschaufler mit dem er die Eisbahn s\u00e4uberte, f\u00e4hrt mit seiner Gefolgschaft ab und beschlie\u00dft das Hotel zu kaufen, um den Direktor und den Portier zu entlassen, was aber nicht gelingt, weil es ihm schon l\u00e4ngst geh\u00f6rt&#8230;<br \/>\nDer arbeitslose Akademiker bekommt die Prinzessin und wird die v\u00e4terliche Firma leiten, weil sich der Geheimrat gemeinsam mit Mutter Hagedorn den Enkelkindern widmen will.<br \/>\nEin packendes M\u00e4rchen \u00fcber Deutschland der Drei\u00dfigerjahre, vor allem wenn man  wei\u00df, was nachher kam, bzw. es mit unserer Wirtschaftskrise  vergleicht. Ein kleines bi\u00dfches hat sich inzwischen ja ver\u00e4ndert, so werden die Frauen nicht mehr als liderliche Luxusweibchen bzw. reine Jungfrauen dargestellt. Erich K\u00e4stners etwas problematische Beziehung zu seiner Mutter, wird in der zwischen Fritz und Frau Hagedorn widergespiegelt, die \u00fcbrigens ziemlich kleinkarierte Ansichten hat, aber  ihren Fritz sehr liebt und Reklamefachm\u00e4nner, die zwar jedes Preisausschreiben gewinnen, aber keinen Job bekommen, soll es bei uns inzwischen ebenfalls geben, nur finden die meist keine Million\u00e4rst\u00f6chter im Schnee und geb\u00e4rden sich auch ein wenig moderner, weil sie ja wahrscheinlich Handies und I-Pots haben und mit Kreditkarte und \u00dcberziehungsrahmen ein wenig besser leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erich K\u00e4stners 1934 geschriebenen Roman &#8220;Drei M\u00e4nner im Schnee&#8221; gab es 2003 in \u00d61 am Sonntagmorgen in Fortsetzungen, da habe ich den Anfang vers\u00e4umt, sp\u00e4ter die Folgen begierig verfolgt (bin dabei zweimal nach Graz zum \u00d61 Quiz gefahren), denn Geschichten &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5115\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5115","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5115"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5115\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}